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Mensch Mahler | Die Podcast Kolumne

Leben in der Blase

Season 2, Ep. 227

230602PC Mit Widersprüchen leben. 

Mensch Mahler am 02. Juni 2023


67% Zustimmung für Erdogan von den in Deutschland lebenden Türken am vergangenen Sonntag bei der Stichwahl.

Sympathie für Erdogan? Zustimmung zu seiner freiheitseinschränkenden bis -verneinenden Politik? Und das in Deutschland, das die Freiheitsrechte schützt? Viele bringen das nicht zusammen.

Zum Beispiel hier die junge Frau mit Basecap, die Erdogan „cool“ findet. Dort die Beschränkung von Frauenrechten in der Türkei.

Hier der junge Türke aus dem ländlichen Raum, der den Daumen für Erdogan hebt und sagt: „Heimat isch wichtig“. Dort die Minderheiten in der Türkei, die sich in ihrer Heimat unterdrückt sehen.

Hier der Stolz auf den „starken Mann“ Erdogan. Dort der kranke Mann am Bosporus – wirtschaftlich gesehen.

Wie lässt sich das vereinbaren? Die Erklärung;: Dier Erdogan-Wähler hierzulande müssen nicht ausbaden, was sie gewählt haben.

Ein Wähler-Bashing führt aber nicht weiter. Die Einlassungen von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir , der das Wahlverhalten als „Absage an unser pluralistisches System“ interpretiert, wirken verhärtend statt lösungsorientiert. 

Wir leben alle auch in Blasen. So auch viele Türken in Deutschland in ihrer Community. Es fehlt an Austausch und gegenseitigem Interesse. Ja, die TürkInnen sind gleichberechtigter Teil unserer deutschen Gesellschaft. Sie gehören dazu. Antiliberale Haltungen hingegen nicht.


 





 


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  • 257. Kritische Liebe ist echte Liebe

    01:27
    240725PC ich liebe meine Kirche und mein Land kritischMensch Mahler am 25.7.2024Als der Rektor der theologischen Hochschule nach meinem Examen eine Beurteilung über meine Befähigung zum Gemeindepastor geschrieben hat, fand sich folgender Satz in der Empfehlung: Günter Mahler liebt die Gemeinde kritisch.Ja und so ist es geblieben, bis auf den heutigen Tag. Ich bin der evangelischen Freikirche der Baptisten treu geblieben, auch wenn es mir oft schwergefallen ist. Zu konservativ, zu eng, zu wenig innovativ.Aber: meine geistliche Heimat. In Deutschland bin ich auch geblieben. Ich habe gegen vieles protestiert. Gegen den NATO-Doppelschluss im heißen Herbst der 1980iger. Gegen ungerechte Wirtschaftsbeziehungen mit den armen Ländern des Südens. Gegen die Abschottungspolitik gegenüber Hilfe suchenden Geflohenen. Gegen eine Sozialpolitik, die die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer macht.Aber ich bin immer noch da. Und engagiert. Unsere bedrohte Demokratie, die zunehmende Militarisierung braucht streitbare, kritische Bürger. Ja, ich empfinde unserem Land gegenüber auch eine Verpflichtung. Diese Bundesrepublik hat mir viel gegeben. Ich will etwas davon zurückgeben. Auch, wenn ich dieses Land – ebenso wie meine Kirche – immer kritisch lieben werde.
  • Andre, die das Land so sehr nicht liebten

    04:33
    240724PC Andre, die das Land so sehr nicht liebtenMensch Mahler am 24.7.2024Ich war schon immer ein Folkie. Aber nicht nur englisch, sondern auch deutsch. Nachdenken über Heimat: da fällt mir sofort das Tübinger Due Zupfgeigenhansel ein.HookGründe auszuwandern, gibt es viele. Ich kenne auch einige, die Deutschland nicht ertragen haben und weg sind. In Neuseeland. Ich doch müsste mit dem eignen Messer meine Wurzeln aus der Erde dreh’n.
  • 237. Heimatliebe

