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Mensch Mahler | Die Podcast Kolumne

Ginko - der Lebensbaum

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  • 282. Schlecht hören kann er gut

    01:28
    240228PC Der kleine Helfer im OhrMensch Mahler am 28. Februar 2024Ich habe mich lange dagegen gewehrt. Heute frag ich mich. Wieso eigentlich? Denn 55 Jahre Rock n Roll auf die Ohren bleibt nicht folgenlos. Meine Frau hat behauptet, ich höre immer schlechter. Vor allem auf Ermahnungen reagierte ich kaum noch. Das hat verschiedene Gründe. Aber ein Besuch im Hörstudio brachte den Beweis: Links noch 40% Rechts 50% Hörfähigkeit- und die Mitten sind richtig weg. Ich habe mir also die kleinen Helferlein für Ohr anpassen und ausmessen lassen. Habs sogar noch richtig gut erwischt. Mit einem Rezept meines HNO-Arztes habe ich für 1.700 Euro gerade mal 20 Euro Eigenanteil bezahlt. Den Firmennamen darf ich hier nicht nennen. Aber ein kleiner Tipp: Die verkaufen auch Brillen. Brille? Wenigfrau. Ich habe mich mit vielen Menschen über Hörprobleme unterhalten. Und dabei eine interessante Entdeckung gemacht. Weil ältere Menschen schlecht hören, isolieren sie sich häufig. Werden vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen und neigen zu Depressionen und zu Demenz. Klar, das Gehirn wird weniger stimuliert.Inzwischen genieße ich zum Beispiel klassische Musik auf einem ganz anderen Niveau. Und ich kann bequem auf der App die Lautstärke steuern. Ich kann ihnen nur empfehlen: machen sie einen Hörtest. Gutes Hören steigert die Lebensqualität ebenso wie gutes Sehen. Wir hören uns!  
  • 272. Werden Kinder immer gewaltbereiter?

    01:45
    240227PC Werden Kinder immer brutaler?Mensch Mahler am 27. Februar 2024»Auch nach 30 Dienstjahren gibt es immer wieder Dinge, die man so nie erlebt hat. Das ist auch hier der Fall.« Die Worte des Polizeisprechers Jürgen Fachinger auf einer Pressekonferenz zum Tod der zwölfjährigen Luise aus Freudenberg im März 2023 dürften vielen Ermittlern aus der Seele gesprochen haben. Kurz zuvor hatten zwei Mitschülerinnen, 12 und 13 Jahre alt, gestanden, das Mädchen mit einem Messer erstochen zu haben. Freudenberg ist kein Einzelfall: In den vergangenen Monaten berichteten Medien immer wieder von Gewalttaten unter Kindern und Jugendlichen. In Salzgitter töteten im Juni 2022 zwei Jungen, 13 und 14 Jahre alt, eine 15-Jährige. Und im Januar 2023 wurde in Wunstorf ein 14-Jähriger von einem gleichaltrigen Jungen mit einem Stein erschlagen. Im Dezember 2022 titelte die »Berliner Morgenpost« sogar »Mehr respektlose und gewalttätige Kinder und Jugendliche« und berief sich dabei auf die jüngste Statistik der Berliner Polizei.Die Schlagzeilen suggerieren eine Wirklichkeit, die es so gar nicht gibt. Seit 2001 ist die Zahl der tatverdächtigen Kinder von 140.000 auf 80.000 im Jahr zurückgegangen. Ein Beispiel dafür, dass Medien häufig nicht neutral Fakten wiedergeben, sondern eindeutig Meinung machen. Only Bad News are Good News schlägt wieder einmal zu. Sex and Crime sells ebenso. Ich meine, dass es die gute Nachricht und die guten Nachrichten verdient haben, in die Schlagzeilen zu kommen. Hier ist also meine gute Nachricht des Tages: die Zahl der tatverdächtigen Kinder hat sich in den letzten 20 Jahren fast halbiert.   
  • 262. Der Besen

