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Mensch Mahler | Die Podcast Kolumne
Die Tore zur Hölle sind weit geöffnet
250715PC: Energieausfall in Gaza
Mensch Mahler am 15.07.2025
Ich dachte eigentlich, mich kann nichts mehr erschüttern. Aber als ich gestern die Bilder im Fernsehen sah, die die Folgen des Treibstoffmangels in Gaza zeigten, da hat es mich doch noch einmal ganz tief geschaudert. Wenn kein Treibstoff da ist, dann können nicht nur keine PKWs fahren oder Fahrzeuge der Hamas oder Hilfstransporter. Dann laufen keine Brunnen und keine Kläranlagen mehr. Die Krankenhäuser können ihre Notstromaggregate nicht mehr betreiben. Die Inkubationsbetten für die Frühchen fallen aus. Es können keine OPs mehr durchgeführt werden und so weiter.
Ist jetzt nicht endlich genug? Wann hören die Hamas und Israel endlich auf, ihren unsäglichen Krieg auf dem Rücken der Zivilbevölkerung auszutragen? Eigentlich müsste die Weltgemeinschaft in die Lage versetzt werden, solche Auswüchse barbarischer Verbrechen an Zivilisten zu stoppen. Wenn sie sie schon nicht verhindern kann.
Ich weigere mich, ein „Herr erbarme Dich“ oder „Inch Allah“ zu beten. Welche höhere Macht, wie auch immer wir sie bezeichnen, sollte solche harten Herzen beeinflussen können? Und Mitleid mit den Opfern – auch das ist billig. Wenn daraus keine Taten folgen können. Die Tore zur Hölle sind weit geöffnet.
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226. Im Prinzip einig
02:04||Season 5, Ep. 226260226PC In der Sache einigMensch Mahler am 26.02.2026So einig war sich die Parteienlandschaft in Deutschland selten. Auf dem Podium zur Landtagswahl saßen die fünf Spitzenkandidaten. Manuel Hagel, CDU derzeit 28%, Cem Özdemir, Grüne, 22%, Markus Frohnmaier, AfD 20%, Andreas Stoch, SPD, 10% und Hans-Ulrich Rülke, FDP, 6%.Natürlich ist das Thema Migration ganz vorne. Hier will die AfD punkten. Legale Migration super, Kriminelle raus. Wenn Markus Frohnmaier dachte, seine AfD hätte damit ein Alleinstellungsmerkmal – weit gefehlt. Alle anderen Parteien sehen das genauso – in unterschiedlicher Schärfe – aber im Prinzip gleich.Wenn dem so ist, dass wir Integration von Willigen fördern wollen, liest sich die folgende Meldung wie Hohn: Das Bundesinnenministerium schränkt den Zugang zu Integrationskursen ein, um Kosten zu sparen. 130.000 Menschen könnten nach Schätzung des Volkshochschulverbands betroffen sein.Integration von Anfang an - das war das Ziel, als die Ampelregierung 2022 den Zugang zu Integrationskursen öffnete - für praktisch alle Menschen, die neu nach Deutschland kamen. Doch nun hat die Bundesregierung unter Friedrich Merz (CDU) die Kurse zu einem großen Teil abgeschafft.Mohammeds Ziel ist es, Kranken- oder Altenpfleger zu werden. Doch dafür reichen seine Deutschkenntnisse noch nicht aus. Er braucht ein Sprachzertifikat: "Ich habe gefragt", sagt der 23-Jährige. "Alle Schulen, alle Ausbildungsstellen verlangen B2 oder C1" Das koste 1.500 oder 2.000 Euro. "Das ist ein Problem, ein großes Problem."Bis vor Kurzem hätte er den Sprachkurs noch vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bezahlt bekommen. Jetzt soll er ihn selbst zahlen, doch das stellt sich als schwierig heraus. Monatlich stehe ihm nur wenig Geld zur Verfügung, 450 Euro.
