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Nachholspiel
Folge 221: Rasenfunk (Gast: Max-Jacob Ost)
Max schaut für Euch seit zehn Jahren Fußball. Alle Partien der Frauen-und Männer-Bundesliga. Er muss Spiele parallel schauen, um es zeitlich zu schaffen. Hoffenheim und Wolfsburg meistens auf dem kleinen Bildschirm, die Ballzauberer aus Leverkusen und Stuttgart bekommen die große Fläche. Alles wird notiert und analysiert. „Am Wochenende ist Kernarbeitszeit“. Wir lassen das mal auf Euch wirken. Der Rasenfunk ist viel, viel Vorbereitung und die nie enden wollende Nachspielzeit unter den Fußball-Podcasts. Die bunte Tribüne für Journalist*innen und Fans, auf der gerne nach Abpfiff sitzen geblieben wird. Eine Liebeserklärung an das, was viele die schönste Nebensache der Welt nennen. Ohne Werbebande und Konfetti-Halbzeitshow. Max und Frank Helmschrott haben 2014 im Mittelkreis angefangen, den Ball hochzuhalten, mittlerweile ist das Stadion in jeder Folge ausverkauft. Tom Bartels hat damit übrigens nichts zu tun. Der Rasenfunk wird seither von Spenden finanziert und kann sich auf eine treue und interaktive Community verlassen. Max hat keine Torwand, meldet sich nicht vom Abgrund, füttert selten das Phrasenschwein, aber er hat am legendären 11Freunde-Liveticker mitgeschrieben. Für die Nachholspiel-Jury ist der Rasenfunk ein prägendes, identitätsstiftendes Fußball-Medium, dessen Geschichte und Entwicklung es zu beleuchten gilt. Ein Gespräch, so spannend und abwechslungsreich wie 11 Leben. Irgendwo zwischen Taktik und anderen Podcasts zwischen verlockenden Angeboten, dem Konzentrations-Endgegner Wolfsburg gegen Hoffenheim und einmal erkannt werden neben Jochen Breyer.
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Folge 298: Ajax Amsterdam in den 90ern – Louis van Gaals Wunderkinder (Gast: Erik Meijer)
49:21|Amsterdam hat seinen Goldstandard früh gesetzt. Anfang der Siebziger dreimal in Folge Europapokal der Landesmeister. Cruyff, Michels, Voetbal Total – in den Niederlanden heißt diese Zeit bis heute "Gloria Ajax". Die Stars zogen damals weiter, auffallend oft nach Barcelona. In den 80ern reichte es noch für Titel, aber kaum einer in Europa fürchtete sich vor Ajax. 1988 kehrte ein 37-Jähriger in seine Geburtsstadt zurück, der als Spieler zwei Jahre im Ajax-Kader gestanden hatte, ohne eine Sekunde zu spielen. Aloysius Paulus Maria - genannt Louis - van Gaal übernahm die U19 und nennt diese Jahre heute die schönste Zeit seiner Karriere. Die Begründung ist sehr van-Gaal-like: Dort gab es die wenigsten Widerworte. Drei Jahre später war er mit 40 Cheftrainer, zum ersten Mal überhaupt im Profifußball. Sein VorVorVorVorgänger Cruyff hatte an Intuition und Individualismus geglaubt, LvG pochte auf Struktur und Disziplin. Und während andere Vereine erfahrene Spieler einkauften, holte er Jungs aus dem eigenen Haus, deren Namen im Stadion kaum jemand kannte. Ein Europapokalsieg im ersten Jahr beendete die Diskussion. Was danach kam, war die beste Ajax-Elf seit Cruyff – und die jüngste, die jemals die Champions League gewonnen hat. Der Trainer van Gaal galt als genial, das Wesen van Gaal als streitbar. Reporter hat er gerne zum Frühstück verspeist. Der vom deutschen Boulevard später "Tulpen-General" getaufte hat sich selbst als arrogant bezeichnet und dies als Kompliment gemeint. Nachholspiel wäre hier mit der üblichen Formel "Was ist hängen geblieben?" nicht weiter gekommen, sodass wir den Überraschungsbesuch von "Prof. Dr. Dr. Mario Smarter" sehr zu schätzen wissen, der spontan über sein 66-seitiges Werk "Selbstbild und Fremdbild im Spannungsfeld medialer Attribuierung – eine adjektivbasierte Inhaltsanalyse zur Persönlichkeitskonstruktion des Louis van Gaal" referiert. Zur Beruhigung: Sportlich kann unser eigentlicher Gast Erik Meijer van Gaal und seine Wunderkinder am besten beurteilen. Der Sky-Experte durfte/musste achtmal gegen dieses Ajax auflaufen - mit Sittard, Maastricht und der PSV. In Eindhoven stand neben ihm ein 17-Jähriger aus Brasilien im Sturm, von dem damals nur bekannt war, dass er ein Talent sein soll. Nach einer einzigen Trainingseinheit wusste einer der beiden, dass er künftig öfter auf der Bank sitzen würde. Ihr nehmt jetzt am besten auch Platz und lasst das alles mal auf euch wirken.
