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Mensch Mahler | Die Podcast Kolumne
Silvester Horror
251211PC Kann denn Böllern Sünde sein?
Mensch Mahler am 11.12.2025
Ich bin gerade im Silbertal in Österreich. Vor einigen Jahren flog eine verirrte Silvesterrakete auf den Dachboden des direkt unter unserer Wohnung ansässigen Hotels Hirschen. Der Laden brannte komplett aus. Wurde wieder neu aufgebaut. Seitdem gilt im Ortskern der romantischen Gemeinde Silbertal absolutes Böllerverbot.
In Deutschland gibt es Jahr für Jahr hunderte Tote, Verletzte, verstümmelte durch Silvesterböller. Allerdings das ganze Jahr. Denken wir daran, was in Fußballstadien gebacken ist durch Pyrotechnik. Die Polizei muss die Sicherheitsmaßnahmen immer weiter hochfahren. Überstunden, erhöhter Personalaufwand, Rettungsdienste, Notaufnahmen – der reinste Horror. Warum greift das einfache Verbot von Verkauf von Pyrotechnik und Böllern das ganze Jahr über nicht? Ganz einfach: Die Innenminister der Länder fürchten um ihren Wahlerfolg, wenn sie ein Verbot aussprechen. Und nehme n in Kauf, dass besoffene Vollpfosten Kindern das Augenlicht nehmen, Verstümmelungen verursachen und und und …
Wann ist endlich Schluss mit diesem Wahnsinn? Der Staat hat die Pflicht, seine Bürgerinnen und Bürger zu schützen an Leib und Leben. Ein Verbot des Verkaufs von Pyrotechnik und Böller – jetzt und sofort. Ohe Wenn und Aber. Keine Ausflüchte mehr. Ihr, die ihr das weiter zulasst, seid für mich unwählbar. Aber es ist genauso wie mit der Zeitumstellung: Man heuchelt Verständnis, sagt, dass man was tun will – immer 5 vor 12 – und dann ist das ganze Jahr Ruhe. Das ist heuchlerisch. Wer diesen Politikstil mitmacht ist selbst schuld und sollte sich nicht beklagen. Keine Krokodilstränen bitte!
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902. Flieg Friedenstaube
02:12||Season 5, Ep. 902260902PC Flieg, Friedenstaube, flieg!Mensch Mahler am 02.09.2026Am ersten September ist Weltfriedenstag. Allerdings sind wir aktuell weit vom Weltfrieden entfernt. Der Krieg in der Ukraine, der in Syrien, die neuerlichen Raketenangriffe in Gaza und Israel, der angekündigte türkische Feldzug gegen die Kurden in Nordsyrien und das Säbelrasseln um den Inselstaat Taiwan belegen das eindeutig. Die USA sind letztes Wochenende wieder Einsätze gegen den Irak geflogen. Dabei geht es einerseits darum, dem anderen seinen politischen Willen aufzuzwingen und um Macht über den anderen. Leidtragend ist immer die Zivilbevölkerung. Das kann und darf nicht das Maß der Dinge sein, wenn man von Frieden redet. Wie man aus der Geschichte weiß, haben Kriege in den wenigsten Fällen eine positive Veränderung herbeigeführt. Andererseits gibt es auch die Angegriffenen. Deren Recht auf Selbstverteidigung ist uneingeschränkt gültig, obwohl wir den Krieg als solches generell ablehnen. Man muss sich fragen, wie man selbst reagieren würde, wenn der Nachbar einen überfällt. Krieg muss aufhören und sollte als Lösung politischer Konflikte nie wieder in Betracht kommen.Angesichts der weiteren Aufrüstung in der Ukraine durch den Westen werden meine Zweifel immer größer, ob dieser Abnutzungskrieg irgendeinem hilft – außer den Rüstungskonzernen. In Deutschland denken wir derzeit darüber nach, wie man Arbeitsplätze, die in der Automobilindustrie verloren gehen mit neuen Arbeitsplätzen in der Rüstungsbranche aufgefangen werden können. Ich vermisse irgendwelche diplomatischen Initiativen. Eines ist klar: Frieden kann nur werden, wenn beide Seiten kompromissbereit sind. Das ist das Wesen der Diplomatie. Am Weltfriedenstag, den wir gestern begangen haben, müssen diese Gedanken unbedingt in der Politik – auch der deutschen Politik – wieder eine Rolle spielen. Olaf Schloz hat es wenigstens probiert – Friedrich Merz kennt offensichtlich nur Säbelrasseln. Fazit: Die Friedenstauben sind am Boden. Es wird Zeit, dass wir wieder daran glauben, dass wir sie wieder zum Fliegen bringen können, anstatt nur noch fatalistisch die Kriege und bewaffneten Konflikte zu bedauern.
