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BTS | Behind the Scenes | Der Personal Branding, Marketing und Business Podcast
Behind hitschies mit CEO Philip Hitschler-Becker: Von Ufos bis McFlurry
In dieser Episode von Behind the Scenes spricht Max mit Philip Hitschler-Becker, der das Traditionsunternehmen hitschies in vierter Generation führt und aus einem klassischen Süßwarenhersteller eine digitale Lovebrand gemacht hat. Das Unternehmen produziert seit 1929 Süßigkeiten wie hitschies-Schnüre, Ufos und Drachenzungen, sitzt an der Kölner Stadtgrenze in Hürth und vertreibt seine Produkte heute bereits in 46 Länder weltweit.
Philip erzählt Max, wie das Unternehmen lange im Überlebensmodus war, bevor etwa vier Jahre nach seinem Einstieg der Turnaround gelang und sich die Dynamik hin zu Wachstum, Kreativität und Experimentierfreude drehte. Ein herausragendes Beispiel ist die Kooperation mit McDonald’s: Nach anderthalb Jahren Entwicklung einer Rezeptur mit Soße, Säure und Produktkomponenten entstand ein McFlurry mit gefriergetrockneten hitschies, der auf TikTok zum Hype wurde. Laut Philip war zeitweise „jedes vierte TikTok“ dieses Produkt, die Rekordzahlen führten dazu, dass der McFlurry regelmäßig schon mittags ausverkauft war.
Ein Schwerpunkt der Folge liegt auf Social Media und Personal Branding: Philip beschreibt im Gespräch mit Max, wie hitschies ohne nennenswertes klassisches Marketingbudget durch organisches Wachstum und eine konsequente Community-Arbeit auf TikTok, Instagram, YouTube und LinkedIn gewachsen ist. Die beiden arbeiten gemeinsam die These „Menschen folgen Menschen“ heraus, Philip erklärt, warum er sein eigenes Profil „Philip Hitschler“ geöffnet hat, sich als Gesicht der Marke positioniert und heute auf jeder Packung abgebildet ist.
Die Episode beleuchtet auch persönliche Motive und Verantwortung: Philip berichtet Max, wie es ist, zusammen mit seinen Geschwistern ein Familienunternehmen zu führen, was es bedeutet, Arbeitsplätze zu sichern und gleichzeitig mutig neue Wege zu gehen. Dazu gehören Projekte wie der hitschies-Porsche, dessen Geschichte er ausgehend von einem alten Spielzeugauto seines Großvaters bis zum real folierten Wagen für die Süßwarenmesse erzählt – ein Symbol dafür, wann aus „nur Geld verdienen müssen“ wieder „Spaß und Kreativität ausleben“ werden kann.
Für Hörerinnen und Hörer, die sich für Markenaufbau, organisches Social Media Marketing, Familienunternehmertum und den Spannungsbogen zwischen Tradition und digitaler Sichtbarkeit interessieren, bietet diese Folge mit Max und Philip einen sehr ehrlichen und inspirierenden Blick hinter die Kulissen von hitschies.
