Mittelweg 36

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Generalisieren

Season 1, Ep. 5

Was haben Chicago und Fruchtfliegen gemeinsam? Sie nehmen in der Soziologie beziehungsweise der Biologie jeweils die Rolle von „Model Cases“ ein. Es handelt sich um besonders gut beforschte Einzelfälle, deren Eigenschaften generalisiert werden und die unsere allgemeinen Vorstellungen – etwa von der amerikanischen Stadt – unverhältnismäßig stark prägen. Anhand des gleichnamigen Buchs von Monika Krause sprechen wir über das Generalisieren in den Sozial- und Literaturwissenschaften und fragen nach der Bedeutung von Gelegenheitsstrukturen in Forschungsprozessen, den Folgen der Kanonisierung von Denker:innen und der Rolle, die Geschichtsphilosophie bei der Konzentration auf „Model Cases“ spielt.


Carlos Spoerhase ist Professor für Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld.


Literatur:


Andrew Piper: Can We Be Wrong? The Problem of Textual Evidence in a Time of Data, Cambridge UP 2020.

Angela N. H. Creager / Elizabeth Lunbeck / M. Norton Wise (Hg.): Science without Laws: Model Systems, Cases, Exemplary Narratives, Duke UP 2007.

Daniel Silver / Cinthya Guzman / Sébastien Parker / Lars Döpking: The Rhetoric of the Canon: Functional, Historicist,

and Humanist Justifications, in: The American Sociologist 2022.

Heike Behrend: Menschwerdung eines Affen. Eine Autobiografie der ethnografischen Forschung, Matthes & Seitz Berlin 2020.

Laurent Binet Die siebte Sprachfunktion, Rowohlt 2018, aus dem Französischen übersetzt von Kristian Wachinger.

Marc Escola: La preuve par Proust, in: Nouvelle revue d’esthétique 2/2020, S. 53–68.

Monika Krause: Model Cases. On Canonical Research Objects and Sites, Chicago UP 2021, erscheint 2023 in deutscher Übersetzung in der Hamburger Edition.


Kontakt: podcast@his-online.de

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9/20/2022

Preisen

Season 1, Ep. 7
Bald ist es wieder so weit: Die schwedische Akademie verkündet, wer in diesem Jahr den Literaturnobelpreis erhält. Die Haltung zu diesem und zu anderen Literaturpreisen ist ambivalent: Die Bekanntgabe der Preisträger*innen wird mit Spannung erwartet und von der Öffentlichkeit mit großem Interesse verfolgt, die getroffene Wahl aber nicht selten skandalisiert. Über Inszenierung und Logik der Preisvergabe, die Folgen für das literarische Leben und den Betrieb sowie die Unterschiede zu Rankings unterhält sich Jens Bisky mit dem Literaturwissenschaftler Carlos Spoerhase und dem Soziologen Tobias Werron. Sie fragen: Wie würde ein Ranking der wichtigsten Literaturpreise aussehen?     Carlos Spoerhase ist Professor für Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität MünchenTobias Werron ist Professor für Soziologische Theorie und Allgemeine Soziologie an der Universität BielefeldLiteratur: James F. English: „The Economy of Prestige. Prizes, Awards, and the Circulation of Cultural Value“, Harvarp UP 2008.Lisa McCormick: „Performing Civility. International Competitions in Classical Music“, Cambridge UP 2015.Edward St. Aubyn: „Der beste Roman des Jahres“, Piper 2015, aus dem Englischen von Nikolaus Hansen.Giacomo Negro / Balázs Kovács / Glenn R. Caroll: „Whats Next? Artist’s Music after Grammy Awards“, in: American Sociological Review 202, Vol. 87 (4), S. 644–674.Thomas Bernhard: „Meine Preise“, Suhrkamp 2009.Kontakt: podcast@his-online.de