225. Alles auf Zucker
01:36||Season 5, Ep. 225260225PC Alles auf ZuckerMensch Mahler am 25.02.2026Der CDU-Parteitag hat eine von Schleswig-Holsteins CDU-Ministerpräsident geforderte Zuckersteuer mehrheitlich abgelehnt. Doch Daniel Günther gibt nicht auf und will die Steuer über den Bundesrat durchsetzen.„Das Thema Zuckersteuer hat sich natürlich nicht erledigt“, sagte der CDU-Politiker dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Sein Landesverband habe einen klaren Parteitagsbeschluss sowie „manche Unterstützung“ auf dem Bundesparteitag bekommen, ferner hätten andere Bundesländer Sympathien dafür. So werde Schleswig-Holstein die Wege, „die uns jetzt offenbleiben – im Bundesrat –, entsprechend nutzen, um erfolgreich zu sein.“Günther zeigte sich verärgert über die Debatte auf dem Parteitag. „Die ganzen Argumente, die da eine Rolle gespielt haben, hatten nichts mit Jugendschutz zu tun.“ Vielmehr habe es sich um eine Abwehrdebatte gehandelt, „weil man glaubte, dass das Thema Zuckersteuer etwas ist, das die Wirtschaft belastet“. Das Gegenteil sei der Fall, wie man in vielen anderen Ländern, etwa Großbritannien, sehen könne. „Und deswegen werden wir weiter Überzeugungsarbeit leisten.“Mahler meint, dass diese Debatte eine Farce ist. Zucker schadet nachweislich der Gesundheit. Vor allem der Gesundheit von Kindern. Wenn die Wirtschaft meint, auf Kosten der Gesundheit der Menschen Geschäfte machen zu können, muss der Gesetzgeber hier entschlossen handeln. Das Beispiel Großbritannien hat gezeigt, dass das geht.
224. Hauptsache Protz und Kohle
01:43||Season 5, Ep. 224260224PC Der Sportförderung fehlt Geld – das steckt in Eröffnungs- und SchlussfeiernMensch Mahler am 24.02.2026Hauptsache pompös. Die Eröffnungs- und Schlussfeiern der olympischen Spiele werden immer teurer. Paris war schon komplett überdimensioniert. Verona hat die Sache gleich in die weltberühmte Arena gepackt und 2.900 Euro für ein Ticket verlangt. Was der Spaß gekostet hat, weiß niemand. Fakt ist nur, dass das ganze nichts, aber auch gar nichts mit dem Grundgedanken von Olympia zu tun hat. „Die Jugend der Welt trifft sich zu friedlichen Wettkämpfen, die der Völkerverständigung dienen sollen.“ Die Jugend der Welt war von den olympischen Winterspielen enttäuscht, sofern überhaupt Jugendliche dabei waren. Gestandene Profisportler dominieren schon lange die Spiele. Der Amateurstatus ist futsch. Und die Begegnung der verschiedenen Nationen fand gar nicht statt. Es gab nicht einmal ein olympisches Dorf. 7 Wettkampfstätten von Mailand über Cortina nach Antholz und Livignio – gesehen hat sich die Jugend der Welt eher zufällig. Wenn überhaupt.Kohle für Amateursportförderung fließt – wenn überhaupt – spärlich. Man braucht die Kohle für nationalen Größenwahn in Sportstätten und Eröffnungs- und Abschlussfeiern. Das wusste schon Hitler 1936 in Berlin. Und wir haben nichts dazugelernt – wir haben die Schraube immer weitergedreht in Richtung Protz und Kommerz. Es ist an der Zeit, die Gegenolympiade zu stärken. Bescheiden. Amatuere. Zeltlager. Willkommen, Jugend der Welt. Lass die Kommerzfuzzis machen, was sie wollen. Ihr habt Spaß und begegnet euch wirklich.
