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Audioeinführung "Sturm auf Berlin"
17:24|Im März 1920 steht die junge Weimarer Republik vor einer ihrer größten Herausforderungen. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Inkrafttreten des Versailler Vertrags weigern sich Teile des Militärs, sich aufzulösen. Das Freikorps Marinebrigade Ehrhardt marschiert auf Berlin, um die demokratisch gewählte Regierung zu stürzen. Der sogenannte Kapp-Putsch zwingt die Reichstagsabgeordneten zur Flucht – doch ein landesweiter Generalstreik vereitelt den Staatsstreich. Rund 100 Jahre später, im August 2021, führt eine Bundestagsabgeordnete ehemalige Elite-Soldaten durch den Reichstag. Wollte diese Gruppe das Parlament gewaltsam stürmen? Seit 2024 stehen 25 Angeklagte der sogenannten Gruppe Reuß an drei Standorten vor Gericht – darunter Ex-Soldaten, eine frühere Abgeordnete und Richterin, ein Adliger sowie ein Ex-Polizist. Der dokumentarische Theaterabend untersucht, was geschieht, wenn der Staat von innen, aus Parlament, Justiz, Militär und Polizei angegriffen wird: ein Stück über Rechtsextremismus, Verschwörungserzählungen und die Fragilität der Demokratie.Regisseurin Marie Schwesinger arbeitet an der Schnittstelle von Dokumentartheater und Journalismus. Seit 2021 recherchiert sie zu Rechtsextremismus und begleitete zahlreiche Prozesse als Prozessbeobachterin. "Sturm auf Berlin" stützt sich auf über 1200 Seiten Protokollnotizen, die Schwesinger während der laufenden Verhandlung in Frankfurt anfertigte.Mehr Informationen und Karten für "Sturm auf Berlin" erhalten Sie hier: https://www.berliner-ensemble.de/inszenierung/sturm-auf-berlin
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Audioeinführung "Drei Schwestern"
14:21|In der Welt der drei Schwestern verrinnt die Zeit zwischen Realitätsferne und Sehnsucht nach einer verklärten Vergangenheit. Sie träumen von ihrer Kindheit, als ihr Vater, der General, noch lebte und Europa noch in Ordnung zu sein schien. Olga, die Älteste, opfert sich – mit ständigen Kopfschmerzen – für ihren Beruf als Lehrerin auf, Mascha, die verheiratet ist, sehnt sich nach einer leidenschaftlicheren Liebe und stürzt sich in eine Affäre und Irina, die Jüngste, glaubt, dass nur Arbeit der Schlüssel zu einem besseren Leben ist, schläft aber lieber die Hälfte des Tages.Doch die Dekadenz der Mittelstandslangeweile kann schnell von der gesellschaftlichen Wirklichkeit eingeholt werden: Die Regisseurin Mateja Koležnik versetzt Tschechows vorrevolutionäres Szenario mitten in das Militärgelände, welches im Stück nur im Hintergrund eine Rolle spielt. Die drei Töchter des toten Generals leben im Obergeschoss dieses Militärkomplexes, um sie herum werden rege Kriegsstrategien geplant, eine Privatsphäre haben sie nicht mehr und Birkenwälder existieren nur noch auf Fotografien. Als sich die Parallelwelt trotz allen Verdrängungswillens nicht mehr aufrecht halten lässt, wird Moskau zum Ziel der notwendigen Flucht, ein Sehnsuchtsort ist es längst nicht mehr.Mateja Koležnik zählt zu den renommiertesten Regisseurinnen Sloweniens. Sie erzählt mit psychologischer Präzision und atmosphärischer Schärfe von Rissen zwischen dem Außen- und dem Innenleben der Menschen. Sie inszeniert regelmäßig am Burgtheater Wien und am Berliner Ensemble. 2023 war sie mit ihrer Bochumer Inszenierung "Kinder der Sonne" beim Berliner Theatertreffen eingeladen.Mehr Informationen und Karten für "Drei Schwestern" erhalten Sie hier: https://www.berliner-ensemble.de/inszenierung/drei-schwestern
Audioeinführung "Das Bildnis des Dorian Gray"
