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Mensch Mahler | Die Podcast Kolumne
Die Regierung macht sich der fahrlässigen Körperverletzung mit Todesfolge schuldig
260713PC Die Regierung macht sich der fahrlässigen Tötung schuldig
Mensch Mahler am 13.7.2026
Ich bin Grünen-Mitglied. Und deshalb protestiere ich aufs Schärfste gegen die Politik von Lars Klingbeil.
O-Ton Klingbeil: laber laber
Ende Juni haben wir eine Hitzewelle der Superlative erlebt: 41,8 °C in Sachsen-Anhalt, der höchste je in Deutschland gemessene Wert. Jetzt liegt die erste Bilanz vor: Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind allein durch diese Hitzewelle rund 5.100 Menschen gestorben. Das ist mehr, als die vergangenen drei Jahre zusammen an hitzebedingten Todesfällen zählten.
Das ist nicht einfach Wetter. Das ist die Klimakrise.
Hitze trifft uns alle – aber nicht alle gleich hart. Wer im Pflegeheim lebt, draußen arbeitet oder noch jung genug ist, um im Kindergarten zu spielen, spürt sie oft am stärksten. Deshalb ist Hitzeschutz keine private Frage, sondern eine politische Aufgabe.
Und was macht die Regierung? Sie kürzt beim Klimaschutz und hält sich damit nicht an ihr eigenes Versprechen.
Die Grünen hatten dem 500-Milliarden-Sondervermögen 2025 nur zugestimmt, u.a. weil davon 10 Milliarden Euro jährlich in den Klima- und Transformationsfonds fließen sollten. Jetzt nimmt Finanzminister Klingbeil davon 2,7 Milliarden Euro jährlich wieder heraus, um seine Haushaltslöcher zu stopfen. Ein durchschaubarer Haushaltstrick.
Auch der Etat für Umwelt- und Klimaschutz schrumpft im Haushalt 2027 deutlich. Am härtesten trifft es die Klimaanpassung: Ihre Mittel sollen um bis zu 86 Prozent gekürzt werden.
Wie viele Menschen müssen noch sterben, damit Klimaanpassung endlich zur Top-Priorität wird? Wir fordern daher:
- 5 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen plus mindestens 400 Millionen Euro jährlich, damit Kommunen ihre Klimaanpassung tatsächlich finanzieren können.
- Verbindlicher Hitzeschutz für Gesundheitseinrichtungen: Ein Abkühl-Sofortprogramm mit Mitteln aus dem Sondervermögen und verbindliche Hitzeschutzkonzepte für soziale Einrichtungen.
- Förderprogramm für Klimaanlagen und Solar: Wo eine Klimaanlage nachgerüstet wird, soll gleichzeitig eine Solaranlage aufs Dach kommen.
Die Bundesregierung macht sich der fahrlässigen Körperverletzung mit Todesfolge schuldig. Nicht mehr und nicht weniger. Auf meinem WhatsApp Status findet ihr aktuell einen Protestbrief der Grünen gegen diese Klimapolitik. Macht mit und rennt Klingbeil und der Schwarz-roten Koalition die Bude ein!
Die Lösungen liegen auf dem Tisch. Jetzt braucht es nur den politischen Willen und die finanziellen Mittel dazu. Schreib Deiner*m Abgeordnete*n und mach mit uns gemeinsam Druck.
