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Mensch Mahler | Die Podcast Kolumne

Gleiches Recht für alle

Season 5, Ep. 719

260719PC Gleiches Recht für alle

Mensch Mahler am 19.7.2026


Jens Spahn ist wegen der kommerziellen Leihmutterschafts- Affäre zurückgetreten. Nun frage ich mich, ob das ein kalkulierter Rechtsbruch war, damit Spahn sich aus dem Politikgeschäft ohne großen Gesichtsverlust – die Familie ist mir wichtiger als meine Karriere – zurückgezogen hat. 

Die Grünen-Co-Vorsitzende Franziska Brantner sagte der Rheinischen Post: »Der Rücktritt war überfällig – auch wenn dies nur der letzte Tropfen auf einem ohnehin heißen Stein war.« Am Ende sei es um seine Glaubwürdigkeit gegangen, »die schon durch frühere, eigentlich weitaus gravierendere Fälle massiv gelitten hatte«, sagte Brantner. Privat wünsche sie ihm alles Gute.



Auch Linkenchef Luigi Pantisano bezeichnete Spahns Rücktritt als »längst überfällig«. Mit Blick auf die Maskenaffäre, bei der es um teure Maskenverkäufe des damaligen Bundesgesundheitsministers Spahn während der Coronapandemie ging, sagte Pantisano der Rheinischen Post: „Unter seiner Verantwortung wurden Milliarden Euro Steuergeld verbrannt, Geld, das heute bei Schulen, Krankenhäusern und bezahlbaren Wohnungen fehlt.« Nun habe sich ein weiteres Mal Spahns Doppelmoral gezeigt. »Für normale Menschen gelten die Gesetze, für Spitzenpolitiker offenbar nur so lange, bis sie genug Geld haben, sie im Ausland zu umgehen.« Auch für den Linken Fraktionsvorsitzenden Sören Pellmann kommt der Rücktritt spät. »Wer politische Verantwortung trägt, muss sich an den Maßstäben messen lassen, die er selbst für andere einfordert. Genau daran ist Jens Spahn gescheitert«, sagte er laut Mitteilung.

Jens Spahn hat sich schon lange selbst disqualifiziert. Dass er es mit der Leihmuttergeschichte noch einmal hat darauf ankommen lassen, ob er dem Druck standhalten will oder nicht, zeigt erneut die moralische Verkommenheit des Menschen Spahn und der politischen Elite insgesamt. Die Protestwahlen in Sachsen-Anhalt in zwei Wochen werden den etablierten Parteien die Rechnung servieren und aus Trotz die der noch verlogeneren und moralisch im Sumpf operierenden gesichert rechtsradikalen AfD weitere Wähler zutreiben. Die reiben sich hämisch grinsend die Hände über so viel Dummheit und kalkulierten Rechtsbruch und Skandal. Jens Spahn, der erst eine Millionenvilla in Berlin für Mann und jetzt auch Kind erworben hat – mitten in einer Wohnungsnot in der Hauptstadt hat bewiesen, dass es immer noch weiter runter geht. Man darf gespannt sein, was als nächstes kommt. Ich behaupte mal, dass als nächstes unser Black-Rock Kanzler kippt. Genug Kohle hat der, und ich prognostiziere, dass er einem immer wahrscheinlicheren Rausschmiss zuvorkommt und großmütig und generös sein Amt zum Wohle des Volkes zur Verfügung stellt. 


 

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  • 825. Wasser - Ursprung und Zukunft des Lebens

