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Mensch Mahler | Die Podcast Kolumne

Kopi Luwak muss nicht sein

Season 3, Ep. 94

‚Das Beste kommt zum Schluss‘ heißt ein heiter-nachdenklicher Film mit Morgan Freeman und Jack Nicholson von 2007. Zwei ältere unheilbare kranke Männer erfüllen sich noch alle Wünsche, die sie im Leben hatten. Geld spielt keine Rolle, da einer von ihnen Millionär ist und so lässt er sich auch im Krankenhaus den allerteuersten Kaffee zubereiten: Kopi Luwak und spätestens durch diesen Film erfuhren wir, dass die Kaffeebohnen von Schleichkatzen verdaut wurden. Originell klang das damals, halb eklig, halb witzig und irgendwie natürlich. Die Schleichkatzen fressen die reifen roten Kaffeefrüchte, verdauen aber nur das Fruchtfleisch, die Bohnen scheiden sie aus. Die sind dann fermentiert und zu Kaffee verarbeitet bekömmlicher und ein besonderer Genuss. Irgendwer muss das mal entdeckt haben. Irre teuer ist der Kopi Luwak mit bis zu 1000 € pro Kilo. Doch Wohlhabende greifen mächtig zu und so ist längst ein Riesengeschäft mit dem Edel-Kaffee entstanden. Auf Kosten der Schleichkatzen auch Musangs genannt. Die eigentlich nachtaktiven Tiere sammeln nicht mehr nur zufällig ein paar Kaffeekirschen in der freien Natur, sondern werden in viel zu kleine Käfige gesperrt, sind hellem Tageslicht ausgesetzt und bekommen eben fast nur noch Kaffeekirschen zu fressen. Insbesondere in Indonesien, z.B. auf Bali oder Sumatra, verdienen mittlerweile viele Menschen Geld mit dem Kot der Schleichkatzen. Für die wildlebenden Tiere sei das die Hölle, sagt Peta Asien, die mehrere Recherchen dazu gemacht haben. Auch die Tier- und Naturschutzorganisation Pro Wildlife nennt die Werbung, freilaufende Schleichkatzen würden die besten Früchte selbst im Wald aufsammeln, ‚einen Riesenschwindel‘. Vielleicht gibt es Kopi Luwak auch in tierfreundlich und ursprünglich, aber ganz ehrlich: brauchen wir das?

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  • 256. Sechs, setzen und Klappe halten, Dobrindt!

    01:52
    240625PC Kein Job? Zurück in den Krieg! Mensch Mahler am 25.6.2024 Die CSU hat ein Problem. Bundesweit nimmt sie keiner wahr. Im Schatten der großen Schwester CDU segelt es sich bequem. Aber wahrgenommen werden die im Schatten selten. Also muss ab und zu mal einer rausgehauen werden. Wer das ganz besonders gut kann sind die Herren Scheuer und Dobrindt.Machen wir mal ein bisschen Wahlkampf und versuchen in der Flüchtlingsfrage zu punkten. „Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine sollen in ihr Heimatland zurückkehren, wenn sie keine Arbeit haben“ O-Ton Alexander Dobrindt, Christlich-soziale Union. Eine katastrophale Aussage. Denn ob Schutzbedürftige bei uns Zuflucht finden, kann nicht davon abhängig sein, ob sie hier Arbeit finden oder nicht.Herr Dobrindt, in der Ukraine herrscht Krieg. Ein brutaler Angriffskrieg, der weder vor Zivilisten noch vor der Infrastruktur Halt macht. Der überwiegende Teil der 1,2 Millionen Kriegsflüchtlinge sind Frauen. Die Männer werden an der Front gebraucht. 350 000 sind Kinder.Wenn ukrainische Geflüchtete hier keine Arbeit finden, hat das viele Gründe. Faulheit, lieber Herr Dobrindt, zählt nicht dazu. Das Bildungsniveau der Menschen aus der Ukraine ist hoch. Die Deutschkenntnisse sind meist schlecht. Wie soll man in kurzer Zeit so fit werden, um in einem hochqualifizierten Beruf durchstarten zu können? Es fehlen Betreuungsplätze für die Kinder der hier alleinerziehenden Frauen. Lieber Herr Dobrindt, da könnten sie doch mal ansetzen. Betreuungsplätze besorgen, Deutsch-Intensivkurse aktivieren. Das könnte helfen, dass Ukrainerinnen hier schnell in Arbeit kommen. Dobrindts Vorschlag ist purer Populismus auf Kosten der Schwächsten. Und der völlig untaugliche Versuch, am rechten Rand der AfD Wählerinnen abzujagen. Sechs, setzen und Klappe halten.  
  • 246. Baptist racing Team