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826. Full Circle
04:57||Season 5, Ep. 826260826PC Die Erde ist keine ScheibeMensch Mahler am 26.08.2026Eigentlich ist diese Erkenntnis uralt. Die Erde ist keine Scheibe. Es gibt keinen Anfang und kein Ende. Ich weiß nicht mehr, wie alt ich war. Vielleicht 12 oder 13. Wir wohnten in einem großen Haus, 5 Generationen. Meine Urgroßmutter, die 100 wurde, meine Großmutter, meine Eltern und wir 3 Kinder. Meine Schwester hat, als sie mit ihrem Mann in diesem Haus wohnte, ihre Tochter bekommen. So war der Kreislauf des Lebens jeden Tag präsent.Ich wohnte mit meinem Bruder in einem Zimmer im 2. Obergeschoss. Nachts lag ich manchmal auf dem Fensterbrett und starrte in den Nachthimmel. Sternenklar. Unendlich. Ich stellte mir vor, dass da irgendwo ein Ende sein müsste. Eine Mauer oder so etwas. Aber mir war gleichzeitig klar, dass es keine Mauer gibt. Nur endlose Weite. Und ich bin fast verrückt geworden, weil ich mir das nicht vorstellen konnte. Also wandte ich mich der Zeit zu. Was war, bevor die Welt erschaffen wurde? Nichts gibt es ja nicht. Was wird sein, wenn auf diesem Planten kein Leben mehr möglich sein wird? Danach muss ja etwas kommen. Aber was? Und wann ist Schluss? Und was kommt danach?Diese Gedanken habe ich nie mehr loslassen können. Gestern stand ich am Nordkap und habe bis zum Horizont geschaut. „Hinter dem Horizont geht’s weiter“ singt Udo Lindenberg. Klar, die Erde ist ja auch keine Scheibe, sondern eine Kugel. Von einer Scheibe könnte man an der Kante abstürzen. Wohin? Ins Nichts? In eine wie immer geartete Unterwelt? Und dann kam die Little River Band in mein Leben. Full Circle heißt der Song. Wie es am Anfang war, so wird es am Ende sein. Unser Kreis wird sich schließen und wir beginnen von vorne. Seitdem meine ich, dass die abrahamitischen Religionen mit ihrem Zeitstrahldenken falsch liegen. Er Hinduismus, der Buddhismus und viele andere Weltanschauungen kennen das nicht. Sie kennen den Kreis. Den Full Circle. Die Reinkarnation – wie auch immer. Ich mag mir da nichts Konkretes darunter vorstellen. Ich weiß nur, dass ein Samenkorn in die Erde fällt und stirbt – und daraus wächst neues Leben. Von der Erde bist du genommen und zur Erde kehrst du zurück. Wieder und wieder. Das ist der Kreislauf des Lebens. Ohne Anfang, ohne Ende.
825. Wasser - Ursprung und Zukunft des Lebens
02:46||Season 5, Ep. 825260825PC Die Zukunft liegt in der VergangenheitMensch Mahler am 25.08.2026So eine Bootsfahrt mit einem Speed-Schlauchboot ist herausfordernd. Eingepackt in einen dicken Anzug, mit Skibrille, fetten Handschuhen und Rettungsweste ausgestattet fliegen wir über den Fjord, hinaus aufs offene Meer. 60 Stundenkilometer, sorry, wegen der Wellen geht es nicht schneller. Wir klammern uns an den Haltegriff, die Sitze sind als Sättel ausgeformt. Achten sie auf ihren Rücken, benutzen sie die Beine als Dämpfer! Ich werde morgen Muskelkater in den Oberschenkeln haben. Aber die Fahrt ist überaus aufschlussreich. Wir erfahren etwas über die verschiedenen Epochen der Eiszeiten, über das Zusammenschieben der amerikanischen und der eurasischen Erdplatte, die Skandinavien gebildet haben. Vor 400 Millionen Jahr waren die Berge Norwegens vermutlich bis zu 10.000 Meter hoch. Durch Erosion, Wind, Wetter und Eis sind maximal 2.500 Meter übriggeblieben. Und der Mensch – ein