223. Das Gruselkabinett
02:13||Season 5, Ep. 223260223PC Stalking – Gaslightning - GhostingMensch Mahler meint am 23.02.2026Ich musste in den zurückliegenden Jahren viel lernen. Vor allen Dingen in der Psychologie. Alles hatte mit meiner Depression, der posttraumatischen Belastungsstörung, dem Tod unserer Tochter, meinem Krebs und der Fürsorge für die Jungs meiner verstorbenen Tochter zu tun.Einen Begriff kannte ich schon. Stalking. Dazu braucht man nichts zu erläutern. Der abgeblitzte Partner verfolgt und bedroht die Person, die ihn verlassen hat. Verflucht werden – das kannte ich nicht. Das ist massiv geschehen, dass ich verflucht wurde. Gott sei Dank habe ich einen starken Glauben und ein großes Selbstbewusstsein, so dass der Fluch an mir abgeprallt ist, bevor er seine zerstörerische Wirkung entfalten konnte. Neu war der Begriff Gaslighting. Gaslighting ist eine subtile Form der psychischen Manipulation und Gewalt, bei der Täter die Realitätswahrnehmung ihrer Opfer gezielt verzerren, um Unsicherheit zu säen, das Selbstvertrauen zu zerstören und Kontrolle auszuüben. Betroffene zweifeln zunehmend an ihrem eigenen Verstand, ihrer Erinnerung und ihren Gefühlen. Gaslighting war der Grund, dass meine Tochter im Wahnsinn endete.Einen anderen Begriff kenne ich erst seit ein paar Tagen. Ghosting. Ghosting bezeichnet den plötzlichen Kontaktabbruch einer Person, meist beim Dating oder in Beziehungen, ohne Vorwarnung oder Erklärung. Nachrichten werden ignoriert, Anrufe blockiert und die Person wird sprichwörtlich zum "Geist". Dies verursacht oft große emotionale Verletzungen, da ein klärender Abschluss fehlt. Es ist oft ein Zeichen mangelnder Reife oder Konfliktscheu des Verursachers. Und man selbst wird zum Opfer und kann sich nicht wehren. In drei Konfliktsituationen ist mir das in jüngster Zeit passiert. Um aus der Opferrolle herauszukommen, hilft nur eines: Trennung. Seit ich diese in allen drei Fällen zunächst innerlich vollzogen habe, fühle ich mich befreit. Man muss unbedingt das Heft das Handelns in der Hand behalten, sonst geht man kaputt.
220. Der größenwahnsinnige Rassist und der Weltfrieden
01:48||Season 5, Ep. 220260220PC Der Friedensnobelpreis fehlt ihm nochMensch Mahler am 20.02.2026In Washington kam gestern Donald Trumps »Friedensrat« zum ersten Mal zusammen. Im Januar hatte US-Präsident Donald Trump das neue Gremium beim Weltwirtschaftsforum in Davos offiziell gegründet. Er behauptet, er wolle damit zu friedlichen Lösungen von Konflikten weltweit beitragen. Kritiker sehen Trumps Gremium als Konkurrenz zu den Vereinten Nationen. Trump hatte angekündigt, er wolle mit dem von ihm initiierten Friedensrat ein Milliardenpaket an humanitärer und Wiederaufbauhilfe für den Gazastreifen vorstellen.Zur ersten Sitzung kamen Vertreter aus mindestens 20 Ländern zusammen. Sie soll im Friedensinstitut in Washington stattfinden, das jüngst in Donald J. Trump Friedensinstitut umbenannt wurde.Deutschland und viele weitere europäische Staaten lehnen eine Beteiligung daran ab. Mit dabei sind als Mitglieder aktuell etwa zwei Dutzend Länder, unter anderem Ungarn, Israel, Belarus, Katar, Saudi-Arabien und die Türkei.Trumps Absichten sind durchsichtig. Er will anerkannte internationale Gremien wie die UN, den Internationalen Währungsfonds, die Weltgesundheitsorganisation und die weltweiten Hilfsorganisationen aushungern und die Kontrolle über all diese internationalen Organisationen unter seine Kontrolle bringen. Ihm geht es dabei um dreierlei: 1. Bodenschätze, 2. Aufträge für die US-Wirtschaft und 3. persönlichen Ruhm und Anerkennung. Er will mit aller Gewalt den Friedensnobelpreis. Aber die Nobel-Stiftung konnte Trump noch nicht kaufen. Und die freie Welt muss diesen ganzen Bestrebungen des größenwahnsinnigen Rassisten Trump mit aller Entschlossenheit entgegentreten.
