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Mensch Mahler | Die Podcast Kolumne
Absurd.
250810PC Der Fight um Woltemade
Mensch Mahler am 10.08.2025
Absurd. Etwas anderes fällt mir nicht ein, wenn ich die Summen anschaue, die bei Transfers von Bundesligaprofis über den Tisch gehen. Den Rekord hält der Brasilianer Neymar, der 2017 für 222 Millionen vom FC Barcelona zu Paris St. Germain wechselte. Der Verein gehört den Kataris, die seinerzeit 70 Millionen für den französischen Meister investierten.
Bleiben wir am Golf. Ronaldo spielt dort unbemerkt von der Weltöffentlichkeit, aber für viel Geld, die Saudi Pro League kauft eigentlich alles, was nicht bei drei auf dem Flutlichtmast ist.
Jetzt sind sie sich wohl mit dem Mittelfeldstar Enzo Millot vom VfB Stuttgart einig. Der war 2021 für schlappe 1,75 Millionen Euro von Monaco an den Neckar gekommen. Beim Verkauf – 4 Jahre später – spricht man von 28 Millionen. Ein gutes Geschäft für die Stuttgarter, die jetzt Luft haben, um Angebote des FC Bayern in Sachen Woltemade auszusitzen. Nick Woltemade heißt der Shootingstar und beste Spieler der U-21 EM. Er ist mit Sicherheit der interessanteste deutsche Spieler auf dem Markt, seit Florian Wirz von Leverkusen für sagenhafte 125 Millionen nach Liverpool gewechselt ist. Dass die Bayern den Schwaben die Top-Spieler abkaufen, ist nichts Neues. Benjamin Pavard, französischer Nationalspieler, war den Bayern mit dem dicken Geldbeutel 35 Millionen wert. Mario Gomez kostete seinerzeit 30 Millionen. Und jetzt also Woltemade. Nachdem der VfB das 55 Millionen-Angebot ablehnte, herrscht beleidigtes Schweigen. Mal sehen, ob sich da noch was tut.
Fußball und Geld – ich kann inzwischen alle verstehen, die sich frustriert vom Profi-Fußball und ihren Söldnertruppen abwenden. Dann doch lieber in einer unterklassigen Liga mit 80 Zusehenden an der Bande stehen und echten Fußball sehen. Amateure mit Kampfgeist und Herz und keine verwöhnten Millionäre.
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811. Urlaubstagebuch Tag 2
02:50||Season 5, Ep. 811260811PC Das graue Band hat kein Ende – Urlaubstagebuch Seite 2Mensch Mahler am 11.08.2026Das graue Band hat kein Ende. Eigentlich bin ich es ja gewohnt. Habe in Hamburg studiert, knapp 800 Km von zu Hause entfernt. Dann habe ich Rundfunksender in ganz Deutschland betreut, nach 1989 einige in den neuen Bundesländern. Und dann Berlin. 20 Jahre bin ich gependelt zwischen der Landeshauptstadt Stuttgart und der Hauptstadt. Das Auto habe ich allerdings nur genommen, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Heute weiß ich wieder, warum. Marode Autobahnbrücken, Staus und viel zu viel Verkehr. Ein alter Spruch fiel mir wieder ein: „Sie stehen nicht im Stau, sie sind der Stau.“ Aber: Mit der Bahn wäre es noch weniger gut gegangen. Ich will nicht meckern – in einem gut klimatisierten Wagen mit teilautonomem Fahren und super Podcasts oder Hörbüchern – was juckt einen da die Zeit, wenn man in den Urlaub fährt. Gestern: Maren Kroymann in „Alles gesagt“ meinem Lieblingspodcast mit Redakteuren der Zeit. Den ganzen langen Weg von Süddeutschland nach Kiel haben mich die bedrückenden Nachrichten über die Klimakrise begleitet. Im Schwarzwald müssen entlegene Höfe mit Tanklastwagen mit Frischwasser versorgt werden. Die Brunnen versiegen. Auf der Seine, dem Rhein und der Donau kommt der Schiffsverkehrt zum Erliegen – das Niedrigwasser bremst den Warentransport per Boot aus. Ergo: LKWs auf die Straße, auch sonntags. Wir machen Rast auf einem Autohof irgendwo zwischen Kassel und Hannover. Viel Blaulicht und Feuerwehr – auf dem Rastplatz. Auf Nachfrage bekommen wir mit, dass in der Nähe ein Wald brennt. Der Feuerwehrwagen zapft an der Rastanlage immer 2.000 Liter – nein, nicht Sprit, sondern Wasser, geht löschen und kommt 20 Minuten später wieder zurück. Als wir weiterfahren, ziehen dicke graue Rauchschwaden über die Autobahn. Der besagte Wald brennt neben der A 7. Kopernikus meldet im Autoradio, dass Europa den wärmsten Sommer seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen meldet. In Spanien hat das Mittelmeer Badewannenniveau: 33 Grad. Wohin wir auch fliehen – die Klimakatastrophe fährt mit. Mein Fazit des ersten Urlaubstages, der tatsächlich nicht mit einem Glas Wein, aber mit einem Flens an der Ostseeküste zu Ende geht: Ja, wir können unseren Alltagssorgen entfliehen. Die Situation, in der sich unser Globus befindet, verfolgt uns auf Schritt und Tritt. Ich will mich trotzdem über die geschenkte Zeit freuen – aber da ist eher Nachdenklichkeit als Ballermann angesagt. Unser Campingplatz ist schön. Und hinter dem Deich rollt das Meer unbeeindruckt und ohne Unterbrechung an den Sandstrand.