Hauch in der Geschichte unseres Planeten. Es gibt ihn noch nicht sehr lange und ich frage mich immer wieder, warum wir glauben, dass es unsere Daseinsform als Homo Sapiens und als individuelle Wesen in Ewigkeit geben sollte? Nichts spricht dafür, vieles spricht dagegen. So what?Ich bekomme viele Antworten, was das Überleben der Menschheit angeht. Der Ursprung des Lebens liegt im Wasser. Die Zukunft vermutlich auch. Denn: Die Schätze des Meeres sind endlos. Wir fahren an einer Lachsfarm vorbei. Eine von Hunderten, allein in Norwegen. In zehn großen Ringen wachsen in einem Jahr 1 Million Lachse a 5 Kilogramm heran. Jahr für Jahr. Norwegen ist der größte Lachsproduzent der Welt – und das ist nur eine Form der endlosen Ernährungsquellen, die das Meer bietet. Tang, Krill, Meeresfrüchte und Fische aller Art – so viel, das die Ernährungsprobleme der Welt ohne Probleme aufgefangen werden könnten. Viehzucht auf dem Land wäre völlig überflüssig und ist außerdem komplett uneffektiv. Meeresfrüchte und die Früchte der Bäume, Sträucher, Felder, Beeren und Nüsse – das ist immer noch mehr als genug.Mir gehen sehr viele Gedanken durch den Kopf auf dieser Reise. Zumal ich auch noch die Rache des Oktopus von Dirk Rossmann lese, wo es auch um das Überleben der Menschheit geht. Allen Krisen zum Trotz. Bisher leider nur eine schöne – oder beängstigende Utopie. Wir werden sehen, wohin die Reise geht. Ich denke, eher in die Endlichkeit als in die Unendlichkeit. Leben vergeht, neues Leben entsteht. In welcher Form auch immer.
824. Königskrabben und Polarkreis
02:02||Season 5, Ep. 824260824PC PolarkreistaufeMensch Mahler am 24.08.2026Gestern habe ich mich noch beklagt, dass mir Gruppenreisen auf einem Schiff keinen Spaß machen. Heute hat sich das Blatt gewendet. Wir haben den Polarkreis überfahren und dabei jede Menge Spaß gehabt. Zuerst haben wir uns auf Deck 7 mit YMCA und Macarena warmgetanzt. Dann kam der Meeresgott der Arctic und wir wurden mit Eiswasser getauft. Zumindest die oder der es wollte. Als Belohnung gab es ein Gläschen Sekt aufs Haus. Danach hat uns Marco, unser Chefsteward, Königskrabben gezeigt, die wir lebend an Bord haben. Morgen Abend werden sie verzehrt. Imposante Geräte, die allerdings ihren Preis haben. In Oslo kostet ein Menu 300 Euro, an Bord nur 130. Und dann gings mit dem Schlauch-Speed Boot zur größten Gezeitenströmung der Welt. In Saltstraumen beträgt der Tidenhub 2 Meter. Und führt zu gewaltigen Strudeln. Unser Bootsführer war erfahren genug, uns nicht in einen solchen Strudel hineinzufahren, sonst wären wir verloren gewesen.Und: wir haben in den letzten 2 Tagen sehr nette Mitreisende kennengelernt. Natürlich sind wieder mal viele Schwaben an Bord, aus Stuttgart, Filderstadt, Reutlingen, Dettingen – also unserem Nachbarstädtchen von Bad Urach.So gesehen wird es jetzt doch noch eine sehr interessante Reise – was die Eindrücke der Natur angeht aber auch die sozialen Kontakte. Was ist am Polarkreis so besonders? Im Winter wird es jenseits des Polarkreises nie hell, im Sommer nie dunkel. 24 Stunden lang. Ob wir Polarlichter sehen werden, ist noch nicht raus. Zu viele Wolken. Aber vielleicht haben wir Glück. Zum Wetter: nördlich des Polarkreises wird es nie wärmer als 11-12 Grad. Aber wir haben uns klamottenmäßig darauf eingestellt. Und so kann man an der erfrischenden Meeresluft auch Spaß haben.