    01:42
    240723PC Was ist Heimat – was ist Nationalismus?Mensch Mahler am 23.7.2024Es begann damit, dass mein 85jähriger Onkel Matthias Mahler seine Erinnerungen aufgeschrieben hat. Vertreibung, Flucht aus dem ehemaligen Jugoslawien, über die Balkanroute und Österreich nach Deutschland. So erfuhr ich mehr, als ich von meinem längst verstorbenen Vater und meiner Großmutter und Urgroßmutter über diese Zeit erfahren habe.Es ging damit weiter, dass ich lange mit meiner Schwester, der einzigen Überlebenden meiner Herkunftsfamilie, über vieles aus unserer gemeinsamen Vergangenheit gesprochen habe.Und jetzt schließlich habe ich ein Buch in die Hand bekommen – „Lichtungen“ von Iris Wolff. Sie stammt aus Siebenbürgen in Rumänien, die Geschichte spielt im Banat. Und genau von dort kommt die Familie meiner Mutter. Angesiedelt unter Maria Theresia, mehrmals zwischen Österreich Ungarn, Rumänien und .Ungarn hin und her geschoben. Hadad heißt Kriegsdorf. Immer an der Front. Spielball der Mächte nahe der ukranischen und moldauischen Grenze.Das Ganze wird komplettiert dadurch, dass es in Europa und weltweit einen Rechtsruck gibt.Was ist der Unterschied zwischen tumben Nationalismus und Heimatliebe  - die Besinnung auf die Wurzeln? Warum schwenken wir Deutsche nur beim Sommermärchen unsere Fähnchen= Wir bekommt man ein gesundes Selbstbewusstsein ohne Überheblichkeit? Darüber will ich in dieser Woche mit ihnen nachdenken. Und den Buchtipp eines tollen Romans als Begleitlektüre: Iris Wolff, Lichtungen, erschienen bei Klett-Cotta, 250 Seiten kosten im Hardcover 24 Euro.
  • 227. God bless America

    01:55
    240722PC God bless AmericaMensch Mahler am 22.7.2024Zurück aus dem Frankreich-Urlaub. Danke Julia, du hast mich toll vertreten – und jetzt geht’s für Dich und Deine Familie nach Österreich. In Frankreich war Wahlkampf. Wir haben wenig davon mitbekommen. Nicht in Paris, in der Bretagne, in Bordeaux. Umso mehr hat uns das Beharren an der Macht des alten Mannes Joe Biden beschäftigt. Und das Attentat auf Donald Trump. In seinem Buch „Der neunte Arm des Oktopus“ fantasiert Dirk Rossmann von einer Welt-Regierung Xi Ping, Vladimir Putin und Kamela Harris. Nachdem Joe Biden inzwischen bedenklich schwächelt, deutet vieles darauf hin, dass Harris tatsächlich Donald Trump herausfordern wird. Dem hat das Attentat auf ihn nur genützt. Jetzt ist er für die weißen Evangelikalen endgültig zur Erlösergestalt aufgestiegen. Jetzt ist das Land endgültig gespalten in solche, die Trump für den unverwundbaren Gesandten Gottes für die Rettung Amerikas verehren und in den Rest, der sich eine liberale, offene und basisdemokratische Politik wünscht.Was mich geradezu schockiert ist der schamlose Missbrauch des Namens Gottes. Donald Trump: „Überall floss Blut, und doch fühlte ich mich in gewisser Weise sehr sicher, denn ich hatte Gott auf meiner Seite.“ Gott mit uns auf den Koppelschlössern. Gottes Vorsehung hat den Führer beim Attentat am 20. Juli 1944 bewahrt. Die Kirchen haben mehrheitlich gratuliert. Der Missbrauch des Namens Gottes erlebt in den USA neue Höhenflüge. Wir, die Erwählten, der Rest die Verdammten. Aber: Gott ist nicht käuflich. Nicht weiß und kein Mann. Er ist Gerechtigkeit. Für alle Menschen. Der Rest ist pure Blasphemie. Das 2. Der 10 Gebote: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.“ Amen dazu. 
  • 1907. Erben und Vererben gehen steil