    02:46||Season 5, Ep. 825
    260825PC Die Zukunft liegt in der VergangenheitMensch Mahler am 25.08.2026So eine Bootsfahrt mit einem Speed-Schlauchboot ist herausfordernd. Eingepackt in einen dicken Anzug, mit Skibrille, fetten Handschuhen und Rettungsweste ausgestattet fliegen wir über den Fjord, hinaus aufs offene Meer. 60 Stundenkilometer, sorry, wegen der Wellen geht es nicht schneller. Wir klammern uns an den Haltegriff, die Sitze sind als Sättel ausgeformt. Achten sie auf ihren Rücken, benutzen sie die Beine als Dämpfer! Ich werde morgen Muskelkater in den Oberschenkeln haben. Aber die Fahrt ist überaus aufschlussreich. Wir erfahren etwas über die verschiedenen Epochen der Eiszeiten, über das Zusammenschieben der amerikanischen und der eurasischen Erdplatte, die Skandinavien gebildet haben. Vor 400 Millionen Jahr waren die Berge Norwegens vermutlich bis zu 10.000 Meter hoch. Durch Erosion, Wind, Wetter und Eis sind maximal 2.500 Meter übriggeblieben. Und der Mensch – ein Hauch in der Geschichte unseres Planeten. Es gibt ihn noch nicht sehr lange und ich frage mich immer wieder, warum wir glauben, dass es unsere Daseinsform als Homo Sapiens und als individuelle Wesen in Ewigkeit geben sollte? Nichts spricht dafür, vieles spricht dagegen. So what?Ich bekomme viele Antworten, was das Überleben der Menschheit angeht. Der Ursprung des Lebens liegt im Wasser. Die Zukunft vermutlich auch. Denn: Die Schätze des Meeres sind endlos. Wir fahren an einer Lachsfarm vorbei. Eine von Hunderten, allein in Norwegen. In zehn großen Ringen wachsen in einem Jahr 1 Million Lachse a 5 Kilogramm heran. Jahr für Jahr. Norwegen ist der größte Lachsproduzent der Welt – und das ist nur eine Form der endlosen Ernährungsquellen, die das Meer bietet. Tang, Krill, Meeresfrüchte und Fische aller Art – so viel, das die Ernährungsprobleme der Welt ohne Probleme aufgefangen werden könnten. Viehzucht auf dem Land wäre völlig überflüssig und ist außerdem komplett uneffektiv. Meeresfrüchte und die Früchte der Bäume, Sträucher, Felder, Beeren und Nüsse – das ist immer noch mehr als genug.Mir gehen sehr viele Gedanken durch den Kopf auf dieser Reise. Zumal ich auch noch die Rache des Oktopus von Dirk Rossmann lese, wo es auch um das Überleben der Menschheit geht. Allen Krisen zum Trotz. Bisher leider nur eine schöne – oder beängstigende Utopie. Wir werden sehen, wohin die Reise geht. Ich denke, eher in die Endlichkeit als in die Unendlichkeit. Leben vergeht, neues Leben entsteht. In welcher Form auch immer.   
  • 824. Königskrabben und Polarkreis

    02:02||Season 5, Ep. 824
    260824PC PolarkreistaufeMensch Mahler am 24.08.2026Gestern habe ich mich noch beklagt, dass mir Gruppenreisen auf einem Schiff keinen Spaß machen. Heute hat sich das Blatt gewendet. Wir haben den Polarkreis überfahren und dabei jede Menge Spaß gehabt. Zuerst haben wir uns auf Deck 7 mit YMCA und Macarena warmgetanzt. Dann kam der Meeresgott der Arctic und wir wurden mit Eiswasser getauft. Zumindest die oder der es wollte. Als Belohnung gab es ein Gläschen Sekt aufs Haus. Danach hat uns Marco, unser Chefsteward, Königskrabben gezeigt, die wir lebend an Bord haben. Morgen Abend werden sie verzehrt. Imposante Geräte, die allerdings ihren Preis haben. In Oslo kostet ein Menu 300 Euro, an Bord nur 130. Und dann gings mit dem Schlauch-Speed Boot zur größten Gezeitenströmung der Welt. In Saltstraumen beträgt der Tidenhub 2 Meter. Und führt zu gewaltigen Strudeln. Unser Bootsführer war erfahren genug, uns nicht in einen solchen Strudel hineinzufahren, sonst wären wir verloren gewesen.Und: wir haben in den letzten 2 Tagen sehr nette Mitreisende kennengelernt. Natürlich sind wieder mal viele Schwaben an Bord, aus Stuttgart, Filderstadt, Reutlingen, Dettingen – also unserem Nachbarstädtchen von Bad Urach.So gesehen wird es jetzt doch noch eine sehr interessante Reise – was die Eindrücke der Natur angeht aber auch die sozialen Kontakte. Was ist am Polarkreis so besonders? Im Winter wird es jenseits des Polarkreises nie hell, im Sommer nie dunkel. 24 Stunden lang. Ob wir Polarlichter sehen werden, ist noch nicht raus. Zu viele Wolken. Aber vielleicht haben wir Glück. Zum Wetter: nördlich des Polarkreises wird es nie wärmer als 11-12 Grad. Aber wir haben uns klamottenmäßig darauf eingestellt. Und so kann man an der erfrischenden Meeresluft auch Spaß haben.   
  • 823. kein Massentourismus auch nicht auf dem sogenannten Postschiff

