Das Goldene Vlies / Der Literaturpodcast

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#9 'Herr der Fliegen' vs. 'Jugend ohne Gott': Nature vs. Nurture

Season 1, Ep. 9

Wird man erst zu einem 'guten Menschen' erzogen - oder wird man schon so geboren und dann wird es einem wieder abtrainiert? Auf einer Reise in die Südsee und in den Wald um die Ecke versucht diese Folge jene Frage zu beantworten. Es geht an abgelegene Orte – und dabei doch eigentlich mitten hinein in das Herz der Gesellschaft.

Denn beide Bücher – ‚Herr der Fliegen’ (William Golding) und ‚Jugend ohne Gott’ (Ödön von Horváth) – verpflanzen eine kleine, überschaubare Gruppe von Kindern in ein isoliertes Biotop - und betrachten dann, wie sich die Kinder entwickeln, wenn man sie von den Regeln der Gesellschaft abtrennt und sie sich selbst überlässt. Welchen Weg nehmen die Kinder wenn sie keiner Disziplinargewalt mehr unterworfen sind? Es stellt sich die uralte Frage: wer ist der freie Mensch? Ein guter? Ein schlechter? Wie sind wir, wenn wir nicht durch die Gesellschaft zur Moral angehalten – oder – wie die Gegenseite sagen würde: von der Gesellschaft verdorben werden? Welches soziale Agieren ist ursprünglich in uns angelegt? Und was anerzogen?

Die Halbwüchsigen als Experimentierfeld für allerhand Hypothesen…

(33:38) Das, was die Kinder auf der Insel an Strukturen aufbauen geht jedoch zu großen Teilen darauf zurück, was sie zuvor gelernt haben. Sowohl gute Benimmregeln als auch gefährliches Gedankengut, das sie mitbringen, worauf die Referenz auf ‚The Coral Island’ von R.M. Ballantyne verweist. (Inhaltsangabe unter: https://en.wikipedia.org/wiki/The_Coral_Island)

Denn in ‚The Coral Island’ spiegeln die Kinder die imperialistische Weltsicht ihrer Zeit (und ihres Autors) wider, wie dieser Artikel der Göteborgs Universitet darlegt:

https://gupea.ub.gu.se/bitstream/2077/29485/1/gupea_2077_29485_1.pdf

(01:15:05) Der ‚Lord of the Flies’ oder den Fliegengott haben William Golding oder Goethe nicht selbst erfunden – sondern vor mehr als 3000 Jahren wurde damit der Gott Baal als das Böse per se umgedeutet:

https://de.wikipedia.org/wiki/Beelzebub

 

Alle Zitate beziehen sich auf folgende Ausgaben:

Golding, William, Herr der Fliegen, Fischer, Frankfurt 1997

Horváth, Ödön von, Jugend ohne Gott, Suhrkamp, 1994

 

05:52 Horváth, S. 39

09:30 Golding, S. 25f.

13:58 Horváth, S. 98

15:42 Golding, S. 23

17:10 Golding, S. 26

18:27 Golding, S. 103f.

20:16 Golding, S. 199f.

22:02 Golding, S. 90f.

23:15 Golding, S. 172

27:30 Golding, S. 24

28:16 Golding, S. 227

29:55 Horváth, S. 45

31:02 Golding, S. 73

32:16 Golding, S. 105

34:50 Golding, S. 49

40:25 Golding, S. 172f.&176f.

43:13 Horváth, ÖS. 80

44:16 Horváth, S. 115

45:56 Golding, S. 228

46:58 Horváth, S. 44

47:42 Horváth, S. 128ff.

54:40 Golding, S. 22&56

55:15 Golding, S. 47

55:45 Golding, S. 23&54

57:28 Horváth, S.72&105

58:50 Golding, S. 89

1:00:58 Horváth, S.147f.

1:02:08 Horváth, S. 106

1:05:53 Horváth, S. 53f.

1:08:00 Horváth, S. 63

1:10:43 Horváth, S. 139

1:13:36 Golding, S. 6

1:15:14 Golding, S. 162f.