    02:17
    Es wird reichlich geerbt und vererbt in Deutschland. Der Wert der bei den Finanzämtern angemeldeten Erbschaften und Schenkungen hat sich im letzten Jahr deutlich erhöht, das wurde jüngst vom Statistischen Bundesamt gemeldet. Das steuerlich berücksichtigte geerbte und geschenkte Vermögen stieg gegenüber dem Vorjahr um fast 20 % auf den Höchstwert von 121,5 Milliarden Euro. Eine unfassbar hohe Zahl. Und man muss bedenken, dass all die nicht-versteuerten Erbschaften da nicht mitgezählt sind, deren wahrscheinlich immense Zahl kann man nur schätzen. Die meisten Erbschaften, Vermächtnisse und Schenkungen liegen nämlich innerhalb der Freibeträge, sodass in der Regel keine Steuer festgesetzt wird. Diese Beträge finde ich viel zu hoch: Jedes Elternteil hat für jedes Kind einen Freibetrag von aktuell 400.000 Euro. Ein Elternpaar kann also zusammen an jedes seiner Kinder 800.000 Euro steuerfrei weitergeben. Erst dann greift die Erbschaftsteuer, die wiederum aus meiner Sicht viel zu niedrig ist. Je nach Steuerklasse und dem Wert des Erbes liegt sie bei 7-30 %, für das, was noch über dem Freibetrag liegt. Eines ist doch klar: Geld vermehrt sich irgendwann von selbst, die vererbten Vermögen sind nicht immer nur selbst erarbeitet und damit schonmal versteuert, sondern zum Teil ja selbst schon geerbt. Oder man hat sich Wohneigentum leisten können, ein Haus, eine Eigentumswohnung, die ja in den meisten Fällen und je nach Lage enorm im Wert steigen. Unberücksichtigt bleibt bei den trockenen Zahlen des Statistischen Bundesamtes auch der Ost-West-Unterschied. Hier gibt es ihn nämlich aus historischen Gründen wirklich. Im Westen wird wesentlich mehr vermacht, und die, die erben, haben eine große Chance, später selbst wieder zu vererben. Esist ungerecht und die berühmte Schere zwischen arm und reich klafft weiter auseinander!
  • 1807. ‚Mars macht mobil bei Arbeit Sport und Spiel‘

    02:10
    Warum nur ist so schwer, auf Zucker und Süßes zu verzichten? Ich nehme mich da nicht aus, gerade nachmittags oder nach einem Essen ist das Verlangen groß. Jaja Dopamin, der Suchtfaktor. Wir alle wissen, dass übermäßiger Verzehr von Zucker für mehrere ernährungsbedingte Krankheiten wie Adipositas, Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauferkrankungen, Depressionen, Fettleber oder auch Schlafstörungen verantwortlich gemacht wird. Neuesten Untersuchungen zufolge auch für Demenz und Schlaganfall. Aber gehen wir mal zurück zum Anfang des Lebens. Die vielen Eltern, die versuchen, Zucker solange wie möglich von ihren Kindern fernzuhalten, machen es richtig, auch wenn es manchmal nervt. Gerade bei den Jüngsten steigt das Risiko für Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes erheblich und auch die Gehirnentwicklung kann beeinträchtigt sein, ganz abgesehen von Übergewicht. Nicht nur durch Studien, sondern längst durch die Realität belegt. Das alles will man doch nicht, oder? 70-100 g Zucker, auch in seiner versteckten Form, nehmen wir täglich zu uns, 50 g werden maximal empfohlen. Was wurde eigentlich aus der Zuckersteuer, die Ernährungsminister Cem Özdemir schon vor langer Zeit gefordert hat, so wie ein Verbot von Werbung für Süßes und Junkfood, die sich direkt an Kinder richtet? An der FDP gescheitert. Dabei hat die Zuckersteuer in Großbritannien tatsächlich Wirkung gezeigt. Vor einem Monat haben auch mehrere Bundesländer eine Steuer auf Softdrinks gefordert. Die Deutsche Adipositas Gesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung warnen ebenfalls gemeinsam. Letztlich wissen wir Bescheid und haben unseren Zuckerkonsum doch selbst in der Hand. Vielleicht eine kleine Challenge draus machen, mit wie wenig Zucker und Süßkram man auskommt. Jeden Tag neu.
  • 1707. 'Hurra, hurra, die Schule brennt!‘

    02:02
    'Hurra, hurra, die Schule brennt' sang man fröhlich mit der Band Extrabreit und tanzte dazu zackig, war eben 1980 - Neue Deutsche Welle. Der Spaß von damals kann einem gründlich vergehen, wenn man an den Brandanschlag auf das Gymnasium Tiergarten denkt. Täter, die sich offenbar gut in der Schule auskannten, hatten einen Putzwagen direkt vor dem Serverraum platziert und angezündet, das Fenster stand auf kipp. So gelangten die Flammen in den Raum und beschädigten Kabel. Löschwasser verhinderte dann wohl Schlimmeres. Doch der Brandgeruch ist schlimm, Technik kaputt, ein hoher Sachschaden entstanden. Und die Schülerinnen und Schüler konnten seit Montag nicht mehr zur Schule kommen, gerade diese letzten, eigentlich netten Tage vor den Ferien. Die Zeugnisse müssen heute wohl auf dem Schulhof überreicht werden. Es ist, gelinde gesagt, ein entsetzlicher Mist! Alles vor dem Hintergrund der schon länger andauernden harten Auseinandersetzung um den Gazakrieg. Schon die geplante Abifeier im Delphi-Kino musste abgesagt werden, weil viele Schüler vorher verkündet hatten, diese für pro-palästinensische Bekundungen zu nutzen und auf jeden Fall das sogenannte Palästinensertuch zu tragen. Ganz ehrlich, das alles gehört nicht in die Schule, nicht zu diesem so bedeutsamen Schritt, das Abi nach all den Jahren bestanden zu haben. Alle, die nicht an vorderster Front bei diesem Konflikt stehen, es anders beurteilen oder einfach eher unpolitisch sind, werden in Mithaftung genommen. Das Gleiche gilt für die Unis, Diskussionen ja, auch Aktionen, aber Niederbrüllen, Sachbeschädigung bis hin zum Lahmlegen einer ganzen Schule, nein! Es gibt übrigens auch andere Möglichkeiten, sich für die leidenden Menschen im Gazastreifen zu engagieren und wirklich zu helfen.
  • 1607. Die starken Frauen in der Politik