Folge 297: Gheorghe Hagi – zwischen Traumtor und Platzverweis
01:13:47|Man kann diese Karriere an zwei Sammlungen erzählen. Die eine besteht aus Toren, die von dort kein Mensch schießt. Die andere aus Platzverweisen, die sich kein Mensch dort leistet. Sein erstes Tor in der ersten Liga fällt aus 35 Metern, da ist er gerade 17. Rund 70 Prozent seiner über 300 Treffer kommen laut eigener Aussage von außerhalb des Strafraums. Ein linker Fuß wie eine Raketenabschussrampe, die den Ball und ihn selbst in ferne Galaxien katapultierte. Real, Barca, die zweite italienische Liga. Rote Karten waren sein roter Faden: Beim Debüt in Italien, im größten Europapokalfinale seines Lebens, im letzten Länderspiel. Mehmet Scholl hielt ihn einst für einen Schnupfen - in seiner Heimat, hinter dem eisernen Vorhang war er Spielball eines Diktatorenclans und König der Unbesiegbaren. Er trumpfte bei Welt- und Europameisterschaften auf, wurde mit Maradona verglichen, im Live-Fernsehen zu einem Comeback in der Nationalmannschaft überredet, gründete seinen eigenen Verein, gewann Meisterschaften mit seinen "Kindern" und ist heute Nationaltrainer Rumäniens. Zugegeben, wir haben Mario kurz bei sozialistischen Machtspielen verloren, aber jedes Detail dieser Karriere hat etwas Kurioses und Beeindruckendes zugleich - genau wie seine Tore.
Folge 296: Gala gegen Fener – das Interkontinental-Derby (Gast: Ole Zeisler)
01:02:30|Auf der einen Seite Europa, auf der anderen Asien - und dazwischen der Bosporus. Wenn Galatasaray auf Fenerbahçe trifft, bricht eine Stadt mit 16 Millionen Menschen in zwei Hälften, und ein ganzes Land gleich mit. Wer zum Stadion des Erzfeinds will, macht keinen Spaziergang über die Brücke. Er steigt in einen Bus mit Polizeibegleitung. Dabei standen sie mal Schulter an Schulter. Über 20 Jahre lang liefen Gala- und Fener-Spieler gemeinsam für eine Istanbuler Stadtauswahl auf, in Trikots, auf denen Rot, Gelb und Blau so friedlich nebeneinander lagen wie danach nie wieder. Man sprach sogar über eine Fusion. Galabahçe? Fenertasaray? Die Hochzeit fand nie statt, stattdessen gab es einen Rosenkrieg, der bis heute andauert. Genau das richtige Spannungsfeld für Filmemacher Ole Zeisler. Für den NDR ist er in das nächste Derby eingetaucht. Beim Superclásico in Buenos Aires und beim Old Firm in Glasgow hat er schon einiges erlebt, trotzdem hat er sich in Istanbul zum ersten Mal Ohropax gewünscht. Welcome to Hell! 6000 Sicherheitskräfte, eine Rivalität, die von Generation zu Generation weitergegeben wird, klangvolle Namen und ein Stück deutsche Trainergeschichte. Galatasaray gegen Fenerbahçe ist der Zauber des Hexenkessels. Nachholspiel blickt auf ein Duell, das eigentlich gar nicht in einen Podcast passt, weder von der Lautstärke noch von der Geschichte her.
