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Der vorletzte Zeitzeuge
Trailer: Der vorletzte Zeitzeuge
Dolfi Eder, Jahrgang 1933, ist einer der letzten Menschen, die Krieg, Hungerjahre und die Besatzungszeit in Österreich selbst erlebt haben. In diesem Podcast beginnt er seine Geschichte zu erzählen – damit wir nicht vergessen.
Im Trailer zu Der vorletzte Zeitzeuge lernst du Dolfi Eder und die Idee hinter diesem Podcast kennen. Geboren 1933 in Wien, aufgewachsen in einer Zeit großer politischer Spannungen, hat Dolfi drei entscheidende Epochen der österreichischen Geschichte hautnah miterlebt: den Austrofaschismus unter Schuschnigg, den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg sowie die dramatischen Nachkriegsjahre bis zum Staatsvertrag Österreichs im Jahr 1955.
Im Gespräch mit Oliver Sartena entsteht ein persönlicher Zugang zu einer Zeit, die sich in vielen Familien nur noch in Bruchstücken erhalten hat. Hier geht es nicht um trockenen Geschichtsunterricht, sondern um Erinnerungen, Gefühle, Alltagsbeobachtungen und die Sicht eines Menschen, der dabei war und authentisch berichten kann.
Dieser Trailer eröffnet die Reise: von der frühesten Kindheit in den 1930er Jahren bis zur Wiedererlangung der österreichischen Souveränität. Ein Podcast, der festhält, was bald niemand mehr erzählen kann – und der einlädt, zuzuhören, solange diese Stimmen noch da sind.
Der vorletzte Zeitzeuge – Ein Podcast mit Dolfi Eder
Produktion: STUDIO DREIVIERTEL
Dolfi Eder - Erzähler
Oliver Sartena - Moderation
Maria Radutu - Redaktion
Andreas Mühlmann - Audioproduktion
Kristina-Josefin Bigler - Art Direction
Eine Produktion von STUDIO DREIVIERTEL.
Copyright © 2025 STUDIO DREIVIERTEL. Alle Rechte vorbehalten.
Inhaltliche Verantwortung gemäß § 55 RStV: STUDIO DREIVIERTEL.
Musik, O-Töne und sonstige verwendete Inhalte sind urheberrechtlich geschützt.
Mehr Informationen zu diesem Podcast und weiteren Produktionen auf den Kanälen von STUDIO DREIVIERTEL und auf StudioDreiviertel.at
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1. Staunende Kinderaugen, die mehr sehen, als sie begreifen (1936–1938)
38:15||Season 1, Ep. 1Dolfi erinnert sich an seine frühen Kindheitsjahre von 1936 bis 1938 – eine Zeit zwischen Armut, bäuerlichem Alltag und politischen Spannungen. Durch die Augen eines Kindes erleben wir eine Welt, die mehr zeigt, als ein junger Bub begreifen kann.Kinderaugen, die mehr sehen, als sie begreifen: In dieser ersten Episode blickt Dolfi Eder auf seine früheste Kindheit zurück – auf die Jahre 1936 bis 1938, in denen Österreich politisch zerrissen war und doch viele Kinder noch barfuß über Wiesen liefen.Aufgewachsen als Pflegekind in einem abgelegenen Tal des Ybbstals, beschreibt Dolfi eine bäuerliche Welt voller Armut, aber auch voller Natur: grüne Wiesen mit Huflattich, der Bach mit Forellen, der Bäckerwagen, der einmal pro Woche vorbeikam. Doch diese Idylle ist nur die eine Hälfte seiner Erinnerungen.Schon als Dreijähriger erlebt er Dinge, die er nicht einordnen kann: Aufmärsche von Hahnenschwanzlern und SA-Männern, aggressive Marschlieder, politische Streitigkeiten unter Erwachsenen, Messerstechereien, die wachsende Not der Menschen. Die Gewalt des Austrofaschismus, das Erstarken der illegalen Nazis und die Verzweiflung in der Bevölkerung dringen bis in die kleinsten Täler vor – und hinterlassen Spuren in einem Kinderkopf, der vieles sieht, aber wenig versteht.Mit eindrücklichen Bildern erzählt Dolfi von Sonnwendfeuern in Form politischer Symbole, von nächtlichen Gewehrschüssen zwischen Jägern und Wilderern, von einem Alltag ohne Wohlstand, aber voller Beobachtungen. In seinen Erinnerungen verbinden sich persönliche Eindrücke mit historischen Entwicklungen auf einzigartige Weise.Diese Auftaktfolge schafft die Grundlage für eine faszinierende Reise durch Österreichs Geschichte – erzählt durch die lebendigen, unverstellten Augen eines Kindes, das inmitten großer Umbrüche aufwächst.