823. kein Massentourismus auch nicht auf dem sogenannten Postschiff
02:17||Season 5, Ep. 823260823PC Individualtourismus geht andersMensch Mahler am 23.08.2026Ich hab’s gewusst – nur nicht gedacht, dass es so schnell geht. Am vierten Tag auf See bekomme ich schon den Lagerkoller. Zu viele Menschen, zu viel Essen, zu viele Ausflüge und Eindrücke … eigentlich bin ich eher der Typ, der allein oder zu zweit loszieht. Mit dem Fahrrad, eventuell mit dem Wohnwagen. Bei Hurtigruten ist es so, dass du jede Menge Events dazubuchen kannst, um außer Schiff und Küste noch was anderes zu sehen. Ausflüge sehen dann so aus: Das große Hurtigruten-Schiff fährt in einen Fjord, ein kleineres Schiff holt Dich ab, schnell rein in den Bus. Und ab geht’s – stundenlang über Land. Fotostopp, schnell wieder rein. Am Trollstigen – wahnsinnige Landschaft mit tosenden Wasserfällen zwischen haushohen Felsen – aussteigen, gucken, schnell wieder in den Bus, wir müssen die nächste Fähre kriegen … wandern? Leider keine Zeit. Am nächsten Souvenirshop gibst ne Stulle und eine kalte Waffel, Tee und Kaffee ist wie Wasser gratis. Alles andere: sündhaft teuer. Bier und Wein das Gläschen 15 Euro aufwärts. Dann wieder ne Fähre und in einem seelenlosen Hotel vorkonfektioniertes Abendessen. Danach wieder aufs Schiff und weiter geht’s. Was soll ich mich beklagen? Selbst entschieden, selbst bezahlt, obwohl ich wusste, dass ich weder ein Kreuzfahrt- noch ein Massentourismustyp bin. Jetzt heißt es: das Beste draus machen. Das Buffet nicht abräumen. Landausflüge auf eigene Faust. Gestern haben wir völlig ohne Guide Trondheim entdeckt. Leider wieder nur knapp 3 Stunden Zeit und weiter geht’s. Mein Traum bleibt trotz Hurtigruten unerfüllt: Drei bis vier Wochen Skandinavien, Wohnwagen und Fahrrad und vor allen Dingen: kein Ziel. Der Nase nach. Eigene Entdeckungen machen. Urlaub wie ich es mag: morgens aufstehen, wenn die Sonne mich aus dem Bett holt, in den nächsten See springen und dann ganz gemütlich überlegen, was dieser Tag noch so an Überraschungen bereithält. Begegnungen nicht nur mit Gleichgesinnten aus er Reisegruppe, sondern mit Zufallsbekanntschaften – am besten aus der ganzen Welt. Und Einheimische kennenlernen – jenseits der Touristenattraktionen und Souvinier-Shops.
822. Gesundes Norwegen - was lernen wir daraus?
03:23||Season 5, Ep. 822260822PC Norwegen – gesundes MusterlandMensch Mahler am 22.08.2026Bergen - wunderschöner Hafen mit Fischmarkt, Brygge - das Hanseviertel seit dem Mittelalter, von deutschen Kaufleuten erbaut und besiedelt, das ist wirklich Bilderbuch. Eine kompetente Stadtführerin, die uns auch zu einer alten Stabkirche führt. Am Vormittag wandern wir auf den Fløje, einen der 7 Berge, die Bergen ihren Namen gaben. Uns kommen sehr viele Jugendliche entgegen, die eine schlanker und fitter als der andere. Ich komme ins Grübeln. Norwegen hat 5,6 Millionen Einwohner. Zum Vergleich: Berlin knapp 4 Millionen. Norwegen bringt jede Menge Spitzensportler hervor – vor allem in den Winterdisziplinen. Aber auch im Fußball. In Norwegen ist der Alkohol fast unerschwinglich – 17 Euro zahle ich für ein kleines Glas Weißwein in einer Hotelbar. In Supermärkten ist Alkohol – außer Bier – nicht zu bekommen. Rauchen ist in der Öffentlichkeit fast überall verboten. Norwegen ist nachhaltig – die höchste E-Auto-Quote der Welt, 80% der Energie wird aus Wasserkraft gewonnen. Klar, hier gibt es jede Menge unberührte Natur, wandern