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Mensch Mahler | Die Podcast Kolumne
O wie schön ist Panama
260316PC O wie schön ist Panama
Mensch Mahler am 16.3.2026
„Ist das Leben nicht unheimlich schön?“ fragt der Tiger eines Tages den Bären. Der antwortet schlicht und differenziert: Ja, das Leben sein „unheimlich und schön.“ Manchmal liegt die Wahrheit in einem Wort.
Janosch alias Horst Eckert ist am 11. März 95 Jahre alt geworden. Ein Leben ohne Janosch – beziehungsweise ohne seine 150 Bücher – Auflage 12 Millionen – ist ein Leben kaum vorstellbar. Mich haben Tiger, Bär und Ente auch durch meine Kindheit begleitet – und begleiten mich bis heute. Sehnsuchtsorte. „O wie schön ist Panama.“ Was ist das für ein Mensch, der heute zurückgezogen auf Teneriffa lebt?
Horst Eckert wurde 1930 in polnischen Zabrze geboren. Er wuchs mit einem ewig betrunkenen und gewalttätigen Vater und einer ebenfalls zur Gewalt neigenden Mutter auf. Janosch, wie er sich später nannte, litt unter dem strengen Katholizismus seiner polnischen Heimat und dem Gefühl, permanent schuldig zu sein. Die Familie flüchtete nach Oldenburg. Später landete Janosch am Ammersee und trank sich den Misserfolg schön. Nach einer abgebrochenen Schlosserlehre heuerte er in der Münchner Akademie an. Diese muss er wegen mangelndem Talent als angehender Autor verlassen. Horst Eckert versuchte sich als Künstler, seine Vorbilder waren Klee und Miro. Als es mit der Kunst nichts wurde, schrieb er Kinderbücher. Der Erfolg blieb auch mit diesem Projekt aus. Aus Racheakt erfand der den kuscheligen Bären. Der hat Freunde – und mit denen zieht er mit leichtem Gepäck durch die Welt. „O wie schön ist Panama“ ist geboren. Und diese Geschichte bringt ihm den internationalen Durchbruch. Von einem, der auszieht, das Glück zu finden und es schließlich zu Hause findet. Es ist Janoschs Geschichte – allein das Happy End fehlt. Eines Tages verbrannte Janosch alles, was er hatte und verließ Deutschland mit nichts als einer Tasche. So wenig wie nötig zu besitzen, war immer sein Lebensprinzip.
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906. Trennungsschmerz
04:11||Season 5, Ep. 906260906PC TrennungsschmerzenMensch Mahler am 06.09.2026Die Kleiderschränke platzen aus allen Nähten. Wir wissen nicht mehr, wohin mit unseren vielen Büchern. Meine das ganze Leben angesammelten Hi-Fi Komponenten nehmen unsinnig viel Platz weg. Leben mit leichtem Gepäck – das war wohl ein frommer Wunsch. Also: auf der letzten Wegstrecke – wir sind beide über 70 – sollte man sich trennen. Auch von liebgewordenem wie meine tolle komplette Revox-Anlage. Mit Bandmaschine, Mischpult und allem, was dazu gehört. Von Büchern – viele Kisten habe ich schon dem Antiquar gegeben. Theologische Literatur hat ein Doktorand und eine theologische Hochschule bekommen.Der Traum den ich als Jugendlicher einmal hatte, mit Gitarre auf der Schulter und Rucksack auf dem Rücken umherzuziehen, hat sich nicht erfüllt. Jetzt, wo wir unglaublich viel angesammelt hat, heißt es loslassen. Verschenken, den Trennungsschmerz aushalten. Das Hemd ist doch noch gut, das zerreißt einem Schwaben das Herz. Auch wenn es albern klingt. Wozu zwei Fahrräder? Ich kann sie doch nicht gleichzeitig fahren …. Dabei hat mich ein Leben lang ein Song von Hannes Wader begleitet, der meinem unsteten Gemüt Futter gegeben hat. Es ist anders gekommen – aber es ist nie zu spät, etwas zu ändern. Hannes