    01:45
    240624PC Radeln für das KlimaMensch Mahler am 24.6.2024 Ich bin begeisterter Radler. Und auch begeisterter Stadtradler. Gestern gings in meiner Kommune wieder los. Ich bin Teamleader in unserer Kirchengemeinde. Das „Baptist Racing Team“ gibt es bundesweit und seit einigen Jahren auch in den Gemeinden, in denen ich aktiv bin.Es ist immer gut, wenn man sich als Team ein Ziel setzt. Unser Ziel Nummer 1 ist natürlich, viele Kilometer runterzureissen und das Auto und auch  des ÖPVN möglichst zu meiden.Unser 2. Ziel: Wir wollen mit Sponsorengeldern eine E-Bike-Ladestation an unserem Gemeindehaus installieren. Die soll für die Allgemeinheit zugänglich sein und möglichst viele Anschlussmöglichkeiten haben: Bosch, Yamaha, Mahle, Brose um die wichtigsten zu nennen. Schade, dass jedes System einen eigenen Stecker hat. Wie bei den Handys. Dort soll es jetzt ja EU-weit vereinheitlicht werden. Ich hoffe, dass das bei E-Bikes auch bald kommt. An der Wand bringen wir ein Schild an: Hier können sie den Akku ihres E-Bikes laden. Drinnen können Sie jeden Sonntag um 10 Uhr den Akku ihrer Seele aufladen. Die Kosten übernehmen jeweils die baptisten.reutlingen für Sie. Kirche soll relevant sein. Die Bewahrung der Schöpfung gehört zu ihrer DNA. Ich bin heute begeistert mit dem Rad zum Gottesdienst und zurückgefahren. 40 KM stehen schon auf dem Stadtradeln-Konto. Dabei habe ichfestgestellt, dass die 10neu montierten Bügel zum Anschließen jetzt schon nicht mehr reichen. So kann es weitergehen. Neben der Wärme-Wartebank für Passanten – Mit USB Anschluss zum Handy laden – passen noch ein paar Bügel hin.
  • 216. Fachkräftemangel

    01:31
    240621PC Keine Wochenendarbeit bitte! Mensch Mahler am 21.6.2024 In der Gastronomie, im Gesundheitswesen, im öffentlichen Personenverkehr, ja selbst bei Feuerwehr, Rettungskräften und der Polizei: Fachkräftemangel. Fragt man nach den Gründen, kommt immer wieder dieselbe Antwort: Wochenenddienst, Schichtdienst, unattraktive Bezahlung.Wie kann man dieses Problem entschärfen? Die Griechen, fälschlicherweise als faul verschrien, versuchen es jetzt mit der 6 Tagewoche. Hohe Zuschläge für Überstunden und Feiertage und, und, und. Wir haben es über Jahrzehnte mit dem Anwerben von ausländischen Kräften versucht. Über all auf der Welt sind unsere Scouts unterwegs und suchen. Indien, Philippinen, neuerdings Mexico, Osteuropa ohnehin – ja, wir haben sogar Migranten den Mund wässrig gemacht – ihr dürft gerne alle kommen, wenn ihr – ja wenn ihr uns helfen könnt und nicht wir Euch.Ich denke es ist an der Zeit, dass wir endlich damit anfangen, diese Dienstleistungsberufe für junge Leute wieder interessant zu machen. Ordentliche Bezahlung, Wertschätzung, humane und familienverträgliche Dienstpläne – mir fällt da eine Menge ein – und Gott sei Dank nicht nur mir. Wir beklagen es, dass eine Kneipe nach der anderen schließen muss, dass wir keine Arzttermine mehr bekommen – zur Betroffenheit muss endlich entschlossenes politisches Handeln kommen. Ich frage mich schon, wer mich einmal pflegen wird, wenn es so weit ist. Umdenken und umsteuern ist das Gebot der Stunde. 
  • 206. Der Tag als meine Kindheit endete