    01:30
    240226PC Der BesenMensch Mahler am 26. Februar 20242 Jahre Krieg in der Ukraine. Immer mehr Leid und Tod im Gazastreifen. Die Klimakatastrophe verschärft sich weiter. 50 Grad in Australien. Rechtsruck in Deutschland. Immer mehr psychisch erkrankte junge Menschen.Vermutlich frage nicht nur ich mich, wie man damit umgehen soll. Viele sind ratlos und schalten das Radio, den Fernseher und das Internet ab.Mir fiel ein Text in die Hände von der von mir verehrten Dorothee Sölle. Überschrift: Der Besen.Und ich sah einen Mann an der 126igsten Straße. Einen Besen in der Hand zweieinhalb Meter Straße kehren. Sorgfältig beseitigte er Abfall und Schmutz auf einer winzigen Fläche. Mitten in einer riesigen Fläche aus Abfall und Schmutz.Und ich sah einen Mann an der 126igsten Straße. Und Trauer saß ihm im Rücken. Zweieinhalb Meter Straße kehren. Abnutzung war in den Armen in einer Stadt, in der nur Verrückte etwas zu hoffen finden.Und ich sah einen Mann in der 126igsten Straße. Einen Besen in der Hand. Es gibt viele Arten zu beten. Mit dem Besen hatte ich es bislang noch nicht gesehen.  
  • 232. Danke für die Bälle

    01:45
    240223PC Danke, Fans!Mensch Mahler am 23. Februar 2024Mich hat es auch genervt. Die ständigen Spielunterbrechungen, die Schokotaler, die Tennisbälle. Wann hören die endlich auf? Erst dann, wenn sich die Pläne der DFL sich Investoren ins Stadion zu holen, erledigt haben. Und genau das ist vorgestern passiert.Schreckgespenst England: Unmengen von Investorengeldern werden inflationär zwischen den Vereinen hin und her geschoben. In die Jugendarbeit wird kaum investiert, lieber holt man sich für Unsummen Stars aus dem Ausland. Die TV-Gelder bestimmen das Geschehen, die Tickets fürs Stadion kann sich kaum noch jemand leisten. Also: Superstars aus dem Ausland vor halbleeren Rängen. Die Fans einsam vor der heimischen Glotze. Wollen wir das? Nein, sagten die deutschen Fans. Wir wollen unseren Fan-Fußball, wir wollen ein Event und keinen Investoren-Fußball. Ich bin den Fans dankbar. Ich bin ihnen dankbar, dass sie nicht aufgehört haben, als sich der erste Investor zurückgezogen hat und eventuell eine Neuabstimmung der Vereine im Raum stand. Weiter werfen, bis die DFL ihre Investorenpläne über den Haufen wirft. Inzwischen bewundern immer mehr Fußballer aus England und Spanien die Bundesliga. Superstars wie Harry Kane finden sie spannender als die Premierlegaue. Weil die Stadien voll sind, die Fanclubs Choreos hinlegen, die Oskar-verdächtig sind und weil immer wieder aus der  Nachwuchsarbeit neue junge Talente zu Superstars reifen.Recht habt ihr. Wir lassen uns den Fußball, die schönste Nebensache der Welt, nicht durch Kommerzialisierung kaputtmachen. Wenn einmal wieder ein Herr Kind oder wer auch immer unsere Bundesliga verkaufen will, dann werft gerne wieder. Lange und ausdauernd.   
  • 222. Die einsame Generation

    01:54
    240222PC Die einsame GenerationMensch Mahler am 22. Februar 2024War das wirklich nötig? fragen sich immer mehr Menschen, die die Spätfolgen der Quarantäne-Maßnahmen während der Hochphase der Pandemie wahrnehmen.Warum hat die Regierung den Virologen das Feld überlassen? Wo sind die Psychologen und Soziologen geblieben?Viel Zeit im Homeoffice, vor dem Computer – das vermittelt kein Glücksgefühl. Echte Freude im realen Leben vermitteln Kontakte, Glück, Zugehörigkeit und Eingebundensein. Was gerade heranwächst – Jugendliche und junge Erwachsene – ist eine einsame Generation. Leben in der Blase – Kommunikationsfähigkeit, Toleranz und Respekt vor anderen gehen verloren, wenn wir nicht im Austausch mit echten Menschen sind – in der echten Welt, nicht nur im Internet. Gleichzeitig engagieren sich immer weniger junge Leute in Vereinen, Kirchen oder Nachbarschaftstreffs. Aber: sich gemeinsam für eine Sache zu engagieren fördert den Zusammenhalt und die soziale Kompetenz.Einsamkeit kann krank machen. Jugendliche können sich in der Regel nicht selbst aus einem psychischen Tief befreien. Sie brauchen Unterstützung. Der Teufelskreis Einsamkeit – alleine im Netz surfen macht anfällig für negative und gar extremistische Gedanken. Fatalerweise kommen die Jugendpsychiater nicht mehr nach. Zu viele junge Menschen brauchen Hilfe. Die Wartelisten sind lang. Bliebt zu hoffen, dass der Aktionsplan gegen Einsamkeit, den die Bundesregierung jetzt ausgerufen hat, auf allen Ebenen praktische Wirkung zeigt. Eines ist klar: Ein am grünen Tisch ausgetüftelter Aktionsplan ohne Bodenhaftung ist nichts als Aktionismus ohne Wirkung. Bleiben wir positiv gespannt. Vielleicht werden wir ja eines Besseren belehrt.   
  • 212. Grundrechte auch für Tiere

