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Mensch Mahler | Die Podcast Kolumne
Meine Freundin ist nach Hause geradelt
260717PC Ein gutes Herz hat aufgehört zu schlagen
Mensch Mahler am 17.7.2026
Vor knapp zwei Wochen waren mein Freund Michel und ich mit einem Ehepaar in Brandenburg an der Havel zum Essen verabredet. Susanne und Hans kennen wir seit 1974. Hans war mein Vikariats Partner in meiner ersten Kirchengemeinde in Reutlingen. Michel war 1980 mein Zivi in derselben Gemeinde. Hans, inzwischen 88 Jahre alt, ist schon lange krank. Trotz der Entfernung Reutlingen – Brandenburg haben wir immer regen Kontakt gehalten. Ich habe Hans versprochen, ihn zu beerdigen, wenn es so weit sein sollte. Kurz vor unserem vereinbarten Termin zum Essen kam die schockierende Nachricht: Susanne ist im Alter von 89 Jahren friedlich eingeschlafen.
Ich bin also mit meinem Freund Michel und Hanno, dem Sohn von Hans und ihm selbst beim Asiaten zum Mittagessen gewesen.
Und heute sind Michel und ich wieder in Brandenburg auf dem Friedhof. Susanne wird heute beerdigt.
Susanne war es, die mich aus Hamburg nach Reutlingen gelockt hat, um ihren Pastorengatten zu unterstützen. Daraus entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft, auch zwischen dem Ehepaar Mahler und Hans und Susanne. Sie haben viele Jahre in unserer Stiftung eudim - für soziale Gerechtigkeit mitgearbeitet.
Susanne war eher die stille Frau im Hintergrund, die nicht viel Aufhebens machte, sondern einfach da war. Immer für die Schwachen Einsatz gezeigt hat. Als sie im hohen Alter mit ihren dreirädrigen Fahrrad Mühe gehabt hat, haben ihre Söhne dafür gesorgt, dass ein E-Bike daraus wurde. Susanne hat eigentlich bis zum Ende ihres Lebens Lebensmittel zu Menschen in prekären Lebenssituationen gebracht. Mit dem Rad. Bezahlt aus der eigenen Tasche, obwohl sie und Hans keine reichen Leute waren. Das lag auch daran, dass sie alles, was sie zusätzlich bekommen haben, sofort und unmittelbar für Menschen eingesetzt haben. In Flüchtlingsprojekten, Arbeitslosenhilfe, in ein Schulprojekt in Ecuador – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Als Susannes Sohn Ingo – ein sehr sportlicher Mensch – mit seinem Biobike Susanne hinterherfuhr, musste er die rasende Rentnerin auf dem Dreirad in Brandenburgs Altstadt mehrmals bitten, auf ihn zu warten – er kam schlicht nicht hinterher.
Wenn ich heute an Susannes Grab stehe, dann blicke ich dankbar auf eine Frau zurück, die in ihrer bescheidenen Art nicht nur für mich, sondern auch für viele andere Menschen auch ein großes Vorbild war. Ruhe in Frieden, liebe Susanne! Wir sehen uns wieder in deinem Paradies.
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817. Urlaubstagebuch Tag 7
02:45||Season 5, Ep. 817260817PC Der globale Crash – Urlaubstagebuch Tag 7Mensch Mahler am 17.08.2026Ich stehe im Kieler Hafen vor der Aida. 20 Stockwerke hoch. 6.600 Passagiere passen drauf, bis zu 1.500 Besatzungsmitglieder umsorgen sie Tag und Nacht. Um mich herum wuseln Menschen mit Rollkoffern. Daneben liegt die Fähre der Stena Line nach Göteborg. Und dahinter die Colour Line nach Oslo, mit der wir am Dienstag losfahren. Mich überkommt ein beklemmendes Gefühl. Wir reisen mit Hurtigruten ans Nordkap. Es ist unsere erste Kreuzfahrt. Und eigentlich wollten wir nie so reisen. Wir haben uns damit getröstet, dass es ja ein Postschiff ist. Aber das ist es schon lange nicht mehr. Das ist ein Kreuzfahrtschiff wie jedes andere auch. Das eben die alte Postschiffroute von Bergen nach Kirkenes an der finnisch-russischen Grenze befährt.Und da war es wieder, das Scheiß-Gefühl, dass wir gerade dabei sind, unseren Globus zu zerstören. Massentourismus ist ein Faktor, dieser ganze Plastikscheiß, der in riesigen Containerschiffen von China nach Europa geschippert wird, ein anderer. Kein Mensch braucht das. Und doch werden millionenfach