811. Urlaubstagebuch Tag 2
02:50||Season 5, Ep. 811260811PC Das graue Band hat kein Ende – Urlaubstagebuch Seite 2Mensch Mahler am 11.08.2026Das graue Band hat kein Ende. Eigentlich bin ich es ja gewohnt. Habe in Hamburg studiert, knapp 800 Km von zu Hause entfernt. Dann habe ich Rundfunksender in ganz Deutschland betreut, nach 1989 einige in den neuen Bundesländern. Und dann Berlin. 20 Jahre bin ich gependelt zwischen der Landeshauptstadt Stuttgart und der Hauptstadt. Das Auto habe ich allerdings nur genommen, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Heute weiß ich wieder, warum. Marode Autobahnbrücken, Staus und viel zu viel Verkehr. Ein alter Spruch fiel mir wieder ein: „Sie stehen nicht im Stau, sie sind der Stau.“ Aber: Mit der Bahn wäre es noch weniger gut gegangen. Ich will nicht meckern – in einem gut klimatisierten Wagen mit teilautonomem Fahren und super Podcasts oder Hörbüchern – was juckt einen da die Zeit, wenn man in den Urlaub fährt. Gestern: Maren Kroymann in „Alles gesagt“ meinem Lieblingspodcast mit Redakteuren der Zeit. Den ganzen langen Weg von Süddeutschland nach Kiel haben mich die bedrückenden Nachrichten über die Klimakrise begleitet. Im Schwarzwald müssen entlegene Höfe mit Tanklastwagen mit Frischwasser versorgt werden. Die Brunnen versiegen. Auf der Seine, dem Rhein und der Donau kommt der Schiffsverkehrt zum Erliegen – das Niedrigwasser bremst den Warentransport per Boot aus. Ergo: LKWs auf die Straße, auch sonntags. Wir machen Rast auf einem Autohof irgendwo zwischen Kassel und Hannover. Viel Blaulicht und Feuerwehr – auf dem Rastplatz. Auf Nachfrage bekommen wir mit, dass in der Nähe ein Wald brennt. Der Feuerwehrwagen zapft an der Rastanlage immer 2.000 Liter – nein, nicht Sprit, sondern Wasser, geht löschen und kommt 20 Minuten später wieder zurück. Als wir weiterfahren, ziehen dicke graue Rauchschwaden über die Autobahn. Der besagte Wald brennt neben der A 7. Kopernikus meldet im Autoradio, dass Europa den wärmsten Sommer seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen meldet. In Spanien hat das Mittelmeer Badewannenniveau: 33 Grad. Wohin wir auch fliehen – die Klimakatastrophe fährt mit. Mein Fazit des ersten Urlaubstages, der tatsächlich nicht mit einem Glas Wein, aber mit einem Flens an der Ostseeküste zu Ende geht: Ja, wir können unseren Alltagssorgen entfliehen. Die Situation, in der sich unser Globus befindet, verfolgt uns auf Schritt und Tritt. Ich will mich trotzdem über die geschenkte Zeit freuen – aber da ist eher Nachdenklichkeit als Ballermann angesagt. Unser Campingplatz ist schön. Und hinter dem Deich rollt das Meer unbeeindruckt und ohne Unterbrechung an den Sandstrand.
