Mensch Mahler | Die Podcast Kolumne

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Einen Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars

Season 220919, Ep. 1909

Spendenvortrag, Progressionsvorbehalt, Sonderausgabenabzug, unmittelbare Begünstigung, Nutzungsentnahme… wenn Ihnen diese Begriffe was sagen, haben Sie wahrscheinlich beruflich mit Steuern zu tun oder aber Sie haben sich eingefuchst in ‚mein Elster‘ und längst Ihre Steuererklärung fertig. Mir ist das nach einigen Anläufen auch letzte Woche gelungen. Als ich endlich keine Fehlermeldung mehr hatte und das Ding abschicken konnte, hätte ich mir am liebsten einen Sekt aufgemacht. Meine Stimmung war jedenfalls großartig. Diesmal musste ich auch nicht, wie in den vergangenen Jahren, ständig zum Finanzamt radeln und dort Frage für Frage klären. Immerhin hat man mir da stets freundlich weitergeholfen. Warum nur aber ist das so kompliziert? Warum diese sperrigen Begriffe, die man aus keinem anderen Zusammenhang kennt? Klar, wer viel Geld hat, leistet sich einen Steuerberater, eine Steuerberaterin – kostet natürlich, aber das kann man ja auch wieder absetzen und es kommt wahrscheinlich auch mehr raus. Kürzlich wurde bekannt, dass es auch erhebliche Probleme bei der Grundsteuer gibt. Jeder dritte Eigentümer hat Probleme beim Ausfüllen der Formulare hat eine Umfrage ergeben. Bis Ende Oktober müssen Besitzer von Häusern und Wohnungen diese Erklärung beim Finanzamt abgeben. Bisher hat das aber noch kaum jemand geschafft. Müsste es da nicht, wenn es schon so kompliziert ist, einfache und niederschwellige Hilfe geben? Wir sind doch alle nicht blöd und schaffen auch andere Dinge im Leben. Aber wie hat es schon Reinhard Mey 1978 gesungen: ‚Einen Antrag auf Erteilung eines Antragformulars - Zur Bestätigung der Nichtigkeit des Durchschriftexemplars‘ wunderbar, hör ich mir gleich mal wieder an!

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12/1/2022

Warten auf die Erlösung

Season 221201, Ep. 112
221201PC Warten auf die Erlösung. Mensch Mahler am 01.12.2022Was habe ich getan, dass ich so bestraft werde? fragte mich meine krebskranke Mutter. Sie war 48 Jahre alt und ist gestorben, ohne ihr 4. Enkelkind gesehen zu haben. Ich habe damals Theologie studiert. Meine Antwort lautete: Alles. Und nichts. Ich arbeitete gerade am Römerbrief. Dort steht im 8. Kapitel: „Ich bin mir ganz sicher, dass alles, was wir zurzeit erleiden, nichts ist, verglichen mit der Herrlichkeit, die Gott uns einmal schenken möchte. Darum wartet die ganze Schöpfung sehnsüchtig und voller Hoffnung auf den Tag, an dem Gott seine Kinder in diese Herrlichkeit aufnimmt.“ Das Leiden der Kreatur wartet auf die Erlösung. Im letzten Kirchenjahr ist es der blanke Wahnsinn gewesen. Ich habe einen guten alten Freund beerdigt. Kurz darauf starb ein weiterer guter Bekannter mit 55 Jahren an einem Hirntumor. Kurz darauf die Frau des besten Freundes unseres Sohns mit 37 am selben Tumor. Zwei Jahre nach dem Tod unserer Tochter, 36. Vor ein paar Wochen starb der Sohn eines gut befreundeten Ehepaares mit 25. Und am Montag beerdige ich meinen Lieblingsonkel, der sich im Krankenhaus eine Sepsis eingefangen hat. Die Vergänglichkeit, das Leiden der Schöpfung, die Hoffnung auf eine neue, andere Welt – nie hat sie mich so angefasst wie im letzten Jahr. Ich habe meinen Krebs überlebt – vorerst. Und so haben wir auf der Beerdigung von Tim, 25, mit unserem Gospelchor das Lied gesungen, das für mich zum Adventslied schlechthin geworden ist: We belive in annother Kingdom. Eine Welt ohne Leid, Schmerz und Geschrei. Wenn ich diese Hoffnung nicht hätte, würde ich einfach nur verzweifeln. 
11/29/2022

Die erste Kerze brennt

Season 221129, Ep. 2911
221129PC die erste Kerze brennt Mensch Mahler am 29.11.2022Ist bei Ihnen am Sonntag auch die erste Kerze entzündet worden? Spekulatius und Punsch, Stimmung und adventliche Musik? Jahr für Jahr fiebern viele Menschen auf die Adventszeit zu. Warten. Hoffen. Ausschau halten. Wonach eigentlich? Nach der heilen Welt, der Familie, die wieder ganz wird, das Ende des Krieges und der Zerstörung. Es soll Frieden werden. In jeder Beziehung. Die erste Kerze ist für uns ein Symbol. Licht, Hoffnung, Wärme, Geborgenheit. Für viele Menschen in der Ukraine oder in Syrien ist die Kerze die einzige Lichtquelle und oft auch der einzige kleine Wärmespender. Der Terror Russlands und der Türkei richtet sich auf die Zivilbevölkerung. Sie soll durch Hunger, Durst und Kälte in die Knie gezwungen werden. Ich frage mich, welches Kriegsziel Vladimir Putin eigentlich noch verfolgt. Eigentlich ist das ganze Tun sinnlos, für alle Seiten.Ich stelle mir also vor, wie Menschen im Wohnzimmer sitzen in Kiew, Aleppo und Cherson. Mit einer Kerze. Ich stelle mir vor, wie sie ihre ganze Hoffnung und ihre ganze Angst hineinlegen in dieses kleine Licht, in diese kleine Wärmequelle. Und so möchte ich mit ihnen und den Menschen in der Ukraine und in Syrien und überall sonst auf der Welt beten mit den Worten von Lutz Friedrichs, in der Hoffnung, dass einer uns hört:Du fragst:Was soll’s, dass wir beten?Wir können doch nichts bewegen,nicht aufhalten Rakete und Panzer.Aber wir können was tun –und das ist:festhalten an unseren Träumen.Du fragst,was nützt’s, dass wir beten?Wir können doch nichts bewegen.„Die da oben lassen sichvon uns nicht reinreden!“Aber wir können was tun –und das ist:sagen, was uns nicht passt.Du fragst:was bringt’s, dass wir beten?Wir können doch nichts bewegen:auch wenn wir dagegen sind –Krieg kommt.Aber wir können was tun –und das ist:gemeinsam beten,und die Stimme erheben.(Pfarrer Dr. Lutz Friedrichs, Hofgeismar)