    01:46
    240620PC Rückverteilung des unverdienten Reichtums Mensch Mahler am 20.6.2024 Ich habe es leider am eigenen Leib erleben müssen, was es für Kinder bedeutet, eine Mutter oder einen Vater zu verlieren. Das Trauma ist unbeschreiblich. Ich frage mich schon lange, was mit den Kindern ist, die als Geflüchtete hierherkommen und unterwegs ein Elternteil oder gar beide – vielleicht sogar die ganze Familie verloren haben. Wir haben eine Wohnung an einen syrischen Studenten vermietet. Er ist ein ganz toller junger Mann. Über die Flucht spricht er nicht. Er hat nicht die Kraft dazu. Die Familie ist zusammen aufgebrochen, das europäische Festland hat er als einziger erreicht.»Meine Mutter hat mir gezeigt, dass Frauen stärker sind als Männer.« Das sagt Farhad, der heute 19 Jahre alt ist und als 11-jähriger Junge den Genozid des IS an seinem jesidischen Volk erlebte und überlebte. Am 3. August 2014 drangen die IS-Milizen in sein Dorf, töteten vor seinen Augen seinen Vater und verschleppten seine Schwestern. Dieses Buch erzählt die Geschichte einer traumatischen Flucht durch die brennend heiße Wüste und durch das Sindschar-Gebirge bis nach Kurdistan, die erst endet, als er mit seiner Mutter und seinen kleinen Geschwistern 2015 im Rahmen eines Sonderkontingents für besonders schutzbedürftige Frauen und Kinder nach Deutschland kommt. Es ist eine Geschichte von Flucht und Verlust, aber auch vom Ankommen und von Zuversicht. Ein bewegendes Buch – und der Beweis, das die Kindheit für viele Kinder viel zu früh endet. „Der Tag, an dem meine Kindheit endete“ von Farhad Alsilo ist als autobiografisches Taschenbuch im Trabantenverlag erschienen und kostet 14 Euro. 
  • 196. Marlene Engelhorn will Geld abgeben

    02:03
    240619PC Rückverteilung des unverdienten Reichtums Mensch Mahler am 19.6.2024 BASF-Erbin Marlene Engelhorn hat einen Bürgerrat gebeten, 25 Millionen Euro ihres Vermögens „rückzuverteilen“. Die 50 Bürgerinnen und Bürger haben nun entschieden: Das Geld geht an 77 verschiedene Organisationen.Die 32jährige Marlene Engelhorn erlangte mediale Aufmerksamkeit, nachdem sie als künftige Millionenerbin ein e Erbschaftssteuer und Vermögenssteuer forderte. In einem Interview sagte sie, dass si 90% ihres Vermögens spenden würde, wenn es zum Zeitpunkt ihres Erbes keine Steuer geben würde. Die Erbschaftssteuer wurde in Österreich in den 2000er-Jahren abgeschafft. Dass sie nie etwas für dieses Geld getan hat, aber es steuerfrei erhalten würde, hält sie für ungerecht. Die Germanistik-Studentin wusste seit zwei Jahren, dass sie sehr viel Geld erben würde. Marlene Engelhorn ist die Enkelin der 94-jährigen Traudl Engelhorn-Vechiatto – die Ehefrau des Urenkels des Gründers des Chemiekonzerns BASF. Nachdem ihre Großmutter im Herbst 2023 verstarb, erhielt sie schließlich einen zweistelligen Millionenbetrag. Daraufhin gründete sie ein demokratisches Gremium, das einen Großteil dieses Gelds verteilen sollte.Marlene Engelhorn wird von ihrer Großmutter Traudl Engelhorn-Vechiatto erben. Der genaue Betrag ist nicht bekannt, aber sie wird vermutlich einen zweistelligen Millionenbeitrag erben. Das Vermögen von Traudl Engelhorn-Vechiattos Familie wird nach Forbes auf 4.2 Milliarden Dollar geschätzt. Das entspricht einem Wert von 3,4 Milliarden Euro. Marlene Engelhorn hat die Initiative taxmenow gegründet. Diese Initiative setzt sich dafür ein, dass ererbter Reichtum über Steuergesetze rückverteilt wird. Die 25 Millionen, die gestern vom Bürgerrat verteilt worden sind, gehen in Projekte zur Bekämpfung der Erderwärmung, in den sozialen Wohnungsbau und in Projekte für soziale Gerechtigkeit. Marlene Engelhorn lebt in Wien.  
  • 186. Blufft Putin?

    01:50
    240618PC Blufft Putin? Mensch Mahler am 18.6.2024 Friedensgipfel in der Schweiz. Vladimir Putin ist nicht eingeladen. Und macht seinerseits einen Vorschlag zur Beendigung der Kampfhandlungen: 20% der Ukraine gehören mir, die Ukraine geht nicht in die EU. Dann ist sofort Schluss.Wie soll man das deuten? Putin geht die Luft aus, sagen die einen. Er ist kriegsmüde. Putin blufft und will der Weltöffentlichkeit zeiten, dass er mitspielt im Poker um den Frieden. Was er aber nicht beabsichtigt, sagen die Anderen.Tatsache ist, dass die EU und damit auch die NATO im Fall eines Beitritts der Ukraine in die EU bis auf 200 KM an Moskau herangerückt ist. Das ist beängstigend und man muss zugestehen, dass das das Gleichgewicht zwischen Ost und West ins Wanken bringt. Tatsache ist aber auch, dass die NATO Russland mit dem Faktor 10 überlegen ist, wenn es weiter um Zermürbungskrieg geht. On the long run kann Putin diesen Krieg gegen die freie Welt nicht gewinnen. Was also ist jetzt klug? Wenn man Verhandlungsangebote macht, geht es immer zunächst um Maximalforderungen. Und dann versucht man Annäherungen. Das könnte zum Beispiel so aussehen, dass die Ukraine der NATO und der EU nicht beitritt – noch nicht. Einfach mal vertagen in dieser heiklen Situation. Und dann natürlich nicht die von Putin geforderten 20% abgeben, sondern „nur“ die Krim und den Donbas. Vielleicht könnte so endlich mal eine Verschnaufpause erreicht werden. Die Waffen schweigen und man verhandelt weiter. Es wäre sowohl den Menschen in der Ukraine als auch den russischen Soldaten und ihren Familien zu wünschen. Und Putin könnte vielleicht ohne Gesichtsverlust zunächst aus der Nummer raus, in die er sich hinein manövriert hat. 
  • 176. Fulminanter Start