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78. Behind Leica mit Global Director Corporate Communications Johannes Winter: 100 Jahre Präzision
01:10:59||Season 2, Ep. 78In dieser Episode empfängt Max Ostermeier Johannes Winter, Global Director Corporate Communications bei Leica. Das Gespräch bietet einen faszinierenden Einblick in eine Marke, die seit über 100 Jahren für Präzision, Authentizität und fotografische Exzellenz steht. Johannes Winter, 52, gelernter Jurist und seit Januar 2024 bei Leica, erzählt von der bewegten Geschichte – vom Erfinder der 35mm-Kleinbildkamera bis zur globalen Marke mit 90% Auslandsumsatz. Besonders eindrucksvoll: Er transportierte die Kamera Nummer 126, die erste erfolgreiche Kleinbildkamera der Welt, persönlich im Handgepäck nach New York – unbezahlbare Fotogeschichte in einer Pappschachtel.Die digitale Krise2005 stand Leica kurz vor dem Aus. Die Digitalfotografie war eine existenzielle Bedrohung – technische Probleme machten es schwierig, Sensoren in traditionelle Gehäuse zu integrieren. Die Rettung: Dr. Andreas Kaufmann übertrug die Markenwerte mit strategischem Weitblick in die digitale Welt. Die M9 schrieb 2009 erneut Kamerageschichte.Authentizität im KI-ZeitalterDie M11P war weltweit die erste Kamera mit Content-Authenticity-Chip (C2PA), der lückenlos dokumentiert, wann ein Foto aufgenommen wurde, von wem und welche Änderungen vorgenommen wurden. Winters Vision: "Es wird das Human-Made-Logo geben – wie heute das Bio-Siegel."Reduktion als PhilosophieDie M-Kamera verzichtet bewusst auf Videofunktion und Autofokus. "Wir haben die Hälfte der Menüpunkte wie die Konkurrenz, aber die gleichen Funktionen", erklärt Winter. Reduktion als Stärke, nicht Schwäche.Persönliche Reise14 Jahre bei Condor, inklusive der dramatischen Insolvenz 2019. "Das Team und ich sind an unsere Grenzen gekommen." Diese Erfahrung prägte seinen Führungsstil: offene Feedback-Kultur und die Überzeugung, dass Wachstum nur außerhalb der Komfortzone passiert.100 Jahre LeicaMit zwei Wochen Vorlaufzeit entwickelte Winter 2024 eine globale Kommunikationsstrategie, die 450 Millionen Menschen erreichte – Äquivalenzwert im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Die Herausforderung: dezentrale Märkte unter ein strategisches Dach bringen.Community statt Kunden"Leica ist eine Community Brand." Um 120 Monobrand-Stores weltweit hat sich eine globale Gemeinschaft gebildet. Die Zusammenarbeit mit Fotografen wie Steve McCurry ist authentisch – sie lieben die Produkte, nicht die Bezahlung.Die Smartphone-Strategie überzeugt: Die Leica Lux App greift Signale direkt an der Hardware ab und emuliert ikonische Objektive. "Ein Einstieg, der den Weg zur echten Leica ebnet."Werte, die bleibenMitarbeiter in zweiter und dritter Generation, Karrieren von 40 Jahren. Max' Beobachtung: "Bei Leica sind die Menschen dankbar, für diese Marke arbeiten zu dürfen."Key Learnings:• Authentizität wird zum Luxusgut in der KI-Welt • Reduktion schafft Differenzierung • Krisenbewältigung durch Werte statt Kompromisse • Community entsteht durch Authentizität • Wachstum passiert außerhalb der Komfortzone • Globale Strategie braucht lokale FreiheitPerfekt für: Fotografen, Kommunikationsprofis, Unternehmer, Marketer und alle, die deutsche Ingenieurskunst schätzen.#BehindTheScenes #BTSPodcast #Leica #Fotografie #Authentizität #KI #Kommunikation #Markenstrategie
77. Behind 3 Michelin Stars mit Jan Hartwig: Kritik, Kontrolle, Kreativität
01:08:50||Season 2, Ep. 77In dieser Episode von Behind the Scenes spricht Max mit Drei-Sterne-Koch Jan Hartwig, der als Eigentümer und Küchenchef seines Restaurants „Jan“ in München im Museumsquartier seinen Traum vom eigenen Haus lebt. Jan beschreibt, wie er nach vielen Stationen nun in seinem eigenen Restaurant nicht nur am Herd steht, sondern zugleich Gastgeber, HR-Verantwortlicher, Sales-Mann und Unternehmer in Personalunion ist.Ein zentrales Thema des Gesprächs ist der Begriff Perfektion: Jan erzählt, dass er seit 26 Jahren kocht, sich in seinem beruflichen Umfeld extrem sicher fühlt und sein Arbeitsumfeld so gestaltet hat, dass Abläufe möglichst kontrollierbar sind – vom Fisch filetieren „mit verbundenen Augen“ bis zu eingespielten Teamstrukturen. Gleichzeitig betont er, dass es absolute Perfektion nicht gibt und dass der eigentliche Maßstab ist, wie man mit Fehlern umgeht, sie reflektiert, einsieht und sich entschuldigt.Max und Jan sprechen darüber, wie hart sowohl eigene Ansprüche als auch die Erwartungshaltungen von Gästen sein können. Jan schildert, wie Gäste manchmal ihren eigenen schlechten Tag – ein misslungenes Date, ein schwieriges Geschäftsessen – auf ein Gericht projizieren, weil das der einfachste gemeinsame Nenner für Frust ist. Max ermutigt ihn, auf „die wenigen Unzufriedenen“ weniger Gewicht zu legen, und Jan ergänzt, dass ihm bei vielen Menschen Demut und Reflexion fehlen.Besonders persönlich wird die Folge, wenn Jan von seiner zweijährigen Tochter erzählt. Er beschreibt, wie sie ihm mit der „Brechstange“ beibringt, Kontrolle abzugeben, sich auf unplanbare Situationen einzulassen und in kleinen Momenten – etwa wenn sie morgens den Rollo öffnet und ihm die Augen zuhält, weil es zu hell ist – echte Perfektion zu erkennen. Max und Jan arbeiten heraus, dass Perfektion im Zwischenmenschlichen durchaus existieren kann: in Geburtsmomenten, in der Begegnung mit einem geliebten Menschen oder in der Übergabe der drei Sterne, während die selbst gesetzten Maßstäbe in der Küche immer unerreichbar bleiben und gerade deshalb Antrieb sind.Für Hörerinnen und Hörer, die sich für Fine Dining, Leadership, mentale Seiten von Spitzenleistung und die Balance zwischen Anspruch und Menschlichkeit interessieren, bietet diese Folge einen selten offenen Blick in das Innenleben eines der besten Köche Deutschlands.