Folge 295: Arthur Friedenreich - der vergessene erste Superstar
55:11|Es gibt einen Hörer, der fordert seit Jahren unter unseren Folge denselben Namen. Egal ob wir über deinen Flugzeugabsturz beim FC Turin reden, über Regeländerungen im Frauenfußball oder über Suriname: "Legendenfolge Arthur Friedenreich". Und heute ist es soweit! Shame on us, dass es 295 Folgen gedauert hat. Also: Wer zum Teufel ist dieser Mann, der klingt wie eine Spedition aus Norddeutschland und trotzdem in São Paulo geboren wurde? Ein Stürmer, dem 1329 Tore zugeschrieben werden – vielleicht waren es aber auch 1239 oder vielleicht nur 595. Ganz genau weiß es bis heute niemand, und genau das macht ihn so gut. Wir reden über einen Jungen, der als Kind beinahe von einem Leichenwagen überfahren wurde – die erste Körpertäuschung seines Lebens. Über einen Verein namens SC Germania, der für ihn seine rassistischen Aufnahmebedingungen ändern musste. Über zwei Zähne, die er 1914 gegen Exeter City verlor – und über die Engländer, die vor diesem Spiel nackt im Meer badeten und Ärger mit den Behörden bekamen. Und dann gibt's da noch den 29. Mai 1919: 150 Minuten Fußball gegen Uruguay, Rekord bis heute, und in der 122. Minute macht er das einzige Tor des Spiels. Brasilien trägt ihn auf Schultern durch Rio, ein Juwelier stellt seine Fußballschuhe ins Schaufenster, einer der größten Musiker des Landes komponiert ein Stück darüber. Zwei Jahre später ist er nicht mehr im Kader – weil der Präsident lieber eine weiße Nationalmannschaft ins Ausland schickt. In der Nachholspiel-Legenden-Elf ist er nun für die Ewigkeit gesetzt. Arthur Friedenreich - der König des Fußballs, rund 15 Jahre bevor Pelé überhaupt geboren wurde.
Folge 294: Oh, wie schön ist Suriname?!
59:49|Zu Beginn dieser Folge werdet ihr Google Maps aufmachen und immer weiter hineinzoomen, um diese Perle des Fußballs zu finden. Und dann werdet ihr euch vermutlich erst einmal die Augen reiben. Denn Südamerika hat ja allein mit Brasilien und Argentinien der Welt schon zahlreiche großartige Fußballer geschenkt. Das kleine Suriname aber hätte mit Ruud Gullit, Frank Rijkaard, Edgar Davids, Clarence Seedorf und Patrick Kluivert durchaus eine Mannschaft aufstellen können, die um den WM-Titel mitspielt. Eine Qualifikation für die Endrunde gelang allerdings noch nie. Diese Oranje-Superstars haben ihre Wurzeln in der ehemaligen niederländischen Kolonie. Ein Fußballzwerg, der durch diese biografische Verbindung plötzlich wie ein Riese daherkommt und damit eigentlich ein unfassbar hohes "Fußball-Bruttoinlandsprodukt" aufweist. Suriname ist ein Land, das auf der Fußballkarte lange eher wie ein vergessenes Ausrufezeichen am Rand wirkte. Dicht gedrängt zwischen Guyana, Französisch-Guayana und Brasilien, mit tropischem Regenwald im Rücken und dem Atlantik vor der Tür. Nachholspiel erzählt von einem Land, dessen Fußballgeschichte größer ist als seine Nationalmannschaft. Von einer ehemaligen Kolonie, die auf erstaunliche Weise ihre Spuren im niederländischen Fußball hinterlassen hat. Von Migration, Identität und der Frage, für welches Land zwei Fußballerherzen in der Brust letztlich schlagen.