2. Der Umbruch – Österreich wird zur Ostmark (1938–1939)
32:24||Season 1, Ep. 2Der Umbruch – Österreich wird zur Ostmark (1938–1939): In dieser zweiten Folge erzählt Dolfi Eder, wie er als sechsjähriger Bub den Anschluss an das Deutsche Reich miterlebte. Was für viele Erwachsene Begeisterung oder Angst bedeutete, erscheint aus der Sicht eines Kindes als Mischung aus Faszination, Lärm, Pflicht und Unverständnis.Als Dolfi eines Morgens die erste Hakenkreuzfahne vom Dachfirst hängen sieht, versteht er nicht, warum plötzlich jedes Haus im Dorf beflaggt wird. Deutsche Soldaten fahren mit Lastwägen durch das abgelegene Ybbstal, die Menschen jubeln „Sieg Heil“, selbst jene, die sich vorher als Kommunisten oder Skeptiker gesehen haben. Innerhalb weniger Stunden wandelt sich Österreich – und auch das Leben eines Kindes.Dolfi beschreibt, wie sich Sprache, Grußformeln und Alltagsrituale verändern: Aus Österreich wird „Ostmark“, aus Bezirken werden „Kreise“, und selbst Kinder müssen den „deutschen Gruß“ verwenden. Wer Fragen stellt, macht sich verdächtig; wer zweifelt, verschwindet. Menschen aus der Dorfgemeinschaft werden abgeholt, ohne dass jemand nachzufragen wagt.Die nationalsozialistische Propaganda, verstärkt durch den berühmten Volksempfänger, formt eine neue Realität. Während in Europa die große Politik verhandelt wird – Sudetenkrise, Münchner Abkommen, Aufrüstung –, erlebt Dolfi den Wandel im Kleinen: Uniformen, Angst, neue Regeln, und schließlich die ersten Nachrichten vom Krieg gegen Polen, der am Tag seines ersten Schultags beginnt.Diese Episode zeigt eindrücklich, wie politische Gewalt, Propaganda und Begeisterung selbst in das entlegenste Tal eindringen – und wie ein Kind versucht, sich diese neue Welt zu erklären.
3. Barfuß zur Schule – Kindheit und Drill im Krieg (1939–1943)
01:10:58||Season 1, Ep. 3Im Schatten des Krieges – Schuljahre 1939–1943: In dieser Folge erzählt Dolfi Eder von seiner Schulzeit im abgelegenen Hochtal der Broling, einer Welt, in der Armut, Pflicht und Drill den Alltag eines Kindes bestimmten. Während in Europa der Zweite Weltkrieg ausbricht, erlebt Dolfi eine Schulwirklichkeit, die kaum vorstellbar erscheint: barfuß stundenlange Wege über frostige Felder, Unterricht auf der Schiefertafel, Prügelstrafen und ein Lehrer, der ein überzeugter Nazi war und die Kinder im Geist der „deutschen Jugend“ formen wollte.Die Gewalt war allgegenwärtig: Ohrfeigen, Rohrstock, Demütigung als Erziehungsmethode. Trotzdem findet Dolfi Momente des Trosts – in der Natur, in seinen Träumen, in den Tieren und in der ersten zarten Freundschaft zu einem älteren Mädchen, Hedwig. Zwischen harter Arbeit im Stall, Holz hacken, Ziegen hüten und Schulpflicht blieb kaum Raum für Kindheit, und doch entwickelte er seine eigene innere Welt.Neben dem persönlichen Erleben zeigt sich der zeitgeschichtliche Hintergrund besonders deutlich: Propaganda über den Volksempfänger, verschwindende Menschen im Dorf, die ersten Todesmeldungen, die Einziehung aller Männer und die wachsende Angst in der Bevölkerung. Die NS-Diktatur greift tief in jedes Detail des Alltags ein – auch in das Leben eines Kindes in einem entfernten Hochtal.Diese Episode macht spürbar, wie Krieg und Ideologie selbst entlegenste Regionen erreichen – und wie ein sensibles Kind versucht, seine Träume zu bewahren, während die Welt um ihn herum dunkler wird.