75. Behind BANZAI: Wie aus einem Skateboard-Brand eine Bewegung wird
01:05:11||Season 2, Ep. 75In dieser Episode von Behind the Scenes trifft Max auf Ole Kloth und Carl Friedrich Kolb im Banzai Legacy Lab – einem hybriden Ort zwischen Atelier, Archiv, Showroom und Zukunftswerkstatt. Banzai ist ursprünglich als ikonischer Skateboard-Brand bekannt, hat sich aber längst zu einer Marke entwickelt, die Lifestyle, Sammlerkultur und Storytelling miteinander verbindet.Ole erzählt, wie er „gefühlt schon ewig“ für Tommy, den Wiederbeleber und Founder von Banzai, arbeitet und heute die operativen Bereiche rund um Marke, Legacy Lab und zukünftige Projekte verantwortet. Carl Friedrich beschreibt, wie er das Lab mit kuratierten Erlebnissen und Inhalten füllt und welche Rolle der Ort für die Community, Partner und Kunden spielt.Ein zentrales Motiv der Folge ist der Begriff „Legacy“: Was bleibt, wenn ein Produkt verkauft ist? Wie kann man die Geschichte eines besonderen Objekts – etwa eines limitierten Boards oder eines Autos – so bewahren, dass Besitzer und Sammler auch Jahre später noch emotional damit verbunden sind? Die beiden erklären, wie Banzai physische Produkte digital erweitert, Geschichten dokumentiert und sie beispielsweise über Web3- und Blockchain-Technologien langfristig zugänglich macht, ohne in reine Spekulation abzurutschen.Die Episode zeigt, wie stark Banzai von Leidenschaft und Community lebt: Der Host berichtet, dass Banzai immer wieder wie „Breadcrumbs“ in seinem Leben auftauchte und die Marke schon aus der Distanz über Social Media spürbar war. Im Gespräch wird deutlich, dass für Ole und Carl Friedrich nicht nur das Produkt, sondern das Gefühl dahinter entscheidend ist – von der Inszenierung im Raum bis zur Art, wie Menschen vor Ort empfangen werden.Für Hörerinnen und Hörer, die sich für Markenaufbau, Kulturprojekte, Storytelling, Sammlerszenen und die Schnittstelle zwischen analoger und digitaler Welt interessieren, bietet diese Folge tiefe Einblicke in ein Projekt, das bewusst größer denkt als klassische Produktvermarktung.
