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Mensch Mahler | Die Podcast Kolumne
2-Staaten-Lösung JETZT
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Nahost-Konflikt: Macht endlich einen Knopf dran! Mensch Mahler am 05.8.2025
Eines hat der brutale Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und die Reaktion Israels in Gaza bewirkt: Es ist Bewegung in den seit 1948 schwelenden Nahost-Konflikt gekommen. Ein entscheidender Schritt: Die Hamas und die Hisbollah-Milizen werden von der arabischen Welt – natürlich außer vom Iran und Jemen – inzwischen in Frage gestellt.
Damit ist die Forderung Israels – eine Zerstörung der Terrornetzwerke - in greifbare Nähe gerückt. Die Palästinenser können sich aus eigener Kraft dieser Milizen nicht entledigen.
Und damit ist auch der Grundstein für eine 2-Staaten-Lösung gelegt. Dem Vorwurf Israels – die Palästinenser wollen Israel vernichten – Stichwort: „From the River to the Sea – Palestine will be free“ – wird der Boden entzogen, wenn sich die gemäßigten Kräfte der Arabischen Staaten durchsetzen.
Natürlich ist der erste Schritt ein Waffenstillstand und die Herausgabe der verbliebenen noch lebenden Geiseln und der Leichname der getöteten. Dann könnten Verhandlungen aufgenommen werden. Das größte Hindernis dabei ist Donald Trump. Er kämpft mit seinen evangelikalen und jüdischen Wählern gegen eine Anerkennung Palästinas als Staat. Und die Bundesregierung unter Kanzler Merz tut sich auch schwer mit der Anerkennung. Staaten, die Palästina anerkennen – wie etwa Kanada - bestraft Trump mit Zöllen. Dieses Pokerspiel, das unzählige Tote im nahen Osten gekostet hat – bereits über Jahrzehnte – muss zu Ende gehen. Die schon bei der Staatsgründung Israels angedachte Zwei-Staaten-Lösung – von der UN bereits 1947 vorgeschlagen – muss verwirklicht werden. Jetzt. Genug Leid auf beiden Seiten ist endlich genug.
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1010. Wir wollen mehr Demokratie wagen!
02:18||Season 5, Ep. 1010261010PC Wir wollen mehr Demokratie wagen! 2 Haltung zeigenMensch Mahler am 10.10.2026 „Wir wollen mehr Demokratie wagen“ dieser Satz des neugewählten Bundeskanzlers Willy Brandt in seiner Regierungserklärung am 28. Oktober 1969 in Bonn ist in die Geschichte eingegangen. Man könnte sagen: Nie war er so wertvoll wie heute, dieser Satz. Statt dazusitzen und auf ein Verbot der AfD zu hoffen, kann man auch etwas tun. Nur was? Das will ich in den nächsten Tagen herausfinden. Schön, dass Sie dabei sind.Heute auch eine äußerst wichtige Geschichte: Haltung im Alltag zeigen und gegen Desinformation mit guten Argumenten vorgehen.Haltung beginnt mit Widersprechen. Gegen Hass, Hetze und menschenfeindliche Äußerungen im Bekanntenkreis, am Arbeitsplatz oder im Internet klar Stellung beziehen. Das ist oft unbequem, man muss damit rechnen, ausgelacht, bekämpft und angefeindet zu werden, wenn man sich gegen eine Mehrheitsmeinung – wie „alle Migranten sind Sozialschmarotzer“ aussprecht. Am besten ist es, wenn man Beispiele parat hat, dass es auch ganz anders gelagerte Biografien gibt. Das garantiert nicht, dass man seine Haltung durchsetzen kann. Aber man hat nicht geschwiegen – und vielleicht die eine oder den anderen ein wenig zum Nachdenken gebracht. Wir leben in einer Zeit der Fake News. Falschinformationen korrigieren ist das Gebot der Stunde. Kritisch mit Nachrichten in sozialen Medien umgehen, Quellen prüfen und Falschmeldungen sachlich richtigstellen. Wichtig: immer gut und sauber recherchiert aus mehreren zuverlässigen Quellen. Bitte nie die Recherche allein KI überlassen. Und dann: Nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe diskutieren: Den Austausch mit Andersdenkenden suchen, ohne demokratische Grundwerte aufzugeben. Nie die Waffen derer benutzen, die mit Vorurteilen, Hass und Häme unterwegs sind. Ich lebe schon lange mit einem Zitat von Erich Kästner: „So tief dürft ihr nicht sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“ Das heißt: niemals auf Stammtischniveau sinken – aber bitte ohne Überheblichkeit.