831. Uschi for Queen!
02:15||Season 5, Ep. 831260831PC König Harald ist tot – Zeit für eine europäische Monarchie Reisetagebuch Tag 21Mensch Mahler am 31.08.2026Die Nachricht schlägt auf dem Hutigrutenschiff ein wie eine Bombe: König Harald von Norwegen ist tot. Zeremonie an Deck, Fahnen auf Halbmast, alle Veranstaltungen an Bord, die wir schon bezahlt hatten, wurden abgesagt. Jetzt ist Trauer angesagt – für Einheimische und für Touristen wie mich, obwohl ich mit der Monarchie im Allgemeinen und mit Harald im Besonderen nichts am Hacken habe. Zeit, um über die Monarchie im Allgemeinen und über Europas Königshäuser im Besonderen nachzudenken. Natürlich zuallerst wegen des Königs der Welt, seiner Mäjestät Donald John Trump dem Ersten und Einzigen.Die Briten zeigen aktuell, wie man Donald Trump beeindrucken kann: Mit hochherrschaftlichen Schlössern, Marschmusik und lustigen Gewändern. Da können dann auch mal die Verhandlungen um Zölle etwas sanfter ausfallen. Müsste Europa von dieser Taktik nicht lernen und Ursula von der Leyen zur Queen schlagen? Wie könnte das gehen? Nun, die verbliebenen gestrigen Monarchien in Europa müssten sich zusammentun und auslosen, welcher König oder Kronprinz Uschi heiraten könnte. Man könnte ihm eine hohe Schmerzensgeld-Provision zahlen, denn wer will schon ein Flintenweib zur Gattin, wenn auch nur nach dem Protokoll und nicht im königlichen Schlafgemach – aber Königin Ursula die Scharfe wäre im Adelsstand. So gesehen stünde einer Ernennung zur Königin von Europa nichts mehr im Wege. Und wir Deutschen hätten – zwar über Umwege - aber immerhin nach Kaiser Wilhelm wieder ein gekröntes Haupt gestellt. Schöner Nebeneffekt: auch Zar Vladimir Vladimirowirsch Putin der Kleine wäre sicherlich beeindruckt und Friedensverhandlungen zwischen Russland, Europa und den USA stünde nichts mehr im Wege. Monarchie hat ja schon immer einen Beitrag zum Weltfrieden geleistet. Andere Völker führen Kriege. Du aber, glückliches Österreich, heirate. Die Habsburger haben es vorgemacht. Und Österreich ist ja – wenn auch nicht wirklich – aber doch irgendwie Europa. Felix Austria.
830. Nichts mehr zur retten
04:40||Season 5, Ep. 830260830PC Nicht mehr zu retten Reisetagebuch Tag 20Mensch Mahler am 30.08.2026Ich bin jetzt am letzten Tag auf dem Schiff. Ich sitze auf Deck 7 in einem Luxussessel mit phänomenaler Sicht auf Inseln und Fjorde. Ich spreche den Podcast hier ein – daher auch die Nebengeräusche. Ich wollte es ja nicht wahrhaben – aber Hurtigruten ist eben doch eine Kreuzfahrt. Ich habe Kreuzfahrten immer abgelehnt. Unnötig, umweltschädlich. Luxus für wenige, die es sich leisten können, die ganze Welt, all ihre Schönheit und all ihr Elend, von einem Luxusdampfer anzustarren. Jetzt habe ich knapp zwei Wochen hinter mir – und die Menschen, die mich hier umgeben, öden mich an. Ich weiß, ich gehöre dazu. Deshalb nehme ich mich ausdrücklich rein in den Song von Clara Louise.Wie ein Haufen Vollidioten lauft ihr durch die WeltWas für andere Menschen Liebe ist, das ist für euch das GeldIhr kauft euch Glück mit Alkohol, mit Parties und mit KoksDoch diese Leere in euch drin, die werdet ihr nicht losIhr verpestet die Welt mit euren schwarzen SeelenUnd es liegt auf der Hand das Weichgehirn zu empfehlenIch sag's euch gern, da gibt es nichts mehr zu rettenEs fällt euch schwer zu verstehen, doch ihr seid nicht mehr zu rettenEs war von Anfang an klar, bei euch gibt's nicht mehr zu rettenUnd es bleibt alles wie es war, es gibt ja nichts mehr zu rettenWie ein Haufen Besserwisser lauft ihr durch die WeltUnd ohne jene Ahnung glaubt ihr, dass nur eure Meinung zähltNach außen seid ihr ja so stark, abends schlaft ihr bei Mama einSo viele Menschen überall und trotzdem seid ihr ganz alleinOh, ihr verpestet die Welt mit euren schwarzen SeelenUnd es liegt auf der Hand das Weichgehirn zu empfehlenIch sag's euch gern, da gibt es nichts mehr zu rettenEs fällt euch schwer zu verstehen, doch ihr seid nicht mehr