Wader: Heute hier, morgen dort. Song Wader:Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fortHab' mich niemals deswegen beklagtHab' es selbst so gewählt, nie die Jahre gezähltNie nach Gestern und Morgen gefragt[Refrain]Manchmal träume ich schwer und dann denk' ich, es wär'Zeit zu bleiben und nun, was ganz andres zu tunSo vergeht Jahr um Jahr und es ist mir längst klarDass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war[Strophe 2]Dass man mich kaum vermisst, schon nach Tagen vergisstWenn ich längst wieder anderswo binStört und kümmert mich nicht, vielleicht bleibt mein GesichtDoch dem ein oder andern im Sinn[Refrain]Manchmal träume ich schwer und dann denk' ich, es wär'Zeit zu bleiben und nun, was ganz andres zu tunSo vergeht Jahr um Jahr und es ist mir längst klarDass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war
905. KI in der Medizin
02:41||Season 5, Ep. 905260905PC Rettet die KI unser Gesundheitswesen?Mensch Mahler am 05.09.2026In skandinavischen Lokalen ist es an der Tagesordnung: Wählen, bestellen und bezahlen per App, ein freundlicher Roboter fährt das Wägelchen mit den Tabletts an den Tisch, sie nehmen es herunter und aus. Kein Mensch dazwischen.Grundsätzliches zur KI: es nützt nichts, sie zu verteufeln. Das hat man mit jedem technischen Fortschritt zu allen Zeiten getan. Nein, man muss alles prüfen und das Gute behalten. Die zweifellos vorhandenen Gefahren erkennen, eindämmen und regulieren. Medizin und Pflege: Wir wissen es längst: Das ist von Menschen allein nicht mehr zu bewältigen. Wie gut, dass es die Technik gibt. Beispiel: Ein auffälliges Melanom auf der Haut lässt sich heute mit einer App hervorragend und mit großer Präzision diagnostizieren. Anderes Beispiel: In China gibt es in Shoppingmalls sogenannte „Gesundheitskioske“. Dort können sie – ohne irgendeinen Menschen einzuschalten – ihren Schnupfen diagnostizieren lassen, auf Knopfdruck kommt das passende Medikament aus der Wand und bezahlen können sie es auch per App an Ort und Stelle. Drittes Beispiel: Schon pränatal und im Verlauf des weiteren Lebens werden Unmengen von Daten über jeden von uns gesammelt. Wenn wir an CTs und ähnliches denken, sind das riesengroße Datenmengen. Sie müssen nur gesammelt und ausgewertet werden. Und ja: sie gehören ihnen. Die KI kann dann noch Wetterprognosen, Luftqualität und vieles mehr beimengen, eine Untersuchung und Bestimmung des Gen-Materials kommt dazu und sie bekommen beispielsweise eine relativ präzise Vorhersage, wohin die Reise geht und was sie präventiv tun können, um mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu erkranken. Schöne neue Welt? Werden MedizinerInnen überflüssig? Nicht ganz. Denn: Einer KI können sie nicht vertrauen. Sie hat auch kein Bauchgefühl und keine individuellen Erfahrungswerte, die auf sie zugeschnitten werden können.KI ersetzt also die Ärztinnen und Ärzte nicht. Die aber schon, die sich der KI verweigern. Denn sie verzichten auf einen riesigen Fundus an Daten, die über die Patienten existieren. Und seien es die von der Smartwatch oder dem Tracking-Armband. Gibt’s auch schon als Ringfinger. Menschliche Wärme, Zuspruch und Zuwendung – das geht mit Technik nicht. Das kann nur der Mensch als empathisches Beziehungswesen. Wichtig ist nur, dass wir die KI im Griff behalten und es nicht zulassen, dass sie über uns bestimmt. Und das ist schwer genug – aber gehen wir es an. Wir haben ohnedies keine Wahl.