219. Kings Schattenmann Jesse Jackson gestorben
02:01||Season 5, Ep. 219260219PC Der Schattenmann Jessy JacksonMensch Mahler am 19.02.2026Immer, wenn man über die amerikanische Bürgerrechtsbewegung spricht, fällt ein Name: Dr. Martin Luther King jr., schwarzer Baptistenpastor und Märtyrer, der für die Bürgerrechtsbewegung lebte und 1968 starb. In den 60iger Jahren waren aber viele mehr engagiert, um die Rassentrennung zu überwinden. Da gab es Malcom X, der im Gegensatz zu King Gewalt befürwortete. Und nicht nur schwarze Menschen waren aktiv. Aus der Künstlerszene sind zum Beispiel Joan Baez und Bob Dylan zu nennen. Und, immer im Schatten von King, Jesse Jackson, ebenso wir King farbiger Pastor der Baptistenkirche in den USA. Als King erschossen wurde, führte vor allem Jesse Jackson sein Lebenswerk weiter. Er war das, was man einen Aktivisten nannte. Die von ihm gegründete Stiftung Rainbow Push Coalition schreibt: „Sein unerschütterliches Engagement für Gerechtigkeit, Gleichheit und Menschenrechte trug dazu bei, eine globale Bewegung für Freiheit und Würde zu formen.“ Die Familie von Jackson sagt: „Unser Vater war ein dienender Anführer – nicht nur für die Familie, sondern für die Unterdrückten, die Stimmlosen und die Übersehenen auf der ganzen Welt“.1984 und 1988 bewarb sich Jackson um die Präsidentschaft in den USA. 1988 schloss er die Kampagne als Zweitplatzierter ab. Es sollte 20 weitere Jahre dauern, bis sich Jesse Jacksons Traum für die farbige Bevölkerung der Staaten erfüllte und Barak Obama ins weiße Haus einzog.Jesse Jackson ist Alter von 84 Jahren friedlich im Kreis seiner Familie in Chicago gestorben. Bitter, dass er in den letzten Jahren sein Lebenswerk wieder zerstört sehen musste, weil ein weißer Rassist die Herrschaft in den USA an sich gerissen hat.
218. Unsere Kinder paddeln sich um den Verstand
01:57||Season 5, Ep. 218260218PC Sorge um die Kinder und JugendlichenMensch Mahler am 18.02.2026Stimmt. Jede Zeit hatte ihre Herausforderungen. Vor allem für die Heranwachsenden. Aber die Kinder und Jugendlichen trifft es heute besonders hart und mit voller Wucht. Der Einzug der digitalen Medien in die Kinderzimmer. Die soziale Isolierung während Corona. Das Handy als ständiger Begleiter. Die nachlassende Face-to Face-Kommunikation. Die überforderten Eltern. Die Zukunftsängste wegen Klima, Krieg und schwächelnder Wirtschaft. Das ist schon ein Paket, das kaum zu tragen ist.Die Folgen: Essstörungen nehmen massiv zu. Social-Media wird zum Ratgeber in allen Lebenslagen. Das endlose Scrollen führt zu Schlafmangel, Selbstzweifeln, Cybermobbing, Verrohung und Realitätsverlust. Ratlos stehe ich vor dieser Landschaft. Ein wahres Horrorszenario. Was wird aus meinen vielen Enkeln und meinem Urenkel? Was rast da wie eine ungebremste Welle auf sie zu?Flüchten oder standhalten ist mal wieder gefragt. Flüchten möchte ich nicht – ich weiß auch gar nicht, wie das geht. Ich habe schließlich die Kinder nicht vom Klapperstorch entgegengenommen, sondern habe mich mit meiner Frau willentlich für Nachwuchs entschieden. Und damit eine Verantwortung auf meine Schultern geladen.Jetzt wird heiß ein Social Media Verbot nach australischem Vorbild diskutiert. Wo das Kind eigentlich schon in den Brunnen gefallen ist. Also tun wir alles dafür, dass wir das Kind aus dem Brunnen befreien. Zum Beispiel durch massive Aufstockung durch Hilfsangebote. Psychologisch, lebensbegleitend. Medienerziehung ist das weitere Gebot der Stunde. Wir haben es verbockt – also ist es unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, alles zu mobilisieren was wir können um Schadensbegrenzung zu betreiben.
