Latest episode

283. #283 Neubau-Miete unter 9 Euro: Traumpreis mit Haken
42:10||Ep. 283Neubau-Miete mit einer 8 vor dem Komma: Traumpreis oder Rechentrick? Ausgehend von einem kommunalen Projekt in Ludwigsburg, das Wohnungen ab rund 8,30 € pro Quadratmeter Neubau-Miete anbietet, zerlegen Katarina Ivankovic und Dr. Peter Hettenbach die Kalkulation hinter solchen Angeboten. Sie zeigen, warum professionelle Projektentwickler bei heutigen Baukosten von etwa 5.000 €/m² ohne massive Förderung kaum unter 15 € Nettokaltmiete kommen und wieso Schlagzeilen über günstige Neubauwohnungen meist Sonderfälle sind.Im Fokus stehen kommunaler Wohnungsbau, sozialer Wohnungsbau und die Rolle von Förderprogrammen: Verbilligungsrichtlinien für öffentliche Grundstücke, KfW-Förderung, Landeswohnraumförderung, Kommunalkredite, alte Kasernenareale und Holzbau. Am Beispiel des Projekts "Grünbühl Living" wird deutlich, wie viele Zahnräder gleichzeitig ineinandergreifen müssen, um Neubau-Mieten um 8 bis 9 € überhaupt rechnerisch möglich zu machen und warum dieses Modell selbst auf demselben Grundstück nicht beliebig reproduzierbar ist.Parallel blicken die beiden auf ländliche Räume wie z.B. in Saarland mit seiner besonders hohen Eigentumsquote und einer starken Tradition semiprofessionellen Bauens: Einliegerwohnungen, Eigenleistung, Dorfgemeinschaft statt Bauträgerstandard. Sie diskutieren, wie Regulierung, Normen und Verwaltung diese organischen Lösungen zunehmend ausbremsen, warum Systembau an Bebauungsplänen scheitert und weshalb Enteignung zwar Schlagzeilen, aber keinen zusätzlichen Wohnraum schafft.Wohnungsbau Ludwigsburg: https://www.wohnungsbau-ludwigsburg.de/angebote/aktuelle-projekte
More episodes
View all episodes

282. #282 Tante Enso: Smart Store gegen leere Schaufenster?
38:13||Ep. 282Leerstehende Läden, geschlossene Bankfilialen: Im ländlichen Raum bricht die Nahversorgung weg. Statt klassischem Tante-Emma-Laden setzt „Tante Enso“ auf einen genossenschaftlich organisierten Smart Store: Ein Dorfladen, der 24/7 per Zugangscode offen ist, mit zentraler Logistik, schlanken Strukturen und Fokus auf lokale Produkte. Bürger zeichnen Genossenschaftsanteile ab 100 Euro, sichern vorab die Nachfrage und holen den Supermarkt zurück ins Dorf. In bestehenden, günstigen Bestandsimmobilien, oft früheren Filialen von Tegut.Katarina Ivankovic und Dr. Peter Hettenbach diskutieren, wie dieses Modell Nahversorgung, Treffpunktfunktion und Dorfleben verbindet, welche Rolle Kommunen, Fördergelder und Medienpartner spielen und warum zu viel Regulierung Eigeninitiative abwürgt. Gleichzeitig schauen sie kritisch auf die schnelle Expansion durch die Übernahme größerer Tegut-Märkte: Wo endet der smarte Dorfladen und wo beginnt das betriebswirtschaftliche Risiko? Wird Tante Enso zum tragfähigen Prototyp für eine neue, bürgergetragene Infrastruktur im ländlichen Raum oder laden wir engagierten Dörfern Aufgaben auf, die eigentlich der Staat schultern müsste?