zu rettenEs war von Anfang an klar, bei euch gibt's nicht mehr zu rettenUnd es bleibt alles wie es war, es gibt ja nichts mehr zu rettenIhr verpestet die Welt mit euren schwarzen SeelenUnd es liegt auf der Hand das Weichgehirn zu empfehlenIch sag's euch gern, da gibt es nichts mehr zu rettenEs fällt euch schwer zu verstehen, doch ihr seid nicht mehr zu rettenEs war von Anfang an klar, bei euch gibt's nicht mehr zu rettenUnd es bleibt alles wie es war, es gibt ja nichts mehr zu rettenJa, wenn wir, wenn ich so weiter mache, dann gibt es nichts mehr zu retten. Für mich nicht und für die Welt nicht. Haben oder sein – der Klassiker von Erich Fried sagt es schon lange. Wenn wir endlich dem Sein mehr Wert geben würden und uns nicht von Haben blenden lassen würden … Wie ein Haufen Besserwisser lauft ihr durch die WeltUnd ohne jene Ahnung glaubt ihr, dass nur eure Meinung zähltNach außen seid ihr ja so stark, abends schlaft ihr bei Mama einSo viele Menschen überall und trotzdem seid ihr ganz alleinOh, ihr verpestet die Welt mit euren schwarzen SeelenUnd es liegt auf der Hand das Weichgehirn zu empfehlenIch sag's euch gern, da gibt es nichts mehr zu rettenEs fällt euch schwer zu verstehen, doch ihr seid nicht mehr zu rettenEs war von Anfang an klar, bei euch gibt's nicht mehr zu rettenUnd es bleibt alles wie es war, es gibt ja nichts mehr zu rettenIhr verpestet die Welt mit euren schwarzen SeelenUnd es liegt auf der Hand das Weichgehirn zu empfehlenIch sag's euch gern, da gibt es nichts mehr zu rettenEs fällt euch schwer zu verstehen, doch ihr seid nicht mehr zu rettenEs war von Anfang an klar, bei euch gibt's nicht mehr zu rettenUnd es bleibt alles wie es war, es gibt ja nichts mehr zu retten
829. Keine Menschenopfer!
02:21||Season 5, Ep. 829260829PC Religion fordert Opfer Reisetagebuch Tag 19Mensch Mahler am 29.08.2026Ich komme hier in Norwegen an vielen Kultstätten vorbei. Wikinger, später Christen aller Couleur haben Götter verehrt und Kultstätten errichtet, zu denen sie hin gepilgert sind. Immer wieder gab es Menschenopfer. Aktiv – Ketzer und Hexen wurden verbrannt – und passiv durch Unglücke wie regelmäßig bei Massenpaniken bei der Hadsch in Mekka. Es ist Mittwochvormittag in Nepal, als das Land von einer riesigen Flutwelle getroffen wird. Mindestens 273 Menschen sterben, Hunderte werden noch vermisst, darunter auch zahlreiche Touristen. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie Häuser, Fahrzeuge und Menschen von den Wassermassen mitgerissen werden. Die Katastrophe ereignete sich im Grenzgebiet zwischen Nepal und der zu China gehörenden Autonomen Region Tibet. In der Region befanden sich auch viele Pilger aus Indien, die nach Kailash in Tibet unterwegs waren - einem heiligen Ort für Hindus. Was die Flutwelle auslöste, wird noch untersucht. Die nepalesische Katastrophenschutzbehörde vermutet nach ersten Analysen von Satellitenbildern, eine Gletscherlawine könnte in einen Fluss gestürzt sein. Dadurch habe sich ein vorübergehender See gebildet, der anschließend über die Ufer getreten sei. Eine Flutwelle aus Wasser, Eis und Geröll habe dann flussabwärts die Schäden verursacht.Nach Angaben der Erdbebenwarte United States Geological Survey ergaben Analysen seismischer Daten und Satellitenaufnahmen, dass der Einsturz eines Gletschers in Tibet die Überschwemmungen ausgelöst haben.Der Gletscher liege in 5.200 Meter Höhe, wo er sich über eine Felskante schiebe. Dort sei er offenbar abgebrochen und mehr als einen Kilometer weit zum Talboden gestürzt. Womöglich habe das zuletzt warme Wetter in der Gegend eine Rolle gespielt.Auch wenn ich hier durch unberührte Natur schippere kann ich den Gedanken nicht verdrängen, dass menschengemachte Naturkatastrophen und falsch verstandene religiöse Praktiken Menschenopfer fordern. Erlösung sähe so aus: Ich habe genug und muss die Erde nicht weiter ausbeuten. Ich habe Frieden und muss keinem Gott durch religiöse Praktiken meine Ergebenheit beweisen.