109. Wir wollen mehr Demokratie wagen
02:12||Season 5, Ep. 109261009PC Wir wollen mehr Demokratie wagen! 1 Politische TeilhabeMensch Mahler am 09.10.2026 „Wir wollen mehr Demokratie wagen“ dieser Satz des neugewählten Bundeskanzlers Willy Brandt in seiner Regierungserklärung am 28. Oktober 1969 in Bonn ist in die Geschichte eingegangen. Man könnte sagen: Nie war er so wertvoll wie heute, dieser Satz. Statt dazusitzen und auf ein Verbot der AfD zu hoffen, kann man auch etwas tun. Nur was? Das will ich in den nächsten Tagen herausfinden. Schön, dass Sie dabei sind.Zunächst etwas Selbstverständliches – sollte man meinen. Politische Teilhabe und Wahlen.Klar und an erster Stelle: Wählen gehen und dankbar sein, dass wir in einer freiheitlichen Demokratie leben. Die Stimmabgabe bei Kommunal-, Landtags-, Bundestags- und Europawahlen ist der direkteste Weg, demokratische Prozesse zu unterstützen. Das Argument: Ich finde die alle blöd hilft nur den Radikalen. Also: es geht immer nur darum, das kleinste Übel zu wählen. Die ideale Partei wird es nicht geben – die müsste ich selbst gründen. Und spätestens, wenn ich eintrete, ist sie nicht mehr perfekt. Ich persönlich bevorzuge schon immer links-grün mit wechselnden Präferenzen. Mini-Parteien, die mit Sicherheit nicht über die 5% Hürde kommen, lasse ich außen vor. Eine verschenkte Stimme für eine Partei, die nicht aktiv in die Politik eingreifen kann. Außerparlamentarische Kräfte unterstütze ich in NGOs, Vereinen oder in unserer Stiftung.Ein weiterer Schritt: man kann Wahlhelfer werden. Durch die aktive Mithilfe bei der Durchführung von Wahlen sichert man einen reibungslosen und transparenten Ablauf vor Ort. Und schließlich: alle Formen der Mitbestimmung nutzen: Sich an Instrumenten wie Bürgerbegehren, Bürgerräten oder Petitionen beteiligen. Damit sind wichtige, aktive Schritte getan. Demokratie lebt von der Beteiligung. Also raus aus der Komfortzone, runter von der Couch, Arsch hu un Zeng usenander.