281. #281 Ewiges Wachstum? Realitätsverlust am Immobilienmarkt
29:32||Ep. 281Immobilien galten lange als sichere Wette: kaufen, halten, Wertsteigerung mitnehmen. Katarina Ivankovic und Dr. Peter Hettenbach räumen mit diesem Mythos auf und blicken zurück auf eine Zeit, in der Immobilienpreise inflationsbereinigt eher seitwärts liefen und Wertzuwächse regelmäßig um 30 bis 40 Prozent korrigiert wurden. Erst nach der Finanzkrise 2007/2008, mit der langen Niedrigzinsphase ab etwa 2010, wurde aus der Wohnung das vermeintliche ETF-Ersatzprodukt, das Jahr für Jahr im Plus liegen musste.Die beiden diskutieren, wie billiges Geld, professionelle und ausländische Investoren, sinkende Bautätigkeit und starke Urbanisierung die Preise in Wachstumsstädten nach oben getrieben haben und warum lose Kreditvergabe ein verlässlicher Frühindikator für Blasen bleibt. Gleichzeitig erinnern sie daran, dass Immobilien ursprünglich für etwas anderes standen: relativ stabile Mieteinnahmen, Beleihungsreserven und am Ende abbezahltes Eigentum als Absicherung im Alter. Heute stellt sich die Frage, ob wir nach Zinswende und Unsicherheiten bei Demografie, Standortqualität und Zuwanderung eher vor einer Seitwärtsphase als vor dem großen Crash stehen.
280. #280 EEG-Entwurf: Solarstrom ja, Einspeisen nein?
42:48||Ep. 280Das neue Erneuerbare-Energien-Gesetz soll die Netze stabilisieren – und könnte zugleich private Photovoltaik, Batteriespeicher und innovative Geschäftsmodelle ausbremsen. Katarina Ivankovic und Dr. Peter Hettenbach arbeiten durch, was der aktuelle EEG-Entwurf mit der 50-Prozent-Grenze für die Einspeisung konkret bedeutet: für Balkonkraftwerke, Eigenheime mit PV-Anlage, Mehrfamilienhäuser und Quartiere.Im Fokus stehen die wirtschaftlichen Folgen: Was passiert mit Geschäftsmodellen wie dynamischen Stromtarifen, Arbitrage und Energy Sharing, wenn Speicher kaum noch netzdienlich betrieben werden können? Warum drohen ausgerechnet jene zu verlieren, die in PV, Smart Meter und Speicher investiert haben – von Enpal- und 1,5-Grad-Kundinnen bis zu kleinen Bestandshaltern?Gleichzeitig zeigen die beiden, wie fragil das deutsche Stromnetz bleibt: fehlende Smart-Meter-Infrastruktur, überlastete Verteilnetze, unklare kommunale Wärmeplanungen und Stadtwerke, die für die neue Rolle als Energie-Manager auf Quartiersebene kaum gerüstet sind. Während andere Länder auf flächendeckende Digitalisierung und lokale Netze setzen, hängt Deutschland zwischen zentralistischen Leitstellen, überforderten Kommunen und immer neuen Gesetzesflicken.
279. #279 Ostdeutschland: Eigentumslos in die Arme der AfD?
37:59||Ep. 279Wahlen im Osten, Unruhe im Land und ein Immobilienmarkt, der mehr erzählt als jede Sonntagsfrage: In dieser Folge geht es um die Frage, warum sich in Ostdeutschland so viele Menschen trotz Arbeit abgehängt fühlen – und was fehlendes Eigentum damit zu tun hat. Ausgangspunkt ist die Forschung des Soziologen Steffen Mau (Humboldt-Universität, Sachverständigenrat), der zeigt, dass Transferleistungen, sanierte Rathäuser und neue Autobahnen allein kein Vermögen schaffen. Entscheidend ist, ob Menschen selbst Eigentum aufbauen können und wirtschaftlich handlungsfähig werden.Anhand der Wohneigentumsquoten im Deutschlandatlas wird sichtbar, wie deutlich der Osten im Vergleich zum Süden zurückliegt – während Länder wie Polen, mit ähnlicher Geschichte, beim Wohneigentum weiter sind. Hinzu kommt: Viele Mieterinnen und Mieter in Ostdeutschland überweisen ihre Miete an westdeutsche private oder institutionelle Eigentümer. Das nährt das Gefühl, dass andere reicher werden, während man selbst trotz ordentlicher Lebensführung nicht vorankommt. Alte Erfahrungen mit der Treuhand, neue Beispiele wie die geplatzte Intel-Investition in Brandenburg oder die Erwartungen rund um Teslas Gigafactory verstärken den Eindruck, dass über Chancen und Milliarden anderswo entschieden wird, während vor Ort vor allem höhere Mieten und Unsicherheit ankommen.Die Karte zur Wohneigentums-Verteilung in Deutschland: https://www.deutschlandatlas.bund.de/DE/Karten/Wie-wir-wohnen/Eigentumsquote.html
278. #278 Wie stabil sind offene Immobilienfonds?