828. Die Realität holt uns ein - verprassen oder vererben?
02:48||Season 5, Ep. 828260828PC Die Gegenwart holt uns ein. Reisetagebuch Tag 18Mensch Mahler am 28.08.2026Es gibt hier Menschen auf dem Hurtigruten-Schiff, die melden sich komplett vom Leben ab. Keine Nachrichten, keine Anrufe, kein social Media. Ich kann das nachvollziehen, das man sich so etwas im Urlaub wünscht. Für mich wäre es undenkbar, vielleicht liegt es daran, dass ich Journalist bin und einfach immer informiert sein will und muss.Jetzt hat mich die Realität so oder so eingeholt. Wir sind in Kirkenes. Die russische Grenze ist 13 Kilometer entfernt. Es wird empfohlen, die Handys auf Flugmodus zu stellen. Ein Mitreisender meint, er wolle einen Fuß auf die Grenzlinie stellen. Schlechte Idee – bei einer der vorigen Fahrten meinte ein Italiener, rübergehen zu müssen. Er wurde verhaftet – Stunden später wurde er gegen eine Zahlung von 1.200 Euro freigelassen. Er erhielt außerdem Einreiseverbot auf Lebenszeit.Aber auch auf anderen Ebenen holt uns die Wirklichkeit ein. Auf dem Schiff sind überwiegend ältere Leute. Also die, die noch Rente bekommen und sie auch kräftig ausgeben, anstatt alles an Kinder und Enkel zu vererben. Auf einem Campingplatz sah ich mal ein großes Wohnmobil mit der Aufschrift: „Wir verprassen das Erbe unserer Kinder“. In Gesprächen mit Mitreisenden stellen wir fest, dass viele von ihnen kein gutes Verhältnis zu ihren Kindern haben. Da erkundigen sich Geschwister untereinander schon einmal, wieviel die Eltern für die Reise ausgegeben haben. Überhaupt: Das Thema Generationengerechtigkeit und die Frage, was für die nachfolgenden Generationen übrigbleibt, wenn wir fertig haben, verfolgt uns auf Schritt und Tritt. Die Früchte der lebenslangen Arbeit fröhlich genießen und trotzdem Maß halten und nicht verprassen, was man hat, das ist ein Balanceakt. Ich war einmal auf einem Seminar für Erbschaftsmarketing. Da sind manche Organisationen sehr aggressiv unterwegs. Typisches Gespräch im Altenheim: „Wann haben sie ihre Kinder das letzte Mal besucht? Und denen wollen sie alles geben? Sie können guten Gewissens uns einen Teil ihres Erbes geben und nicht alles ihren undankbaren Kindern. Und sie tun dabei noch etwas Gutes“. Leider muss ich feststellen, auch aus meiner Seelsorge-Praxis, dass fast kein sogenannter Erbfall ohne Streit in der Familie zu Ende geht. Da kann man vorsorgen so viel man will – eine oder einer fühlt sich garantiert benachteiligt.Unser Hurtigruten-Schiff hat gerade die Rückreise in den Süden angetreten. Wir fahren wieder nach Hause – zurück in die Realität. Ob wir sie ausgeblendet hatten oder nicht – sie holt uns immer wieder ein.