108. Rechtsextreme gehören nicht ins Parlament!
02:22||Season 5, Ep. 108261009PC Die schleichende Normalisierung der RechtsextremenMensch Mahler am 09.10.2026 Vorgestern war ein schrecklicher Tag. Zum ersten Mal seit 1945 hat ein Rechtsextremer das Sagen in einem Landesparlament. 48 Abgeordnete gaben Tobias Rausch ihre Stimme, die AfD hat 39 Mandate. Das muss uns auch mit Blick auf die im Dezember anstehende Wahl des Ministerpräsidenten mit großer Sorge erfüllen. Was wir hier sehen, ist die schleichende Normalisierung einer rechtsextremen Partei. Doch wir werden alles dagegen tun. Mit den Worten unser Fraktionsvorsitzenden Suse Sziborra-Seidlitz, die direkt nach der Wahl sehr deutlich war: »Wir werden eingreifen, wenn Sachsen-Anhalt zu ihrer Beute werden soll!« Aus den letzten Monaten wissen wir bereits, was gemeinsam möglich ist. Durch den starken Wahlkampf, den wir in Sachsen-Anhalt geführt haben, konnten wir verhindern, dass die AfD eine absolute Mehrheit im Landtag bekommen hat. Jetzt muss es vor Ort weitergehen. Wir schaffen jetzt Schutzräume für die Zivilgesellschaft, sorgen für lautstarken Protest auf der Straße und ein aktives, wachsames Parlament. Die Erfolge in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommer werden den Rechtsextremen nicht genügen. Umso wichtiger ist, es das wir jetzt weiter zusammenstehen. Gemeinsam sind wir stärker als der Hass der Rechtsextremen. Die AfD hat sich vielleicht in die Mitte des Plenarsaals in Magdeburg gesetzt, aber das bedeutet nicht, dass sie die Mitte der Gesellschaft repräsentiert. Was jetzt zählt, ist, dass wir aktiv bleiben. Wir überlassen den Rechtsextremen nicht kampflos das Feld. Wir stehen zusammen für Demokratie! Denken wir an die Worte von Pastor Martin Niemöller, der sich ab 1933 stark gegen die Machtausbreitung der NSDAP in allen gesellschaftlichen Bereichen wehrte. Am bekanntesten sind diese Worte Niemöllers:Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschaftler.Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude.Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.Geschichte wiederholt sich nur, wenn wir schweigen. Lasst uns laut werden.
107. Israel muss aufhören, zu hassen ....
02:48||Season 5, Ep. 107261007PC Israels Politik spaltet die WeltMensch Mahler am 07.10.2026 Um es gleich vorweg zu sagen: ich bin weder Antisemit noch Hamas-Freund. Ich bin ein Freund Israels. Und genau deshalb mache ich mir Sorgen um das Image von und die Solidarität mit Israel in der gesamten Welt. Zwei Anlässe aus der jüngsten Zeit veranlassen mich, einen kritischen Kommentar zu versenden.Die Spiele in der Conference League zwischen Israel und Irland fanden auf neutralem Boden in Serbien statt. Zur ersten Begegnung trat der irische Nationaltorhüter aus Protest gegen Netanjahus Politik Gaza betreffend nicht an. Die irischen Spieler verweigerten den Israelis den Handschlag. Beim Abspielen der israelischen Hymne senkten sie kollektiv ihre Köpfe.Beim Rückspiel kam es zu einem Vorfall, der noch genauer untersucht werden muss. Nach Angaben irischer Medien hat der Fitnesstrainer der Nationalmannschaft behauptet, in der Halbzeit auf dem Weg zur Kabine von israelischer Seite angespuckt worden zu sein. Der irische Trainer Hallgrimsson sagte, er wünsche sich in Zukunft keine Länderspiele zwischen Irland und Israel mehr.Liedermacher Wolf Biermann wendet sich anlässlich der Veröffentlichung seiner Tagebücher mit scharfer Kritik an die israelische Regierung. „Was sie jetzt in Israel im Gazastreifen machen, ist ein Kriegsverbrechen – ohne Wenn und Aber! Biermann hat jüdische Wurzeln. Seine Familie wurde im Holocaust ermordet. „Die schlimmsten und gefährlichsten Antisemiten“ lebten „im Momen t in Israel“, sagte Biermann im Blick auf den israelischen Regierungschef Benjamin Netnajahu und dessen Regierung. Sie seien dabei, das Land in einen reaktionären, brutalen Unterdrückerstaat zu verwandeln. Seine Hoffnung auf ein demokratisches, menschliches Israel sei dahin. Mit Bezug auf Goethe sprach Biermann von „Lemuren“ in Israel. Lemuren sind in Johann Wolfgang von Goethes „Faust II“ Totengeister, die dem Teufel dienen. Topaussage in Biermanns Tagebüchern in Bezug auf Israel: „Ihr löscht das Feuer mit Benzin“.Armes Israel. Selbst die wohlgesonnensten Freunde und Freundinnen wenden sich ab. Wie lange lässt sich die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger Israels es sich gefallen, dass Netanjahu, die radikalen Siedler und die orthodoxen Juden das Land immer weiter aus der Weltgemeinschaft wegführen, indem sie jegliche humanitäre Grundregeln missachten? Das darf nicht sein – um Israels willen. Diese Kräfte müssen endlich entmachtet werden, um einer Regierung Platz zu machen, die nicht in blindem Hass agiert, sondern mit Augenmaß und Diplomatie den Platz Israels in der solidarischen Weltgemeinschaft zurückerobert.
