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Mensch Mahler | Die Podcast Kolumne
Respect 3
260326PC R-E-S-P-E-C-T 3 S
Mensch Mahler am 26.3.2026
Ein Song schreibt Geschichte – bis heute. Ich habe am Weltfrauentag den Film „Respect“ angeschaut. Er erzählt die Geschichte von Aretha Franklin. Und durch den Song R-E-S-P-E-C-T ist die ganze Geschichte erzählt. Ich erzähle sie in Etappen. 3. Buchstabe: S. Wie Soul.
Soul oder Soulfood – das ist Futter für die Seele. Aretha Franklin gilt als die unbestrittene „Queen of Soul“, die Gospel-Inbrunst mit Blues und R&B verschmolz.
Mit ihrer kraftvollen Stimme und Hits wie „Respect“ revolutionierte sie die Musikwelt, wurde zu einer Ikone der Bürgerrechtsbewegung und prägte Soul-Musik. Sie gewann 18 Grammys und prägte Künstlerinnen wie Whitney Houston. Als Ausdruck schwarzer Kultur und Identität ist Soul eng mit Rhythmus und Gefühl verbunden. Aretha Franklins sagt über Soul:
„Soul ist eine Konstante. Er ist kulturell. Er wird immer da sein, in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Ausprägungen“ und: die Songs haben etwas mit dem Leben zu tun.
Wenn ein Song von etwas handelt, das ich erlebt habe oder das mir hätte passieren können, ist er gut. Aber wenn er mir fremd ist, habe ich nichts zu geben.“
Der Queen of Soul Aretha Franklin blieb nichts erspart. Der Erfolg brachte die Zerrüttung der Ehe und die Entfremdung von ihren Kindern mit sich. Ihr erstes Kind bekam sie mit 12. Mit 14 kam der zweite Sohn. Insgesamt wurden es vier. Aretha Franklin ging auf Welttournee, begann zu trinken, kippte ohnmächtig von der Bühne. „Die Königin zu sein, hat nicht nur mit Singen zu tun, und eine Diva zu sein, hat nicht nur mit Singen zu tun. Es hat viel mit dem Dienst an den Menschen zu tun“ – das hat sie allerdings nie vergessen. Dienst am Menschen – das hatte sie schon als Kind in der Kirche gelernt. Und ein Mann hat es ihr ganz besonders beigebracht: Onkel Martin, wie sie Martin Luther King nannte. Davon Morgen mehr.
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519. Schützt unsere Kinder!
01:56||Season 5, Ep. 519260519PC Wie schützen wir unsere Kinder?Mensch Mahler am 19.5.2026Am Wochenende kam es knüppeldick. Erste Meldung: Der Katholikentag in Würzburg ging zu Ende. Die schleppende Aufarbeitung des Missbrauchsskandals wurde beklagt. Um an die Ursache des Problems zu gelangen, müsste man allerdings die strukturellen Bedingungen, die in der Männerkirche den Missbrauch an Schutzbefohlenen wie ein Brandbeschleuniger potenzieren, wäre das Ende der Macht der Männer angesagt. Aber Rom sagt nein – also die Deutsche Katholische Bischofskonferenz auch. Bischof Wilmer sagte im TV-Interview: die Kirche müsse Anwältin der Erde sein. Zitat: „Kirche muss den Schrei der Schöpfung hören, müsse achtsam sein, wenn schäbig mit der Umwelt umgegangen wird.“ Wie wäre es mit einer Nummer kleiner, Herr Wilmer? Hört Kirche wirklich auf den Schrei der Kinder, die massenhaft in einem System mussbraucht werden, das sich standhaft weigert, sich zu reformieren?Diese Schattenseite der kirchlichen Machtausübung bekam der geneigte Tatort-Gucker dann am Sonntagabend serviert: Schweigen hieß er, und es ging um systematischen Missbrauch von Kindern in einem Kloster. Vertuschen, verleugnen bis in die höchsten Kirchenkreise hinein – ich weiß nicht, ob der Tatort bewusst auf den Abschluss Tag des katholischen Mammuttreffens in Würzburg gelegt worden war. Wenig beruhigend war dann auch die Meldung des UN-Kinderhilfswerks, was das Kindswohl angeht. Deutschland belegt dort Platz 25 von 37 untersuchten Staaten. Wie es besser geht, zeigen die Spitzenreiter Niederlande, Dänemark und Frankreich. Und das sollten sich nicht nur die Kirchen ins Stammbuch schreiben, sondern auch die Vereine und die Jugendämter, ja, die Politik insgesamt. Wir müssen unsere Kinder besser schützen. Und das ist ein Thema für uns alle.
