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Mensch Mahler | Die Podcast Kolumne

Die tägliche Podcast Kolumne mit Journalist Günter Mahler

In einer komplizierten Welt wünschen sich viele einfache Antworten. Die gibt es aber nicht. Wenn man als Christ, die Welt besser machen will, muss man die richtigen Fragen stellen. Das tut Pfarrer, Moderator und Kolumnis
12/1/2022

Warten auf die Erlösung

Season 221201, Ep. 112
221201PC Warten auf die Erlösung. Mensch Mahler am 01.12.2022Was habe ich getan, dass ich so bestraft werde? fragte mich meine krebskranke Mutter. Sie war 48 Jahre alt und ist gestorben, ohne ihr 4. Enkelkind gesehen zu haben. Ich habe damals Theologie studiert. Meine Antwort lautete: Alles. Und nichts. Ich arbeitete gerade am Römerbrief. Dort steht im 8. Kapitel: „Ich bin mir ganz sicher, dass alles, was wir zurzeit erleiden, nichts ist, verglichen mit der Herrlichkeit, die Gott uns einmal schenken möchte. Darum wartet die ganze Schöpfung sehnsüchtig und voller Hoffnung auf den Tag, an dem Gott seine Kinder in diese Herrlichkeit aufnimmt.“ Das Leiden der Kreatur wartet auf die Erlösung. Im letzten Kirchenjahr ist es der blanke Wahnsinn gewesen. Ich habe einen guten alten Freund beerdigt. Kurz darauf starb ein weiterer guter Bekannter mit 55 Jahren an einem Hirntumor. Kurz darauf die Frau des besten Freundes unseres Sohns mit 37 am selben Tumor. Zwei Jahre nach dem Tod unserer Tochter, 36. Vor ein paar Wochen starb der Sohn eines gut befreundeten Ehepaares mit 25. Und am Montag beerdige ich meinen Lieblingsonkel, der sich im Krankenhaus eine Sepsis eingefangen hat. Die Vergänglichkeit, das Leiden der Schöpfung, die Hoffnung auf eine neue, andere Welt – nie hat sie mich so angefasst wie im letzten Jahr. Ich habe meinen Krebs überlebt – vorerst. Und so haben wir auf der Beerdigung von Tim, 25, mit unserem Gospelchor das Lied gesungen, das für mich zum Adventslied schlechthin geworden ist: We belive in annother Kingdom. Eine Welt ohne Leid, Schmerz und Geschrei. Wenn ich diese Hoffnung nicht hätte, würde ich einfach nur verzweifeln. 
11/29/2022

Die erste Kerze brennt

Season 221129, Ep. 2911
221129PC die erste Kerze brennt Mensch Mahler am 29.11.2022Ist bei Ihnen am Sonntag auch die erste Kerze entzündet worden? Spekulatius und Punsch, Stimmung und adventliche Musik? Jahr für Jahr fiebern viele Menschen auf die Adventszeit zu. Warten. Hoffen. Ausschau halten. Wonach eigentlich? Nach der heilen Welt, der Familie, die wieder ganz wird, das Ende des Krieges und der Zerstörung. Es soll Frieden werden. In jeder Beziehung. Die erste Kerze ist für uns ein Symbol. Licht, Hoffnung, Wärme, Geborgenheit. Für viele Menschen in der Ukraine oder in Syrien ist die Kerze die einzige Lichtquelle und oft auch der einzige kleine Wärmespender. Der Terror Russlands und der Türkei richtet sich auf die Zivilbevölkerung. Sie soll durch Hunger, Durst und Kälte in die Knie gezwungen werden. Ich frage mich, welches Kriegsziel Vladimir Putin eigentlich noch verfolgt. Eigentlich ist das ganze Tun sinnlos, für alle Seiten.Ich stelle mir also vor, wie Menschen im Wohnzimmer sitzen in Kiew, Aleppo und Cherson. Mit einer Kerze. Ich stelle mir vor, wie sie ihre ganze Hoffnung und ihre ganze Angst hineinlegen in dieses kleine Licht, in diese kleine Wärmequelle. Und so möchte ich mit ihnen und den Menschen in der Ukraine und in Syrien und überall sonst auf der Welt beten mit den Worten von Lutz Friedrichs, in der Hoffnung, dass einer uns hört:Du fragst:Was soll’s, dass wir beten?Wir können doch nichts bewegen,nicht aufhalten Rakete und Panzer.Aber wir können was tun –und das ist:festhalten an unseren Träumen.Du fragst,was nützt’s, dass wir beten?Wir können doch nichts bewegen.„Die da oben lassen sichvon uns nicht reinreden!“Aber wir können was tun –und das ist:sagen, was uns nicht passt.Du fragst:was bringt’s, dass wir beten?Wir können doch nichts bewegen:auch wenn wir dagegen sind –Krieg kommt.Aber wir können was tun –und das ist:gemeinsam beten,und die Stimme erheben.(Pfarrer Dr. Lutz Friedrichs, Hofgeismar)
11/28/2022