106. Die Berge zerbröseln
03:25||Season 5, Ep. 106261006PC Die Berge zerbröselnMensch Mahler am 06.10.2026 Wir gehen sehr gerne in die Berge. Zum Wandern, zum Skilaufen, zum Radeln. Klar, Nepal hat uns erschreckt. Michel, einer unserer Freunde, hat drei Menschen verloren durch den Gletscherabbruch. Mit ihnen hatte er sich in einem NGO-Schulprojekt engagiert, war mehrere Male mit ihnen vor Ort. Die Fluten brachten rund 1.400 Menschen den Tod, 5.000 werden noch vermisst. Unter ihnen die drei Freundinnen von Michel.Ein ähnliches Unglück ereignete sich im schweizerischen Blatten. Ein massiver Gletscher- und Bergsturz zerstörte das Bergdorf zu 90%. Die Einwohner wurden rechtzeitig evakuiert – niemand kam unmittelbar zu Schaden an Leib und Leben.Vor einigen Jahren bin ich noch vom Montafon über die Silvretta-Hochalpenstraße nach Tirol geradelt. Jetzt ist die Straße dicht. Sie muss bis 2030 verlegt werden. Die alte Streckenführung wurde immer wieder von Erdrutschen und Felsstürzen verschüttet. Wenn wir durch unsere geliebten Berge wandern, gibt es schon mal das Hinweisschild: den nächsten Streckabschnitt zugig durchqueren. Es drohen Felsstürze. Natürlich macht das Angst. Wir als Urlauber trifft es ja nicht so hart, wir müssen ja nicht in die gefährdeten Gebiete reisen. Die Anwohner werden damit leben müssen, dass die Gletscher und der Permafrost sich zurückziehen. Platt gesagt könnte man sagen. Die Berge zerbröseln, weil ihnen der Kitt fehlt. Es ist schlicht zu warm. Anstatt wie das Kaninchen auf die Schlange zu starren, sollte man wissenschaftlich erhärtete Fakten zur Kenntnis nehmen.Wir befinden uns geologisch gesehen seit etwa 2,6 Millionen Jahren im Quartären Eiszeitalter. Dieses Zeitalter ist durch einen ständigen Wechsel zweier Phasen geprägt:Glaziale (Kaltzeiten):Große Teile der Kontinente verschwinden unter dicken Eisschilden.Der Meeresspiegel sinkt drastisch (um bis zu 120 Meter), weil das Wasser im Eis gebunden ist.Diese Phasen dauern meist recht lange, oft rund 90.000 bis 100.000 Jahre.Interglaziale (Warmzeiten):Die Gletscher ziehen sich weitgehend in die Polarregionen und Hochgebirge zurück.Der Meeresspiegel steigt wieder an.Diese Phasen sind deutlich kürzer und dauern meist nur etwa 10.000 bis 30.000 Jahre.Wo befinden wir uns heute?Wir leben derzeit in einer Warmzeit, dem Holozän. Diese Phase begann vor etwa 11.700 Jahren mit dem Ende der letzten Kaltzeit.Wichtiger Unterschied zur Gegenwart: Während die natürlichen Zyklen extrem langsam über Jahrtausende ablaufen, führt der menschengemachte Klimawandel durch den Ausstoß von Treibhausgasen aktuell zu einer extrem beschleunigten Erwärmung. Diese überlagert und verzögert die natürlichen astronomischen Rhythmen, die uns langfristig (in vielen Jahrtausenden) eigentlich wieder in eine nächste Kaltzeit führen würden.
105. 5. Oktober - what a Day!