810. Urlaubstagebuch Tag 1
02:35||Season 5, Ep. 810260810PC Jetzt geht’s los – Urlaubstagebuch Seite 1Mensch Mahler am 10.08.2026In der ersten Augustwoche hatten alle 16 Bundesländer gleichzeitig Sommerferien. Ferragosto ist nicht nur der 15. August, sondern der Höhepunkt des Sommers in Italien – die Ferien des Augustus eben.Wir brechen heute auf. In die entgegengesetzte Richtung. Der Hitze entfliehen. Eine Woche Nordsee, dann ans Nordkap. Klar, wir sind urlaubsreif. Eine turbulente Zeit liegt hinter uns. Wir haben hohe Erwartungen an diesen Urlaub. Aber wir sind nicht unter Leistungsdruck. Freizeitstress. Nein, wir wollen in erster Linie entspannen. Lassen sogar die Fahrräder zu Hause, und das will bei uns etwas heißen.Heute erst mal 800 Kilometer nach Norden bis an den Strand nördlich von Kiel. Auch nicht mit dem Wohnwagen. Wir haben auf dem Campingplatz ein Mobilhome gebucht. Wir freuen uns auf Strandspaziergänge, schwimmen, in der Sonne liegen, lesen, Fischbrötchen. Und dann geht’s weiter mit dem Schiff nach Oslo. Mit der Bahn an die Westküste Norwegens nach Bergen. Und dann die Küste hinauf bis ans Nordkap. Zurück über die Lofoten. Die eine oder andere Fjord-Wanderung ist dabei. Schauen, staunen, zur Ruhe kommen, genießen. Die trotz alledem noch wunderschöne Welt, unsere Zweisamkeit, die Stille und das Rauschen des Meeres genießen. Nein, es mit nicht eine perfekte Zeit werden – mit allem und scharf. Es soll eine Zeit der kleinen Fluchten aus dem Alltag werden, des stillen Glücks, der perfekten Momente. Wir haben uns vorgenommen, uns über nichts zu ärgern. Nicht über das relativ kalte Wetter, nicht über den Regen, den wir zu Hause so sehr herbeisehnen. Auch nicht darüber, wenn eine Mahlzeit mal nicht so super ist. Man kann sich den ganzen Tag ärgern. Man ist aber nicht dazu verpflichtet. Obwohl wir aus einem Motzki- bzw. Bruddler-Land kommen. Ob ein Urlaub gelingt, hat viel mit der Grundeinstellung zu tun. Nachdem wir viele Jahre Familienurlaub gemacht haben, genießen wir jetzt die Ruhe und die Zweisamkeit. Ach, ich freu mich einfach. Heute Abend werden wir am Strand sitzen, ein Glas Wein in der Hand und aufs Meer schauen. Schweigen. Genießen. Und irgendwann unter die Decke schlüpfen. Ich bin sicher: Wir werden gut schlafen. Die Sorgen zurücklassen. Ich möchte heute noch den Totenschädel des Menschen küssen, der den Urlaub erfunden hat.
809. Du sanftes Gesetz
05:27||Season 5, Ep. 809260809PC Lass Deine Hand am Hang der Himmel ruhnMensch Mahler am 09.08.2026Sonntag. Nachdenken über das, was Größer ist als wir. Und gleichzeitig: Du sollst Dir kein Bildnis machen. Rainer Maria Rilke ist für mich der Poet, der mit seinen Bildern meinen Gefühlen am nächsten kommt. Xavier Naidoo ist für mich – trotz allem, was um seine Persönlichkeit wabert – der deutsche Sänger, der mich am meisten berührt. Mein Geschenk für Sie am Tag des Nachdenkens über das Größere, das die Welt umspannt: Xavier Naidoo mit dem „sanftesten Gesetz“ aus dem Rilke-Projekt.