    01:26
    240617PC Fulminant gestartet Mensch Mahler am 17.6.2024 Das freut mich für Julian Nagelsmann und die jungen Wilden. Der Start in die EM musste funktionieren, um das Sommermärchen nicht gleich in den Sand bzw. in den Regen zu setzen. 6 Tore zum Auftakt gegen Schottland – das schönste köpfte Antonio Rüdiger ins eigene Tor. Dass sich das Vertrauen in die jungen Spieler Musiala, Wirtz und Havarts ausgezahlt hat, freut mich ganz besonders.So kann es weitergehen. Am Mittwoch gegen die Schweiz, dann warten noch die Ungarn, die nach der Niederlage gegen die Eidgenossen besonders heiß sein werden. Für unsere Überflieger im DFB Dress gilt: jetzt nicht gleich übermütig werden. Wenn wir weiterkommen sollten – und das ist zu erwarten, warten bärenstarke Gegner auf uns. Die Spanier haben gegen starke Kroaten mit dem 3:0 bewiesen, dass sie auf den Titel spielen. Und da sind ja auch noch die Engländer und die Franzosen ...Aber ganz gleich, wie es weitergeht und wie weit die DFB Jungs kommen, das Sommermärchen ist gestartet. So kann es weitergehen und ich freue mich, dass wir uns trotz allen Krisen in der Welt einfach nur freuen können am Spiel, an der Buntheit der Nationen, am Fußballfest im eigenen Land. Und das kann dem zaghaften Traum Raum verschaffen, dass wir es doch miteinander können – die Europäer, dem Rechtsruck zum Trotz. 
  • 614. Übermorgenland

    01:54
    240614PC ÜbermorgenlandMensch Mahler am 14.6.2024 Die Welt ändert sich. Und nirgendwo so radikal wie in Asien. Als Leiter des ARD-Studios Neu Delhi hat Markus Spieker vier Jahre von den Frontlinien des Wandels berichtet: in einem Gebiet rund um Indien, in dem fast zwei Milliarden Menschen leben. Er ist durch Afghanistan gereist, durch Rohingya-Flüchtlingscamps gelaufen, hat sich aber auch in den Hightech-Metropolen Shanghai, Singapur und Seoul umgesehen. Jetzt kommt er zurück mit einer schlechten Nachricht: Wir werden im Weltvergleich immer weniger, immer älter, immer bedeutungsloser. Vor allem viele Führungskräfte sind von gestern, gefangen im Irrglauben, dass das Beste der 80er und 90er auch das Beste von heute ist. "Die Eliten und Institutionen von heute gründen sich auf die Ideen von gestern und sind deshalb unfähig, die Probleme von morgen in den Griff zu kriegen", schreibt Spieker. Doch er hat auch eine gute Nachricht: Wir können wieder Spitze werden, krisenfester und glücklicher. Wenn wir die Nabelschau beenden, unsere schrulligen Multikulti- und Gender-Debatten ad acta legen und uns stattdessen den globalen Herausforderungen stellen. Spieker präsentiert zwanzig Top Trends der Weltentwicklung, darunter einige überraschende: Trotz aller Schwierigkeiten wird die Sicherheitslage insgesamt besser, nimmt das Bildungsniveau weltweit zu. Nichts boomt so sehr wie die Religionen, allen voran das Christentum. In einer Zeit, in der sich alles ändert, zählt das Bleibende und ist Tradition der neue Fortschritt. – Eine rasante Zukunftsschau, die nicht auf Theorien beruht, sondern auf Erste-Hand-Begegnungen rund um die Welt.Übermorgenland von Markus Spieker ist im fontis Verlag erschienen. Das lesenswerte Taschenbuch kostet 25 Euro.3