05:15||Season 5, Ep. 105261004PC 5. Oktober Mensch Mahler am 10.10.2026 5. Oktober. Ein denkwürdiger Tag. 1956 wurde am 5.10. die Telefonseelsorge in West-Berlin ihren Dienst auf. Auslöser hierfür war der britische Pfarrer Chad Varah, den die hohe Selbstmordrate in London alarmiert hatte.Am 5. Oktober 1962 veröffentlichten die Beatles ihre erste Single mit dem Titel „Love Me Do“. Sie brachte den Durchbruch noch nicht – der kam später. Insgesamt veröffentlichten Paul, George, Ringo und John 28 Singles und 13 LPs, die jeweils eine Millionenauflage erreichten.Am 5. Oktober 1964 gelingt 57 Männern, Frauen und Kindern eine spektakuläre Flucht durch einen Tunnel unter der Berliner Mauer. Ost- und West-Berliner hatten den 140 Meter langen Tunnel nach Ost-Berlin gegraben. Ein halbes Jahr bauten sie an dem Fluchtweg 12 Meter unter der Erde. Doch der Tunnel an der Bernauer Straße wird entdeckt. Beim Versuch, die Flüchtenden aufzuhalten, stirbt der DDR-Grenzer Egon Schulz versehentlich durch Schüsse der eigenen Kameraden. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“, sagt DDR-Staatschef Walter Ulbricht nur zwei Monate bevor die Mauer in Berlin gebaut wird. An den Grenzen zur BRD sterben bis zum Mauerfall hunderte DDR-Flüchtlinge.Am 5. Oktober 1983 verkündet Ulbrichts Nachfolger Erich Honecker den vollständigen Abbau der Selbstschussanlagen in der DDR. Etwa 54.000 dieser Anlagen waren entlang der innerdeutschen Grenze aufgebaut. Nach Schätzungen kommen 33 Menschen durch die Minen ums Leben, 253 werden verletzt.Honecker baut die Fallen nicht etwa aus Humanität ab, sondern weil dies die Voraussetzung für einen Milliardenkredit der Bundesrepublik ist.Am 5. Oktober 2017 beginnt die #MeToo-Kampagne in den USA. Die New York Times berichtet in einer Enthüllungsgeschichte über Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein. Zehn Tage später ruft die Schauspielerin Alyssa Milano Internetnutzerinnen dazu auf, sich unter dem Hashtag #MeToo als Opfer sexueller Gewalt zu erkennen zu geben. Endlich beginnt die gnadenlose Jagd auf Männer, die Frauen als Sex-Spielzeug benutzen und sie danach wegwerfen.5.Oktober: Telefonseelsorge – 1. Beatles-Single – Fluchttunnel – Abbau der Selbstschussanlagen – Hashtag MeToo. Bilanz: überwiegend positiv. Lasst uns feiern. Es wird nicht alles schlechter.