War mein Opa Nazi?
02:01||Season 5518260518PC War mein Opa Nazi?Mensch Mahler am 18.5.2026Andeutungen hatte ich gehört, mehr auch nicht. Mein Vater war mit 17 Jahren zum Volkssturm einberufen worden. Meinen Opa habe ich nie kennengelernt, er ist auf der Flucht in Österreich gestorben. Ich hörte, dass er wohl in der NSDAP war. Genaueres ist nicht bekannt.Mehr als 10 Millionen Menschen waren Parteimitlieder in der NSDAP. Aber es wurde im Nachkriegsdeutschland nicht darüber gesprochen, auch bei uns zu Hause nicht. Vergangenheit abhaken, nach vorne schauen war das Motto im Wirtschaftswunder. Seit April ist die Mitgliederdatei der NSDAP online. Viele Millionen Klicks gab es seitdem und ich war in der Versuchung, meine Vorfahren zu identifizieren. Und dann? Keiner von ihnen lebt mehr. Was würde es mir bringen, zu wissen, dass mein Opa Nazi war? In der Zeit, im Spiegel lange Abhandlungen darüber, was Menschen über die Vergangenheit ihrer Familien erfahren haben. Durch mehrere Millionen Klicks brach die Datenbank anfangs zusammen. Und sicher, da gab es erschütternde Erkenntnisse und auch ein Verständnis für das Schweigen der Väter und Vorväter. Ich weiß, dass Hitler meinem Vater die Jugend gestohlen hat. Und ich weiß auch, warum er allergisch reagiert hat, als ich mich als Jugendlicher in der Friedensbewegung engagiert habe. Er fand es ganz schrecklich, dass ich Anti-Bundeswehr Demonstrationen gemacht habe.Ich habe für den SWR einen Film gemacht über die Judenbuche in meinem Heimatort Villingen-Schwenningen. Die Recherche war schwierig. Keiner der ehrenwerten Bürger und Stadträte war bereit darüber zu reden, warum dort ein Hinrichtungsplatz für Zwangsarbeiter war. Ein alter Kommunist, der eh nichts mehr zu verlieren hatte, weil er in der Stadt geächtet wurde, hat mit mir über die Vorkommnisse damals gesprochen und uns Beweisfotos zur Verfügung gestellt, die im Stadtarchiv vermutlich im Giftschrank lagerten. Was hat das alles mit der NSDAP Mitgliederkartei zu tun? Also: ich werde nicht darin wühlen. Ich will gar nicht mehr wissen. Und wenn man in der Familiengeschichte stöbert sollte man sich vorher darüber im Klaren sein, was die Erkenntnisse mit einem machen. Aber das muss jede und jeder für sich selbst entscheiden. Die Kartei ist online und offen zugänglich.
