Mensch Mahler | Die Podcast Kolumne

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50 Jahre nach den Grenzen des Wachstums

Season 220915, Ep. 1509

15.09.2022PC Earth for all. Mensch Mahler am 15.09.2022 

Vielleicht ist es noch nicht zu spät. 50 Jahre nach dem Report des Club of Rome „Die Grenezen des Wachstums“ erscheint in diesen Tagen das Nachfolgewerk „Earth for all“. All das, was vor 50 Jahren vorausgesagt wurde, ist eingetroffen. Nein, schlimmer noch: Die Szenarien, die das internationale ForscherInnenteam des Club of Rome vor 50 Jahren entworfen hat, sind allesamt übertroffen worden – im negativen Sinn. Fünf Themen waren es damals, fünf Themen sind es heute:

-       die Armut im globalen Süden

die grassierende Ungerechtigkeit

-       die Entwicklung einer regenerativen und naturverträglichen Landwirtschaft

-       die umfassende Energiewende

-       und die Gleichstellung der Frauen. 

Mit diesen 5 Programmpunkten könnte das Steuer des trägen »Tankers Erde« von seinem zerstörerischen Kurs noch abgebracht werden. Dafür verbinden die Forschenden aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse mit innovativen Ideen für eine andere Wirtschaft. Der aktuelle Bericht an den Club of Rome liefert eine politische Gebrauchsanweisung für die wesentliche Handlungsfelder, in denen mit vergleichbar kleinen Weichenstellungen große Veränderungen erreicht werden können. Sie behaupten: noch haben wir eine nicht ganz unrealistische Chance. Aber wir müssen sie ergreifen: jetzt. Und alle. Also auch Sie und ich. Unbedingt lesen, wenn sie an der Zukunft unseres Planeten interessiert sind und handeln möchten: Earth for all, herausgegeben vom Club of Rome, 256 Seiten kosten 25 Euro, die die Welt verändern können. Wenigstens für die Leserin, den Leser.


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12/1/2022

Warten auf die Erlösung

Season 221201, Ep. 112
221201PC Warten auf die Erlösung. Mensch Mahler am 01.12.2022Was habe ich getan, dass ich so bestraft werde? fragte mich meine krebskranke Mutter. Sie war 48 Jahre alt und ist gestorben, ohne ihr 4. Enkelkind gesehen zu haben. Ich habe damals Theologie studiert. Meine Antwort lautete: Alles. Und nichts. Ich arbeitete gerade am Römerbrief. Dort steht im 8. Kapitel: „Ich bin mir ganz sicher, dass alles, was wir zurzeit erleiden, nichts ist, verglichen mit der Herrlichkeit, die Gott uns einmal schenken möchte. Darum wartet die ganze Schöpfung sehnsüchtig und voller Hoffnung auf den Tag, an dem Gott seine Kinder in diese Herrlichkeit aufnimmt.“ Das Leiden der Kreatur wartet auf die Erlösung. Im letzten Kirchenjahr ist es der blanke Wahnsinn gewesen. Ich habe einen guten alten Freund beerdigt. Kurz darauf starb ein weiterer guter Bekannter mit 55 Jahren an einem Hirntumor. Kurz darauf die Frau des besten Freundes unseres Sohns mit 37 am selben Tumor. Zwei Jahre nach dem Tod unserer Tochter, 36. Vor ein paar Wochen starb der Sohn eines gut befreundeten Ehepaares mit 25. Und am Montag beerdige ich meinen Lieblingsonkel, der sich im Krankenhaus eine Sepsis eingefangen hat. Die Vergänglichkeit, das Leiden der Schöpfung, die Hoffnung auf eine neue, andere Welt – nie hat sie mich so angefasst wie im letzten Jahr. Ich habe meinen Krebs überlebt – vorerst. Und so haben wir auf der Beerdigung von Tim, 25, mit unserem Gospelchor das Lied gesungen, das für mich zum Adventslied schlechthin geworden ist: We belive in annother Kingdom. Eine Welt ohne Leid, Schmerz und Geschrei. Wenn ich diese Hoffnung nicht hätte, würde ich einfach nur verzweifeln. 
11/29/2022

Die erste Kerze brennt

Season 221129, Ep. 2911
221129PC die erste Kerze brennt Mensch Mahler am 29.11.2022Ist bei Ihnen am Sonntag auch die erste Kerze entzündet worden? Spekulatius und Punsch, Stimmung und adventliche Musik? Jahr für Jahr fiebern viele Menschen auf die Adventszeit zu. Warten. Hoffen. Ausschau halten. Wonach eigentlich? Nach der heilen Welt, der Familie, die wieder ganz wird, das Ende des Krieges und der Zerstörung. Es soll Frieden werden. In jeder Beziehung. Die erste Kerze ist für uns ein Symbol. Licht, Hoffnung, Wärme, Geborgenheit. Für viele Menschen in der Ukraine oder in Syrien ist die Kerze die einzige Lichtquelle und oft auch der einzige kleine Wärmespender. Der Terror Russlands und der Türkei richtet sich auf die Zivilbevölkerung. Sie soll durch Hunger, Durst und Kälte in die Knie gezwungen werden. Ich frage mich, welches Kriegsziel Vladimir Putin eigentlich noch verfolgt. Eigentlich ist das ganze Tun sinnlos, für alle Seiten.Ich stelle mir also vor, wie Menschen im Wohnzimmer sitzen in Kiew, Aleppo und Cherson. Mit einer Kerze. Ich stelle mir vor, wie sie ihre ganze Hoffnung und ihre ganze Angst hineinlegen in dieses kleine Licht, in diese kleine Wärmequelle. Und so möchte ich mit ihnen und den Menschen in der Ukraine und in Syrien und überall sonst auf der Welt beten mit den Worten von Lutz Friedrichs, in der Hoffnung, dass einer uns hört:Du fragst:Was soll’s, dass wir beten?Wir können doch nichts bewegen,nicht aufhalten Rakete und Panzer.Aber wir können was tun –und das ist:festhalten an unseren Träumen.Du fragst,was nützt’s, dass wir beten?Wir können doch nichts bewegen.„Die da oben lassen sichvon uns nicht reinreden!“Aber wir können was tun –und das ist:sagen, was uns nicht passt.Du fragst:was bringt’s, dass wir beten?Wir können doch nichts bewegen:auch wenn wir dagegen sind –Krieg kommt.Aber wir können was tun –und das ist:gemeinsam beten,und die Stimme erheben.(Pfarrer Dr. Lutz Friedrichs, Hofgeismar)