und Skilanglauf ist Volkssport. Das ist mit Deutschland mit seiner hohen Einwohnerdichte nicht zu vergleichen. Und trotzdem – vielleicht können wir von Norwegen lernen. Thema Gesundheit: In den Schulen gibt es Unterricht und Freizeitgestaltung – siehe Wanderung auf den Fløjen. Alkohol wird per Steuer enorm verteuert, andere Drogen wie Nikotin in der Öffentlichkeit weitgehend verboten. In Norwegen gilt eine strikte Drogenpolitik, die in den letzten Jahren einen Paradigmenwechsel von Strafe hin zu medizinischer Hilfe vollzogen hat. Dennoch bleibt die Einfuhr, der Verkauf und die Herstellung illegaler Substanzen streng verboten und wird hart sanktioniert. Übergewicht: Norwegen 25% der Bevölkerung, in Deutschland sind es inzwischen 60%.Es gibt nur drei Regeln, die es zu beachten gilt, wenn man einigermaßen gesund altern will: Ausgewogene, gesunde Ernährung, Bewegung und Sport und das Vermeiden von ungesunden Substanzen. In Norwegen gibt es wenig Fleisch, und wenn, ist es unverhältnismäßig teuer. Fisch, Gemüse, Obst und Käse dagegen wird sehr viel konsumiert. Sport und Bewegung wird von klein auf großgeschrieben. Alkohol, Nikotin und andere Drogen werden sehr stark staatlich reguliert bzw. sanktioniert. Nachhaltigkeit: hier ist Norwegen auch ganz weit vorne, dank der Energiewende und der Wasserkraft. Jetzt muss ich allerdings noch einen Wermutstropfen in die gute Bilanz gießen. Bodenschätze haben Norwegen reich gemacht. Aber: Norwegens Öl- und Gasindustrie ist extrem umweltschädlich durch die enorme Menge an exportierten fossilen Brennstoffen, weist aber bei der reinen Förderung auf dem Kontinentalschelf im internationalen Vergleich eine relativ hohe Energieeffizienz und geringere direkte CO₂-Emissionen pro produzierter Einheit auf. Fazit: Norwegen, ein Musterland mit leichten Dellen. Gestern gings dann noch in den Geirangerfjord, den bekanntesten und berühmtesten Fjord der Welt. Die Landschaft hier ist wahrlich unschlagbar. Es stimmt schon: Hurtigruten – die wohl schönste Seereise der Welt.
821. Strandet in Bergen
03:21||Season 5, Ep. 821260821PC gestrandet in ArnaMensch Mahler am 21.08.2026Oslo ist eine wunderschöne Stadt mit einem der schönsten Parks, die ich je gesehen habe. Der Vigelandsparken ist bis Mitte des 20. Jahrhunderts von dem Ausnahmekünstler Gustav Viglan gestaltet worden. Mehr als 600 Menschen hat er modelliert in 200 Personengruppen geschaffen und den Kreislauf des Lebens in allen Facetten dargestellt. Faszinierend! Holmenkollen, auf dieser Großschanze zu stehen lässt einem das Blut in den Adern gefrieren, wenn man sich vorstellt, dass sich Menschen auf Skiern dort in die Tiefe stürzen.Danach geht es mit der Bergen-Bahn von Oslo bis an die Westküste nach Bergen. 7 Stunden, anstrengend und wunderschön. Unglaublich – tiefe Schluchten, 300 Brücken und fast ebenso viele Tunnels. Wasser, wohin man blickt. Im Zug ist es stickig – er ist rappelvoll. Wir sind 45 Personen alleine in unserer Hurtigruten-Reisegruppe. An jedem Bahnhof öffnen wir die Türen, um Luft in den Zug zu lassen. An manchen Bahnhöfen haben wir ein paar Minuten Aufenthalt und wir gehen raus, die Beine vertreten und Luft schnappen. Letzte Station vor Bergen: Arna. Ich lese: 4 Minuten Aufenthalt vor der Weiterfahrt. Und gehe raus. Kaum bin ich draußen, schließen sich die Türen und der Zug fährt weiter nach Bergen. Ich stehe auf dem Bahnsteig – in der Windjacke, aber ohne alles. Will sagen: Gepäck, iphone, Geldbeutel, Ausweis – alles im Zug, der gerade durch den nächsten Tunnel verschwindet. In 10 Minuten wird er in Bergen ankommen, mit meiner Reisegruppe, meiner Frau, meinem Gepäck – aber ohne mich. Kein Taxi weit und breit. Aber ich sehe, dass 20 Minuten später ein Regionalzug von Arna nach Bergen fährt. Ich habe kein Ticket und kein Telefon. Auf dem Bahnsteig: 4 Italiener. Drei junge Männer und eine junge Frau mit Gitarre – aber ohne Gepäck. Ihnen geht es genauso wie mir. Zuallererst lösen sie ein Ticket für mich. Ich darf ihnen in Bergen das Geld aber nicht zurückgeben, das hätte sie beleidigt. Mit ihren Telefonen werden viele Gespräche geführt. Ich versuche, meine Frau zu erreichen – aber in der Hektik fällt mir ihre Nummer nicht mehr ein. Dann die Erleuchtung. Mein Telefon steckt ja im Rucksack – und der ist im Zug. Ich erreiche meine Frau, sie sagt, dass die Gruppe am Bahnsteig auf mich wartet. Das Gepäck meiner italienischen Freundinnen wird in Bergen geräumt - Endstation. Wir sind erleichtert. Ich bitte die junge Frau, ihre Gitarre auszupacken. Sie spielt einen Song und singt: „Strandet in Arna, the fucking train is going to Bergen – without us“. Perfekte Improvisation, wir lachen uns kaputt. In Bergen wartet die Reisegruppe im Bus auf mich. Obwohl wir 20 Minuten später im Hotel ankommen, herrscht große Erleichterung. Der Barkeeper wird überredet, ein Stündchen länger zu bleiben, bis alle von unserer Gruppe ihr Zimmer bezogen haben und wir einen gemeinsamen Absacker nehmen können.Gestern Wanderung und Stadtrundfahrt in Bergen. Dann geht es endlich auf die MS Polarys von Hurtigruten. Um 20:30 Uhr heißt es Leinen los. Die Reise zum Nordkap fängt jetzt richtig an.
820. 12.000 Hitzetote - endlich handeln!
03:03||Season 5, Ep. 820260820PC 12.000 Hitzetote – endlich handeln! Tag 10Mensch Mahler am 20.08.2026im Supermarkt ziehen die Preise wieder an, der Sprit an der Tankstelle wird spürbar teurer – und der Grund liegt hunderte Kilometer entfernt: An Rhein, Donau und Elbe sinken die Pegelstände täglich. Viele Schiffe können nicht mehr wie gewohnt fahren. Was viele nicht wissen: Wenn Frachtschiffe nur noch einen Teil ihrer üblichen Ladung transportieren können, merken wir das schnell im Geldbeutel. Für dieselbe Menge Rohöl, Chemikalien oder Baustoffe braucht es dann mehr Fahrten – teilweise kurzfristig mit Bahn und LKW. Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen bereits damit, dass das aktuelle Niedrigwasser infolge der Hitzewellen die Inflation in Deutschland zeitweise um bis zu 0,5 Prozentpunkte erhöhen könnte. Und Niedrigwasser ist nur eine Seite der Klimakrise. Schon die erste Hitzewelle im Juni hat unsere Unternehmen laut Prognos-Berechnungen mindestens 6,3 Milliarden Euro gekostet – in nur zwei Wochen. Jeder einzelne Tag mit mehr als 30 Grad kostet uns mehrere hundert Millionen Euro, weil Menschen bei Hitze weniger leisten können, häufiger krank werden oder ganz ausfallen. Gleichzeitig sind in den vergangenen Wochen mehr als 12.000 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben. Und was hören wir von Friedrich Merz? Wenig bis nichts. Nichts zu den mehr als 12.000 Hitzetoten, nichts zu den Dürren in der Landwirtschaft, nichts zu den extrem niedrigen Pegelständen an Rhein, Elbe und Donau. Es reicht nicht, als Bundeskanzler das Wetter aus dem Urlaub heraus zu beobachten, während Menschen, Tiere und unsere Unternehmen unter der Hitze leiden. Deshalb