514. Erster MP mit Migrationshintrgrund
01:47||Season 5, Ep. 514260514PC Erster MP mit MigrationsgeschichteMensch Mahler am 14.5.2026„Ich musste immer mal wieder an meine Eltern denken, die wahrscheinlich von irgendwo oben herunterschauen und sehr glücklich sind, dass ihr Baden-Württemberg einem Kind von Gastarbeitern eine solche Geschichte ermöglicht“, sagte Özdemir dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“. Das sei hoffentlich nicht nur für Kinder von Migranten, sondern auch für Arbeiterkinder eine Ermutigung.Özdemir fügte hinzu, wenn man sich anstrenge und dann hoffentlich ganz viele hilfreiche Geister habe, gute Lehrer, gute Trainer, gute Nachbarn, Eltern von Freunden, dann gebe dieses Land viele Chancen. Insofern sehe er das auch als Mutmacher für andere, ihren Weg zu gehen und ihren baden-württembergischen Traum zu realisieren. Özdemirs Vater war Arbeiter in einer Textilfabrik, die Mutter führte eine Änderungsschneiderei.Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, sagte dem RND: „Dass ein türkischstämmiger Deutscher Ministerpräsident von Baden-Württemberg wird, ist eine Erfolgsgeschichte – unabhängig von seiner politischen Haltung.“ Özdemir sei ein sehr wichtiges politisches Vorbild für Jugendliche aus der Migrantencommunity.Er hat bewiesen, dass man es auch dann schaffen kann, wenn man nicht mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurde. Özdemir steht für Ehrlichkeit, Bodenständigkeit und Fleiß. In die Richtung der Hauptstadt Berlin appelliert er an die Regierenden: „Reißt Euch zusammen! Macht Euren Job.“ Seinen Job hat der anatolische Schwabe gemacht. Er ist auf den Koalitionspartner zugegangen, hat auf Augenhöhe verhandelt und Kompromisse gemacht. Davon darf sich die Regierungskoalition in der Hauptstadt eine Scheibe abschneiden.
513. Tun sie es! Sie sollten es sich und ihren Herzensmenschen wert sein
01:43||Season 5, Ep. 513260513PC Es gibt Hoffnung bei KrebserkrankungenMensch Mahler am 13.5.2026Ich habe bis heute keine Nachwirkungen von meiner Krebserkrankung. 5 Jahre – so sagt man – braucht es, bis man durch ist. Ich bin im vierten. Mache jedes Jahr ein Hautscreening, obwohl die Kasse trotz Vorerkrankung nur alle 2 Jahre zahlt. Statt mich darüber zu ärgern, bin ich mir es wert. Ganz ehrlich: 35 Euro für die Sicherheit, dass es alles ok ist – das ist schon was. Ich fahre mit langen Ärmeln und langen Hosen Fahrrad – auch im Hochsommer und habe auch beim Stand-up-paddeln einen Ganzkörperanzug. Wozu Leichtsinn, wenn es auch anders geht? Und siehe da: Die Überlebenschancen bei einer Krebserkrankung steigen weiter. 2023 war in Deutschland bei etwa 517.800 Menschen Krebs diagnostiziert worden - 228.960 Menschen starben an der Krankheit. Neuerkrankungen betrafen rund 241.400 Frauen und 276.400 Männer. Das geht aus Schätzungen des Zentrums für Krebsregisterdaten hervor, die das Robert-Koch-Institut in Berlin veröffentlichte.In den vergangenen 25 Jahren sanken die altersstandardisierten Krebssterberaten bei Frauen demnach um 21 Prozent und bei Männern um 31 Prozent. Die stärksten Rückgänge an Todesfällen gab es bei Magenkrebs und Darmkrebs.Für mich heißt das: Jedes Jahr zur Vorsorge, und zwar umfassend. Wie gut, dass das hierzulande geht. Anderswo sieht es düsterer aus. Tun sie es auch. Sich selbst und ihren Herzensmenschen zuliebe.