Heal the world

Season 221128, Ep. 2811
221128PC Heal the world – Mensch Mahler am 28.11.2022Wir sind nicht Better Place. Wir sind eudim – eine vergleichsweise kleine Stiftung, die in den letzten 33 Jahren dennoch einiges bewegt hat. Euer Überfluss diene ihrem Mangel lautet unser Motto. Was wir zu viel haben, haben andere zu wenig. Also Ausgleich. Immerhin 373 Projekte in der ganzen Welt konnten wir unterstützen – mir knapp 2 Millionen Euro. Wir sind ein wenig stolz, weil wir das alles im Ehrenamt schaffen. Am Wochenende konnte wir vier Projekte unterstützen: einen Frauennotruf, Eine Schule in Uganda und Armenspeisungen in Aleppo und die Ausbildung von Frauen im Männerberuf Solartechnik in Malawi.  Mit geht   Better Place immer im Kopf herum. Daran ist nicht die Crowd-Funding Plattform in Berlin schuld, sondern Michael Jackson.Er geht mit im Kopf herum: Hook: Heal the WorldMake it a better placeFor you and for me, and the entire human raceThere are people dyingIf you care enough for the livingMake a better place for you and for meEs gibt einen Platz in deinem HerzenUnd ich weiß, dass es Liebe istUnd dieser PlatzKönnte viel heller sein als morgen.Und wenn du es wirklich versuchstWirst du feststellen dass du nicht zu weinen brauchstAn diesem Ort wirst duWeder Schmerzen noch Sorgen habenEs gibt Wege das zu erreichenWenn du genug tust im LebenDann schaffe dir etwas RaumUnd mach daraus einen besseren OrtIch könnte es nicht besser ausdrücken als Michale Jackson, was mich antreibt und mein Herz berührt: Mache einen besseren Platz für einige Menschen. Für sie verändert sich die ganze Welt. Hook: Heal the WorldMake it a better placeFor you and for me, and the entire human raceThere are people dyingIf you care enough for the livingMake a better place for you and for meWollen sie uns beim arbeiten zusehen? www.eudim.de ist unsere Homepage. 
11/25/2022

Die Gaspreisbremse ist unsozial

Season 221125, Ep. 2511
221124PC Die Gaspreisbremse ist unsozial. Mensch Mahler am 24.11.2022 Die Gaspreisbremse ist da. 90 Milliarden Euro will die Bundesregierung für Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen bis 2024 ausgeben. Das ist viel Geld, das schnell und unbürokratisch helfen soll. Die traurige Wahrheit ist jedoch, dass das die soziale Krise nicht stoppen wird, sondern die größte Last nach wie vor auf den Menschen liegt, die wenig Einkommen, einen geringen Verbrauch und keinen Schutzmechanismus haben. So wird die Gaspreisbremse die soziale Schieflage verschärfen. Denn die Gaspreisbremse einen Konstruktionsfehler: Sie setzt weiter primär auf den Preis. Essenzielle Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Supermärkte sollen oberste Priorität, Bürgerinnen und Bürger die zweite Priorität und alle anderen Unternehmen die dritte und niedrigste Priorität haben. Fazit: Bei Wohlhabenden ist das Einsparpotenzial am größten.Die Logik ist klar: Der Preismechanismus verteilt eben nicht automatisch knappe Energie nach dieser Priorität. Ein Autokonzern hat größere Kaufkraft und die Fähigkeit, höhere Energiekosten auf Kunden umzulegen, anders als ein Krankenhaus, ein Supermarkt oder eine Rentnerin.  Der Gaspreisdeckel bricht mit diesem Prinzip der Solidarität und der Absicherung der verletzlichsten Gruppen. Die Bundesregierung verlässt sich fast ausschließlich auf den Preismechanismus, um knappes Gas und Strom zu verteilen. Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger werden sehr ähnlich entlastet, indem sie für die ersten 70 beziehungsweise 80 Prozent des Verbrauchs circa zwölf Cent pro Kilowattstunde Gas und Fernwärme zahlen müssen. Wobei Unternehmen noch stärker bevorzugt werden, da sie weitere Einsparungen für viel Geld im Markt weiterverkaufen und den Ertrag behalten dürfen – Bürger jedoch nicht. 
11/24/2022

Kulturelles Arschkriechen im Namen der Toleranz

221124PC Kulturelles Arschkriechen im Namen der Toleranz. Mensch Mahler am 24.11.2022 In Katar gehen polizeiliche Religionswächter Fußballtouristinnen in den Stadien and die Wäsche und zählen die Farbstreifen auf den knappsitzenden T-Shirts und schauen, ob sie daraus eine Regenbogenfahne basteln können. Dann kriegt die Touristin ein Problem, wovon Stadionverbot noch das geringste ist. In der Türkei geht Erdogan immer offener und brutaler gegen Christen und Kirchen vor. So tolerant und weltoffen gegen unsere arabisch-muslimischen Freunde mit unseren Werten und unserer Kultur um, während wir ihnen in den Arsch kriechen und das für Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Religionen halten. In Wirklichkeit sind es schlecht getarnte Wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen. Kulturstaatsministerin Claudia Roth von den Grünen hat indes ganz andere Sorgen. Sie hat die Idee bestärkt, eine umstrittene Inschrift an der Kuppel des Berliner Schlosses, seit zwei Jahren Sitz des Humboldt-Forums, zeitweise in einem Kunstprojekt zu überblenden. Bei der als Spruchband um die Kuppel gelegte Inschrift handelt es sich um zusammengesetzte Bibelverse, die seit Längerem heftig diskutiert werden. Die Unions-Bundestagsfraktion hatte Roth nun vorgeworfen, das Bibelzitat verhüllen zu wollen. Roth korrigierte daraufhin: Das Projekt sehe eine "temporäre Überblendung der rekonstruierten Inschrift mit alternativen, kommentierenden und reflektierenden Texten vor“. Ach Claudia, was haben wir vor 8 Jahren schön Wahlkampf in Hellersdorf zusammen gemacht. Jetzt halt den Ball mal flach. Das ist ein Denkmal und die Aussagen der Kaiser Zeit stehen für sich und sind keine politischen Statements der toleranten und weltoffenen Bundesrepublik. Bring mich bitte nicht dazu, doch noch CDU-Wähler zu werden!