808. Quiet Luxury
02:14||Season 5, Ep. 808260808PC Quiet LuxuryMensch Mahler am 08.08.2026Dieses Jahr kommt es dicke. Urlaubsreise? Da rollen viele Mitmenschen mit den Augen. Im Mittelmeerraum brennt es, überall ist das Wasser knapp, Staus auf der Autobahn in sengender Hitze, eine Bahn, auf die kein Verlass ist, hohe Flugpreise, Kreuzfahrt mit – vielleicht – schlechtem Gewissen …Dennoch ist die Reiselust der Deutschen ungebrochen. Nach der Reiseanalyse 2025 unternahmen mehr als 57 Millionen Menschen in Deutschland eine Urlaubsreise von mindestens 5 Tagen – so viele wie nie zuvor. Die Gesamtausgaben erreichten demnach mit knapp 92 Milliarden Euro ebenfalls einen Rekordwert. Die wichtigsten Urlaubsmotive sind konstant geblieben: Sonne und Wärme genießen, Abstand vom Alltag gewinnen, Kraft tanken und Spaß und Freude erfahren. Allerdings ist – auch seit Corona – ein neuer Trend zu verzeichnen. Luxus-Protz-Urlaube mit Neidbildern und -Videos nehmen ab. Urlaub nicht mehr als Beweis für den sozialen Status, mit dem angeben kann. Ein anderer Luxus rückt in den Vordergrund: „Quiet-Luxury“. Eben auch kein Aktivurlaub, vollgestopft mit Events und Challenges. Es geht nicht um Champagner und Kaviar auf dem Kreuzfahrtschiff, sondern um einen zurückhaltenden Luxus, bei dem nicht die Außenwirkung sondern das eigene Erleben im Mittelpunkt steht. Ein organisiertes Picknick an einem außergewöhnlichen Ort, eine private Museumsführung, der Besuch einer Opernvorstellung in der 2er-Loge. Offensichtlich setzt sich die Vorstellung durch, dass nicht die Länge des Wohnmobils die Qualität des Urlaubs bestimmt, sondern ganz persönliche Momente, von denen man noch 20 Jahre später erzählt. Ein Freund sagte mir einmal, dass er ein Wochenende in der Traube Tonbach in Baiersbronn mit seiner Frau genossen habe. Mit Übernachtung und Sterneküche. „Hat genau so viel gekostet wie eine Urlaubsreise. Aber dieses Erlebnis in Baiersbronn werde ich nie mehr vergessen. Viele Pauschal-Urlaubsreisen schon.“ Damit ist alles gesagt. Quiet Luxury eben.
807. Die moderne Pest in den Städten
01:56||Season 5, Ep. 807260807PC Rasend auf kleinen RädernMensch Mahler am 07.08.2026Zu zweit auf dem Roller. Viel zu schnell auf dem Bürgersteig unterwegs. Ohne Helm. Unfälle nehmen zu. Und sie liegen irgendwo in der Gegend rum.Sie wissen, was ich meine. E-Scooter dominieren das Straßenbild, Unfälle nehmen in erschreckendem Ausmaß zu. Der Verkehrssicherheitsrat fordert verpflichtende Befähigungsnachweise.Die einen fürchten, dass es wieder mal darum geht, den Fahrschulen neue Geldquellen zu erschließen. Die anderen, zum Beispiel Landesverkehrsministerin Nicole Razawi, CDU meint, eine Führerscheinpflicht würde „die spontane und unkomplizierte Nutzung dieser flexiblen Mobilitätsform einschränken.OK, man kann die Menschen nicht dazu zwingen, mit dem kleinen Klapproller zur S-Bahn zu fahren oder mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Aber den Auswüchsen des E-Roller-Fahrens muss der Gesetzgeber jetzt Einhalt gebieten. Oder die E-Roller ganz verbieten, wie es jüngst Gelsenkirchen getan hat. Gesetze gibt es, sie müssen nur eingehalten und kontrolliert werden. Der Reihe nach: Mindestalter 14 Jahre, eine Person pro Scooter, Höchstgeschwindigkeit 20 Km/hRadwege benutzen. Gibt es keinen, auf die Straße ausweichen. Gehwege und Fußgängerzonen sind verboten. Keine Handy-Nutzung während der Fahrt. Promillegrenze 0,3.Das Tragen eines Helms wird empfohlen – es gibt keine Helmpflicht. Das ist sofort nachzuholen! Gesetze anwenden: Fahren auf dem Gehweg 25 Euro. Fahren zu zweit: 25 Euro. Handy am Steuer 100 Euro plus ein Punkt in Flensburg. Fahren ohne Versicherung 40 Euro.Also: Sowohl die Verleiher als auch die Ordnungsbehörden zwingen, diese Gesetze anzuwenden. Und eine Helmpflicht einführen. Sofort. Ansonsten: Gelsenkirchen.