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3/8/2022

#15 Feminismus oder Apokalypse ✊ Die Wand vs. Z for Zachariah

Season 2, Ep. 5
Feminismus oder Apokalypse: ‘Die Wand’ vs. ‘Z for Zachariah’Dass toxische Männlichkeit uns eines Tages ausrotten könnte, scheint nicht mehr sehr weit hergeholt zu sein. Aber wie nah Apokalypse und Feminismus wirklich beieinander liegen, zeigen ‘Z for Zachariah’ (R.C. O’Brien) und ‘Die Wand’ (M. Haushofer). In beiden Romanen kämpft jeweils eine Frau, die ganz allein in einer postapokalyptischen Welt zurückgeblieben ist, in einem abgeschiedenen Tal ums Überleben. Und dabei reflektieren beide die verblichene Gesellschaft: welche Rolle sie ihnen zugewiesen hatte, welche Spiele sie selbst mitgespielt haben - von Mutterschaft über den male gaze, den männlichen Blick, bis hin zu Mansplaining. Sich davon endlich frei zu machen und außerdem einen neuen Sinn für ein erfülltes Frauenleben zu finden, das scheint selbst in diesem Kontext schwierig genug. Da braucht es dann wirklich nicht noch finstere Typen, die von außen eindringen, um alles wieder kaputt zu machen und alte Strukturen zu etablieren…Die Studie zur Care-Arbeithttps://www.oxfam.de/unsere-arbeit/themen/care-arbeitDer Essay, der Mansplaining 2008 mit entlarvt hat, ist in dieser Essaysammlung zu finden:Solnit Rebecca, Men Explain Things to Me, Haymarket Books, Chicago, 2014Hier kann man zu Frauen und Wut weiterlesen:Hoeder, Ciani-Sophia, Wut und Böse, Hanser Verlag, München, 2021Die ‘Schriftstellerin aus Notwehr’:Krien, Daniela, Die Liebe im Ernstfall, Diogenes, Zürich, 2019Alle Zitate beziehen sich auf:Haushofer, Marlen, Die Wand, List Taschenbuch, Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin, 2004O’Brien, Robert C., Z for Zachariah, The Simon Pulse Edition, New York, 200708:34 Haushofer, Marlen, Die Wand, S. 221f.09:17 O’Brien, Robert C., Z for Zachariah, S. 24211:35 Haushofer, Marlen, Die Wand, S. 202f.21:39 Haushofer, Marlen, Die Wand, S. 5122:51 O’Brien, Robert C., Z for Zachariah, S. 10431:35 O’Brien, Robert C., Z for Zachariah, S. 4534:20 O’Brien, Robert C., Z for Zachariah, S. 151f.35:33 O’Brien, Robert C., Z for Zachariah, S. 70f.40:19 O’Brien, Robert C., Z for Zachariah, S. 149f.41:40 O’Brien, Robert C., Z for Zachariah, S. 14243:03 O’Brien, Robert C., Z for Zachariah, S. 23143:40 O’Brien, Robert C., Z for Zachariah, S. 3647:00 O’Brien, Robert C., Z for Zachariah, S. 162 & S. 23148:03 Haushofer, Marlen, Die Wand, S. 122f.49:23 Haushofer, Marlen, Die Wand, S. 27554:03 Haushofer, Marlen, Die Wand, S. 9955:46 O’Brien, Robert C., Z for Zachariah, S. 5556:39 Haushofer, Marlen, Die Wand, S. 259 & S. 15157:40 Haushofer, Marlen, Die Wand, S. 73f.58:54 Haushofer, Marlen, Die Wand, S. 23959:38 Haushofer, Marlen, Die Wand, S. 22401:00:00 Haushofer, Marlen, Die Wand, S. 701:00:44 O’Brien, Robert C., Z for Zachariah, S. 501:04:42 Haushofer, Marlen, Die Wand, S. 211f.01:05:55 Haushofer, Marlen, Die Wand, S. 18501:08:26 Haushofer, Marlen, Die Wand, S. 124