804. Unter die Räuber gefallen
02:21||Season 5, Ep. 804260904PC RäuberbandenMensch Mahler am 04.09.2026Wenn die Gerechtigkeit beseitigt worden ist – was sind dann Staaten anderes als große Räuberbanden? Denn was sind Räuberbanden anderes als kleine Staaten? Auch eine Räuberbande ist eine Gruppe von Menschen. Sie wird durch den Befehl eines Anführers gelenkt und durch einen Gesellschaftsvertrag zusammengebunden, und das Erbeutete teilt man nach fester Vereinbarung unter sich auf. Wenn zu diesem üblen Gebilde immer mehr verkommene Menschen hinzukommen, und es so ins Große wächst, so dass es Regionen besetzt, Wohnorte gründet, Städte erobert und Völker niederwirft, dann nimmt dieses Gebilde ohne weiteres den Namen „Staat” an, der diesem Gebilde nunmehr öffentlich gegeben wird. Aber damit ist nicht die Habgier dieser Räuberbande erloschen, sondern sie hat erreicht, dass man sie für ihre Habgier nicht mehr bestrafen kann.Durchaus geistvoll und der Wahrheit entsprechend war deshalb die Antwort, die einst ein aufgegriffener Seeräuber Alexander dem Großen gab. Alexander der Große lebte von 356 – 323 vor Christus hat durch Eroberungsfeldzüge ein riesiges Reich errichtet, das das heutige Griechenland, die Türkei, Irak und Iran umfasste.Denn als der König den Mann fragte, was ihm einfalle, das Meer unsicher zu machen, antwortete der mit freimütigem Trotz: „Eben das, was dir einfällt: den Erdkreis unsicher zu machen. Aber weil ich es mit einem kleinen Schiff tue, werde ich Räuber genannt, du hingegen, weil du es mit einer großen Flotte tust, Imperator.Augustinus von Hippo, der den Text von den Räuberbanden verfasst hat, lebte von 354 bis 430 nach Christus. Der Staat als Räuberbande, der mit seinen Imperatoren imperialistisch Eroberungskriege führt und das eigene Volk unterjocht und ausblutet, die gab es von Anbeginn der Welt. Und heute haben sie mehr Macht denn je. Die Menschenopfer werden immer zahlreicher. Die Beute teilen sich immer weniger Milliardäre, die mit den Staatenlenkern kooperieren, untereinander auf. Wir – die ganze Welt – sind von Anfang an unter die Räuber gefallen.
903. Spaziergang nach Syrakus
02:37||Season 5, Ep. 903260903PC Spaziergang nach SyrakusMensch Mahler am 03.09.2026Freiheit wird zur unstillbaren Sehnsucht, wenn man sie nicht hat. So erging es auch Paul Gompitz. Einmal nach Syrakus und zurück – davon träumt Paul Gompitz, genial gespielt von Charly Hübner. Mit einer Reise nach Sizilien will er auf den Spuren des Dichters Johann Gottfried Seume wandeln. Da gibt es nur ein Problem: Wir schreiben das Jahr 1982 und Paul lebt in der DDR. Alle Versuche, eine offizielle Genehmigung für seine Ausreise zu bekommen, scheitern. Eine Besuchsreise zu seiner Cousine? Die Mitgliedschaft in der Liga für Völkerfreundschaft? Eine Studienreise? Alles wird abgelehnt! Was bleibt ihm anderes übrig? Paul muss seine Flucht planen. Was die Sache nicht einfacher macht: Er will danach auch wieder nach Hause zurück. Zurück nach Rostock, zur Ostsee, zu seiner Frau Anne, gespielt von der großartigen Lina Beckmann. Paul ersinnt einen verwegenen Plan …Regisseur Lars Jessen erzählt in SPAZIERGANG NACH SYRAKUS von unstillbarer Sehnsucht und großem Mut, von tiefer Liebe und inniger Loyalität – und vom Wunsch, die Welt zu sehen, ohne die Heimat zu verlieren. Der Film entstand nach Motiven des Romans „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“ von Friedrich Christian Delius, der wiederum auf der realen Flucht von Klaus Müller beruht. Mit feinem Humor und großen Emotionen blickt der Film auf deutsche Geschichte – und verhandelt dabei erstaunlich gegenwärtig das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Zugehörigkeit sowie die Frage, wie weit man gehen kann, ohne den anderen zu verlieren.Wer seiner eigenen Zerrissenheit zwischen Freiheit und Bindung auf die Spur kommen will, der sollte unbedingt in diesen Film gehen. Mir ging es auf jeden Fall so, dass ich es emotional sehr tief gespürt habe: Ja, ich will ausbrechen aus den Gefängnissen, die das Leben um mich herum aufgebaut hat und an denen ich kräftig mitgebaut habe. Flucht wäre da eine Lösung, wenn es nicht diesen Wunsch nach Heimat, nach Verwurzelung und nach Zugehörigkeit gäbe.Ich zitiere ein altes Volkslied:Andre, die das Land so sehr nicht liebtenWar'n von Anfang an gewillt zu geh'nIhnen – manche sind schon fort – ist besserIch doch müsste mit dem eig'nen MesserMeine Wurzeln aus der Erde dreh'n!Damit ist alles gesagt. Und: schaut euch „Spaziergang nach Syrakus“ im Kino an. Um eurer Sehnsucht und eurer Liebe und Loyalität auf die Spur zu kommen. Auch, wenn ihr nicht Paul oder Anne heisst.