74. Behind douglas mit CMO Rik Strubel: Shades of Green
01:04:53||Season 2, Ep. 74In dieser Episode begrüßt der Podcast-Host Marketing- und Beauty-Experte Rik Strubel, der seit rund einem halben Jahr als CMO die Marke Douglas verantwortet. Douglas ist heute Europas Marktführer im Premium-Beauty-Segment – online wie offline – mit einem der größten E‑Commerce-Geschäfte der Branche und fast 2.000 Filialen in Europa. Rik erzählt, wie ihn „Shades of Green“ schon durch seine Karriere begleiten – von früheren Stationen bis hin zu seiner aktuellen Rolle bei Douglas – und warum ihn gerade diese Marke reizt. Er beschreibt, wie Douglas für ihn perfekt zusammenbringt, was er in den letzten Jahren gelernt hat: den Aufbau und die Skalierung von E‑Commerce, die Integration von KI, die Konsolidierung und Restrukturierung digitaler Geschäftsmodelle sowie das Lernen einer neuen Welt – des stationären Retail. Ein spannender Teil des Gesprächs widmet sich seiner Herangehensweise an neue Jobs: Rik spricht bewusst mit möglichst vielen Menschen im Unternehmen, um ein echtes Gefühl für Kultur, Herausforderungen und Potenziale zu bekommen. Er berichtet, dass ihn die Gespräche bei Douglas „sehr, sehr positiv beeindruckt“ haben und erklärt, warum dieses Umfeld für ihn der ideale Ort ist, um Beauty, Brand-Building und Commerce weiterzudenken. Die Folge taucht außerdem in zentrale Marketingfragen ein: Was macht gutes Marketing heute aus? Wie schafft man es, eine Marke emotional aufzuladen und zugleich datengetrieben zu arbeiten? Rik schlägt den Bogen von seiner Historie in der Entwicklung von Beauty-Produkten über die Arbeit im FMCG-Bereich bis hin zum Aufbau von Marken wie Westwing, denen er zu deutlich mehr Sichtbarkeit und Glanz verholfen hat. Für Hörerinnen und Hörer, die sich für Marketing, E‑Commerce, Retail-Transformation, Personal Branding und moderne Führung interessieren, liefert diese Episode eine Mischung aus Praxiswissen, Karriere-Einblicken und einer sehr persönlichen Perspektive auf die Beauty- und Handelswelt.
73. Behind Marks Feinkost mit den Gründern Cornelius Dornier und Kaspar Triller: Zwischen Oase und Schnellboot
01:12:38||Season 2, Ep. 73In dieser Folge von Behind the Scenes geht es an einen Ort, der in München längst Kultstatus hat: Marks Feinkost am Kufsteiner Platz, ein Delikatessenhaus mit Bistro, das von vielen Gästen als echte Oase inmitten der Stadt beschrieben wird.Zu Gast sind Kaspar und Cornelius, die Betreiber hinter Marks, die aus einem traditionsreichen Feinkostladen von 1964 ein lebendiges Gesamtkonzept aus Delikatessenhandel, Bistrobetrieb, Office-Catering und Events aufgebaut haben. Sie erzählen, wie Cornelius das marode Geschäft entdeckte, warum aus einer vermeintlichen „Schnapsidee“ ein erfolgreiches Unternehmen wurde und wieso Kaspar vom dualen Studium im Luxus-Catering und einem Philosophiestudium in Wien schließlich hinter der Theke in Bogenhausen gelandet ist.Du erfährst, wie die beiden sich gefunden haben – vom ersten Projektauftrag über den Moment, in dem aus einem Dreimonatsvertrag eine langfristige Partnerschaft wurde, bis hin zur Entscheidung, Kaspar zum Gesellschafter zu machen. Dabei sprechen sie offen über Vertrauen, gemeinsame Werte, Konflikte und darüber, weshalb echte Freundschaft im Unternehmertum vor allem in Krisenzeiten sichtbar wird.Ein großer Teil des Gesprächs dreht sich um die Frage, wie man einen Ort schafft, an dem sich Menschen „wie zu Hause“ fühlen: über Teamkultur, außergewöhnlich stabile Belegschaft, gelebte Wertschätzung und das Bewusstsein, dass Architektur und schöne Produkte allein nicht reichen, wenn die Seele des Ladens – die Menschen – fehlt. Kaspar und Cornelius erklären, warum sie ihr Team als ihr wichtigstes Kapital sehen und weshalb jede Personalentscheidung, jede Geste der Großzügigkeit und jeder Kontakt mit Gästen Teil dieser Philosophie ist.Natürlich geht es auch um gescheiterte Experimente und Learnings: von Cold-Brew-Kaffee, der nach „Katzenpisse“ schmeckte, über aufwendig entwickelte Automatenkonzepte für Kanzleien, die in der Praxis scheiterten, bis hin zu Wachstumsstrategien, die sich im Nachhinein als Übermut herausstellten. Aus diesen Erfahrungen entstand der Entschluss, den „Werkseinstellung“-Knopf zu drücken, kleiner und fokussierter zu denken und das Unternehmen gesund profitabel zu machen, statt um jeden Preis zu wachsen.Ein