    02:17||Season 5, Ep. 823
    260823PC Individualtourismus geht andersMensch Mahler am 23.08.2026Ich hab’s gewusst – nur nicht gedacht, dass es so schnell geht. Am vierten Tag auf See bekomme ich schon den Lagerkoller. Zu viele Menschen, zu viel Essen, zu viele Ausflüge und Eindrücke … eigentlich bin ich eher der Typ, der allein oder zu zweit loszieht. Mit dem Fahrrad, eventuell mit dem Wohnwagen. Bei Hurtigruten ist es so, dass du jede Menge Events dazubuchen kannst, um außer Schiff und Küste noch was anderes zu sehen. Ausflüge sehen dann so aus: Das große Hurtigruten-Schiff fährt in einen Fjord, ein kleineres Schiff holt Dich ab, schnell rein in den Bus. Und ab geht’s – stundenlang über Land. Fotostopp, schnell wieder rein. Am Trollstigen – wahnsinnige Landschaft mit tosenden Wasserfällen zwischen haushohen Felsen – aussteigen, gucken, schnell wieder in den Bus, wir müssen die nächste Fähre kriegen … wandern? Leider keine Zeit. Am nächsten Souvenirshop gibst ne Stulle und eine kalte Waffel, Tee und Kaffee ist wie Wasser gratis. Alles andere: sündhaft teuer. Bier und Wein das Gläschen 15 Euro aufwärts. Dann wieder ne Fähre und in einem seelenlosen Hotel vorkonfektioniertes Abendessen. Danach wieder aufs Schiff und weiter geht’s. Was soll ich mich beklagen? Selbst entschieden, selbst bezahlt, obwohl ich wusste, dass ich weder ein Kreuzfahrt- noch ein Massentourismustyp bin. Jetzt heißt es: das Beste draus machen. Das Buffet nicht abräumen. Landausflüge auf eigene Faust. Gestern haben wir völlig ohne Guide Trondheim entdeckt. Leider wieder nur knapp 3 Stunden Zeit und weiter geht’s. Mein Traum bleibt trotz Hurtigruten unerfüllt: Drei bis vier Wochen Skandinavien, Wohnwagen und Fahrrad und vor allen Dingen: kein Ziel. Der Nase nach. Eigene Entdeckungen machen. Urlaub wie ich es mag: morgens aufstehen, wenn die Sonne mich aus dem Bett holt, in den nächsten See springen und dann ganz gemütlich überlegen, was dieser Tag noch so an Überraschungen bereithält. Begegnungen nicht nur mit Gleichgesinnten aus er Reisegruppe, sondern mit Zufallsbekanntschaften – am besten aus der ganzen Welt. Und Einheimische kennenlernen – jenseits der Touristenattraktionen und Souvinier-Shops.   
  • 822. Gesundes Norwegen - was lernen wir daraus?