    02:02
    240221PC Ich habe mit Dir noch ein Weinblatt zu rollenMensch Mahler am 21. Februar 2024„People for the Ethical Treatment of Animals“, das sagt ihnen vermutlich nichts. Wenn ich jetzt PETA sage, dann wissen alle, was ich meine. Vor allem wegen ihren spektakulären Aktionen. Halbnackt liegen Dutzende Menschen nebeneinander und aufeinander, auf Haut und Unterwäsche sollen rote Farbkleckse Blutspritzer symbolisieren. Dir Aktivisten von PETA stellen einen Berg von Fleisch dar. „Fleisch tötet“ ist auf Plakaten zu lesen. Die Bewegung, die aus den USA vor 30 Jahren nach Deutschland kam, überspitzt, polarisiert und provoziert. So muss man das machen, wenn man etwas erreichen will. Auch die Befreiung von Tieren aus der Massentierhaltung gehört dazu. Viele Forderungen sind für mich nachvollziehbar. Andere sind in meinen Augen komplett überzogen wie „Personenstatus und Grundrechte für Tiere“. Oder sie sind reif fürs Kabarett, wie neulich bei Dieter Nuhr. Kein Witz: PETA soll allen Ernstes gefordert haben, Sprache von Tierdiskriminierung zu säubern. Anstatt zu sagen: „Mit dem haben ich noch ein Hühnchen zu rupfen“ solle man besser formulieren: „Mit dem habe ich noch ein Weinblatt zu rollen“. Auch „die Katze aus dem Sack lassen“ sei mit dem Tierwohl nicht vereinbar. Wobei, so sinnierte Dieter Nuhr, es der Katze wohl schlechter gingen, wenn man sie im Sack belassen würde. Aber zurück zur Ernsthaftigkeit: rund 10.000 spektakuläre Straßenaktionen hat PETA in 30 Jahren in Deutschland veranstaltet. Es ist ihr Verdienst, dass viele Menschen nachdenklich geworden sind und sich fragen, wie man hierzulande mit Tieren umgeht. Und: Rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland bezeichnen sich als Veganer. PETA macht weiter: „Bundesweit werden unzählige Tiere für menschliche Zwecke getötet“. Deshalb die klare Botschaft: „Tiere brauchen eigenen Rechte“.  
  • 202. Keiner muss sang- und klanglos gehen

    02:02
    240220PC Nicht sang- und klanglos abtretenMensch Mahler am 20. Februar 2024Im Moment kommt es dicke. Um mich herum wird gestorben. Das liegt vielleicht daran, dass ich Pastor bin. Vielleicht auch, dass in meinem Alter die Einschläge näherkommen. Als och heute bei einer Freundin saß, die mir mitteilte, dass sie die Chemotherapie jetzt abbrechen will, weil sie sich in ihr Schicksal fügt, kamen gleichzeitig 2 Todesmeldungen auf meinem Handy an. Ein guter alter Rundfunk-Freund aus Hamburg und die Frau eines Kumpels aus der Jugendzeit sind gestorben.Ich lebe in einer Kirchengemeinde, die es noch schafft, zu jeder Beerdigung einen Chor zusammenzustellen und zu singen. Eine Meldung hat mich deshalb heute besonders gefreut:Damit Menschen nicht sang- und klanglos von dieser Welt gehen, singt das Karlsruher Weststadt-Chörle ehrenamtlich bei Trauerfeiern von Menschen, die keine Angehörigen haben. Chef-Organisator Andreas Rüdiger kam die Idee, als er einen Beitrag über ein Chorprojekt in Stuttgart sieht. Das war vor 6 Jahren.„Das hat mich sofort angesprochen, diese Idee, dass da Menschen singen für andere Menschen, die verstorben sind und anscheinend niemanden haben“, so Rüdiger gegenüber der Tagesschau. Und weiter:„Es erfüllt einen eine klein wenig, dass man wenigstens die Verstorbenen etwas begleiten konnte.“Pfarrer Erhard Bechtold ergänzt: „Dieser Chor bringt eine Feierlichkeit rein – und das sind ja Menschen, die meistens nicht auf der Sonnenseite des Lebens gestanden haben. Dass die nochmal so gewürdigt werden, ist etwas Wunderbares. Das ist ein christlicher Dienst der Nächstenliebe.“Ich genieße es, wenn ich Beerdigungen halten darf: Niemand muss sang- und klanglos abtreten. Ob „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ oder „Imagine“ von John Lennon. Das ist gleich. Uns verbindet alle die eine große Liebe, die uns auffängt, wenn wir fallen.  
  • 192. Märtyrer Navalny