Spielzeuge, Nippes, Plastik-Souvenirs via Etsy in unsere Läden gebracht. Und gekauft. Verstauben in irgendeiner Ecke oder landen im Müll.Was machen wir? Wir zerstören uns selbst. Wir schaffen uns ab. Das hauptsächliche Problem ist die Überbevölkerung. Hoimar von Dittfurth benannte es in den 70iger Jahren des letzten Jahrhunderts.Er verband das starke Wachstum der Weltbevölkerung direkt mit Ressourcenknappheit, Umweltverschmutzung und der Zerstörung von Ökosystemen.Die menschliche Zivilisation treibe durch auf wirtschaftliches Wachstum ausgerichtete Systeme sehenden Auges auf eine globale Katastrophe zu. Das ist jetzt 50 Jahre her. Und wir haben die Stimmen der Warner nicht gehört. Auch nicht die „Grenzen des Wachstums“, publiziert vom Club of Rome 1972, ernst genommen. Es ist alles längst bekannt, und wir tun jetzt so, als käme etwas über uns, was niemand hätte sehen können. Warum sollten andere Zivilisationen nicht das gleiche Recht auf Kühlschränke und Autos haben als die größten Dreckschleudern der Welt, Nordamerika, China und Europa? Ich engagiere mich bei den Grünen. Aber das schale Gefühl bleibt. Der Ruck geht auch nicht nach dem Ahrtal oder der Trockenheit und den Bränden in diesen Tagen durch die Bevölkerung. Wir wählen nach wie vor die, die uns vorgaukeln, dass Wachstum und Wohlstand das Allheilmittel sei. Es tut mir leid, an diesem Urlaubstag hab ich keine schöne Botschaft von Sonne, Meer und Happyness. So gründlich lässt sich die Realität leider nicht verdrängen.
816. Urlaubstagebuch Tag 6
07:00||Season 5, Ep. 816260816PC Story of Isaak Urlaubstagebuch Tag 6Mensch Mahler am 16.08.2026Ich träume viel. Vor allem, wenn ich entspannt bin. Ich träume von der neuen Welt Gottes, die uns verheißen ist. In der es vor allen Dingen eines nicht mehr gibt: Menschenopfer. „Gott braucht keine Menschenopfer“ – das ist meine tiefste Überzeugung. Auch nicht das Opfer seines Menschensohnes. Also Schluss damit! Und dann kommt mir immer der Song von Leonard Cohen in den Sinn. Die Geschichte, als Abraham seinen Sohn opfern will, um zu beweisen, dass er gottesfürchtig ist. Diesen gewaltigen Irrtum im Gottesverständnis besingt Leonard Cohen – und er lehrt uns etwas über Gott, das bis in die heutige Zeit Gültigkeit hat. The Story of Isaak.Die Tür öffnete sich langsam, mein Vater kam herein. Ich war neun Jahre alt. Und er stand so hoch über mir. Blaue Augen, sie leuchteten, und seine Stimme war sehr kalt. Er sagte: „Ich hatte eine Vision, und du weißt, dass ich stark und heilig bin. Ich muss tun, was mir gesagt wurde“Also machte er sich auf den Weg den Berg hinauf. Ich rannte, er ging. Und seine Axt war aus Gold. Nun, die Bäume sind viel kleiner geworden. Der See, der Spiegel einer Dame. Wir hielten an, um etwas Wein zu trinken. Dann warf er die Flasche um. Eine Minute später war sie kaputt.Und er legte seine Hand auf meine. Ich dachte, ich hätte einen Adler gesehen. Aber es könnte auch ein Geier gewesen sein. Ich konnte sie nie unterscheiden. Dann baute mein Vater einen Altar. Er blickte einmal hinter seine Schulter. Er wusste, dass ich mich nicht verstecken würde.Du, der du jetzt diese Altäre baust, um diese Kinder zu opfern, Du darfst es nicht mehr tun. Ein Plan ist keine Vision, und du bist nie in Versuchung geraten durch einen Dämon oder einen Gott. Du, der du jetzt über ihnen stehst, deine Beile stumpf und blutig, Du warst vorher nicht dort.Wenn ich auf einem Berg liege, und die Hand meines Vaters zittert mit der Schönheit eines Wortes, und wenn du mich jetzt Bruder nennst, Verzeih, wenn ich nachfrage: „Nur nach wessen Plan?“ Wenn alles zu Staub zerfällt: Ich werde dich töten, wenn ich muss. Ich werde dir helfen, wenn ich kann. Wenn alles zu Staub zerfällt Ich werde dir helfen, wenn ich muss Ich werde dich töten, wenn ich kann. Gnade mit unserer Uniform, Mann des Friedens oder Mann des Krieges. Der Pfau breitet seinen Fächer aus.