Folge 293: Die größte BL-Saison ever
34:58|380 Spiele - Die Bundesliga-Saison 1991/92 war so groß wie keine andere. Und auch unglaublich verrückt. Ganz nach dem Motto: Die Ersten werden die Letzten sein, muss Hansa Rostock, der erste Tabellenführer, am Ende wieder absteigen. Und dabei war die Kogge gemeinsam mit Dynamo Dresden ja neu im bundesrepublikanischen Fußball. Nur eben leider nicht lange. Apropos lange: bis zum letzten Spieltag dauerte der Meisterkampf. Drei Teams, punktgleich. Ja, liebe Bundesliga-Fans, das ist erlaubt. Was heute wie ein feuchter Traum wirkt, war damals Realität. Die Saison 1991/92 war Fußball pur - und wird noch die ein oder andere Folge nach sich ziehen.
Folge 292: Héctor Castro – der göttliche Einarmige
45:03|Die Weltmeisterschaft 1930 in Uruguay ist gleichzeitig erste WM und Stunde null von Nachholspiel. Ein Turnier so kurios und anekdotenreich wie dieser Podcast selbst - nur dass die wohl größte Geschichte der ersten WM bei uns noch nicht groß genug erzählt wurde: Héctor Castro. Uruguays Angreifer galt als Trinker, Kettenraucher, Zocker - und erzielte im Finale das entscheidende Tor per Kopf. Die überschaubare Körpergröße von 1,69m war damals nicht mal das größte Problem, denn der Stürmer hatte nur einem Arm! Unfassbar und kaum bekannt. Castro war in seiner Karriere trotz Handicap immer zur Stelle wenn er gebraucht wurde. Ein Unterschiedsspieler im doppelten Sinne - und ein echter Titelsammler. Nachholspiel begibt sich nochmal auf die Odyssee des Fußballs und reist drei Wochen per Schiff über den Atlantik, um den Spieler zu würdigen, den wir damals neben einem dicken Keeper und zahlreichen Revolvern fast übersehen haben.
Folge 291: Hannover 96 und die Europa-League-Saison 2011/12 (Gast: Mirko Slomka)
48:58|Zwei Jahre nach dem Tod von Robert Enke und einem Fast-Abstieg am letzten Spieltag in Bochum folgt der totale Rausch: Hannover 96 stellt den eigenen Punkterekord ein, liefert sich mit Bayern München ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz 3 – und zieht als Vierter in die Europa-League-Quali ein. Dort hätte jeder Gegner warten dürfen, nur bitte nicht der FC Sevilla - doch keiner konnte den Höhenflug der Niedersachsen stoppen. "In Kopenhagen schellt das Telefon" und Nachholspiel hat den damaligen Trainer Mirko Slomka am Hörer. Auswärtssieg in Kopenhagen vor 10.000 mitgereisten Fans, Scharmützel mit Diego Simeone, Slomkas berühmte "10-Sekunden-Regel", das Abenteuer in der ukrainischen Provinz Poltava und das wohl einsamste Scorpions-Plakat als Glücksbringer. Nachholspiel erlebt eine emotionale Zeitreise und verwandelt Hannover 96 wieder in das schöne Märchen, in dem ein ganzer Verein zum Riesen wurde.
Folge 290: WM-Momente für die Ewigkeit (Gäste: Nachholspiel United)
53:29|Bevor wir alle über den großen Teich schauen und in der Sommerpause — mit Ausnahme der DFB-Elf, die wir natürlich bis ins Finale begleiten — baden gehen, bringen wir euch mit Freunden des Hauses auf WM-Betriebstemperatur. Michael Reschke im Regen von Düsseldorf, Gregor Ryl in den Fängen von Maxi Rodriguez (Narcos 2, klar), Lucas Vogelsang und EDV-Schleck im Freibad, Uli Köhler in der Waschküche, Martin Tyler und seine 13. Weltmeisterschaft — und wir erfahren, was und vor allem wer den 10-jährigen Jonas Friedrich wohl zu einem der besten Kommentatoren hat werden lassen. Nachholspiel verabschiedet sich in die Sommerferien. Solltet ihr uns irgendwo über den Weg laufen, geben wir euch wie hoffentlich Joshua Kimmich dem WM-Pokal ein kleines Küsschen. Aber wehe, ihr begrüßt Mario mit dem isländischen Huh-Schlachtruf.