    03:23||Season 5, Ep. 822
    260822PC Norwegen – gesundes MusterlandMensch Mahler am 22.08.2026Bergen - wunderschöner Hafen mit Fischmarkt, Brygge - das Hanseviertel seit dem Mittelalter, von deutschen Kaufleuten erbaut und besiedelt, das ist wirklich Bilderbuch. Eine kompetente Stadtführerin, die uns auch zu einer alten Stabkirche führt. Am Vormittag wandern wir auf den Fløje, einen der 7 Berge, die Bergen ihren Namen gaben. Uns kommen sehr viele Jugendliche entgegen, die eine schlanker und fitter als der andere. Ich komme ins Grübeln. Norwegen hat 5,6 Millionen Einwohner. Zum Vergleich: Berlin knapp 4 Millionen. Norwegen bringt jede Menge Spitzensportler hervor – vor allem in den Winterdisziplinen. Aber auch im Fußball. In Norwegen ist der Alkohol fast unerschwinglich – 17 Euro zahle ich für ein kleines Glas Weißwein in einer Hotelbar. In Supermärkten ist Alkohol – außer Bier – nicht zu bekommen. Rauchen ist in der Öffentlichkeit fast überall verboten. Norwegen ist nachhaltig – die höchste E-Auto-Quote der Welt, 80% der Energie wird aus Wasserkraft gewonnen. Klar, hier gibt es jede Menge unberührte Natur, wandern und Skilanglauf ist Volkssport. Das ist mit Deutschland mit seiner hohen Einwohnerdichte nicht zu vergleichen. Und trotzdem – vielleicht können wir von Norwegen lernen. Thema Gesundheit: In den Schulen gibt es Unterricht und Freizeitgestaltung – siehe Wanderung auf den Fløjen. Alkohol wird per Steuer enorm verteuert, andere Drogen wie Nikotin in der Öffentlichkeit weitgehend verboten. In Norwegen gilt eine strikte Drogenpolitik, die in den letzten Jahren einen Paradigmenwechsel von Strafe hin zu medizinischer Hilfe vollzogen hat. Dennoch bleibt die Einfuhr, der Verkauf und die Herstellung illegaler Substanzen streng verboten und wird hart sanktioniert. Übergewicht: Norwegen 25% der Bevölkerung, in Deutschland sind es inzwischen 60%.Es gibt nur drei Regeln, die es zu beachten gilt, wenn man einigermaßen gesund altern will: Ausgewogene, gesunde Ernährung, Bewegung und Sport und das Vermeiden von ungesunden Substanzen. In Norwegen gibt es wenig Fleisch, und wenn, ist es unverhältnismäßig teuer. Fisch, Gemüse, Obst und Käse dagegen wird sehr viel konsumiert. Sport und Bewegung wird von klein auf großgeschrieben. Alkohol, Nikotin und andere Drogen werden sehr stark staatlich reguliert bzw. sanktioniert. Nachhaltigkeit: hier ist Norwegen auch ganz weit vorne, dank der Energiewende und der Wasserkraft. Jetzt muss ich allerdings noch einen Wermutstropfen in die gute Bilanz gießen. Bodenschätze haben Norwegen reich gemacht. Aber: Norwegens Öl- und Gasindustrie ist extrem umweltschädlich durch die enorme Menge an exportierten fossilen Brennstoffen, weist aber bei der reinen Förderung auf dem Kontinentalschelf im internationalen Vergleich eine relativ hohe Energieeffizienz und geringere direkte CO₂-Emissionen pro produzierter Einheit auf. Fazit: Norwegen, ein Musterland mit leichten Dellen. Gestern gings dann noch in den Geirangerfjord, den bekanntesten und berühmtesten Fjord der Welt. Die Landschaft hier ist wahrlich unschlagbar. Es stimmt schon: Hurtigruten – die wohl schönste Seereise der Welt.   
  • 821. Strandet in Bergen