M & M unsere Reisleiterin Mateja und Partner Marko
02:05|260827PC M & M Mathea und Marko Reisetagebuch Tag 17Mensch Mahler am 27.08.2026Heute gibt es nur ein Tondokument, keinen Text. Wir haben eine tolle Reiseleiterin auf dieser Hurtigruten-Tour, sie arbeitet im Reisebüro des Automobilclubs Europa. Weil sie 41 Gäste zu betreuen hat, hat sie Verstärkung mitgebracht: Marko, ihren Partner, der eigentlich Oberpolier bei der großen Stuttgarter Baufirma Züblin ist. Er hat Urlaub genommen, um Mathea zu unterstützen. Ich habe die beiden gefragt, was ihnen an dieser Seereise gefällt.
826. Full Circle
04:57||Season 5, Ep. 826260826PC Die Erde ist keine ScheibeMensch Mahler am 26.08.2026Eigentlich ist diese Erkenntnis uralt. Die Erde ist keine Scheibe. Es gibt keinen Anfang und kein Ende. Ich weiß nicht mehr, wie alt ich war. Vielleicht 12 oder 13. Wir wohnten in einem großen Haus, 5 Generationen. Meine Urgroßmutter, die 100 wurde, meine Großmutter, meine Eltern und wir 3 Kinder. Meine Schwester hat, als sie mit ihrem Mann in diesem Haus wohnte, ihre Tochter bekommen. So war der Kreislauf des Lebens jeden Tag präsent.Ich wohnte mit meinem Bruder in einem Zimmer im 2. Obergeschoss. Nachts lag ich manchmal auf dem Fensterbrett und starrte in den Nachthimmel. Sternenklar. Unendlich. Ich stellte mir vor, dass da irgendwo ein Ende sein müsste. Eine Mauer oder so etwas. Aber mir war gleichzeitig klar, dass es keine Mauer gibt. Nur endlose Weite. Und ich bin fast verrückt geworden, weil ich mir das nicht vorstellen konnte. Also wandte ich mich der Zeit zu. Was war, bevor die Welt erschaffen wurde? Nichts gibt es ja nicht. Was wird sein, wenn auf diesem Planten kein Leben mehr möglich sein wird? Danach muss ja etwas kommen. Aber was? Und wann ist Schluss? Und was kommt danach?Diese Gedanken habe ich nie mehr loslassen können. Gestern stand ich am Nordkap und habe bis zum Horizont geschaut. „Hinter dem Horizont geht’s weiter“ singt Udo Lindenberg. Klar, die Erde ist ja auch keine Scheibe, sondern eine Kugel. Von einer Scheibe könnte man an der Kante abstürzen. Wohin? Ins Nichts? In eine wie immer geartete Unterwelt? Und dann kam die Little River Band in mein Leben. Full Circle heißt der Song. Wie es am Anfang war, so wird es am Ende sein. Unser Kreis wird sich schließen und wir beginnen von vorne. Seitdem meine ich, dass die abrahamitischen Religionen mit ihrem Zeitstrahldenken falsch liegen. Er Hinduismus, der Buddhismus und viele andere Weltanschauungen kennen das nicht. Sie kennen den Kreis. Den Full Circle. Die Reinkarnation – wie auch immer. Ich mag mir da nichts Konkretes darunter vorstellen. Ich weiß nur, dass ein Samenkorn in die Erde fällt und stirbt – und daraus wächst neues Leben. Von der Erde bist du genommen und zur Erde kehrst du zurück. Wieder und wieder. Das ist der Kreislauf des Lebens. Ohne Anfang, ohne Ende.