34:30||Ep. 278Offene Immobilienfonds galten lange als ruhiger Stabilitätsanker im Depot: wenig Schwankung, solide Ausschüttungen. In dieser Folge erklären Katarina Ivankovic und Dr. Peter Hettenbach, wie offene und geschlossene Immobilienfonds funktionieren, was Sondervermögen, Mindesthaltefrist und 12‑monatige Kündigungsfrist praktisch bedeuten und warum Anleger keinen direkten Immobilienbesitz, sondern Fondsanteile halten.Ausgangspunkt ist die aktuelle Nervosität rund um große offene Immobilienfonds, unter anderem bei der Deutsche‑Bank‑Tochter DWS. Die beiden ordnen ein, welche strukturellen Risiken aus dem Gewerbeimmobilienmarkt kommen: Zinswende, auslaufende Finanzierungen, wackelige Büro‑ und Einzelhandelsimmobilien, mögliche Leerstände und der Kampf um Ankermieter. Dazu kommt der Blick auf den Sekundärmarkt: Warum der Spread zwischen Rücknahmepreis und Börsenkurs ein Frühwarnsignal für Misstrauen ist und wie aus einem Nischenmarkt ein Brandbeschleuniger für einen Bank‑Run‑ähnlichen Effekt werden kann.Gleichzeitig geht es um Anlegerverhalten und Vertriebsversprechen: Wie die „links unten, rechts oben“-Logik der letzten Jahre Illusionen geschaffen hat, warum viele Investoren eher Erfolgsfans als Mitunternehmer sind und wieso Korrekturen, Wertberichtigungen und längere Durststrecken zur Realität von Sachwerten gehören. Anhand von Immobilienboom, Bausparen und Fondsvolumina diskutieren die beiden, ob wir gerade eine schmerzhafte, aber notwendige Normalisierung erleben.
277. #277 Große Hitze, leere Flüsse: Halten unsere Städte durch?
29:34||Ep. 277Sommerhitze, trockene Flüsse, schwitzende Städte: In dieser Folge sprechen Katarina Ivankovic und Dr. Peter Hettenbach darüber, wie Wasserknappheit und Klimawandel unsere Städte fordern. Ausgangspunkt ist eine Metastudie aus Environmental Research Letters, die 1.263 Städte in vier Typen einteilt: schrumpfende Kommunen mit wenig Geld, wachsende junge Städte im Hitzestress, etablierte Städte mit hohem Kostendruck und Mega-Metropolen mit maximalen Emissionen. Für jeden Typ entstehen andere Prioritäten bei Klimaanpassung, Trinkwasserversorgung und Energie.Was heißt das konkret für Deutschland und Europa, wenn Rhein und Donau Niedrigwasser führen, Binnenschiffe stehen bleiben und Atomkraftwerke weniger Kühlwasser haben? Wie hängt Wasserknappheit mit Energiepolitik, kommunaler Wärmeplanung und Stadtplanung zusammen? Und warum ist „One size fits all“ bei Wärmepumpe, Fernwärme, Stadtgrün, Radwegen, Smart Grids und Stadtverdichtung der falsche Ansatz?