    03:21||Season 5, Ep. 821
    260821PC gestrandet in ArnaMensch Mahler am 21.08.2026Oslo ist eine wunderschöne Stadt mit einem der schönsten Parks, die ich je gesehen habe. Der Vigelandsparken ist bis Mitte des 20. Jahrhunderts von dem Ausnahmekünstler Gustav Viglan gestaltet worden. Mehr als 600 Menschen hat er modelliert in 200 Personengruppen geschaffen und den Kreislauf des Lebens in allen Facetten dargestellt. Faszinierend! Holmenkollen, auf dieser Großschanze zu stehen lässt einem das Blut in den Adern gefrieren, wenn man sich vorstellt, dass sich Menschen auf Skiern dort in die Tiefe stürzen.Danach geht es mit der Bergen-Bahn von Oslo bis an die Westküste nach Bergen. 7 Stunden, anstrengend und wunderschön. Unglaublich – tiefe Schluchten, 300 Brücken und fast ebenso viele Tunnels. Wasser, wohin man blickt. Im Zug ist es stickig – er ist rappelvoll. Wir sind 45 Personen alleine in unserer Hurtigruten-Reisegruppe. An jedem Bahnhof öffnen wir die Türen, um Luft in den Zug zu lassen. An manchen Bahnhöfen haben wir ein paar Minuten Aufenthalt und wir gehen raus, die Beine vertreten und Luft schnappen. Letzte Station vor Bergen: Arna. Ich lese: 4 Minuten Aufenthalt vor der Weiterfahrt. Und gehe raus. Kaum bin ich draußen, schließen sich die Türen und der Zug fährt weiter nach Bergen. Ich stehe auf dem Bahnsteig – in der Windjacke, aber ohne alles. Will sagen: Gepäck, iphone, Geldbeutel, Ausweis – alles im Zug, der gerade durch den nächsten Tunnel verschwindet. In 10 Minuten wird er in Bergen ankommen, mit meiner Reisegruppe, meiner Frau, meinem Gepäck – aber ohne mich. Kein Taxi weit und breit. Aber ich sehe, dass 20 Minuten später ein Regionalzug von Arna nach Bergen fährt. Ich habe kein Ticket und kein Telefon. Auf dem Bahnsteig: 4 Italiener. Drei junge Männer und eine junge Frau mit Gitarre – aber ohne Gepäck. Ihnen geht es genauso wie mir. Zuallererst lösen sie ein Ticket für mich. Ich darf ihnen in Bergen das Geld aber nicht zurückgeben, das hätte sie beleidigt. Mit ihren Telefonen werden viele Gespräche geführt. Ich versuche, meine Frau zu erreichen – aber in der Hektik fällt mir ihre Nummer nicht mehr ein. Dann die Erleuchtung. Mein Telefon steckt ja im Rucksack – und der ist im Zug. Ich erreiche meine Frau, sie sagt, dass die Gruppe am Bahnsteig auf mich wartet. Das Gepäck meiner italienischen Freundinnen wird in Bergen geräumt - Endstation. Wir sind erleichtert. Ich bitte die junge Frau, ihre Gitarre auszupacken. Sie spielt einen Song und singt: „Strandet in Arna, the fucking train is going to Bergen – without us“. Perfekte Improvisation, wir lachen uns kaputt. In Bergen wartet die Reisegruppe im Bus auf mich. Obwohl wir 20 Minuten später im Hotel ankommen, herrscht große Erleichterung. Der Barkeeper wird überredet, ein Stündchen länger zu bleiben, bis alle von unserer Gruppe ihr Zimmer bezogen haben und wir einen gemeinsamen Absacker nehmen können.Gestern Wanderung und Stadtrundfahrt in Bergen. Dann geht es endlich auf die MS Polarys von Hurtigruten. Um 20:30 Uhr heißt es Leinen los. Die Reise zum Nordkap fängt jetzt richtig an.
  • 820. 12.000 Hitzetote - endlich handeln!