825. Wasser - Ursprung und Zukunft des Lebens
02:46||Season 5, Ep. 825260825PC Die Zukunft liegt in der VergangenheitMensch Mahler am 25.08.2026So eine Bootsfahrt mit einem Speed-Schlauchboot ist herausfordernd. Eingepackt in einen dicken Anzug, mit Skibrille, fetten Handschuhen und Rettungsweste ausgestattet fliegen wir über den Fjord, hinaus aufs offene Meer. 60 Stundenkilometer, sorry, wegen der Wellen geht es nicht schneller. Wir klammern uns an den Haltegriff, die Sitze sind als Sättel ausgeformt. Achten sie auf ihren Rücken, benutzen sie die Beine als Dämpfer! Ich werde morgen Muskelkater in den Oberschenkeln haben. Aber die Fahrt ist überaus aufschlussreich. Wir erfahren etwas über die verschiedenen Epochen der Eiszeiten, über das Zusammenschieben der amerikanischen und der eurasischen Erdplatte, die Skandinavien gebildet haben. Vor 400 Millionen Jahr waren die Berge Norwegens vermutlich bis zu 10.000 Meter hoch. Durch Erosion, Wind, Wetter und Eis sind maximal 2.500 Meter übriggeblieben. Und der Mensch – ein Hauch in der Geschichte unseres Planeten. Es gibt ihn noch nicht sehr lange und ich frage mich immer wieder, warum wir glauben, dass es unsere Daseinsform als Homo Sapiens und als individuelle Wesen in Ewigkeit geben sollte? Nichts spricht dafür, vieles spricht dagegen. So what?Ich bekomme viele Antworten, was das Überleben der Menschheit angeht. Der Ursprung des Lebens liegt im Wasser. Die Zukunft vermutlich auch. Denn: Die Schätze des Meeres sind endlos. Wir fahren an einer Lachsfarm vorbei. Eine von Hunderten, allein in Norwegen. In zehn großen Ringen wachsen in einem Jahr 1 Million Lachse a 5 Kilogramm heran. Jahr für Jahr. Norwegen ist der größte Lachsproduzent der Welt – und das ist nur eine Form der endlosen Ernährungsquellen, die das Meer bietet. Tang, Krill, Meeresfrüchte und Fische aller Art – so viel, das die Ernährungsprobleme der Welt ohne Probleme aufgefangen werden könnten. Viehzucht auf dem Land wäre völlig überflüssig und ist außerdem komplett uneffektiv. Meeresfrüchte und die Früchte der Bäume, Sträucher, Felder, Beeren und Nüsse – das ist immer noch mehr als genug.Mir gehen sehr viele Gedanken durch den Kopf auf dieser Reise. Zumal ich auch noch die Rache des Oktopus von Dirk Rossmann lese, wo es auch um das Überleben der Menschheit geht. Allen Krisen zum Trotz. Bisher leider nur eine schöne – oder beängstigende Utopie. Wir werden sehen, wohin die Reise geht. Ich denke, eher in die Endlichkeit als in die Unendlichkeit. Leben vergeht, neues Leben entsteht. In welcher Form auch immer.
824. Königskrabben und Polarkreis
02:02||Season 5, Ep. 824260824PC PolarkreistaufeMensch Mahler am 24.08.2026Gestern habe ich mich noch beklagt, dass mir Gruppenreisen auf einem Schiff keinen Spaß machen. Heute hat sich das Blatt gewendet. Wir haben den Polarkreis überfahren und dabei jede Menge Spaß gehabt. Zuerst haben wir uns auf Deck 7 mit YMCA und Macarena warmgetanzt. Dann kam der Meeresgott der Arctic und wir wurden mit Eiswasser getauft. Zumindest die oder der es wollte. Als Belohnung gab es ein Gläschen Sekt aufs Haus. Danach hat uns Marco, unser Chefsteward, Königskrabben gezeigt, die wir lebend an Bord haben. Morgen Abend werden sie verzehrt. Imposante Geräte, die allerdings ihren Preis haben. In Oslo kostet ein Menu 300 Euro, an Bord nur 130. Und dann gings mit dem Schlauch-Speed Boot zur größten Gezeitenströmung der Welt. In Saltstraumen beträgt der Tidenhub 2 Meter. Und führt zu gewaltigen Strudeln. Unser Bootsführer war erfahren genug, uns nicht in einen solchen Strudel hineinzufahren, sonst wären wir verloren gewesen.Und: wir haben in den letzten 2 Tagen sehr nette Mitreisende kennengelernt. Natürlich sind wieder mal viele Schwaben an Bord, aus Stuttgart, Filderstadt, Reutlingen, Dettingen – also unserem Nachbarstädtchen von Bad Urach.So gesehen wird es jetzt doch noch eine sehr interessante Reise – was die Eindrücke der Natur angeht aber auch die sozialen Kontakte. Was ist am Polarkreis so besonders? Im Winter wird es jenseits des Polarkreises nie hell, im Sommer nie dunkel. 24 Stunden lang. Ob wir Polarlichter sehen werden, ist noch nicht raus. Zu viele Wolken. Aber vielleicht haben wir Glück. Zum Wetter: nördlich des Polarkreises wird es nie wärmer als 11-12 Grad. Aber wir haben uns klamottenmäßig darauf eingestellt. Und so kann man an der erfrischenden Meeresluft auch Spaß haben.