512. Regenbogen-Radler kommt nach Hause
01:47||Season 5, Ep. 512260512PC-Roadmovie 6 RückkehrMensch Mahler am 12.5.2026Es war wie der Ausflug in eine andere Welt. Das Treffen mit den Kommilitonen. 1975-1980 haben wir in Hamburg studiert. Als „Nachkriegsgeneration“. Am, Wochenende haben wir festgestellt, dass wir „Nachkriegsgeneration“ inzwischen „Vorkriegsgeneration“ sein könnten. Gestern bin ich in Heidelberg gelandet. Und radle heute nach Hause. Janosch begleitet mich. O wie schön ist Panama, sagt er und zieht in die weite Welt hinaus. Um am Ende wieder da anzukommen, von wo er gestartet ist. Zu Hause, Heimat, Zugehörigkeit.Heute komme ich nach Hause. Die alten Probleme und das, was ich schätze. Dazuzugehören. Mich auskennen. Wissen, wohin ich gehen kann, wenn ich etwas oder jemanden brauche.Gewiss in keine heile Welt, aber in eine bekannte. Und zwischendurch flammt Hoffnung auf, dass doch alles gut werden könnte. Wenn Putin vom baldigen Ende des Krieges spricht. Und selbst der abstruseste Vorschlag – ausgerechnet der Gazprom -Putin-Kumpel Gerhard Schröder als Vermittler, den keiner mehr ernst nimmt – in mir die Phantasiebilder weckt, in der Ukraine könnten womöglich bald die Waffen schweigen und die Drohnen am Boden bleiben. Wie Trump zum xten Mal schwadroniert, er macht jetzt Frieden mit dem Iran und der Verstand sagt: nicht schon wieder dieser Schwachsinn und der Bauch meint: vielleicht doch? Neander hat gesagt: „Ich will mich lieber zu Tode hoffen, als am Unglauben zugrunde gehen.Also Gedanken. Gedanken prägen Worte. Worte schaffen Wirklichkeiten.
511. Alt-Männer-Blues
02:19||Season 5, Ep. 511260511 PC-Roadmovie 5 VeteranentreffenMensch Mahler am 11.5.20261980 haben wir Examen gemacht. Vor 46 Jahren. Uli wurde erfolgreicher Architekt in Hamburg, Andreas ging in die Musik und in die Medienarbeit, Peter wurde zufriedener Dorfpastor, Arthur Pharmareferent und Kommunalpolitiker, Thomas wurde nach der pastoralen Laufbahn Therapeut. Uwe ging in seinen Geburtsort zurück, übernahm den Fußballverein und sitzt im Rat der Stadt. Ich selbst? Na ja, nach Pastor in der Kirchengemeinde, Jugendpfarrer, hauptamtlicher Friedensarbeiter und Rundfunkmensch bin ich im Ruhestand unruhig. Versuche, noch mitzumischen. Mit Mahler meint, Podcast, Geschäftsführer einer Stiftung, Parteimitglied und ehrenamtlicher Ruhestandspastor in meiner Kirchengemeinde – ach, irgendwie egal. Wir saßen heute an der Nordsee in einem wunderbaren Fischlokal und haben gemeinsam den Endlichkeits-Blues geschoben. Ja, wir werden gehen. Die größte Kränkung des Lebens ist die Endlichkeit. Wir sind sterblich. Ich denke, das ist auch gut so. Alles hat seine Zeit. Und so sehr wir kämpfen um unsere Wichtigkeit, um Fitness für Leib und Seele – es ist so sicher wie das Amen in der Kirche: wir gehen den Weg wie viele Generationen vor uns. Und die Welt wird sich ohne uns weiterdrehen. So denkt man halt mir über 70. Die Jungen übernehmen, machen die Musik und sie werden sie so machen, wie es ihnen entspricht. Unsere Aufgabe ist es, uns herauszunehmen. Ohne Groll, ohne: „Früher war alles besser“. War es nicht. Es war anders. Immer schon haben die Alten den Fortschritt argwöhnisch betrachtet - war es die Eisenbahn, die industrielle Revolution – heute die künstliche Intelligenz, die jetzt schon die Welt beherrscht. Schon immer war Fortschritt Chance und Gefahr. Und jede Generation musste sich auseinandersetzen mit dem, was ist und was es bedeutet – im Guten und im Schlechten.Ich möchte mich nicht davonmachen. Aber ich möchte mich versöhnen. Jetzt sind andere dran. Wir haben ihnen weiß Gott genug Erblast übertragen. Fördern wir sie, ohne ihnen im Weg zu stehen, wünschen wir ihr ihnen Glück und treten wir zurück. Wir hatten unsere Zeit und: es war uns ein Vergnügen. Danke. Ich habe fertig.