    03:03||Season 5, Ep. 820
    260820PC 12.000 Hitzetote – endlich handeln! Tag 10Mensch Mahler am 20.08.2026im Supermarkt ziehen die Preise wieder an, der Sprit an der Tankstelle wird spürbar teurer – und der Grund liegt hunderte Kilometer entfernt: An Rhein, Donau und Elbe sinken die Pegelstände täglich. Viele Schiffe können nicht mehr wie gewohnt fahren. Was viele nicht wissen: Wenn Frachtschiffe nur noch einen Teil ihrer üblichen Ladung transportieren können, merken wir das schnell im Geldbeutel. Für dieselbe Menge Rohöl, Chemikalien oder Baustoffe braucht es dann mehr Fahrten – teilweise kurzfristig mit Bahn und LKW. Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen bereits damit, dass das aktuelle Niedrigwasser infolge der Hitzewellen die Inflation in Deutschland zeitweise um bis zu 0,5 Prozentpunkte erhöhen könnte. Und Niedrigwasser ist nur eine Seite der Klimakrise. Schon die erste Hitzewelle im Juni hat unsere Unternehmen laut Prognos-Berechnungen mindestens 6,3 Milliarden Euro gekostet – in nur zwei Wochen. Jeder einzelne Tag mit mehr als 30 Grad kostet uns mehrere hundert Millionen Euro, weil Menschen bei Hitze weniger leisten können, häufiger krank werden oder ganz ausfallen. Gleichzeitig sind in den vergangenen Wochen mehr als 12.000 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben. Und was hören wir von Friedrich Merz? Wenig bis nichts. Nichts zu den mehr als 12.000 Hitzetoten, nichts zu den Dürren in der Landwirtschaft, nichts zu den extrem niedrigen Pegelständen an Rhein, Elbe und Donau. Es reicht nicht, als Bundeskanzler das Wetter aus dem Urlaub heraus zu beobachten, während Menschen, Tiere und unsere Unternehmen unter der Hitze leiden. Deshalb müssen wir Grüne jetzt Druck machen. Wir fordern: Sofortmaßnahmen, die den extremen Hitzewellen angemessen sind. Hitzeschutzpläne in allen Landkreisen und Städten, die auf die Bedürfnisse der Menschen vor Ort zugeschnitten sind und schnell greifen. Ein wirksames Maßnahmenpaket, das Menschenleben schützt, Lieferketten stabil hält und dafür sorgt, dass extreme Hitze nicht immer stärker unseren Alltag bestimmt. Konsequente Investitionen in Klimaschutz und Klimaanpassung, statt an genau den Maßnahmen zu sparen, die uns vor den Folgen der Klimakrise schützen. Denn Hitzeschutz kostet. Aber die Folgen des Nichtstuns kosten uns alle noch viel mehr: durch Ernteausfälle, Schäden an Häusern und Infrastruktur, unterbrochene Lieferketten – und vor allem durch die gesundheitlichen Folgen für Millionen Menschen. Union und SPD dürfen beim Hitzeschutz, beim Klimaschutz und bei der Klimaanpassung nicht weiter kürzen.  Dass die SPD jetzt über eine neue Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung im Grundgesetz redet, ist bemerkenswert: 2021 hat Olaf Scholz genau das noch verhindert. Wenn Union und SPD Städte und Gemeinden wirklich beim Hitzeschutz unterstützen wollen, könnten sie längst handeln – die SPD hätte mit sieben Bundesministerien und dem Finanzminister an ihrer Spitze schon jetzt dafür alle Möglichkeiten. 
  • 819. Ab ans Nordkap!

    02:17||Season 5, Ep. 819
    260819PC Skandinavien – Ab in den Norden Tag 9Mensch Mahler am 19.08.2026Ich habe Skandinavien immer geliebt. War nur leider zu selten dort. Einmal mit Familie in Norwegens Wildnis, zweimal sozusagen dienstlich als Jugendpfarrer in Norwegen auf Freizeiten und als Friedensarbeiter in Schweden. Wenn man Dänemark auch zu Skandinavien zählen will: In Dänemark war ich zweimal mit dem Fahrrad und einmal mit dem Auto. Mit dem Fahrrad war es unsere Hochzeitsreise 1977. Von Hamburg aus mit löchrigem Zelt auf dem Gepäckträger nach Fünen. Mit dem Auto 2022 in Kopenhagen – aber aus Versehen, weil mir mein Arzt das Radfahren vorübergehend untersagt hatte. Dann 2023 das mit dem Rad nachgeholt. Nach Kopenhagen zum Pink-Floyd Konzert – und vorher hatten sie mir mein Rad auf dem Rathausplatz geklaut. Zurück gings dann mit einem neu erstandenen Rad nach Warnemünde.Und jetzt sind wir wieder auf dem Weg. Gestern in Kiel gestartet. Heute geht es von Oslo mit der Bergen-Bahn über 300 Brücken durch atemberaubende Landschaften an die Westküste nach Bergen. Ich bin gespannt auf diese Stadt, die lange Zeit als schönste Stadt Skandinaviens galt und lange Zeit die Hauptstadt Norwegens war.Und dann geht es auf das Schiff, das uns über die Hurtigruten übers Nordkap bis ans Dreiländereck Norwegen – Russland – Finnland bringt. Komisches Gefühl, in Kriegszeiten an der Grenze zu Russland zu stehen. Zurück geht es dann über die Lofoten nach Trondheim, dann der Weg mit der Bahn nach Oslo und von dort aus wieder nach Kiel, wo unser Auto auf uns wartet, um uns nach Hause zu bringen.Was ist das für ein Gefühl? Vorfreude, Spannung, atemberaubende Landschaften warten auf uns. Wer werden unsere Reisebegleiter aus der ganzen Welt sein? Wie das Wetter wird, wissen wir schon. Es wird regnen, und es wird kaum wärmer als 14 Grad. Aber darauf kann man sich einstellen. Es gilt wieder einmal: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung.“ Und da haben wir vorgesorgt. Es wird bestimmt ein einmaliges Abenteuer. Wir haben uns lange darauf gefreut – und jetzt wird es wahr.
  • 818. Urlaubszeit - Lesezeit