104. Erntedank - wofür?
02:22||Season 5, Ep. 104261004PC Erntedank – was ist das denn?Mensch Mahler am 04.10.2026 Wir schreiben das Jahr 1940. In Ostpreußen wird die Ernte eingefahren. Da Erntehelfer immer knapp sind, beordert die NSDAP Studenten aus Berlin in die ländlichen Gebiete, um beim Einbringen der Ernte zu helfen. Nach der harten Arbeit wird die Tenne gefegt. Die Berliner Jungs haben ihre Instrumente mitgebracht und spielen zum Tanz auf. Ein schneidiger Berliner geht auf ein Marijellchen zu. „Na, Fröleinchen, tanzen se Jazz“ schüchtern antwortet das ostpreußische Mädchen: „Na jazz nich, aber später“.Ein kleiner Witz, der aber deutlich macht, worum es heute geht. Die Ernte ist einfahren und dann wird gefeiert. In Stuttgart auf dem Cannstatter Wasen, in München auf der Wiesn, in Hamburg auf dem Heilig-Geist-Feld. Alles ostpreußische Tenne, alles Erntefeste. Und in den Kirchen landauf- landab dasselbe. Die Altäre brechen fast zusammen unter der Last der Kürbisse und der Garben, der Kartoffeln – und mancherorts werden auch Industriegüter und Schulabschlüsse dazu gepackt. Dank für alles, was im zurückliegenden Jahr erreicht, geschaffen und geschafft wurde. Manche stehen dieser Tradition kritisch gegenüber. „Ich habe mir alles hart erarbeitet“, sagen sie. Aber sie vergessen eines: Die wichtigsten Dinge im Leben bekommt man geschenkt. Und: Dankbarkeit ist Denkarbeit. Jeden Abend 5 Minuten, um nachzudenken, was mir heute geschenkt wurde. Liebe, Menschen, vielleicht auch Materielles oder Erfolg.Lothar Zenetti hat die Dankbarkeit einmal so in Worte gefasst:Einmal wird uns gewiss die Rechnung präsentiertfür den Sonnenschein und das Rauschen der Blätter,die sanften Maiglöckchen und die dunklen Tannen, für den Schnee und den Wind, den Vogelflug und das Gras und die Schmetterlinge, für die Luft, die wir geatmet haben, und den Blick auf die Sterne und für all die Tage, die Abende und die Nächte.Einmal wird es Zeit, dass wir aufbrechen und bezahlen; bitte die Rechnung.Doch wir haben sie ohne den Wirt gemacht: Ich habe euch eingeladen, sagt der und lacht, soweit die Erde reicht: Es war mir ein Vergnügen!
103. 36 Jahre deutsche Einheit
03:10||Season 5, Ep. 103261003PC 36 Jahre deutsche EinheitMensch Mahler am 03.10.2026 Zum Tag der deutschen Einheit ein Kommentar von André Bochow von der Stuttgarter Zeitung:Was soll man nach 36 Jahren sagen? Ja, die Immobilien gehören den Westdeutschen und die Ossis wohnen bei ihnen zur Miete. Und noch ein Klischee: Die Ostdeutschen wählen AfD und sind so von ihrer Diktaturerfahrung geprägt, dass sie es an ihre Kinder weitergegeben haben, die nun Nazis oder Kommunisten werden.Nur so nebenbei, liebe Wessis, schaut mal auf die Umfragen: In Sachen AfD macht ihr erstmals den Brüdern und Schwestern aus der ehemaligen Zone etwas nach. Weniger demokratischer Hochmut wäre ganz angebracht.Außerdem gibt es Einigkeit, wohin man schaut. Etwa in der Ablehnung des aktuellen Kanzlers, bei der Verehrung für Helene Fischer und die DFB-Männer-Elf wird unisono gefeiert oder verflucht.Jenseits der Tatsache, dass den Ostdeutschen die westdeutschen Regeln übergestülpt, die Betriebe und Chefposten ihnen auf Nimmerwiedersehen weggenommen wurden und sie immer verdächtig bleiben, genetisch totalitär disponiert zu sein, benehmen sie sich letztlich auch nicht sehr anders als ihre Zeitgenossen auf der anderen Elbseite.Dabei kann man sich getrost die Frage stellen, ob diese deutsche Einheit, die immerzu beschworen wird, nicht vielleicht eine Schimäre oder gar ein Popanz ist. Interessiert haben sich dafür sowieso nur die aus der verblichenen DDR. Für die Westgermanen änderte sich ja nichts. Außer, dass sie viele Scharlatane und Mittelmäßige abschieben konnten, um den Osten zu belehren oder anzuschmieren. Und natürlich floss Geld in den Osten. Die Gewinne wiederum flossen westwärts.So oder so, es geht immer nur darum, ob sich endlich Ostdeutsche und Westdeutsche liebhaben und warum das, oh Gott, oh Gott, immer noch nicht so ist. Als ob sich Nord- und Süditaliener leiden könnten. Pariser und Marseiller blicken auf die Schtis herab, Flamen und Wallonen sind im Dauerstreit und so weiter.Aber weil wir gerade bei unterschiedlichen Nationalitäten sind. Mehr als ein Viertel der deutschen Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund und 14 Millionen sind richtige Ausländer. Es gibt, ohne Berlin, noch 10 bis 12 Millionen Ostdeutsche, dafür aber sieben Millionen Muslime. Vielleicht sind viele Ossis deswegen so permanent frustriert. Sie sind eine Minderheit und von den Minderheiten noch nicht einmal die größte.Unabhängig davon wäre es höchste Zeit, die deutsche Einheit neu zu definieren. Wir sollten nicht mehr messen, wie traurig die Ossis am 3. Oktober sind, sondern wie weit wir mit der Integration sind. Als Gradmesser der Einheit könnte die gesunkene Zahl der Nikabs oder Freitagsaufrufe in Moscheen zur Verbrüderung mit israelischen und anderen Juden dienen. Die Tatsache, dass Kinder mit Migrationshintergrund und aus sozial schwachen Familien im Durchschnitt schlechtere Startchancen als ihre Altersgenossen haben, hat der neueste Einheitsbericht der Ostbeauftragten deutlich gemacht. Wie einig sind sich aber die Oben und die Unten?