508. Gewinnen oder lernen
02:14||Season 5, Ep. 508260508PC Roadmovie4 Königsetappe Mensch Mahler am 8.5.2026Gestern habe ich es mir gegeben. 206 Kilometer mit dem Rad von Köln nach Osnabrück. Ich kam an meine Grenzen. Ich musste an Nelson Mandela denken der gesagt hat: Ich verliere nie. Entweder ich gewinne, oder ich lerne.Heute habe ich gewonnen – ich bin angekommen. Zur Belohnung gab es eine Rahmen vom Feinsten beim Osaka-Japaner in der Osnabrücker Partymeile. Gelernt habe ich eine ganze Meng.1. Verlass dich nur auf dich selbst und rechne mit den Fehlern der Anderen. Der Müllaster, der rechts abbiegt und mich nicht im Spiegel sieht. Anstatt zu fluchen, habe ich gebremst und gelächelt. Und der Fahrer des Mülltransporters lächelte auch und winkte etwas schuldbewusst-verlegen zurück.2. Finde die Balance zwischen rücksichtsvoll und selbstbewusst. Wenn du in Köln, Leverkusen oder Bochum nur defensiv fährst, kannst Du gleich schieben. Wenn Du aber offesiv und brutal auf deinem Recht beharrst, bist du im besten Fall nur ein Idiot und im Worst Case tot. Also; fahre und denke immer daran, dass der PKW im Ernstfall immer der stärkere ist.3. Meide Städte, auch wenn Komoot meint, Dich durchführen zu müssen. Die Radwege im Grünen, in kleinen Dörfern, durch den Wald, am Feld oder auch mal an einer Bundesstraße entlang steigern das Lustgefühl und animieren zum Pfeifen oder zum Singen.4. Und schließlich: erkundige dich genau nach der Streckenführung und den Höhenmetern. Vor allen Dingen dann, wenn Du Akku.-Management betreiben musst. Mir hat zum Beispiel keiner gesagt, dass es zwischen Münster und Osnabrück so gar nicht flach ist. Ich habe getrickst, bin mit und ohne Motor gefahren, habe zwei Akkus mit 1300 Watt Leistung und trotzdem: Kurz vor dem Ziel waren sie dann doch alle. Und dann kamen die brutalen Anstiege und ich hatte drei schwere Paktaschen auf dem Bike. Ich musste ja unbedingt meinen Rechner und mein halbes Tonstudio mitnehmen, um ihnen meinen Roadtrip brühwarm zu servieren. Ich hoffe, sie haben ein wenig Spaß daran. Morgen geht’s nach Ostfriesland.