    03:10||Season 5, Ep. 818
    260818PC Lesezeit – Urlaubstagebuch Tag 8Mensch Mahler am 18.08.2026Es gab Jahre, da hatte ich 7 oder 8 Bücher im Koffer, wenn ich in den Sommerurlaub gefahren bin. Dann kam die Zeit der elektronischen Bücher. Das hat manches vereinfacht, was das Transportgewicht angeht. Angefreundet habe ich mich mit den Kindles dieser Welt nicht wirklich. Also jetzt wieder Taschenbücher, Paperbacks, Hardcover. Meine Frau ist seit Jahren in einem Literaturkreis. Davon profitiere ich – und außerdem gibt es an jeder Ecke eine Tauschbörse für gebrauchte Bücher. In diesen Urlaub habe ich – neben dem Hurtigruten-Reiseführer folgendes dabei: Anna Gavalda „Zusammen ist man weniger allein“ – ein toller Roman über verlorene Seelen in Paris. Ausgelesen. Dann darf ein Dirk Rossmann nicht fehlen, bereits der dritte, den ich lese: „Der Zorn des Oktopus“ ein Zukunftskrimi im Jahr 2029. In Bücherschränken habe ich einen Fitzek gefunden, den ich noch nicht gelesen hatte: Den Psychothriller „Das Geschenk“. Conny hat gerade Gabriela Zalapis „Ilaria“ ausgelesen. Ein Vater entführt seine Tochter und macht mit ihr einen Roadtrip durch Italien. Ein Familiendrama, das bedrückend ist und sich trotzdem zu lesen lohnt. Auf dem Campingplatz an der Ostsee habe ich „Seefahrt“ gefunden, ein Kluftinger Krimi. Den habe ich als Reserve dabei. Und jetzt gerade ausgelesen: Den neuen Robert Seethaler: „Die Straße“. Ein ganz besonderes, hochgelobtes Buch, das es in dieser Form noch nie gab. Man kann das Genre als "Form des literarischen Streetviews" charakterisieren. Robert Seethalers raffiniertes erzählerisches Arrangement in "Die Straße" ist wirklich bemerkenswert. Ich habe das Buch, das 230 Seiten lang nur Fragmente enthält, in 24 Stunden durchgelesen.Heimliche Heldin dieses Romans ist die Straße selbst, "scheinbar unscheinbar" bietet sie eine Art Querschnitt menschlicher Erfahrungen: enttäuschte Liebe, üble Gerüchte, Kriegserinnerungen, Obdachlosigkeit, Rassismus, Migration, Brandstiftung und fragwürdige Immobiliengeschäfte. Seethaler lässt seine Erzählung flugs über all diese Geschehnisse und Gespräche hinweggleiten, verknüpft dabei seine knappen Momentaufnahmen geschickt durch wiederkehrende Motive und Begriffe. Zum Anfang mögen einige der oft namenlosen Stimmen noch etwas gespensterhaft wirken, doch nach und nach entfaltet sich vor den Lesenden eine Art literarisches "Wimmelbild" voller klarer, schillernder Charaktere und Verbindungen. Verkürzungen sind zwangsläufig integraler Bestandteil dieser Erzählweise. Ins Gefühlsselige kippen sie nur einmal, in der Erzählung einer verliebten Floristin. Doch dies kann man dem Autor ohne weiteres nachsehen, der hier seine Kunst der Darstellung komplexer Mikrokosmen zur Perfektion bringt.Ich kann dieses Buch „Die Straße“ von Robert Seethaler wärmstens empfehlen, weil es ein ganz besonderes Lese-Erlebnis aufmacht. Und: Ich freue mich jetzt auf zwei Wochen Seereise mit meinen literarischen Schätzchen im Gepäck. 
  • 817. Urlaubstagebuch Tag 7