müssen wir Grüne jetzt Druck machen. Wir fordern: Sofortmaßnahmen, die den extremen Hitzewellen angemessen sind. Hitzeschutzpläne in allen Landkreisen und Städten, die auf die Bedürfnisse der Menschen vor Ort zugeschnitten sind und schnell greifen. Ein wirksames Maßnahmenpaket, das Menschenleben schützt, Lieferketten stabil hält und dafür sorgt, dass extreme Hitze nicht immer stärker unseren Alltag bestimmt. Konsequente Investitionen in Klimaschutz und Klimaanpassung, statt an genau den Maßnahmen zu sparen, die uns vor den Folgen der Klimakrise schützen. Denn Hitzeschutz kostet. Aber die Folgen des Nichtstuns kosten uns alle noch viel mehr: durch Ernteausfälle, Schäden an Häusern und Infrastruktur, unterbrochene Lieferketten – und vor allem durch die gesundheitlichen Folgen für Millionen Menschen. Union und SPD dürfen beim Hitzeschutz, beim Klimaschutz und bei der Klimaanpassung nicht weiter kürzen. Dass die SPD jetzt über eine neue Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung im Grundgesetz redet, ist bemerkenswert: 2021 hat Olaf Scholz genau das noch verhindert. Wenn Union und SPD Städte und Gemeinden wirklich beim Hitzeschutz unterstützen wollen, könnten sie längst handeln – die SPD hätte mit sieben Bundesministerien und dem Finanzminister an ihrer Spitze schon jetzt dafür alle Möglichkeiten.
819. Ab ans Nordkap!
02:17||Season 5, Ep. 819260819PC Skandinavien – Ab in den Norden Tag 9Mensch Mahler am 19.08.2026Ich habe Skandinavien immer geliebt. War nur leider zu selten dort. Einmal mit Familie in Norwegens Wildnis, zweimal sozusagen dienstlich als Jugendpfarrer in Norwegen auf Freizeiten und als Friedensarbeiter in Schweden. Wenn man Dänemark auch zu Skandinavien zählen will: In Dänemark war ich zweimal mit dem Fahrrad und einmal mit dem Auto. Mit dem Fahrrad war es unsere Hochzeitsreise 1977. Von Hamburg aus mit löchrigem Zelt auf dem Gepäckträger nach Fünen. Mit dem Auto 2022 in Kopenhagen – aber aus Versehen, weil mir mein Arzt das Radfahren vorübergehend untersagt hatte. Dann 2023 das mit dem Rad nachgeholt. Nach Kopenhagen zum Pink-Floyd Konzert – und vorher hatten sie mir mein Rad auf dem Rathausplatz geklaut. Zurück gings dann mit einem neu erstandenen Rad nach Warnemünde.Und jetzt sind wir wieder auf dem Weg. Gestern in Kiel gestartet. Heute geht es von Oslo mit der Bergen-Bahn über 300 Brücken durch atemberaubende Landschaften an die Westküste nach Bergen. Ich bin gespannt auf diese Stadt, die lange Zeit als schönste Stadt Skandinaviens galt und lange Zeit die Hauptstadt Norwegens war.Und dann geht es auf das Schiff, das uns über die Hurtigruten übers Nordkap bis ans Dreiländereck Norwegen – Russland – Finnland bringt. Komisches Gefühl, in Kriegszeiten an der Grenze zu Russland zu stehen. Zurück geht es dann über die Lofoten nach Trondheim, dann der Weg mit der Bahn nach Oslo und von dort aus wieder nach Kiel, wo unser Auto auf uns wartet, um uns nach Hause zu bringen.Was ist das für ein Gefühl? Vorfreude, Spannung, atemberaubende Landschaften warten auf uns. Wer werden unsere Reisebegleiter aus der ganzen Welt sein? Wie das Wetter wird, wissen wir schon. Es wird regnen, und es wird kaum wärmer als 14 Grad. Aber darauf kann man sich einstellen. Es gilt wieder einmal: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung.“ Und da haben wir vorgesorgt. Es wird bestimmt ein einmaliges Abenteuer. Wir haben uns lange darauf gefreut – und jetzt wird es wahr.