09:36|Wer bin ich, wenn niemand hinsieht? Und wer darf ich sein, wenn alle mich sehen? Dorian Gray ist jung, schön und begehrt. Sein Äußeres öffnet ihm Türen, verschafft ihm Anerkennung, schützt ihn. Was dieses Bild stört – Schuld, Begehren, Alter – verschwindet. Es landet in einem Gemälde, das niemand sehen darf. Dort wird sichtbar, was Dorian nicht zeigen will. Außen bleibt er makellos, innen zerfällt er.Oscar Wildes Roman zeigt eine Gesellschaft, die nur duldet, was schön aussieht. Abweichung ist nur erlaubt, solange sie sich dekorativ tarnt, uneindeutig bleibt. Wer dazugehören will, lernt, sich anzupassen, wer anderes begehrt, sich zu verbergen.Dorians Geschichte ist kein fernes, viktorianisches Märchen. Heute verschwinden Widersprüche in Zahlen, Profilen und Marktwert. Wir glätten Biografien, filtern Emotionen, denn: Sichtbar sein heißt bewertet werden, unsichtbar sein heißt verschwinden. Wie lebt man mit dem Abstand zwischen der eigenen Sehnsucht und dem eigenen Bild?Der norwegisch-finnische Regisseur Heiki Riipinen, ehemaliger Teilnehmer des Internationalen Regienachwuchsprogramms WORX am Berliner Ensemble, bringt "Das Bildnis des Dorian Gray" als modernes Mythenspiel auf die Bühne. Zwischen Begehren und Kontrolle, zwischen Selbstentwurf und Selbstverlust stellen er und sein Team sich die Frage: Was kostet es, man selbst zu sein?Mehr Informationen und Karten für "Das Bildnis des Dorian Gray" erhalten Sie hier: https://www.berliner-ensemble.de/inszenierung/das-bildnis-des-dorian-gray
Audioeinführung "Kinder der Sonne"
12:44|Maxim Gorki beschreibt 1905 in seinem Stück "Kinder der Sonne" eine Gruppe russischer Intellektueller, die sich vom Volk und vom konkreten Leben entfremdet haben. Während sich die Arbeiterklasse den Sturz des Zarenreichs wünscht, vertiefen sie sich in Bücher, Kunst und Liebesgeschichten. 120 Jahre später scheint die Situation eine andere: Ein großer Teil des intellektuellen Lebens bemüht sich um moralische Missstände und um unsere Zukunft. Forschende zu Klima, Migration und Wirtschaft kämpfen um Gehör, während – von oben nach unten – die Mittel gekürzt werden. Selbst wer zur Bildungsschicht gehört, kann sich Mieten in Innenstädten kaum mehr leisten. Welchen Wert hat Bildung also gegenwärtig in unserer Gesellschaft? Und welche Bedeutung hat sie für politische Prozesse? Oder hat das Akademische seinen Anspruch auf gesellschaftliche Teilhabe im Elfenbeinturm verspielt? Jakob Nolte treibt seine Klassiker-Kernsanierung in Richtung einer Schwarzen Komödie. Seine Figuren ringen sich durch eine Welt, die vom Verschwinden bedroht oder bereits unmerklich verschwunden ist. Mit nicht viel mehr bewaffnet als ihrem Wortschatz und ein wenig Würde.Mehr Informationen und Tickets für "Kinder der Sonne" erhalten Sie hier: https://www.berliner-ensemble.de/inszenierung/kinder-der-sonne
Audioeinführung "Antigone"
16:01|Eine Stadt im Ausnahmezustand. Eteokles und Polyneikes, die Söhne des Ödipus, sollten sich nach dessen Sturz die Herrschaft über Theben teilen. Doch als Eteokles die Macht behalten wollte, zog Polyneikes gegen ihn in den Krieg – ein Bruderkrieg, in welchem sie sich gegenseitig töteten. Nun liegt die Stadt in Trümmern und der neue Herrscher Kreon muss das Chaos ordnen. Um der Unterscheidung nachhaltig Geltung zu verschaffen, die dem politischen Gemeinwesen zu Grunde liegt – der Unterscheidung zwischen denen, die es bewahren, und denen, die es zerstören wollen – erlässt er ein Bestattungsverbot gegen denjenigen Bruder, der die Stadt angriff. Eine Unterscheidung, die Antigone nichts zählt, weil ihr die beiden Brüder gleichviel zählen. Sie begräbt Polyneikes gegen Kreons Gesetz, den eigenen Tod in Kauf nehmend. Sowohl Kreon als auch Antigone berufen sich auf das Recht und seine Legitimierung durch eine höhere Autorität: die Götter. Doch wer oder was bestimmt, was Recht ist, wenn das Recht selbst, das Konflikte und Widersprüche lösen soll, sich widerspricht?Mehr Informationen und Karten für "Antigone" erhalten Sie hier: https://www.berliner-ensemble.de/inszenierung/antigone
Iran – Jetzt Regime Change?