902. Flieg Friedenstaube
02:12||Season 5, Ep. 902260902PC Flieg, Friedenstaube, flieg!Mensch Mahler am 02.09.2026Am ersten September ist Weltfriedenstag. Allerdings sind wir aktuell weit vom Weltfrieden entfernt. Der Krieg in der Ukraine, der in Syrien, die neuerlichen Raketenangriffe in Gaza und Israel, der angekündigte türkische Feldzug gegen die Kurden in Nordsyrien und das Säbelrasseln um den Inselstaat Taiwan belegen das eindeutig. Die USA sind letztes Wochenende wieder Einsätze gegen den Irak geflogen. Dabei geht es einerseits darum, dem anderen seinen politischen Willen aufzuzwingen und um Macht über den anderen. Leidtragend ist immer die Zivilbevölkerung. Das kann und darf nicht das Maß der Dinge sein, wenn man von Frieden redet. Wie man aus der Geschichte weiß, haben Kriege in den wenigsten Fällen eine positive Veränderung herbeigeführt. Andererseits gibt es auch die Angegriffenen. Deren Recht auf Selbstverteidigung ist uneingeschränkt gültig, obwohl wir den Krieg als solches generell ablehnen. Man muss sich fragen, wie man selbst reagieren würde, wenn der Nachbar einen überfällt. Krieg muss aufhören und sollte als Lösung politischer Konflikte nie wieder in Betracht kommen.Angesichts der weiteren Aufrüstung in der Ukraine durch den Westen werden meine Zweifel immer größer, ob dieser Abnutzungskrieg irgendeinem hilft – außer den Rüstungskonzernen. In Deutschland denken wir derzeit darüber nach, wie man Arbeitsplätze, die in der Automobilindustrie verloren gehen mit neuen Arbeitsplätzen in der Rüstungsbranche aufgefangen werden können. Ich vermisse irgendwelche diplomatischen Initiativen. Eines ist klar: Frieden kann nur werden, wenn beide Seiten kompromissbereit sind. Das ist das Wesen der Diplomatie. Am Weltfriedenstag, den wir gestern begangen haben, müssen diese Gedanken unbedingt in der Politik – auch der deutschen Politik – wieder eine Rolle spielen. Olaf Schloz hat es wenigstens probiert – Friedrich Merz kennt offensichtlich nur Säbelrasseln. Fazit: Die Friedenstauben sind am Boden. Es wird Zeit, dass wir wieder daran glauben, dass wir sie wieder zum Fliegen bringen können, anstatt nur noch fatalistisch die Kriege und bewaffneten Konflikte zu bedauern.