818. Urlaubszeit - Lesezeit
03:10||Season 5, Ep. 818260818PC Lesezeit – Urlaubstagebuch Tag 8Mensch Mahler am 18.08.2026Es gab Jahre, da hatte ich 7 oder 8 Bücher im Koffer, wenn ich in den Sommerurlaub gefahren bin. Dann kam die Zeit der elektronischen Bücher. Das hat manches vereinfacht, was das Transportgewicht angeht. Angefreundet habe ich mich mit den Kindles dieser Welt nicht wirklich. Also jetzt wieder Taschenbücher, Paperbacks, Hardcover. Meine Frau ist seit Jahren in einem Literaturkreis. Davon profitiere ich – und außerdem gibt es an jeder Ecke eine Tauschbörse für gebrauchte Bücher. In diesen Urlaub habe ich – neben dem Hurtigruten-Reiseführer folgendes dabei: Anna Gavalda „Zusammen ist man weniger allein“ – ein toller Roman über verlorene Seelen in Paris. Ausgelesen. Dann darf ein Dirk Rossmann nicht fehlen, bereits der dritte, den ich lese: „Der Zorn des Oktopus“ ein Zukunftskrimi im Jahr 2029. In Bücherschränken habe ich einen Fitzek gefunden, den ich noch nicht gelesen hatte: Den Psychothriller „Das Geschenk“. Conny hat gerade Gabriela Zalapis „Ilaria“ ausgelesen. Ein Vater entführt seine Tochter und macht mit ihr einen Roadtrip durch Italien. Ein Familiendrama, das bedrückend ist und sich trotzdem zu lesen lohnt. Auf dem Campingplatz an der Ostsee habe ich „Seefahrt“ gefunden, ein Kluftinger Krimi. Den habe ich als Reserve dabei. Und jetzt gerade ausgelesen: Den neuen Robert Seethaler: „Die Straße“. Ein ganz besonderes, hochgelobtes Buch, das es in dieser Form noch nie gab. Man kann das Genre als "Form des literarischen Streetviews" charakterisieren. Robert Seethalers raffiniertes erzählerisches Arrangement in "Die Straße" ist wirklich bemerkenswert. Ich habe das Buch, das 230 Seiten lang nur Fragmente enthält, in 24 Stunden durchgelesen.Heimliche Heldin dieses Romans ist die Straße selbst, "scheinbar unscheinbar" bietet sie eine Art Querschnitt menschlicher Erfahrungen: enttäuschte Liebe, üble Gerüchte, Kriegserinnerungen, Obdachlosigkeit, Rassismus, Migration, Brandstiftung und fragwürdige Immobiliengeschäfte. Seethaler lässt seine Erzählung flugs über all diese Geschehnisse und Gespräche hinweggleiten, verknüpft dabei seine knappen Momentaufnahmen geschickt durch wiederkehrende Motive und Begriffe. Zum Anfang mögen einige der oft namenlosen Stimmen noch etwas gespensterhaft wirken, doch nach und nach entfaltet sich vor den Lesenden eine Art literarisches "Wimmelbild" voller klarer, schillernder Charaktere und Verbindungen. Verkürzungen sind zwangsläufig integraler Bestandteil dieser Erzählweise. Ins Gefühlsselige kippen sie nur einmal, in der Erzählung einer verliebten Floristin. Doch dies kann man dem Autor ohne weiteres nachsehen, der hier seine Kunst der Darstellung komplexer Mikrokosmen zur Perfektion bringt.Ich kann dieses Buch „Die Straße“ von Robert Seethaler wärmstens empfehlen, weil es ein ganz besonderes Lese-Erlebnis aufmacht. Und: Ich freue mich jetzt auf zwei Wochen Seereise mit meinen literarischen Schätzchen im Gepäck.