815. Urlaubstagebuch Tag 5
01:56||Season 5, Ep. 815260815PC Bilderbuchtag Urlaubstagebuch Tag 5Mensch Mahler am 15.08.2026Gestern Tag 5 des Urlaubstagebuchs. Und es war Bilderbuch. Lange schlafen, ausgiebig frühstücken, mit dem Rad an den Strand nach Laboe in der Kieler Förde. Strandkörbe waren ausverkauft – macht nichts, einen Sonnenschirm für den gleichen Preis erstanden. Das Wasser flach, aber erfrischend. Man muss schon lange laufen, bevor man genügend Wasser unter dem Kiel hat, um schwimmen zu können. Die Color Line, unser Schiff, das uns in vier Tagen nach Oslo bringen wird, gleitet majestätisch vorbei, raus aus der Förde und hinein ins offene Meer. Erstaunlich viele Menschen mit Handicap, im Rollstuhl oder an Krücken. Ist Laboe so etwas wie ein Kurort? Auf jeden Fall barrierefrei. Erstaunlich viele Frauen in Burkas. Auch Kinder gehen verhüllt ins Wasser. Ich schwanke immer zwischen Mitleid bei 30 Grad und Achtung vor der anderen Kultur. Wenn ich dann unglaublich voluminöse Frauen aus unserem Land in Tangas herumspringen sehe frage ich mich schon, wer hier mehr auf seinen Körper und das natürliche Schamgefühl achtet. Ja, und Tattoos müssen mir auch nicht gefallen. Das ist Geschmacksache – auch, ob man sich einen Totenschädel auf den Arm stechen lässt. Jede und jeder so, wie er oder sie es mag. Ich muss ja zum Glück nicht überall hinschauen. So viel Freiheit muss sein.Auf dem Rückweg die einfachen Hollandräder abgegeben, die uns 3 Tage lang gute Dienste erwiesen haben und an der Fischbude Sherry -Matjes erstanden. Jetzt werden dazu noch ein paar Bratkartoffeln gezaubert und ein leckerer Gurkensalat darf auch nicht fehlen. Dazu noch ein Pülleken von Veltins – und die Welt ist schön. So muss Urlaub. Genauso. Alles andere ist weit weg, auch wenn es Anrufe und Mails geschäftlicher Art gibt. Schnell erledigen und vergessen. Urlaub vom Alltag.
814. Urlaubstagebuch Tag 4 - Islamist verhöhnt den Rechtsstaat
01:59||Season 5, Ep. 814260813PC Auch im Urlaub holt mich die Realität ein. Urlaubstagebuch Tag 4Mensch Mahler am 12.08.2026Einer meiner Freunde ist Polizist. Manchmal irritieren mich seine Posts auf WhatApp. Ich ignoriere sie meist, weil ich nicht in der rechten Ecke verortet werden will. Aber diese Meldung hat mich aufgeschreckt:Das bayerische Landesamt für Asyl und Rückführungen vereinbarte mit Abdulhadi B. eine freiwillige Ausreise. Die Behörde sah darin einen „erheblichen Sicherheitsgewinn für Deutschland“, wie „Bild“ berichtet. Zudem sei dieser Schritt günstiger als ein weiterer Aufenthalt des Gefährders. B. reiste über Istanbul nach Aleppo aus.Zuvor war seine Abschiebung gescheitert, da der Mann erfolgreich dagegen geklagt hatte. Er forderte zudem eine Haftentschädigung von 144.000 Euro. Seine Überwachung kostete monatlich über 50.000 Euro. Er trug eine Fußfessel und durfte seinen Wohnort Tirschenreuth nicht verlassen. Die Polizei musste nach seiner Haftentlassung 19-mal gegen ihn einschreiten. Zu den Vorwürfen zählten Bedrohung, falsche Verdächtigung und Nachstellung.Am frühen Mittwochmorgen brachten Polizisten den Mann dann zum Münchner Flughafen. Vier Beamte holten den 38-Jährigen aus seiner Unterkunft ab. Nach Angaben von „Bild“ schwieg er dabei, reckte jedoch triumphierend den rechten Zeigefinger hoch. Die Geste gilt unter anderem als Erkennungszeichen der Terrororganisation Islamischer Staat.Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin und solchen Geschichten können wir es nicht mehr ignorieren: Unsere Politik versagt. Die Mitte-Parteien treiben die Wähler scharenweise zur AfD. Wenn jetzt nicht endlich ein Ruck durch die Regierungsparteien geht, gewinnen die Rechtsradikalen nicht nur in Sachsen-Anhalt, sondern auch die nächste Bundestagswahl. Wacht endlich auf! Es ist 5 nach Zwölf.