102. Ach du Scheiße! Schulkinder müssen LAUFEN
02:28||Season 5, Ep. 102261002PC Die armen Kleinen – Fußwege sind nicht mehr zumutbarMensch Mahler am 02.10.2026 Eltern und Anwohner klagen: „Sind jetzt aufgeschmissen“. Das ist eine Schlagzeile aus der Stuttgarter Zeitung von gestern.Folgender Sachverhalt: Die Waldburgstraße in Stuttgart Vaihingen muss saniert werden. Zu diesem Zwecke muss die Straße aufgegraben werden. Autoverkehr ist in dieser Zeit nicht möglich, Fußgänger sind eingeschränkt. Zwei Bushaltestellen mussten verlegt werden. Die Einschränkungen gelten jeweils für einen Monat in 2 verschiedenen Abschnitten. Betroffen sind außer den Anwohnern „wir müssen unsere Autos jetzt in Nebenstraßen parken“ auch ein Seniorenheim und 2 Schulen. Einmal Realschule und einmal Gymnasium. Zunächst die Stimme einer Seniorin: „Ehrlich ist das gesagt beschissen, weil die Bushaltenstelle Pestalozzischule zugemacht hat und wir Alten jetzt aufgeschmissen sind.“ „Als alte Frau muss ich jetzt zur nächsten Bushaltestelle laufen.“Nebenan unterhalten sich zwei Anwohnerinnen über den Gartenzaun hinweg direkt über der aufgerissenen Erde: „Die Leute mit den Parkgaragen parken jetzt in den Anliegerstraßen. Ich weiß auch nicht, wie die Kinder jetzt zur Schule kommen, wenn die Bushaltestelle für sie wegfällt“ sagt eine Frau. Wenigstens seien die Bauarbeiter kooperativ und verteilten für Anwohner Rampen.Auch die Elterntaxifahrerinnen sind sauer. Sie können die lieben Kleinen – Realschule und Gymnasium – also mindestes 10 Jahre alt – jetzt nicht mehr am Schultor abholen. Das sei für die Kinder nicht zumutbar. Und auch nicht, dass sie jetzt geschlagene 10 Minuten zur nächsten Bushaltestelle laufen müssen. Die überflüssigen E-Roller und Fahrräder können die Schulhöfe direkt anfahren. Aber das kann man den verzogenen Wohlstandskids offensichtlich nicht zumuten. Da müssten sie sich ja bewegen … Die Frage nach einer Alternative bleibt von den Motzkis unbeantwortet. Soll man die maroden Leitungen unter der Straße liegen lassen, damit die Kleinen und die Großen und auch die Alten keine Beeinträchtigungen haben? Das natürlich nicht. Was dann? Schulterzucken. Aber das Maul aufreissen und die Stadtverwaltung anpöbeln, das können sie offensichtlich alle. Auch wenn sie von Straßenbau und Infrastruktur nicht das Geringste verstehen.