831. Uschi for Queen!
02:15||Season 5, Ep. 831260831PC König Harald ist tot – Zeit für eine europäische Monarchie Reisetagebuch Tag 21Mensch Mahler am 31.08.2026Die Nachricht schlägt auf dem Hutigrutenschiff ein wie eine Bombe: König Harald von Norwegen ist tot. Zeremonie an Deck, Fahnen auf Halbmast, alle Veranstaltungen an Bord, die wir schon bezahlt hatten, wurden abgesagt. Jetzt ist Trauer angesagt – für Einheimische und für Touristen wie mich, obwohl ich mit der Monarchie im Allgemeinen und mit Harald im Besonderen nichts am Hacken habe. Zeit, um über die Monarchie im Allgemeinen und über Europas Königshäuser im Besonderen nachzudenken. Natürlich zuallerst wegen des Königs der Welt, seiner Mäjestät Donald John Trump dem Ersten und Einzigen.Die Briten zeigen aktuell, wie man Donald Trump beeindrucken kann: Mit hochherrschaftlichen Schlössern, Marschmusik und lustigen Gewändern. Da können dann auch mal die Verhandlungen um Zölle etwas sanfter ausfallen. Müsste Europa von dieser Taktik nicht lernen und Ursula von der Leyen zur Queen schlagen? Wie könnte das gehen? Nun, die verbliebenen gestrigen Monarchien in Europa müssten sich zusammentun und auslosen, welcher König oder Kronprinz Uschi heiraten könnte. Man könnte ihm eine hohe Schmerzensgeld-Provision zahlen, denn wer will schon ein Flintenweib zur Gattin, wenn auch nur nach dem Protokoll und nicht im königlichen Schlafgemach – aber Königin Ursula die Scharfe wäre im Adelsstand. So gesehen stünde einer Ernennung zur Königin von Europa nichts mehr im Wege. Und wir Deutschen hätten – zwar über Umwege - aber immerhin nach Kaiser Wilhelm wieder ein gekröntes Haupt gestellt. Schöner Nebeneffekt: auch Zar Vladimir Vladimirowirsch Putin der Kleine wäre sicherlich beeindruckt und Friedensverhandlungen zwischen Russland, Europa und den USA stünde nichts mehr im Wege. Monarchie hat ja schon immer einen Beitrag zum Weltfrieden geleistet. Andere Völker führen Kriege. Du aber, glückliches Österreich, heirate. Die Habsburger haben es vorgemacht. Und Österreich ist ja – wenn auch nicht wirklich – aber doch irgendwie Europa. Felix Austria.
830. Nichts mehr zur retten
04:40||Season 5, Ep. 830260830PC Nicht mehr zu retten Reisetagebuch Tag 20Mensch Mahler am 30.08.2026Ich bin jetzt am letzten Tag auf dem Schiff. Ich sitze auf Deck 7 in einem Luxussessel mit phänomenaler Sicht auf Inseln und Fjorde. Ich spreche den Podcast hier ein – daher auch die Nebengeräusche. Ich wollte es ja nicht wahrhaben – aber Hurtigruten ist eben doch eine Kreuzfahrt. Ich habe Kreuzfahrten immer abgelehnt. Unnötig, umweltschädlich. Luxus für wenige, die es sich leisten können, die ganze Welt, all ihre Schönheit und all ihr Elend, von einem Luxusdampfer anzustarren. Jetzt habe ich knapp zwei Wochen hinter mir – und die Menschen, die mich hier umgeben, öden mich an. Ich weiß, ich gehöre dazu. Deshalb nehme ich mich ausdrücklich rein in den Song von Clara Louise.Wie ein Haufen Vollidioten lauft ihr durch die WeltWas für andere Menschen Liebe ist, das ist für euch das GeldIhr kauft euch Glück mit Alkohol, mit Parties und mit KoksDoch diese Leere in euch drin, die werdet ihr nicht losIhr verpestet die Welt mit euren schwarzen SeelenUnd es liegt auf der Hand das Weichgehirn zu empfehlenIch sag's euch gern, da gibt es nichts mehr zu rettenEs fällt euch schwer zu verstehen, doch ihr seid nicht mehr zu rettenEs war von Anfang an klar, bei euch gibt's nicht mehr zu rettenUnd es bleibt alles wie es war, es gibt ja nichts mehr zu rettenWie ein Haufen Besserwisser lauft ihr durch die WeltUnd ohne jene Ahnung glaubt ihr, dass nur eure Meinung zähltNach außen seid ihr ja so stark, abends schlaft ihr bei Mama einSo viele Menschen überall und trotzdem seid ihr ganz alleinOh, ihr verpestet die Welt mit euren schwarzen SeelenUnd es liegt auf der Hand das Weichgehirn zu empfehlenIch sag's euch gern, da gibt es nichts mehr zu rettenEs fällt euch schwer zu verstehen, doch ihr seid nicht mehr