813. Urlaubstagebuch Tag 3
02:13||Season 5, Ep. 813260813PC faulenzen – radeln - lesen – Urlaubstagebuch Tag 3Mensch Mahler am 12.08.2026Vorgestern Abend: Überraschung! Ein Plakat an der Straße gesehen: Sommernachtskino am Meer. Wir haben zwei Bio-Bikes ausgeborgt und sind hingefahren. Zuerst Fisch essen und Sauerfleisch. Dann ein Konzert als Vorprogramm zum Film. Dennis Vahlen, nie vorher gehört, aber ein wirklich guter Liedermacher und Cover-Interpret. Der Film: „Mein Freund der Pinguin“ – rührend und ein bisschen realitätsfremd. Als die Sonne unten war, haben wir uns auf den Liegen in mitgebrachte Decken gepackt und Popcorn gegessen. 9 Kilometer in der Nacht zum Campingplatz geradelt. Connys Licht am Rad erwies sich als trübe Funzel, mein Rad hatte gar kein Licht. Ich hab’s auf jeden Fall nicht angekriegt. Und so fuhren wir eine Stunde über unbekannte Wege durch die Nacht. Dafür haben wir gestern die Bio-Bikes richtig genutzt. Eine große Tour. Ich habe meinen Lieblingsspruch angebracht: die 3 natürlichen Feinde des Menschen sind der Tod, das Finanzamt und der Gegenwind. Meine Güte, was sind wir verwöhnt von E-Bike-Power und optimal angepasstem Sattel … War anstrengend, aber trotzdem schön. Nur: weder eine Badestelle noch eine Kneipe gefunden im Hinterland der Ostseeküste. Schließlich hat uns Wasser aus dem Automaten und eine Döner-Bude gerettet. Dann. Auf der Veranda des Mobile-Homes liegen, in der Sonne dösen, lesen und den Wolken zusehen, die am Himmel vorbeiziehen. Urlaub halt, wie er sein muss. Kein Druck. Keine Termine. Kein Freizeitstress. Beim Aufstehen ging mir die „Morgenwonne“ von Joachim Ringelnatz durch den Kopf. Ich bin so knallvergnügt erwacht.Ich klatsche meine Hüften.Das Wasser lockt. Die Seife lacht.Es dürstet mich nach Lüften.Ein schmuckes Laken macht einen KnicksUnd gratuliert mir zum Baden.Zwei schwarze Schuhe in blankem WichsBetiteln mich „Euer Gnaden“.Aus meiner tiefsten Seele ziehtMit NasenflügelbebenEin ungeheurer AppetitNach Frühstück und nach Leben.