    02:45||Season 5, Ep. 817
    260817PC Der globale Crash – Urlaubstagebuch Tag 7Mensch Mahler am 17.08.2026Ich stehe im Kieler Hafen vor der Aida. 20 Stockwerke hoch. 6.600 Passagiere passen drauf, bis zu 1.500 Besatzungsmitglieder umsorgen sie Tag und Nacht. Um mich herum wuseln Menschen mit Rollkoffern. Daneben liegt die Fähre der Stena Line nach Göteborg. Und dahinter die Colour Line nach Oslo, mit der wir am Dienstag losfahren. Mich überkommt ein beklemmendes Gefühl. Wir reisen mit Hurtigruten ans Nordkap. Es ist unsere erste Kreuzfahrt. Und eigentlich wollten wir nie so reisen. Wir haben uns damit getröstet, dass es ja ein Postschiff ist. Aber das ist es schon lange nicht mehr. Das ist ein Kreuzfahrtschiff wie jedes andere auch. Das eben die alte Postschiffroute von Bergen nach Kirkenes an der finnisch-russischen Grenze befährt.Und da war es wieder, das Scheiß-Gefühl, dass wir gerade dabei sind, unseren Globus zu zerstören. Massentourismus ist ein Faktor, dieser ganze Plastikscheiß, der in riesigen Containerschiffen von China nach Europa geschippert wird, ein anderer. Kein Mensch braucht das. Und doch werden millionenfach Spielzeuge, Nippes, Plastik-Souvenirs via Etsy in unsere Läden gebracht. Und gekauft. Verstauben in irgendeiner Ecke oder landen im Müll.Was machen wir? Wir zerstören uns selbst. Wir schaffen uns ab. Das hauptsächliche Problem ist die Überbevölkerung. Hoimar von Dittfurth benannte es in den 70iger Jahren des letzten Jahrhunderts.Er verband das starke Wachstum der Weltbevölkerung direkt mit Ressourcenknappheit, Umweltverschmutzung und der Zerstörung von Ökosystemen.Die menschliche Zivilisation treibe durch auf wirtschaftliches Wachstum ausgerichtete Systeme sehenden Auges auf eine globale Katastrophe zu. Das ist jetzt 50 Jahre her. Und wir haben die Stimmen der Warner nicht gehört. Auch nicht die „Grenzen des Wachstums“, publiziert vom Club of Rome 1972, ernst genommen. Es ist alles längst bekannt, und wir tun jetzt so, als käme etwas über uns, was niemand hätte sehen können. Warum sollten andere Zivilisationen nicht das gleiche Recht auf Kühlschränke und Autos haben als die größten Dreckschleudern der Welt, Nordamerika, China und Europa? Ich engagiere mich bei den Grünen. Aber das schale Gefühl bleibt. Der Ruck geht auch nicht nach dem Ahrtal oder der Trockenheit und den Bränden in diesen Tagen durch die Bevölkerung. Wir wählen nach wie vor die, die uns vorgaukeln, dass Wachstum und Wohlstand das Allheilmittel sei. Es tut mir leid, an diesem Urlaubstag hab ich keine schöne Botschaft von Sonne, Meer und Happyness. So gründlich lässt sich die Realität leider nicht verdrängen.