217. Der freieste aller Freidenker
02:00||Season 5, Ep. 217260217PC Die Gedanken sind freiMensch Mahler am 17.02.2026Er war der »freieste aller Freidenker«, schreibt der Historiker Volker Reinhardt in seiner 2024 erschienenen Bruno-Biografie, ein »intellektueller Anarchist und Albtraum aller Orthodoxiewächter«. Heute vor 425 Jahren, am 17. Februar 1600, wurde Giordano Bruno, der das Universum für »unendlich« und religiöse Dogmen für »Eseleien« hielt, als »halsstarriger Ketzer« auf dem Scheiterhaufen verbrannt.»Mit größerer Furcht verkündet ihr vielleicht das Urteil gegen mich, als ich es entgegennehme!«: Mit diesen Worten soll Giordano Bruno auf das für ihn verhängnisvolle Urteil der »Heiligen Inquisition« am 8. Februar 1600 geantwortet haben. Neun Tage später wurde der vielgereiste, vielgerühmte, aber noch mehr gehasste Gelehrte, der durch seine fast achtjähriger Haft in den Kerken der katholischen Kirche körperlich gebrochen war, zum Campo de’ Fiori in Rom geführt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Das Bild des Gekreuzigten, das ihm kurz vor dem Tod hingehalten wurde, wies er mit Verachtung zurück.Was die römischen Inquisitoren damals nur erahnen konnten, hat Volker Reinhard in seiner detektivischen Arbeit zu Brunos Leben und Werk klar herausgestellt. Dabei wird deutlich, dass Brunos »kühne Parcours durch unbekannte Gedanken-Galaxien« immer mit konkreten Schlussfolgerungen verbunden waren, die darauf hinausliefen, »dass jede Art der Herrschaft gleichbedeutend ist mit der Ausbeutung des Volkes und dass die Kirche diesen Machtmissbrauch durch ihre pervertierte Lehre tatkräftig unterstützt.« Reinhards Fazit: »So tritt hinter dem kosmischen Visionär der politische Denker Giordano Bruno hervor, der sich mit den Missständen seiner Zeit kritisch auseinandersetzt und zu revolutionären Schlussfolgerungen für eine humanere Gesellschaft und einen gerechteren Staat gelangt.«
216. Was darf der Karneval?
01:40||Season 5, Ep. 216260216PC Intoleranz auch im Karneval nicht tolerieren Mensch Mahler am 16.02.2026Rosenmontag. Helau und Alaf! De Zuch kütt! Für den Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly ist Karneval mehr als Feiern, Tanzen und Saufen. «Der Karneval hat auch einen politischen Aspekt, der im Rheinland ganz besonders stark ist», sagte Tilly. «Narrenfreiheit heißt, dass man einmal im Jahr all denen, die es in unseren Augen verdienen, ungestraft die Meinung sagen darf.»In Deutschland sei es der Aufstieg der AfD, die versuche, den Staat lächerlich zu machen und zu delegitimieren. Dagegen müsse sich der Staat stärker wehren und seine liberalen Grundwerte verteidigen. Tilly fordert: «Wir müssen totalitär-autoritären Anwandlungen offensivbegegnen und dürfen diese nicht widerspruchslos dulden.»Tilly gestaltet seit 1984 die oft bissig-entlarvenden Mottowagen im Düsseldorfer Karneval, die häufig auch den russischen Präsidenten Putin zeigten. Für den diesjährigen Rosenmontagszug in Düsseldorf hat er auch wieder einen Toleranzwagen der Religionen gebaut. Ein Motiv: Der Patriarch der russisch orthodoxen Kirche und ehemalige KGB Agent Kyril I kniet vor dem Unterleib Putins in eindeutiger Szene. Aktuell läuft in Moskau ein Prozess gegen Tilly wegen Verunglimpfung der russischen Staatsorgane. Einschüchtern lasse er sich davon nicht, sagte der Künstler. Die Anklage sei auch motivierend. «Sie zeigt: Satire wirkt und tut weh. Auch Despoten und Diktatoren.»