weiteres Thema: Wie Marks Feinkost durch Corona ging – ohne staatliche Hilfen, aber mit einem starken Netzwerk aus Stammkunden, Nachbarn und Partnern. Die beiden berichten, wie sich ihr Blick auf Verantwortung, Unternehmertum und Gemeinsinn in dieser Zeit verändert hat, warum Werte wie Zuverlässigkeit, Präsenz und Demut heute eine noch größere Rolle spielen und wieso sie sich eher als „Schnellboot“ denn als großer Tanker sehen.Wenn du wissen willst, wie man einen Feinkostladen in eine Institution verwandelt, was radikale Kundenorientierung praktisch bedeutet und welche Rolle biografische Brüche, Bauchentscheidungen und Humor dabei spielen, wird dich dieses Gespräch inspirieren. Perfekt für alle, die Gastronomie, gutes Essen, Unternehmertum und echte Geschichten aus dem echten Leben lieben
72. Behind Esquire mit Chefredakteur Dominik Schütte: Kein Macho-Muff, nur gute Typen
01:04:02||Season 2, Ep. 72Schütte schildert zunächst, was Esquire heute ist: eine traditionsreiche Brand (90 Jahre international), die in Deutschland bewusst als Digital-First-Marke gestartet ist – Launch von Esquire.de im März 2020, am Abend vor dem ersten Lockdown. Er erklärt die Rolle von Burda und Hearst, die Positionierung zwischen Titeln wie Vogue, Harper’s Bazaar, InStyle oder L, und warum Esquire für ihn “Lifestyleguide für gute Typen” ist, nicht einfach ein klassisches Männermagazin.Ein großer Block dreht sich um Storytelling in Zeiten von KI: Schütte betont, dass echte Geschichten immer an Menschen gebunden bleiben – etwa wenn ein Kollege George Clooney am Comer See zuhause besucht, während dessen Familie im Garten feiert und mitten im Interview das Kind von einer Biene gestochen wird. Solche Erlebnisse könne KI weder erleben noch ersetzen; Aufgabe von Esquire sei es deshalb, das Menschliche, den Zugang, die Perspektive und das Einordnen in den Mittelpunkt zu stellen, KI aber klug für Distribution und Aufbereitung zu nutzen.Schütte zeichnet Esquire als inklusives Medium: Zielgruppe sind “gute Typen” – Menschen mit Herz am rechten Fleck, unabhängig von Geschlecht oder Identität. Im Heft finden sich männlich konnotierte Themen wie Autos, Uhren, Mode, aber subversiv erzählt – Roadtrips statt PS-Porno, Styling statt Spezifikationen, plus Formate wie “Innenansichten”, in denen ausschließlich nicht-cis-hetero-Autorinnen und Autoren schreiben. Gleichzeitig will Esquire konservative Männer nicht ausschließen, sondern herausfordern, ohne sie mit moralischem Zeigefinger zu verprellen.Ein weiterer Schwerpunkt ist Print im Jahr 2025: Statt 12 Ausgaben pro Jahr setzt Esquire bewusst auf vier dicke, saisonale Magazine (Frühling, Sommer, Herbst, Winter) mit starkem Coffee-Table-Charakter und dichter Anzeigenlage. Burda spielt hier die Stärke im Kioskgeschäft aus; am Point of Sale wird Esquire oft zusammen mit Spiegel gekauft, weil Leser Premium-Journalismus und hochwertige Lifestyle-Inhalte kombinieren. Parallel dazu baut die Marke mit Events wie dem Esquire Townhouse ein Live-Ökosystem: eine Mischung aus TED-Talk, Panel und Party, bei der etwa Männlichkeitsbilder, Demokratie oder Kriegserfahrungen diskutiert und Marken erlebbar gemacht werden.Sehr persönlich wird es, wenn Schütte über seine Biografie spricht: geboren in Essen, als Kind mit der Familie an den Ammersee gezogen, wo sein Vater – ein “deutscher Mad Men”-Werber der 60er/70er – bei einer Dienstreise tödlich verunglückte. Er wächst anschließend in Nürnberg auf, vor allem geprägt von Mutter, Oma und einem sehr strengen Großvater, dessen alte Männlichkeitsbilder (“Ein Mann rennt keiner Straßenbahn hinterher”) er rückblickend reflektiert und teilweise bewusst bricht. Heute lebt er als Vater mit intensiver Vater-Tochter-Zeit und beschreibt, wie sehr ihn diese Rolle emotional verändert und seine Sicht auf Männlichkeit, Empathie und Verantwortung geschärft hat.Zum Schluss geht es um innere Arbeit: Schütte plädiert leidenschaftlich für Therapie – einzeln und als Paar – als Form der “inneren Wundversorgung”, damit Menschen bewusster lieben, führen und entscheiden können. In seiner Arbeit als Chefredakteur und Dozent an der Deutschen Journalistenschule versteht er sich als Teil eines Safe Spaces für junge Journalist:innen, der Grenzen respektiert, aber auch klare, konstruktive Klartext-Gespräche über den Zustand des Journalismus und über Verantwortung in Medien führt.