zu rettenEs war von Anfang an klar, bei euch gibt's nicht mehr zu rettenUnd es bleibt alles wie es war, es gibt ja nichts mehr zu rettenIhr verpestet die Welt mit euren schwarzen SeelenUnd es liegt auf der Hand das Weichgehirn zu empfehlenIch sag's euch gern, da gibt es nichts mehr zu rettenEs fällt euch schwer zu verstehen, doch ihr seid nicht mehr zu rettenEs war von Anfang an klar, bei euch gibt's nicht mehr zu rettenUnd es bleibt alles wie es war, es gibt ja nichts mehr zu rettenJa, wenn wir, wenn ich so weiter mache, dann gibt es nichts mehr zu retten. Für mich nicht und für die Welt nicht. Haben oder sein – der Klassiker von Erich Fried sagt es schon lange. Wenn wir endlich dem Sein mehr Wert geben würden und uns nicht von Haben blenden lassen würden … Wie ein Haufen Besserwisser lauft ihr durch die WeltUnd ohne jene Ahnung glaubt ihr, dass nur eure Meinung zähltNach außen seid ihr ja so stark, abends schlaft ihr bei Mama einSo viele Menschen überall und trotzdem seid ihr ganz alleinOh, ihr verpestet die Welt mit euren schwarzen SeelenUnd es liegt auf der Hand das Weichgehirn zu empfehlenIch sag's euch gern, da gibt es nichts mehr zu rettenEs fällt euch schwer zu verstehen, doch ihr seid nicht mehr zu rettenEs war von Anfang an klar, bei euch gibt's nicht mehr zu rettenUnd es bleibt alles wie es war, es gibt ja nichts mehr zu rettenIhr verpestet die Welt mit euren schwarzen SeelenUnd es liegt auf der Hand das Weichgehirn zu empfehlenIch sag's euch gern, da gibt es nichts mehr zu rettenEs fällt euch schwer zu verstehen, doch ihr seid nicht mehr zu rettenEs war von Anfang an klar, bei euch gibt's nicht mehr zu rettenUnd es bleibt alles wie es war, es gibt ja nichts mehr zu retten
829. Keine Menschenopfer!
02:21||Season 5, Ep. 829260829PC Religion fordert Opfer Reisetagebuch Tag 19Mensch Mahler am 29.08.2026Ich komme hier in Norwegen an vielen Kultstätten vorbei. Wikinger, später Christen aller Couleur haben Götter verehrt und Kultstätten errichtet, zu denen sie hin gepilgert sind. Immer wieder gab es Menschenopfer. Aktiv – Ketzer und Hexen wurden verbrannt – und passiv durch Unglücke wie regelmäßig bei Massenpaniken bei der Hadsch in Mekka. Es ist Mittwochvormittag in Nepal, als das Land von einer riesigen Flutwelle getroffen wird. Mindestens 273 Menschen sterben, Hunderte werden noch vermisst, darunter auch zahlreiche Touristen. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie Häuser, Fahrzeuge und Menschen von den Wassermassen mitgerissen werden. Die Katastrophe ereignete sich im Grenzgebiet zwischen Nepal und der zu China gehörenden Autonomen Region Tibet. In der Region befanden sich auch viele Pilger aus Indien, die nach Kailash in Tibet unterwegs waren - einem heiligen Ort für Hindus. Was die Flutwelle auslöste, wird noch untersucht. Die nepalesische Katastrophenschutzbehörde vermutet nach ersten Analysen von Satellitenbildern, eine Gletscherlawine könnte in einen Fluss gestürzt sein. Dadurch habe sich ein vorübergehender See gebildet, der anschließend über die Ufer getreten sei. Eine Flutwelle aus Wasser, Eis und Geröll habe dann flussabwärts die Schäden verursacht.Nach Angaben der Erdbebenwarte United States Geological Survey ergaben Analysen seismischer Daten und Satellitenaufnahmen, dass der Einsturz eines Gletschers in Tibet die Überschwemmungen ausgelöst haben.Der Gletscher liege in 5.200 Meter Höhe, wo er sich über eine Felskante schiebe. Dort sei er offenbar abgebrochen und mehr als einen Kilometer weit zum Talboden gestürzt. Womöglich habe das zuletzt warme Wetter in der Gegend eine Rolle gespielt.Auch wenn ich hier durch unberührte Natur schippere kann ich den Gedanken nicht verdrängen, dass menschengemachte Naturkatastrophen und falsch verstandene religiöse Praktiken Menschenopfer fordern. Erlösung sähe so aus: Ich habe genug und muss die Erde nicht weiter ausbeuten. Ich habe Frieden und muss keinem Gott durch religiöse Praktiken meine Ergebenheit beweisen.