507. Reisen. ist Begegnung
02:01||Season 5, Ep. 507260507PC Roadmovie3 – Reisen ist BegegnungMensch Mahler meint am 7.5.2026Fahrt mit der Bahn – sprechen wir nicht darüber. Nach Köln mit 2 ½ Stunden Verspätung. Anschlusszüge, die mir vor der Nase wegfahren, Flixtrain dazwischen, der geht mit dem Deutschlandticket nicht, kaputter Aufzug, 40 Kilo Rad incl. Gepäck die Treppe hochgeschleppt – aber alles egal. Das macht das Reisen nicht aus. Ich sehe den Dom und bin glücklich. Regnerisch und kalt – aber ich habe ja die richtigen Klamotten dabei. Morgen geht es 200 KM nach Osnabrück – mit dem Rad, das ist zuverlässig und hat nur Verspätung, wenn meine Wadl‘n schlappmachen. Die Reise ist Begegnung. Und die war heute besonders wertvoll. Ein Manager aus dem Automotive-Bereich, Mitte 50, ist inzwischen raus, was aber nicht weiter schlimm ist, jetzt fährt er mit dem Rad durch die Gegend, Zelt hinten drauf und dahin, wo es schön ist. Er ist auch in Köln ausgestiegen und trifft hier seine Tochter, die in Köln studiert.Wir tauschen uns aus, er ist weitgereist, war häufig in China und ich merke wieder mal, wie gut mir meine Begegnungen mit anderen Kulturen und Religionen getan haben. In Nicaragua, in den USA, Canada, México aber auch in Europa. Vor allem auch im Baltikum, wo ich einmal in Tallin auf einer internationalen Rundfunktagung einer der Key-Speaker war. Und natürlich der Europäischen Jugendrat von Europa. Irland, Niederlande und so weiter. Berlin, wo ich das Zusammenwachsen der Stadt nach der Vereinigung durch die Augen von Radio Paradiso sehen konnte. Gemeinsam haben wir festgestellt, dass Menschen, die viel gereist sind und sich auf andere Kulturen eingelassen haben, immun sind gegen faschistische und nationale Rattenfänger. Wie sie gelernt haben, sich auf das Anderssein des und der Anderen einzulassen. Nicht der Fremde macht uns Angst, sondern dass er fremd ist. Begegne dem, was auf dich zukommt, nicht mit Angst, sondern mit Hoffnung. Franz von Sales. Ein guter Rat, wie ich finde. Vor allem dann, wenn man reist.
506. Reistagebuch Teil 2
02:10||Season 5, Ep. 506260506MM Roadmovie 2 Mahler meint am 6.5.2026Mein Reisetagebuch, Tag 1. Eine kleine Anekdote vorab: Seit einigen Wochen bin ich Vegetarier im Land des Zwiebelrostbratens. Und Flugverweigerer. Beides hat vor allem mit dem Klima zu tun. Und mit meinen Enkelinnen, von denen mindestens 4 auf Fleisch und Wurst verzichten. Jule, 11, bekam neulich von der freundlichen Dame an der Wursttheke des Supermarktes eine Scheibe Lyoner angeboten. „Ich esse keine Leichen“ sagte sie freundlich lächelnd und ließ eine verdatterte Verkäuferin zurück, die die Welt in diesem Augenblick nicht mehr verstand.Ich bin sehr am Umstellen. Auto nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt, egal ob Verbrenner oder elektrisch. Also geht’s heute mit der Bahn nach Köln. Das Fahrrad für die Weiterfahrt nach Ostfriesland ist an Bord. Für mich ist das eine Reise in die Vergangenheit. Im zarten Alter von 16 Jahren flog mir der Zahn eines Sägeblatts, der von einer Kreissäge abgesplittert war, durchs Auge. Mit einem Höllentempo fuhr mich meine Schwester, knapp 19 und Führerscheinneuling nach Köln in Universitätsaugenklinik. Dort lag ich zwei Wochen und wurde mit Antibiotika vollgepumpt. Teilerfolg: Das Auge wurde gerettet – aber die Linse war hinüber. Viele Jahre und viele OPs später: eine künstliche Linse rechts. Was mir altem Antifaschisten den Spruch einbrachte: Der Mahler ist auf dem rechten Auge blind. Was nicht heißt, dass ich nicht wahrnehme, was rechts außen geschieht. Sondern dass ich eine Abneigung gegen alles Nationale und jegliche Deutschtümelei habe. Bis heute bekomme ich Invalidenrente. Und noch etwas habe isch in Kölle jelernt: Ich habe mich aus der Klinik geschlichen und in einer Kneipe ein Kölsch und einen halven Hahn bestellt. Das Bier war ok – das halbe Hähnchen erwies sich als Käsebrötchen. Besser Land, Leute und Dialekt lernen, wenn man irgendwo hinkommt. Heute Abend gibt’s in Köln Bayern gegen Paris. Man darf gespannt sein, ob das Coc au Vin oder die Weißwurscht ins Finale kommt.