71. Behind Tim Raue: Disziplin, Scheitern & Spicy Business
01:04:59||Season 1, Ep. 71Tim Raue spricht im Podcast offen über seinen persönlichen und unternehmerischen Weg – vom Berliner Kiez zum international gefeierten Spitzenkoch. Die Episode taucht ein in Raues strikte Alltagsroutinen, seine Ansprüche an sich selbst und seine Erfahrungen mit Transformation, Unternehmergeist und Partnerschaft. Dabei werden nicht nur seine Kochkunst und die Gastronomie beleuchtet, sondern auch zentrale Lebensthemen wie Sicherheit, Wertschätzung, Selbstpflege und die Rolle von Fehlern als Wegweiser.Die drei Key Learnings aus dem Gespräch:Disziplin als Schlüssel: Raue lebt und arbeitet mit einer klaren Struktur und täglichen Routinen. Er sieht Selbstpflege und regelmäßige Rituale als elementar für Leistungsfähigkeit und Balance – sowohl beruflich als auch privat.Scheitern ist Teil des Wegs: Rückschläge und persönliche Fehler sind für Raue keine Tabus, sondern essentielle Lernerfahrungen. Er betont, wie wichtig es ist, auch auf der Suche nach Bestätigung und Erfolg „bei Null“ zu starten und aus jeder Enttäuschung Wachstum abzuleiten.Bedingungslose Beziehungen und Unternehmergeist: Tim Raue sieht echte Beziehungen – privat und beruflich – als Sicherheitsnetz und Kraftquelle. Gleichzeitig fordert er, Unternehmertum in Bildung und Gesellschaft stärker zu fördern und sich offen den Herausforderungen wie Bürokratie und Wandel zu stellen.Tim Raues LebenTim Raue, geboren 1974 in Berlin, wuchs in schwierigen Verhältnissen im Kreuzberger Kiez auf und war in seiner Jugend zeitweise Mitglied einer Straßengang. Sein Perspektivwechsel kam durch eine Kochlehre, die ihn schnell zum Küchenchef werden ließ. Mit 23 leitete er das Restaurant Rosenbaum, ab 2002 das „44“ im Berliner Swissôtel, erkochte dort seinen ersten Michelin-Stern und wurde „Koch des Jahres“.Seit 2010 führt Raue sein eigenes Restaurant „Tim Raue“ in Berlin, das zu den „World’s 50 Best Restaurants“ zählt und mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet ist. Er betreibt viele weitere gastronomische Projekte in Deutschland, der Schweiz und Dubai, ist kulinarischer Berater, Markenbotschafter und TV-Persönlichkeit (u. a. „Kitchen Impossible“, „Chef’s Table“ und „Ready to Beef“). Mit mehreren Kochbüchern und einer Autobiografie hat Raue seine Geschichte und Philosophie öffentlich gemacht. Sein unverwechselbarer Stil – asiatisch inspiriert, aromenstark und voller kreativer Freiheiten – hat die deutsche Spitzengastronomie maßgeblich geprägt.Die Folge inspiriert mit ehrlichen Einblicken in Mindset, Krisenbewältigung und Mut zu neuen Projekten – vom eigenen Restaurant bis zur Spiciness der „SPIZZA-Pizza“.