01:34:20|Angesichts der dramatischen Lage in Iran lädt PEN Berlin zu einer öffentlichen Gesprächsrunde ins Neue Haus des Berliner Ensembles ein. Was passiert gerade in Iran und wie brutal ist die Repression inzwischen? Was kann Deutschland tun, was muss Europa tun und was wird bisher versäumt? Und vor allem: Welche Schritte sind jetzt möglich – politisch, zivilgesellschaftlich, konkret? Darüber diskutieren: Journalistin und Autorin Natalie Amiri, Mina Khani von der Menschenrechtsorganisation Hengaw, Autorin und Boardmitglied des PEN Berlin Daniela Sepehri und Bundestagsabgeordneter Johannes Volkmann (CDU) mit der Moderatorin Shila Behjat.PEN Berlin setzt sich seit Jahren konsequent für verfolgte Schriftsteller:innen, Journalist:innen und Aktivist:innen aus Iran ein – auch dann, wenn das Thema politisch unbequem war oder öffentliche Aufmerksamkeit fehlte.Das Berliner Ensemble zeigt sich seit Beginn der Protestbewegungen im Jahr 2022 solidarisch mit den Menschen in Iran und möchte nun zusammen mit PEN Berlin erneut auf die verheerende Situation im Land aufmerksam machen.
Audiodeskriptive Einführung zu "Was ihr wollt"
23:45|"Was ihr wollt"von William Shakespeareaus dem Englischen von Thomas BraschRegie: Antú Romero NunesIllyrien erscheint als Rettungsinsel nach dem Drama eines Schiffbruchs, doch dort ereignen sich Täuschungen über Identitäten und daraus folgende Liebeswirren: Die überlebende, gestrandete Viola glaubt ihren geliebten Zwillingsbruder Sebastian ertrunken und verkleidet sich als Cesario, um in den Dienst des Herzogs Orsino eintreten zu können. Orsino ist verrückt nach der trauernden, unzugänglichen Gräfin Olivia und schickt Cesario zu ihr als seinen Liebesboten. Olivia verfällt nun jedoch Cesario, nicht ahnend, dass es sich in Wahrheit um Viola handelt, die sich wiederum in Orsino verliebt hat. Als Violas Zwillingsbruder Sebastian dann noch quicklebendig auftaucht und aufgrund seiner Ähnlichkeit zur als Mann verkleideten Viola für Cesario gehalten wird, ist das Chaos der Illusionen perfekt. "Was ihr wollt" gibt die Bühne frei für das karnevaleske und auch grausame Spiel von Schein oder Sein, Täuschung oder Wahrhaftigkeit, Sucht oder Liebe – voll Wahnwitz, Melancholie und mit jeder Menge Musik.Die audiodeskriptive Einführung zu "Was ihr wollt" ist in Zusammenarbeit mit dem Berliner Spielplan Audiodeskription entstanden.Mehr Informationen zum barrierefreien Besuch am Berliner Ensemble unter https://www.berliner-ensemble.de/barrierefrei-erleben.Mehr Informationen, aktuelle Termine und weitere Hinweise zu Vorstellungen mit Audiodeskription unter https://www.berliner-ensemble.de/audiodeskription.
