Mensch Mahler | Die Podcast Kolumne

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Zeitenwende 2

Season 220609, Ep. 906

220608PC

Zeitenwende 2 – hat die Friedensbewegung versagt? .... Mensch Mahler am 08.06.2022


Jetzt werden sie wieder publiziert – die Bilder der frühen 1980iger Jahre. Was haben wir demonstriert, Menschenketten initiiert, uns in Mutlangen vor dem Atomwaffen Depot der US Army den Hintern plattgesessen, das Atomwaffendepot in der Waldheide in Heilbronn entzäunt und ein Teil eines Atomwaffen-Transporters gestohlen. Daraus hat ein Juwelier 12 kleine Pflugscharen geschmiedet. Sie wurden 12 verdienten Friedensaktivisten verliehen. Eine davon trage ich bis heute um den Hals.

Wir haben uns zu einem Veteranentreffen verabredet. Die Initiative Shalom, deren Geschäftsführer ich damals war, ist in die Jahre gekommen. Unter 60 ist niemand, über 80 einige. Wir wollen uns der Frage stellen, ob unser Einsatz angesichts des Überfalls von Putin nicht vergeblich war. Ich möchte das keinesfalls wahrhaben, denn dann war der Einsatz mit allen Mitteln – bis hin zum zivilen Ungehorsam in meiner Vita vergeblich. 

Ich glaube, dass es nicht umsonst war. Bewusstsein wurde geschaffen dafür, dass der Einsatz von militärischer Gewalt nur die Ultima Ratio sein darf, wenn alle anderen Mittel es nicht geschafft haben, die Massenmörder vom Schlage eines Milosevic, Hitler oder Putin zu stoppen. Ich bin Pazifist geblieben – wenn auch kein bedingungsloser mehr. 



 


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12/1/2022

Warten auf die Erlösung

Season 221201, Ep. 112
221201PC Warten auf die Erlösung. Mensch Mahler am 01.12.2022Was habe ich getan, dass ich so bestraft werde? fragte mich meine krebskranke Mutter. Sie war 48 Jahre alt und ist gestorben, ohne ihr 4. Enkelkind gesehen zu haben. Ich habe damals Theologie studiert. Meine Antwort lautete: Alles. Und nichts. Ich arbeitete gerade am Römerbrief. Dort steht im 8. Kapitel: „Ich bin mir ganz sicher, dass alles, was wir zurzeit erleiden, nichts ist, verglichen mit der Herrlichkeit, die Gott uns einmal schenken möchte. Darum wartet die ganze Schöpfung sehnsüchtig und voller Hoffnung auf den Tag, an dem Gott seine Kinder in diese Herrlichkeit aufnimmt.“ Das Leiden der Kreatur wartet auf die Erlösung. Im letzten Kirchenjahr ist es der blanke Wahnsinn gewesen. Ich habe einen guten alten Freund beerdigt. Kurz darauf starb ein weiterer guter Bekannter mit 55 Jahren an einem Hirntumor. Kurz darauf die Frau des besten Freundes unseres Sohns mit 37 am selben Tumor. Zwei Jahre nach dem Tod unserer Tochter, 36. Vor ein paar Wochen starb der Sohn eines gut befreundeten Ehepaares mit 25. Und am Montag beerdige ich meinen Lieblingsonkel, der sich im Krankenhaus eine Sepsis eingefangen hat. Die Vergänglichkeit, das Leiden der Schöpfung, die Hoffnung auf eine neue, andere Welt – nie hat sie mich so angefasst wie im letzten Jahr. Ich habe meinen Krebs überlebt – vorerst. Und so haben wir auf der Beerdigung von Tim, 25, mit unserem Gospelchor das Lied gesungen, das für mich zum Adventslied schlechthin geworden ist: We belive in annother Kingdom. Eine Welt ohne Leid, Schmerz und Geschrei. Wenn ich diese Hoffnung nicht hätte, würde ich einfach nur verzweifeln.