    01:55
    240219PC Möge Nawalnys Tod nicht sinnlos gewesen seinMensch Mahler am 19. Februar 2024Wir alle haben Julia Nawalnaja gehört. Wie sie eindringlich an die Welt appelliert hat. Ich meine, diese Worte müssen weiterverbreitet werden, immer und immer wieder. Damit in Russland endlich etwas geschieht und der Tod von Alexej Nawalny nicht sinnlos war. "Guten Tag. Ganz herzlichen Dank, dass ich heute zu Ihnen sprechen darf. (...) Sie haben ja sicher diese entsetzliche Nachricht erhalten. Ich habe überlegt: Soll ich wirklich jetzt zu Ihnen sprechen? Oder soll ich zu meinen Kindern zurückfliegen? Und dann habe ich mich gefragt: Was hätte Alexej getan? An meiner Stelle? Und ich bin mir absolut sicher, er wäre hiergeblieben. Er hätte zu Ihnen von diesem Platz ausgesprochen.Ich weiß nicht: Sollen wir diese furchtbaren Nachrichten glauben, die wir da gehört haben? Ich muss dazu sagen, dass wir diese Nachricht von den offiziellen Medien bekommen haben. Aber schon seit vielen Jahren - und das wissen Sie natürlich auch - können wir Putin und seiner Regierung nicht glauben. Sie lügen unaufhörlich.Aber wenn es tatsächlich stimmt, dann möchte ich, dass Putin und seine Umgebung, Putins Freunde, seine Regierung wissen, dass sie sich verantworten müssen. Für das, was sie unserem Land angetan haben, meiner Familie und meinem Mann. Und dieser Tag wird bald kommen.Ich möchte die gesamte internationale Gemeinschaft, all diejenigen in der Welt, die jetzt zuhören, dazu aufrufen, zusammenzustehen und dieses Böse zu besiegen, dieses furchtbare Regime, das heute über Russland herrscht. Dieses Regime und Wladimir Putin persönlich sollten zur Verantwortung gezogen werden für all diese Gräueltaten, die sie in den letzten Jahren in meinem Land, in unserem Land Russland verübt haben. Ich danke Ihnen." 
  • 162. Die verlogene Ultima Ratio

    01:57
    240216PC Wir rüsten uns zu TodeMensch Mahler am 16. Februar 202473,41 Milliarden. Dieser Rekordsumme gibt Deutschland im Jahr 2024 für Rüstung aus. Mich schaudert es. Als Friedensaktivist bin in ich in den 80igern des letzten Jahrhunderts auf die Straße gegangen. Es will mir einfach nicht runtergehen, dass jetzt ein durchgeknallter Diktator die ganze Welt zu zwingen will, immer mehr Geld in Waffen zu stecken, die nur ein Ziel haben: zu zerstören und zu töten. Nicht die Soldatinnen allein, sondern alles, was sich bewegt.Ist die Zeit der diplomatischen Lösungen nur ein Strohfeuer gewesen? Sind wir wirklich keinen Schritt weitergekommen? Das Gleichgewicht des Schreckens weist eine nahezu identische Zahl an Atomwaffen auf. In Ost und West sind wir bei ca. 7.000 Atomsprengköpfen. Die Artillerie feuert derzeit kräftig. Der Verbrauch ist hoch, es muss nachgeliefert werden, auf beiden Seiten. Die einzigen, die sich darüber freuen, sind die Lobbyisten der Rüstungsindustrie.Krieg und Gewalt ist Mangel an Fantasie. Und hinter jedem Krieg stecken auch handfeste wirtschaftliche Interessen. Krieg sei das letzte Mittel, sagt man. Dahinter versteckt sich immer die Niederlage der Ratio, also der Vernunft. Das ist in den vielen, zumeist juristischen Gebieten, in denen die Ultima Ratio auch zu Hause ist, nicht viel anders: Das Strafrecht sei das letzte Mittel, wenn alle anderen versagt haben - so lehrt man es an den juristischen Fakultäten seit der Aufklärung. Und hier stellt sich die einfache Frage, ob alle Mittel ausgeschöpft sind in Sachen Friedensverhandlungen, Kompromissbereitschaft, aufeinander zugehen. Wir dürfen den Kriegstreibern auf beiden Seiten nicht länger folgen. Ressourcen werden weiß Gott auf allen anderen Gebieten gebraucht.