828. Die Realität holt uns ein - verprassen oder vererben?
02:48||Season 5, Ep. 828260828PC Die Gegenwart holt uns ein. Reisetagebuch Tag 18Mensch Mahler am 28.08.2026Es gibt hier Menschen auf dem Hurtigruten-Schiff, die melden sich komplett vom Leben ab. Keine Nachrichten, keine Anrufe, kein social Media. Ich kann das nachvollziehen, das man sich so etwas im Urlaub wünscht. Für mich wäre es undenkbar, vielleicht liegt es daran, dass ich Journalist bin und einfach immer informiert sein will und muss.Jetzt hat mich die Realität so oder so eingeholt. Wir sind in Kirkenes. Die russische Grenze ist 13 Kilometer entfernt. Es wird empfohlen, die Handys auf Flugmodus zu stellen. Ein Mitreisender meint, er wolle einen Fuß auf die Grenzlinie stellen. Schlechte Idee – bei einer der vorigen Fahrten meinte ein Italiener, rübergehen zu müssen. Er wurde verhaftet – Stunden später wurde er gegen eine Zahlung von 1.200 Euro freigelassen. Er erhielt außerdem Einreiseverbot auf Lebenszeit.Aber auch auf anderen Ebenen holt uns die Wirklichkeit ein. Auf dem Schiff sind überwiegend ältere Leute. Also die, die noch Rente bekommen und sie auch kräftig ausgeben, anstatt alles an Kinder und Enkel zu vererben. Auf einem Campingplatz sah ich mal ein großes Wohnmobil mit der Aufschrift: „Wir verprassen das Erbe unserer Kinder“. In Gesprächen mit Mitreisenden stellen wir fest, dass viele von ihnen kein gutes Verhältnis zu ihren Kindern haben. Da erkundigen sich Geschwister untereinander schon einmal, wieviel die Eltern für die Reise ausgegeben haben. Überhaupt: Das Thema Generationengerechtigkeit und die Frage, was für die nachfolgenden Generationen übrigbleibt, wenn wir fertig haben, verfolgt uns auf Schritt und Tritt. Die Früchte der lebenslangen Arbeit fröhlich genießen und trotzdem Maß halten und nicht verprassen, was man hat, das ist ein Balanceakt. Ich war einmal auf einem Seminar für Erbschaftsmarketing. Da sind manche Organisationen sehr aggressiv unterwegs. Typisches Gespräch im Altenheim: „Wann haben sie ihre Kinder das letzte Mal besucht? Und denen wollen sie alles geben? Sie können guten Gewissens uns einen Teil ihres Erbes geben und nicht alles ihren undankbaren Kindern. Und sie tun dabei noch etwas Gutes“. Leider muss ich feststellen, auch aus meiner Seelsorge-Praxis, dass fast kein sogenannter Erbfall ohne Streit in der Familie zu Ende geht. Da kann man vorsorgen so viel man will – eine oder einer fühlt sich garantiert benachteiligt.Unser Hurtigruten-Schiff hat gerade die Rückreise in den Süden angetreten. Wir fahren wieder nach Hause – zurück in die Realität. Ob wir sie ausgeblendet hatten oder nicht – sie holt uns immer wieder ein.