806. Merz-Monopoly
01:50||Season 5, Ep. 806260806PC So geht Politik-MonopolyMensch Mahler am 06.08.2026Lange Zeit wurde gerätselt, wie Bundeskanzler Friedrich Merz bei seiner großangelegten Personalrochade wohl vorgegangen ist. Die These, das neue Tableau sei das Ergebnis einer Runde Russisch-Roulette konnte widerlegt werden, nachdem sich der geschasste Verkehrsminister Patrick Schnieder vor Kurzem putzmunter der Öffentlichkeit präsentiert hat.Enge Vertraute aus dem Umfeld von Merz haben nun Einblicke in die Vorgänge gewährt, die sich im Kanzleramt abgespielt haben sollen. Demnach lud der Kanzler vor etwa zwei Wochen zum Monopoly-Spielen ein. So oder so ähnlich könnte besagter Abend verlaufen sein: Jens Spahn schnappt sich eine Maske als Spielfigur und macht den ersten Zug. Er landet direkt im Gefängnis. Als nächstes würfelt Thorsten Frei. Er kommt auf der Fraktionsstraße zu stehen und kauft sich ein Chefbüro. Nina Warken muss eine Ereigniskarte ziehen: „Du hast dich beim Chef eingeschleimt. Ziehe in sein Haus ein.“ Carsten Linnemann will sich anschließend ein Krankenhaus auf der Gesundheitsstraße kaufen, hat aber Schwierigkeiten bei der Finanzierung. Eigentlich sollte Fritz Günzler vorher an die Reihe kommen. Doch noch vor dem Würfeln hat er es sich anders überlegt und ist heimgegangen. Steffen Bilger erreicht das Feld „Frei Fahrt“. Es bleibt noch Friedrich Merz, der eine Gemeinschaftskarte zieht. Er weigert sich, laut vorzulesen, was draufsteht. Schnieder meint aber, den Satz erkannt zu haben: „Gehe direkt ins Gefängnis und leiste Jens Spahn, seinem Mann und seinem Leihmutter-Baby Gesellschaft. Gehe nicht über Los, nicht über die nächsten Wahlen und ziehe nicht die Kanzler-Tantiemen ein.
805. A Brotherhood of Men
02:37||Season 5, Ep. 805260805PC Das SymbolMensch Mahler am 05.08.2026Vor Jahrzehnten hatte ich mal ein tolles Jackett. Chinesische Schriftzeichen waren drauf gestickt. Ich hatte keine Ahnung, was sie bedeutet haben. Aber: mein Jackett war nicht nur ein Eye-Catcher, sondern auch ein Anlass, angesprochen zu werden. „Was steht da?“ Meine Standartantwort: „Alle Chinesen sind klein und gemein und nehmen den Deutschen ihre Arbeitsplätze weg.“ Prompt waren wir in ein Gespräch über Vorurteile verwickelt.Vorgestern. Ich wässere unseren Vorgarten. Das ist bitter nötig. Ein lautes Geräusch schreckt mich auf. Ein kleiner Junge, asiatischer Einschlag, wird mit einem Plastiktraktor von einer älteren Frau über den Gehsteig geschoben. Plötzlich springt er vom Traktor und läuft wild gestikulierend und rufend auf unser Haus zu. Dort hängt an der Wand ein Holzrelief. Wir haben es aus dem Garten unserer verstorbenen jüngsten Tochter gerettet. Kristina war eine große Sammlerin. Kein Flohmarkt war vor ich sicher. In ihrem wild gestalteten, wunderschönen Garten war eben dieses geschnitzte Holzelement ein tolles Deko-Teil. Ich scanne das Relief mit KI-Bilderkennung. Und lese folgendes:„Dieses geschnitzte Holzelement zeigt eine Szene aus der Natur mit Vögeln zwischen Blättern und Pflanzen. Solche Reliefs sind oft in traditioneller chinesischer Architektur zu finden und dienen als dekorative Paneele an Türen, Fenstern oder Gartenpavillons.“Ich bekomme eine Gänsehaut. Meine Tochter fand dieses Element auf einem Flohmarkt. Stellte es in ihrem Garten auf. Wir nahmen es als ein Erbstück nach ihrem Tod an uns und hängten es an unsere Hauswand zur Straße hin. Ein kleiner asiatischer Junge erkennt dieses Kunstwerk der chinesischen Kultur als Teil seiner Heimat und ist völlig aufgeregt. Emotionen rund um den Globus. Mit kultur-geschichtlichem Zusammenhang. Irgendein Künstler hatte das Relief vor langer Zeit in China geschnitzt. Auf welchen Wegen es nach Deutschland gekommen ist, wissen wir nicht. Unsere Tochter findet das wunderschöne Teil auf einem Flohmarkt und stellt es in ihren Garten. Nach ihrem Tod retten wir es vor dem Sperrmüll und hängen es an unser Haus. Und dort entdeckt ein kleiner chinesischer Junge im schwäbischen Bad Urach ein Stück seiner Herkunft. Ja, irgendwie hängen wir alle zusammen. A Brotherhood of Men – eine große Menschenfamilie.