812. Pollerhocken - Schnauze halten
03:25||Season 5, Ep. 812260812PC Pollerhocken – Schnauze halten – Urlaubstagebuch Tag 2Mensch Mahler am 12.08.2026Endlich wieder am Meer. Ich habe 5 Jahre in Hamburg gelebt und die Stadt, den Hafen und das Meer lieben gelernt. Jetzt sind wir wieder da und der erste Tag ist Entspannung pur. Die hanseatische Art der Meditation ist mir wieder eingefallen. Sie heißt ganz einfach Pollerhocken – Schnauze halten. Der Hamburger Sänger Stefan Gwildis erklärt sie Ihnen.Pollerhocken – Stefan Gwildis
811. Urlaubstagebuch Tag 2
02:50||Season 5, Ep. 811260811PC Das graue Band hat kein Ende – Urlaubstagebuch Seite 2Mensch Mahler am 11.08.2026Das graue Band hat kein Ende. Eigentlich bin ich es ja gewohnt. Habe in Hamburg studiert, knapp 800 Km von zu Hause entfernt. Dann habe ich Rundfunksender in ganz Deutschland betreut, nach 1989 einige in den neuen Bundesländern. Und dann Berlin. 20 Jahre bin ich gependelt zwischen der Landeshauptstadt Stuttgart und der Hauptstadt. Das Auto habe ich allerdings nur genommen, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Heute weiß ich wieder, warum. Marode Autobahnbrücken, Staus und viel zu viel Verkehr. Ein alter Spruch fiel mir wieder ein: „Sie stehen nicht im Stau, sie sind der Stau.“ Aber: Mit der Bahn wäre es noch weniger gut gegangen. Ich will nicht meckern – in einem gut klimatisierten Wagen mit teilautonomem Fahren und super Podcasts oder Hörbüchern – was juckt einen da die Zeit, wenn man in den Urlaub fährt. Gestern: Maren Kroymann in „Alles gesagt“ meinem Lieblingspodcast mit Redakteuren der Zeit. Den ganzen langen Weg von Süddeutschland nach Kiel haben mich die bedrückenden Nachrichten über die Klimakrise begleitet. Im Schwarzwald müssen entlegene Höfe mit Tanklastwagen mit Frischwasser versorgt werden. Die Brunnen versiegen. Auf der Seine, dem Rhein und der Donau kommt der Schiffsverkehrt zum Erliegen – das Niedrigwasser bremst den Warentransport per Boot aus. Ergo: LKWs auf die Straße, auch sonntags. Wir machen Rast auf einem Autohof irgendwo zwischen Kassel und Hannover. Viel Blaulicht und Feuerwehr – auf dem Rastplatz. Auf Nachfrage bekommen wir mit, dass in der Nähe ein Wald brennt. Der Feuerwehrwagen zapft an der Rastanlage immer 2.000 Liter – nein, nicht Sprit, sondern Wasser, geht löschen und kommt 20 Minuten später wieder zurück. Als wir weiterfahren, ziehen dicke graue Rauchschwaden über die Autobahn. Der besagte Wald brennt neben der A 7. Kopernikus meldet im Autoradio, dass Europa den wärmsten Sommer seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen meldet. In Spanien hat das Mittelmeer Badewannenniveau: 33 Grad. Wohin wir auch fliehen – die Klimakatastrophe fährt mit. Mein Fazit des ersten Urlaubstages, der tatsächlich nicht mit einem Glas Wein, aber mit einem Flens an der Ostseeküste zu Ende geht: Ja, wir können unseren Alltagssorgen entfliehen. Die Situation, in der sich unser Globus befindet, verfolgt uns auf Schritt und Tritt. Ich will mich trotzdem über die geschenkte Zeit freuen – aber da ist eher Nachdenklichkeit als Ballermann angesagt. Unser Campingplatz ist schön. Und hinter dem Deich rollt das Meer unbeeindruckt und ohne Unterbrechung an den Sandstrand.
811. Urlaubstagebuch Tag 2
02:50||Season 5, Ep. 811260811PC Das graue Band hat kein Ende – Urlaubstagebuch Seite 2Mensch Mahler am 11.08.2026Das graue Band hat kein Ende. Eigentlich bin ich es ja gewohnt. Habe in Hamburg studiert, knapp 800 Km von zu Hause entfernt. Dann habe ich Rundfunksender in ganz Deutschland betreut, nach 1989 einige in den neuen Bundesländern. Und dann Berlin. 20 Jahre bin ich gependelt zwischen der Landeshauptstadt Stuttgart und der Hauptstadt. Das Auto habe ich allerdings nur genommen, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Heute weiß ich wieder, warum. Marode Autobahnbrücken, Staus und viel zu viel Verkehr. Ein alter Spruch fiel mir wieder ein: „Sie stehen nicht im Stau, sie sind der Stau.