    02:15
    „Politik ist eine viel zu ernste Sache, als dass man sie allein den Männern überlassen könnte.“ Dieser Satz stammt von Käte Strobel, die in den 60ern u.a. Gesundheitsministerin war. Wiederentdeckt wie viele andere kluge Aussagen von Politikerinnen in dem Film ‚Die Unbeugsamen‘, der vor 3 Jahren in die Kinos kam und sich dort sehr lange gehalten hat. Man muss keine Feministin, kein Feminist sein, um diese Doku einfach grandios zu finden. Regisseur Torsten Körner, porträtiert darin Frauen der Bonner Republik, die um Teilhabe an politischen Entscheidungsprozessen kämpften und dies oft mit Erfolg. Viele Pionierinnen der ersten Jahrzehnte Bundesrepublik, wie etwa Herta Däubler-Gmelin, Christa Nickels und Rita Süssmuth werden abwechselnd zu den historischen Filmaufnahmen interviewt. Man hört ihnen gerne zu und muss oft schmunzeln, nebenbei zieht die jüngere Geschichte nochmal vorüber. Unvergessen z.B. die Grüne Waltraud Schoppe, die 1983 über Sexismus um Bundestag sprach, auch über Sexualität in den noch patriarchalischen Strukturen in der deutschen Gesellschaft und dafür höhnische Kommentare und Gelächter zu hören bekam. Mutig zieht sie aber ihr Thema und ihre Rede u.a. zum Paragraph 218 durch. Oder die Zerrissenheit auch der liberalen Frauen, als die FDP 1982 abrupt die Koalition mit der SPD verließ und mit der CDU den Machtwechsel herbeiführte. Bei mir hat dieser Film zu großem Respekt vor diesen engagierten Frauen geführt, vor Politik allgemein, die in jüngster Zeit ja allzu oft verächtlich gemacht wird und deren Protagonisten oft rundweg abgelehnt werden. Ein erfreulicherweise noch in manchen Kinos und sowieso in verschiedenen Mediatheken gezeigter Film: ‚Die Unbeugsamen‘ – 100 Minuten lang, davon keine einzige langweilig.
  • 1507. Meine Eltern sind nicht im Internet

    01:34
    Meine Eltern sind nicht im Internet. Ich kann sie nicht über Ecosia oder Bing finden und auch nicht einfach googeln. Der Grund ist ganz einfach: sie sind zu früh gestorben: 1979 und 1988 – es gab noch kein Internet, schon gar nicht für den persönlichen, alltäglichen Gebrauch. Sie kannten keine Emails, keine Handys oder Smartphones und keine sozialen Medien. Dass ich sie dort nirgends finden kann, sie im Netz nirgendwo verewigt sind, ist vielleicht ganz gut. Andererseits auch traurig. Fotos haben wir, aber keine Filme, keine Videos, nicht mal mehr die Möglichkeit, ihre Stimme zu hören. Wie ist das aber umgekehrt bei all den Verstorbenen der letzten 3 Jahrzehnte? Das öffentliche World Wide Web gibt es seit 1993 und damit inzwischen eine Flut von Fotos, Texten, Videos, Chats auf Whatsapp und Co. Der eine oder die andere hat noch einen Facebook-Account, von Instagram und weiteren Portalen ganz zu schweigen. Üppige und dauerhafte Präsenz im Netz. Von meiner Mutter und meinem Vater habe ich hingegen nur Fotos, Briefe, Erinnerungen und die Erzählungen von Menschen, die sie kannten. Aber meine Eltern sind nicht im Internet und ich habe nicht vor, dies zu ändern.