804. The Invite
03:25||Season 5, Ep. 804260804PC The InviteMensch Mahler am 04.08.2026 Kino lohnt sich doch. The Invite – das ist Kammerspielkino at it‘s best. Wir haben ihn uns gestern Abend angesehen. Joe (Seth Rogen) war früher mal für einen Sommer ein erfolgreicher Rockstar. Aber inzwischen kann sich der Gastprofessor kaum noch dazu aufraffen, seine gleichermaßen unmotivierten Musikstudent*innen zu unterrichten. Seit ihm seine Frau Angela (Olivia Wilde) ein Klapprad geschenkt hat, sind seine Rückenschmerzen nur noch schlimmer geworden – und so will er auch an diesem Abend einfach nur seine Ruhe haben. Aber dann kommt die Hiobsbotschaft: Angela hat das Nachbarspaar von oben, das beim Sex immer so unglaublich laut ist, zum Abendessen eingeladen. Die Psychotherapeutin Piña (Penélope Cruz) und der auf Masseur umgeschulte Ex-Feuerwehrmann Hawk (Edward Norton) sind echt sympathisch. Aber auch sie spüren schnell, in was für eine angespannte Situation sie hier hineingestolpert sind. Ein wenig lockerer wird der Abend erst, als die Gäste über die Ursprünge des lauten nächtlichen Stöhnens auspacken. Die Geräusche stammen nämlich nicht zwingend nur von dem Paar selbst; stattdessen veranstalten Piña und Hawk offenbar regelmäßig Gruppensexpartys in ihrem Appartement …Vor zwei Jahren kam „Der Vierer“ mit Florian David Fitz in die Kinos. Allerdings geriet die Neuauflage eines spanischen Originals derart piefig, dass die Genrebezeichnung „Sex-Komödie“ schon viel zu hochgegriffen wäre. Stattdessen gab es doch nur altbackenes Beziehungskisten-Einerlei. Auch „The Invite“ basiert auf einem spanischen Vorbild, der Boulevard-Komödie „Sentimental“ aus dem Jahr 2020. Aber Olivia Wilde verleiht dem Stoff in jeder Hinsicht eine ganz neue Qualität. „The Invite“ mag zu 95 Prozent in einer einzigen Wohnung spielen – aber Hammer sieht der Film trotzdem aus! Das Drehbuch von Rashida Jones und Will McCormack passt sich den inszenatorischen Ambitionen an: Die beiden Paare sind nicht länger auf Klischees reduzierte Pointen-Ziele, sondern komplexe Figuren aus Fleisch und Blut – und gerade deshalb windet man sich bei den Peinlichkeiten der ersten Filmhälfte mitunter ganz schön im Kinosessel. Das Skript hat Biss – und der Cast trifft das Timing perfekt.Aber fast noch wichtiger sind die Änderungen in der zweiten Hälfte, wenn der Swinger-Sex erst einmal als Möglichkeit auf dem Tisch liegt. „The Invite“ ist tatsächlich auch eine Einladung, immer wieder richtig laut loszulachen – aber das zum Glück nicht auf dem üblichen „hi, hi, die sprechen über Gruppensex“-Niveau. Stattdessen wirken die Reaktionen der Figuren – inklusive des überraschten Gastgeberpärchens – erfreulich erwachsen. So katapultiert dieser Abend auch eine Menge schlummernder Probleme an die Oberfläche, die einem für eine Komödie dieser Art erstaunlich stark zu Herzen gehen. Fazit: Eine grandios gespielte, wahnsinnig unterhaltsame Komödie zum Fremdschämen mit einem wahrhaftigen emotionalen Kern, bei der man Tränen lacht, während das Schicksal der Charaktere im selben Moment aber auch ehrlich berührt.Also: wenn sie ein wenig mehr über sich selbst, über ihren Partner oder ihre Partnerin erfahren möchten – haben sie Mut und gehen sie rein in The Invite. Incl. Nachgespräch. Wenn sie sehr gut englisch sprechen – das Original mit Untertiteln bringt eine Menge mehr Emotionen und Nuancen rüber. Seit letzten Donnerstag in den Kinos: The Invite – deutscher Untertitel: Die Einladung.