4. Die letzten Kriegsjahre – Ein Bub zwischen Appell, Arbeit und Todesangst (1943–1945)
50:30||Season 1, Ep. 4Zwischen Pflicht und Angst – Kriegsjahre 1943–1945: In dieser Folge beschreibt Dolfi Eder die Jahre seiner Kindheit, in denen sich sein Leben radikal veränderte. Mit zehn Jahren gelangte er aus dem abgelegenen Hochtal der Broling nach Opponitz – einem Dorf mit Strom, Kanal, Bahnhof, Arzt und Schule. Eine völlig neue Welt. Doch dieser Fortschritt fällt in eine Zeit, in der sich der Zweite Weltkrieg bereits gegen das Deutsche Reich wendet.Kaum angekommen, wird Dolfi – ungefragt und ohne Alternative – in das Deutsche Jungvolk aufgenommen. Appelle am Wochenende, Exerzieren, Geländeläufe, Übungen mit Holzgewehren, deutsche Geschichte im NS-Narrativ und politische Indoktrination bestimmen seinen Alltag. Was wie Pfadfinder klingt, ist in Wahrheit die erste Stufe militärischer Vorbereitung. Dolfi ist Teil eines Systems, das aus Kindern Soldaten formen will.Gleichzeitig rückt der Krieg spürbar näher. Lebensmittelknappheit, Propaganda über den Volksempfänger, immer mehr Männer, die eingezogen werden, und eine Bevölkerung, die erst begeistert, später ernüchtert und dann ängstlich wird. Ab 1944 beginnt der Luftkrieg auch das Ybbstal zu erreichen: Tiefflieger schießen auf alles, was sich bewegt. Brennende Flugzeuge stürzen in die Wälder, und Dolfi muss als Teil des Luftschutzes mithelfen, Wracks zu finden, Tote zu melden und Brände zu lokalisieren. Er sieht verkohlte Leichen – Erlebnisse, die ihn schon als Kind vom Tod abstumpfen lassen.Parallel dazu erlebt er die letzten Monate des Krieges hautnah: die Flucht der Nazis, das Verschwinden der SS, die Hilflosigkeit der Zivilbevölkerung und eine unerträgliche Angst, genährt durch Propaganda („Sieg oder Tod“). Bis am 5. Mai 1945 die Rote Armee in Opponitz eintrifft – und der Krieg endet.Diese Episode zeigt mit erschütternder Klarheit, wie ein Kind zwischen Indoktrination, harter Arbeit, ständiger Todesnähe und der Angst vor der heranrückenden Front zu einem „zu früh Erwachsenen“ wird – und dennoch seine Menschlichkeit bewahrt.
5. Die "Stunde Null" – Die härtesten Monate meines Lebens (1945)
49:54||Season 1, Ep. 5Stunde Null – Überleben und Hungerjahre 1945–1950: In dieser Episode erzählt Dolfi Eder von den erschütternden Monaten nach Kriegsende und den Jahren darauf, die zu den härtesten seines Lebens gehören. Die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht, die Bildung einer provisorischen österreichischen Regierung und die Aufteilung des Landes in vier Besatzungszonen bilden den politischen Rahmen – doch für Dolfi, damals zwölf Jahre alt, prägt vor allem eines diese Zeit: das nackte Überleben.Unmittelbar nach dem Einmarsch der Roten Armee erlebt Dolfi drei Monate völliger Gesetzlosigkeit: nächtliche Schüsse, Schreie, Vergewaltigungen, Plünderungen, brennende Häuser. Tiere, Lebensmittel, Kleidung, Besitz – alles wird konfisziert. Für die Jugend bedeutet das tägliche Gefahr: Schläge, Willkür, Demütigungen und Todesangst.Dolfi beschreibt in bedrückender Klarheit, wie die Russen ein riesiges Barackenlager bauen, wie Frauen täglich „für Dienste“ abgeholt werden, wie er selbst schlafend Zeuge von Gewalt gegenüber den Frauen im Haus wird und wie betrunkenen Soldaten aus purer Unterhaltung mit Maschinenpistolen auf spielende Kinder schießen.Als ein hoher russischer Offizier im Ort einzieht, verändert sich die Lage langsam. Gewalt wird unter Strafe gestellt, ein Gemeinderat eingerichtet, und erstmals seit Monaten kehrt etwas ein, das man vorsichtig „Normalität“ nennen könnte. Doch der Alltag bleibt hart: Die Bevölkerung hungert, Tiere und Lebensmittel sind verschwunden, die Geschäfte sind leer, Brot gibt es monatelang keines. Hunger wird zum ständigen Begleiter – fünf Jahre lang, bis 1950.Zwischen politischen Umbrüchen, der ersten freien Wahl im November 1945, der Anerkennung der provisorischen Regierung, den Herausforderungen der Entnazifizierung und den Schwierigkeiten des Wiederaufbaus entsteht ein vielschichtiges Bild der Zweiten Republik in ihren allerersten Tagen.Dolfi Eder erzählt nicht nur, was geschah – er lässt uns spüren, wie es sich anfühlte. Seine Erinnerungen sind ein erschütterndes, tief persönliches Zeugnis darüber, wie schwer der Weg in den Frieden sein kann – und wie lange ein Krieg nachwirkt.