70. Behind Mirko Borsche: Vom Kiosk-Büro in München zu McQueen, On & Supreme
01:14:38||Season 1, Ep. 70Im Gespräch erzählt Borsche, wie aus einem improvisierten “Kiosk-Büro” mit Gasheizung und Außentoilette Schritt für Schritt das heutige Bureau Borsche wurde, das mit nur fünf bis sechs Personen globale Markenprojekte stemmt. Er beschreibt, wie wichtig ihm Räume mit Seele sind: erst der kleine Kiosk, dann eine Galerie-Wohnung mit Dachterrasse und Open-House-Atmosphäre, in der Freunde aus Kunst und Musik mitarbeiteten – immer als Gegenentwurf zu sterilen Büros.Ein Schwerpunkt ist München als Standort: attraktiv für Natur, Berge und Familie, aber verschlossen, träge und international schwerer zugänglich als etwa Berlin. Borsche kritisiert die Stadt für zu wenig Mut zu kulturellen Orten und nennt Beispiele wie das Bergson, das als privat initiiertes Leuchtturmprojekt “am Arsch der Welt” steht, statt in der Stadt ein internationales Zentrum zu bilden.Sehr persönlich wird es, wenn er über seine drei Kinder, Patchwork-Konstellationen und Vater-Tochter-Restaurantdates spricht. Er zeigt, wie gemeinsame Rituale, echte Augenhöhe (z.B. Restaurantwahl, gleicher Teller statt Kinderkarte) und viel Zeit zusammen seine Sicht auf Führung und Respekt geprägt haben – sowohl privat als auch in der Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden.Im zweiten Teil diskutiert Borsche seine Haltung zur Branche: Er erzählt von hunderten gewonnenen Awards und seinem bewussten Austritt aus dem ADC, weil das System sich in Richtung Fake-Cases, Irrelevanz und Männerbündelei entwickelt habe. Heute gewinnt sein Studio Talente aus aller Welt ohne “Award-Showreels”, sondern durch echte, veröffentlichte Arbeit und Mundpropaganda. Er kritisiert Pitches als unfair und strukturell problematisch: Oft sei längst eine Agentur gesetzt, andere liefern unbezahlt Ideen, die später in abgeschwächter Form übernommen werden.Zum Schluss geht es um aktuelle Projekte und seine Art, mit Kunden und Trends umzugehen. Bureau Borsche arbeitet u.a. am Redesign von Alexander McQueen, einer Lifestyle-Linie mit On (IKON-Kollektion), Theaterprojekten in Kopenhagen und Fashion- und Kultmarken wie Rimowa oder Supreme, für die sie jahrelang Grafiken für die wöchentlichen Drops entwickelt haben. Borsche erklärt, dass er keine “Trends in zehn Jahren” vorhersagt, sondern mit Kunden so tief in Gespräche geht, dass sich neue Wege fast wie ihre eigene Idee anfühlen – eine Art Inception im Branding.Über Mirko BorscheMirko Borsche wurde 1971 in Tegernsee geboren und wuchs in der Nähe von München auf. Seine frühe Leidenschaft für Graffiti prägte seinen Blick auf Typografie, Bildsprache und den Umgang mit Schrift im öffentlichen Raum. Nach Studien in Kingston (Postgraduate Graphic Design), einem Master in London und einem Diplomstudium Kommunikationsdesign an der FH Augsburg startete er als freier Art Director u.a. für Levi’s, MTV und Mercedes-Benz und arbeitete später bei Springer & Jacoby.Bekannt wurde er mit Editorial Design: Er gestaltete Magazine für die Süddeutsche Zeitung, war maßgeblich an der Gründung und Gestaltung des Jugendmagazins NEON beteiligt und ist seit 2007 Creative Director des ZEITmagazins. 2007 gründete er in München sein eigenes Studio Bureau Borsche, das heute international für Marken wie Nike, Balenciaga, Rimowa, Bavarian State Opera, Inter Mailand, Supreme, Apple und BMW arbeitet und vielfach ausgezeichnet wurde.Borsche erhielt zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, darunter den Titel “Visual Leader of the Year” der Lead Academy. Seine Arbeiten wurden in Museen und Ausstellungen gezeigt, etwa in der Pinakothek der Moderne und der Neuen Sammlung in München sowie in Städten wie Amsterdam, Barcelona, Stockholm, Seoul und Tokio. Er gilt als einer der prägendsten europäischen Grafikdesigner seiner Generation und als Stimme, die die Kreativbranche regelmäßig kritisch hinterfragt.