“ Aber: Mit der Bahn wäre es noch weniger gut gegangen. Ich will nicht meckern – in einem gut klimatisierten Wagen mit teilautonomem Fahren und super Podcasts oder Hörbüchern – was juckt einen da die Zeit, wenn man in den Urlaub fährt. Gestern: Maren Kroymann in „Alles gesagt“ meinem Lieblingspodcast mit Redakteuren der Zeit. Den ganzen langen Weg von Süddeutschland nach Kiel haben mich die bedrückenden Nachrichten über die Klimakrise begleitet. Im Schwarzwald müssen entlegene Höfe mit Tanklastwagen mit Frischwasser versorgt werden. Die Brunnen versiegen. Auf der Seine, dem Rhein und der Donau kommt der Schiffsverkehrt zum Erliegen – das Niedrigwasser bremst den Warentransport per Boot aus. Ergo: LKWs auf die Straße, auch sonntags. Wir machen Rast auf einem Autohof irgendwo zwischen Kassel und Hannover. Viel Blaulicht und Feuerwehr – auf dem Rastplatz. Auf Nachfrage bekommen wir mit, dass in der Nähe ein Wald brennt. Der Feuerwehrwagen zapft an der Rastanlage immer 2.000 Liter – nein, nicht Sprit, sondern Wasser, geht löschen und kommt 20 Minuten später wieder zurück. Als wir weiterfahren, ziehen dicke graue Rauchschwaden über die Autobahn. Der besagte Wald brennt neben der A 7. Kopernikus meldet im Autoradio, dass Europa den wärmsten Sommer seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen meldet. In Spanien hat das Mittelmeer Badewannenniveau: 33 Grad. Wohin wir auch fliehen – die Klimakatastrophe fährt mit. Mein Fazit des ersten Urlaubstages, der tatsächlich nicht mit einem Glas Wein, aber mit einem Flens an der Ostseeküste zu Ende geht: Ja, wir können unseren Alltagssorgen entfliehen. Die Situation, in der sich unser Globus befindet, verfolgt uns auf Schritt und Tritt. Ich will mich trotzdem über die geschenkte Zeit freuen – aber da ist eher Nachdenklichkeit als Ballermann angesagt. Unser Campingplatz ist schön. Und hinter dem Deich rollt das Meer unbeeindruckt und ohne Unterbrechung an den Sandstrand.
810. Urlaubstagebuch Tag 1
02:35||Season 5, Ep. 810260810PC Jetzt geht’s los – Urlaubstagebuch Seite 1Mensch Mahler am 10.08.2026In der ersten Augustwoche hatten alle 16 Bundesländer gleichzeitig Sommerferien. Ferragosto ist nicht nur der 15. August, sondern der Höhepunkt des Sommers in Italien – die Ferien des Augustus eben.Wir brechen heute auf. In die entgegengesetzte Richtung. Der Hitze entfliehen. Eine Woche Nordsee, dann ans Nordkap. Klar, wir sind urlaubsreif. Eine turbulente Zeit liegt hinter uns. Wir haben hohe Erwartungen an diesen Urlaub. Aber wir sind nicht unter Leistungsdruck. Freizeitstress. Nein, wir wollen in erster Linie entspannen. Lassen sogar die Fahrräder zu Hause, und das will bei uns etwas heißen.Heute erst mal 800 Kilometer nach Norden bis an den Strand nördlich von Kiel. Auch nicht mit dem Wohnwagen. Wir haben auf dem Campingplatz ein Mobilhome gebucht. Wir freuen uns auf Strandspaziergänge, schwimmen, in der Sonne liegen, lesen, Fischbrötchen. Und dann geht’s weiter mit dem Schiff nach Oslo. Mit der Bahn an die Westküste Norwegens nach Bergen. Und dann die Küste hinauf bis ans Nordkap. Zurück über die Lofoten. Die eine oder andere Fjord-Wanderung ist dabei. Schauen, staunen, zur Ruhe kommen, genießen. Die trotz alledem noch wunderschöne Welt, unsere Zweisamkeit, die Stille und das Rauschen des Meeres genießen. Nein, es mit nicht eine perfekte Zeit werden – mit allem und scharf. Es soll eine Zeit der kleinen Fluchten aus dem Alltag werden, des stillen Glücks, der perfekten Momente. Wir haben uns vorgenommen, uns über nichts zu ärgern. Nicht über das relativ kalte Wetter, nicht über den Regen, den wir zu Hause so sehr herbeisehnen. Auch nicht darüber, wenn eine Mahlzeit mal nicht so super ist. Man kann sich den ganzen Tag ärgern. Man ist aber nicht dazu verpflichtet. Obwohl wir aus einem Motzki- bzw. Bruddler-Land kommen. Ob ein Urlaub gelingt, hat viel mit der Grundeinstellung zu tun. Nachdem wir viele Jahre Familienurlaub gemacht haben, genießen wir jetzt die Ruhe und die Zweisamkeit. Ach, ich freu mich einfach. Heute Abend werden wir am Strand sitzen, ein Glas Wein in der Hand und aufs Meer schauen. Schweigen. Genießen. Und irgendwann unter die Decke schlüpfen. Ich bin sicher: Wir werden gut schlafen. Die Sorgen zurücklassen. Ich möchte heute noch den Totenschädel des Menschen küssen, der den Urlaub erfunden hat.